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Archive for the Tag 'Twitter'

Wenn ein Flugzeug vom Himmel fällt und Twitter online bleibt

Vor wenigen Wochen gab es eine lebendige Diskussion über die Reportage- und/oder Journalismusqualität, die Twitter erlaubt, beeinflust oder für die es steht. Meine Position: ohne Referenzierung ist Twitter wertlos (Englisches Blog). Heute ist ein Flugzeug auf dem Hudson River heruntergekommen.

Innerhalb von Sekunden wurde von verschiedenen Twitternutzern berichtet, zum Beispiel @manolantern, von @trappedinabay, von @jdackerman und von @jkrums.

us-air-hudson-full.jpg

Janis Krums berichtete auf einer Fähre zu sein, die so dicht wie möglich an das gewasserte Flugzeug heranzukommen versuchte, um Passagiere retten zu können. Er machte ein Foto, dass es in den nächsten Stunden noch rund um den Globus schaffen wird, schickte es via TwitPic in die Welt. Obwohl TwitPics Server die hohe Anzahl Anfragen nicht überlebte, wurde das Bild von verschiedenen anderen Wiederveröffentlich (ich veröffentliche es hier ebenfalls, werde es jedoch durch einen Link ersetzen sobald TwitPic wieder da ist).

Einige der interessantesten Bilder die ich vom Ort des Geschehens sah, finden sich im Flickr-Stream von GregoryLam, der die ersten Bilder offensichtlich innerhalb von Sekunden nach der Flugzeugwasserung schoss (man beachte die Wellenkämme hinter dem Flieger). Die Bilder sind zudem sehr interessant für alle Arten von Medien, weil sie unter der Creative Commons 2.0 BY Lizenz stehen, was bedeuet: abgesehen von der Pflicht zur Namensnennung ist die Verwendung der Bilder vollkommen frei, für welchen Zweck auch immer.

Aber was geschah auf Twitter nach dem Crash? Mengen an Menschen berichteten, dass andere berichteten, dass ein Flugzeug im Hudson landete. Die meisten referenzierten keinerlei Quellen und fingen an, darüber zu chatten, so dass ihre Inhalte bedeutungs- wie wertlos waren. Die Twittersuche war binnen 30 Minuten zu den Schlagworten Plane/Hudson überflutet, so dass es schwer wurde, Originalbeiträge zu finden. Es gab keinen Journalismus auf Twitter, nachdem die ersten Berichte vorbei waren bzw. die Berichterstattung von Vertretern traditioneller Medien übernommen wurde.

CNN just called me!?!? How did they get my number

Für mich war dies der interessanteste Tweet des Tages. Oh, und im übrigen, es ist immer gut, ein gutes Positionierungssystem zu haben.

Die NY Times schickte etwa eine Stunde nach dem Absturz einen “News Alert”. Inhalt: Flugroute, Anzahl Passagiere und Personal, angenommene Absturzursache. Twitter wurde nicht erwähnt.

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Magpie

Nico Lumma hat mit Magpie experimentiert. Magpie platziert werbliche Tweets mit dem Account eines Nutzers. Er kommt zu dem Schluss, dass Magpie et. al. nicht erfolgreich sein werden. Ich stimme der Schlussfolgerung zu, doch der Argumentationsweg ist falsch.

Bleibt eigentlich die Grundfrage bestehen, nämlich wie muß Werbung im Kontext von Konversationen funktionieren, ohne daß sie nervt, aber dennoch wahrgenommen wird? Ja, ich weiss, aber die einfachen Fragen waren schon weg.

Stellen wir uns ein Telefongespräch vor.

“Hallo Erna!”
“Hildegard, schön Dich mal wieder zu hören! Wie gehts dir?”
“Mir gehts..”
MORGEN BEIM DISCOUNTER IHRES VERTRAUENS: GEHACKTES VOM KROKODIL, 38,49 DAS KILO!
“..nicht so gut, ich war die letzten vier Tage im Krankenhaus..”
NICHT VERGESSEN: KROKOHACK, 38,49. MORGEN BEI MÖÖÖP
“..und bin nach wie vor etwas angeschlagen.”

