Falk on Aug 27th 2008 21st Century Wahnsinn, Medien, Menschen, Politik, Rechner und Netz
Hubertus Heil twittert also. Der Generalsekretär der SPD versucht sich im neuen Medium - und das tut er meines Erachtens nach ziemlich gut. Natürlich sind Sätze wie “Wir sozialdemokraten machen einen modernen deutschen wahlkampf, keine billige us-kopie” Hirnsalat. Weil “moderner deutscher Wahlkampf” eine sinnfreie Floskel ist. Doch ich bin (wie zum Beispiel auch Herr Lumma von der SPD) ein großer Freund von Authentizität in der Politik, kein Freund der Talkshowinszenierung. Ich bin kein Freund von Politik als PR-Produkt, bei dem Message, Mensch und Mediengestalt inkongruent sind.
Doch dass Spon und SZ so reagieren, wie sie reagieren, mit Häme nämlich, das ist keine Überraschung. Der Neoboulevard lebt davon, dass Menschen sich anders geben als sie eigentlich sind. Er lebt von der Pseudoinszenierung, von gefärbten Haaren, tiefen Dekolletes, von allem, wo Menschen “Huch” sagen können. Spiegel Online ist “Huch”-Medium par excellence.
Wer Twittert, imitiert Obama. Wer nicht twittert, ist altmodisch. Hauptsache man kann draufhauen. Das ist arm. Und doch so naheliegend: Viele Journalisten haben einen ausgeprägten Geltungsdrang, oft nicht geringeren als mancher Politiker. Dass sie zumindest nicht direkt gestalten können, müssen sie dadurch ausgleichen, dass sie über Artikel Einfluss zu nehmen versuchen. Dass sie dabei oft genug nur zur polemischen statt zur sachlichen Auseinandersetzung mit ihrem Berichtsgegenstand fähig sind, ist bedauerlich.
Falk on Apr 21st 2008 Medien
Auf Spiegel Online ist derzeit ein Text verlinkt, der in “EinesTages”, dem UGC-Zeitgeschichte-Portal der Hamburger läuft. Dort erklärt “der Richthofen-Biograf” Joachim Castan, wie sich der letzte Tag Manfred von Richthofens abgespielt habe und wie die Legendenbildung funktioniert habe.
Dass es sich um einen EinesTages-Text handelt, ist aus dem Teaser auf der Startseite nicht ersichtlich. Dass es sich dabei jedoch um einen miserabel redigierten (vermutlich gar nicht) Text handelt, stellt man hingegen schnell fest: mit einem Richtofen kann ich vielleicht gezielt Brötchen backen. Aber dass ein Richthofen-Biograf im Text gleich zweimal den Namen des Objekts seiner Schreibfreude falsch schreibt…
Ganz am Ende findet sich auf EinesTages dann ein Link:
Im SPIEGEL-Shop:
* Joachim Castans Buch “Der rote Baron. Die ganze Geschichte des Manfred von Richthofen” ist hier erhältlich.
Dieser Artikel ist also
1. nicht UGC.
2. zumindest Eigenwerbung für das Buch des Autoren, das so großartig ist, dass es der Spiegelshop auch gleich anbietet.
3. nicht oder nur schlampig redigiert.
4. trotzdem für genug Klicks gut - ob das genauso wäre, wenn “EinesTages” drüberstände, weiß ich nicht.
Schön.
Falk on Mrz 25th 2008 21st Century Wahnsinn, Medien, Rechner und Netz
Aus der losen Reihe Alles für die Klicks: Warum das Zueigenmachen vieler YouTube-Videos durch Nachrichtensites nicht gut sein kann.
Journalisten sind sehr penibel, wenn es um ihre Inhalte geht. Zum Beispiel dann, wenn ihre Texte plagiiert, wenn sie geklaut und woanders neu veröffentlich werden. Das ist gut so, denn Journalisten müssen davon leben, dass ihre Inhalte nicht “irgendwo” erscheinen, sondern dort, wo sie bezahlt werden. Anders funktioniert Journalismus heutzutage nicht.
Was mich immer wieder erstaunt: wie große Nachrichtensites Videos der Plattform YouTube einbinden. Ich sehe fast nie Copyright-Vermerke, wie sie bei Bildern Standard sind. Ob Spiegel oder Welt Online, Netzeitung, dass die Rechtefragen stets geklärt wurden, kann man wohl getrost bezweifeln (Update: aber ich hab jetzt mal eine Fragemail an die Zuständigen verfasst).
Sicherlich ist die Versuchung groß, das Video in den Artikel einzubauen, das man eigentlich nur verlinken darf. Der verlinkte Fall bei der Welt zeigt, dass der Schuss aber auch nach hinten losgehen kann – «Sorry, this video is no longer available». Dass die eigene, harte Position von Journalisten und Verlagen beim Urheberrecht auf diese Art ganz nebenbei vollkommen unglaubwürdig wird ist mehr als nur ein Nebeneffekt. Man kann nicht zugleich auf das Urheberrecht pochen und zugleich mit Ziel Einnahmemaximierung das gleiche mit Füßen treten. Dabei wäre es recht einfach: Embedden ≠Verlinken.