nicht mehr, nicht weniger.Beiträge-Feed Kommentare-Feed

Archive for the Tag 'SPD'

SauhAufen? HeuhAufen? BesAufen?

Kurt Beck hat keine Lust mehr. Seine persönliche Erklärung klingt nicht nur verbittert, sie ist Ausweis dessen, was mancher als Mediendemokratie verstehen mag:

Aufgrund gezielter Falschinformationen haben die Medien einen völlig
anderen Ablauf meiner Entscheidung dargestellt. Das war und ist darauf
angelegt, dem Vorsitzenden keinen Handlungs- und Entscheidungsspielraum
zu belassen. Vor diesem Hintergrund sehe ich keine Möglichkeit mehr, das
Amt des Parteivorsitzenden mit der notwendigen Autorität auszuüben.

Er schmeißt die Brocken hin und was in seinem Kopf dabei so herumschwirrte, möchte man nicht wissen. Wahrscheinlich trifft er sich daheim in Rheinland-Pfalz nun erstmal mit Rainer Brüderle auf ‘ein Weinsche’.

Doch der Reihe nach: Kurt Beck folgte auf Matthias Platzeck, auf Franz Müntefering. Müntefering warf die Brocken hin. Platzeck warf die Brocken hin. Beck warf die Brocken hin. Kann es sein, dass drei Menschen sich von einer gnadenlos überalterten, gnadenlos strukturkonservativen und heillos im Richtungsstreit verlorenen Partei verheizen lassen?

Münte warf entnervt hin, weil sein politischer Ziehsohn Kajo Wasserhövel nicht Generalsekretär werden durfte. Daran hatten viele in der SPD Anteil. Platzeck warf hin, weil es ihn auch körperlich überforderte. Und warum wirft Beck hin? Weil er sich der SPD-internen Medieninstrumentalisierung nicht gewachsen sieht.

Wer es mit einer Zukunft für die Sozialdemokraten ernst meint, dem bleibt nur eine Wahl: alle loswerden, die eben solche Spiele spielen. Ob zur Linkspartei oder an andere Orte ist dabei zweitrangig. Wer so spielt, wird auch in jeder anderen Partei foulen. Und ihr damit soviel Schaden zufügen, dass es der SPD am Ende nur nutzen kann. Allein: es könnte in der Partei der Schreibtischratlosen ein Prozess in die Geschlossenheit der Einsamkeit werden. Vielleicht ist die Idee, stattdessen gemütlisch ein Weinsche zu trinke doch gar nicht so verkehrt.

No responses yet

Twittri Heil

Hubertus Heil twittert also. Der Generalsekretär der SPD versucht sich im neuen Medium - und das tut er meines Erachtens nach ziemlich gut. Natürlich sind Sätze wie “Wir sozialdemokraten machen einen modernen deutschen wahlkampf, keine billige us-kopie” Hirnsalat. Weil “moderner deutscher Wahlkampf” eine sinnfreie Floskel ist. Doch ich bin (wie zum Beispiel auch Herr Lumma von der SPD) ein großer Freund von Authentizität in der Politik, kein Freund der Talkshowinszenierung. Ich bin kein Freund von Politik als PR-Produkt, bei dem Message, Mensch und Mediengestalt inkongruent sind.

Doch dass Spon und SZ so reagieren, wie sie reagieren, mit Häme nämlich, das ist keine Überraschung. Der Neoboulevard lebt davon, dass Menschen sich anders geben als sie eigentlich sind. Er lebt von der Pseudoinszenierung, von gefärbten Haaren, tiefen Dekolletes, von allem, wo Menschen “Huch” sagen können. Spiegel Online ist “Huch”-Medium par excellence.

Wer Twittert, imitiert Obama. Wer nicht twittert, ist altmodisch. Hauptsache man kann draufhauen. Das ist arm. Und doch so naheliegend: Viele Journalisten haben einen ausgeprägten Geltungsdrang, oft nicht geringeren als mancher Politiker. Dass sie zumindest nicht direkt gestalten können, müssen sie dadurch ausgleichen, dass sie über Artikel Einfluss zu nehmen versuchen. Dass sie dabei oft genug nur zur polemischen statt zur sachlichen Auseinandersetzung mit ihrem Berichtsgegenstand fähig sind, ist bedauerlich.

One response so far

SPD verliert weiter, CDU ein bisschen heiter

Die FTD meldet es klein am Rande, SpOn macht damit auf: Erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik haben die Christdemokraten - erwartungsgemäß - die Sozialdemokraten bei der Mitgliederzahl überholt. Oder genauer gesagt: die Sozialdemokraten verlieren weiter Mitglieder. Das war anhand der längerfristigen Entwicklung schon abzusehen und die von SpOn gehypete Überraschung ist schlicht keine: die CDU hat eine etwas jüngere Altersstruktur als die SPD. Update für parteiergreifen.de kommt demnächst einmal.

No responses yet