Übertrieben? Weil Twitter ein Egobroadcastingservice ist? Egotainermedium? Ja, nein, vielleicht. Ein bisschen übertrieben. Aber wenn Twitter Konversation ist, dann ist Werbung das letzte, was ich darin sehen möchte. Und eines ist klar: ich blocke Leute, die sowas so benutzen, dass ich es bemerke, umgehend.

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Selten genug

Aber das hier ist nicht schlecht.

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Twittri Heil

Hubertus Heil twittert also. Der Generalsekretär der SPD versucht sich im neuen Medium - und das tut er meines Erachtens nach ziemlich gut. Natürlich sind Sätze wie “Wir sozialdemokraten machen einen modernen deutschen wahlkampf, keine billige us-kopie” Hirnsalat. Weil “moderner deutscher Wahlkampf” eine sinnfreie Floskel ist. Doch ich bin (wie zum Beispiel auch Herr Lumma von der SPD) ein großer Freund von Authentizität in der Politik, kein Freund der Talkshowinszenierung. Ich bin kein Freund von Politik als PR-Produkt, bei dem Message, Mensch und Mediengestalt inkongruent sind.

Doch dass Spon und SZ so reagieren, wie sie reagieren, mit Häme nämlich, das ist keine Überraschung. Der Neoboulevard lebt davon, dass Menschen sich anders geben als sie eigentlich sind. Er lebt von der Pseudoinszenierung, von gefärbten Haaren, tiefen Dekolletes, von allem, wo Menschen “Huch” sagen können. Spiegel Online ist “Huch”-Medium par excellence.

Wer Twittert, imitiert Obama. Wer nicht twittert, ist altmodisch. Hauptsache man kann draufhauen. Das ist arm. Und doch so naheliegend: Viele Journalisten haben einen ausgeprägten Geltungsdrang, oft nicht geringeren als mancher Politiker. Dass sie zumindest nicht direkt gestalten können, müssen sie dadurch ausgleichen, dass sie über Artikel Einfluss zu nehmen versuchen. Dass sie dabei oft genug nur zur polemischen statt zur sachlichen Auseinandersetzung mit ihrem Berichtsgegenstand fähig sind, ist bedauerlich.

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Kommunikationskaskade

Barack Obama tut es, Lyssa tut es. Professoren wie Maha und Habu tun es, andere üben damit ihr französisch. Downing Street 10 nutzt es, um Clooney-Visiten zu covern. Und Niggi tut es nicht, betonterweise. Twitter. Twitter. Überall Twitter. Man kann in diesen Tagen nicht aktiver Netizen sein, ohne dauernd auf Twitter zu stoßen. Versuch einer Einordnung der Mikroblogplattform.

Um sich Twitter zu nähern gibt es viele Wege. Ein naheliegender ist, die Charakteristika im Vergleich zu anderen Formen der Onlinepublikation zu suchen. Doch was bietet sich dort an?

Weblogs sind von kleinen Content-Management-Systemen angetriebene Plattformen, auf denen Menschen individuell oder gemeinsam Inhalte veröffentlichen. Wie lang, in welcher Form und wozu, das alles ist den Autoren überlassen. Blogcharakteristisch sind die Kommentar- und die Trackbackmöglichkeit - also die Interaktion mit an anderen Orten im Netz stattfindenden Inhalten und anderen Personen.

IRC bietet sich als Vergleichsmedium ebenfalls an. Dort treffen sich Menschen absichtlich oder zufällig in Channels genannten, frei eröffenbaren Chatrooms, in denen sie unter Pseudonym über all das diskutieren können, was sie bewegt. Viele Channels haben eine lange Historie und sogenannte Residents, Stammbenutzer. Häufig gehen diese gar nicht offline, auch dann wenn sie schlafen. In Queries genannten Fenstern können sich die Nutzer privat austauschen. IRC findet im Web de facto nicht statt, es gibt, jenseits solcher Spaßseiten wie bash.org, kaum unter HTTP auffindbare IRC-Inhalte. Dennoch, was in den Channels stattfindet, ist Teil einer Diskussion in einer Mikroöffentlichkeit: wie Anwesende mit dem vorgefundenen Content umgehen, liegt außerhalb der Reichweite des Einzelnen.

Jabber und die meiste anderen Instant Messenger funktionieren nach dem Buddylist-Prinzip: man muss Kontakte hinzufügen, um mit ihnen Chatten zu können. Viele Instant Messenger bieten auch Gruppenchats an, doch stets stet der individuelle Nutzer im Vordergrund. Instant Messenger haben daher primär privaten Charakter: ihre Inhalte sind öffentlich nicht abrufbar (Ausnahme bestätigen die Regel), werden nicht von Google und Konsorten indexiert.

Auf Twitter haben die Nutzer die Länge einer Kurznachricht (140 Zeichen) Platz um ihren Mitteilungsdrang auszuleben. Chronologisch invertiert wird dort dargestellt, was die Menschen bewegt. Lesen können das theoretisch erst einmal alle: unter twitter.com/username wird dargestellt, was der Nutzer so alles in die Welt setzt. Was macht diesen Dienst also attraktiv? Vordergründig bietet er gegenüber den vorhandenen Techniken nur Nachteile.

Privat ist passé, man schreibt gefühlt für eine Mikroöffentlichkeit und weiß dabei doch genau, dass potenziell jederzeit jedermann zugreifen könnte. Klar, man könnte seine Updates schützen. Aber ist das wirklich der Sinn und Zweck einer Plattform, die zum wilden Aggregieren, Mashen, Interagieren auffordert?

Die Twitternutzung füllt eine Lücke: die meisten Tweets sind in ihrem Informationsgehalt zu klein fürs Bloggen oder zu unwichtig um den Inhalt gezielt einer Person mitzuteilen. Es ist eher ein Rufen in die Wüste. Und manchmal kommt hinter einer Sanddüne jemand hervorgekrochen, der Lust an Interaktion mit diesem Ruf verspürt.

Twitter ist als alleinstehende Kommunikationsform fast nicht verständlich. Nur im Kontext von Blogs, Instant Messengern und IRC ist Twitter zu verstehen: function follows form. 140 Zeichen sind 140 Zeichen - egal von welchem Endgerät aus, einer der großen Stärken Twitters.

Es ist für mich persönlich Befindlichkeitsbloggen und - auch aufgrund der direkten Reply-Funktionen - eine deutlich emotionalere Veranstaltung als das Publizieren via Blog. Twitter entzerrt die Kommunikation weiter, ist ein Anwendungsfall des verzichtbaren Egotainments. Twitter ist die Real-Life-Soap ohne Realität.

Oder sollte zumindest sein. Denn Twitter erfordert eine viel größere Schere im Kopf als das Bloggen: der Chatcharakter, insbesondere seit ich es primär über Jabber in Adium mitbenutze, verleitet dazu, auch Dinge zu publizieren, die einem hinterher leid tun können. Ist ja eigentlich nur ein weiteres Chatfenster, oder?

Nein, ist es nicht. Twitter ist Publikation. Mit den entsprechenden Mindeststandards die ich an Diskretion und Sprachniveau habe. Und deshalb halte ich es auch beim Twittern so, wie ich es schon beim Bloggen halte: über mich wird dort nur der viel erfahren, der mich eh schon kennt. Ansonsten gibt es dort eher einen Einblick in Interessen. Und manchmal - aber ohne den Kontext sicherlich eher seltsam wirkende - Stimmungsbilder und Kommunikationsfetzen mit Menschen, die ich gut, schlecht oder eigentlich auch gar nicht kenne.

Mein Lieblingstwitterer ist übrigens der hier. Der ist nämlich durch und durch künstlerich.

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The Twits

Ehrlich gesagt habe ich keinerlei Ahnung, wie das hier in meine Wohnung kam.

thetwits.jpg

Mr and Mrs Twit are twits. They are also extremeley nasty. So the Muggle-Wump monkeys and the Roly-Poly bird hatch an ingenious plan to give them just the ghastly surprise they deserve!

Was will mir jemand damit sagen?

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