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Archive for the Tag 'Journalismus'

Kleine Faustregel für Journalisten

Journalisten sind und müssen ja immer auf der Suche nach dem nächsten heißen Eis sein. Aber dabei gibt es, speziell bei Internetthemen, etwas zu beachten: die Nutzerzahl hat ein natürliches Grundrauschen. Das bedeutet, dass es eine gewisse Gruppe Menschen gibt, die sich aus großer, oft auch beruflich bedingter Neugierde bei jedem neuen Spielzeug anmelden.
Wenn ein neuer Social Media Service ’schon mehrere Tausend’ Mitglieder hat, dann kann man fest damit rechnen, dass darunter 30 Prozent Technikspielkinder, 40 Prozent Social Media Consultants und 30 Prozent andere Journalisten sind. Und das heißt wiederum, dass das keine erfolgreiche Plattform ist.

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Sparbeitrag: Verlage, Journalisten, Internet

Bitte einmal hier klicken, dann hier , da, da auch und dann dort. Was ich davon halte, habe ich bereits hier gesagt.

Wer dann noch nicht genug hat, kann sich hernach noch der Zitatensammlung Michael K. widmen. Hinter den Links verbergen sich übrigens oft ganz Beiträge.

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Wenn ein Flugzeug vom Himmel fällt und Twitter online bleibt

Vor wenigen Wochen gab es eine lebendige Diskussion über die Reportage- und/oder Journalismusqualität, die Twitter erlaubt, beeinflust oder für die es steht. Meine Position: ohne Referenzierung ist Twitter wertlos (Englisches Blog). Heute ist ein Flugzeug auf dem Hudson River heruntergekommen.

Innerhalb von Sekunden wurde von verschiedenen Twitternutzern berichtet, zum Beispiel @manolantern, von @trappedinabay, von @jdackerman und von @jkrums.

us-air-hudson-full.jpg

Janis Krums berichtete auf einer Fähre zu sein, die so dicht wie möglich an das gewasserte Flugzeug heranzukommen versuchte, um Passagiere retten zu können. Er machte ein Foto, dass es in den nächsten Stunden noch rund um den Globus schaffen wird, schickte es via TwitPic in die Welt. Obwohl TwitPics Server die hohe Anzahl Anfragen nicht überlebte, wurde das Bild von verschiedenen anderen Wiederveröffentlich (ich veröffentliche es hier ebenfalls, werde es jedoch durch einen Link ersetzen sobald TwitPic wieder da ist).

Einige der interessantesten Bilder die ich vom Ort des Geschehens sah, finden sich im Flickr-Stream von GregoryLam, der die ersten Bilder offensichtlich innerhalb von Sekunden nach der Flugzeugwasserung schoss (man beachte die Wellenkämme hinter dem Flieger). Die Bilder sind zudem sehr interessant für alle Arten von Medien, weil sie unter der Creative Commons 2.0 BY Lizenz stehen, was bedeuet: abgesehen von der Pflicht zur Namensnennung ist die Verwendung der Bilder vollkommen frei, für welchen Zweck auch immer.

Aber was geschah auf Twitter nach dem Crash? Mengen an Menschen berichteten, dass andere berichteten, dass ein Flugzeug im Hudson landete. Die meisten referenzierten keinerlei Quellen und fingen an, darüber zu chatten, so dass ihre Inhalte bedeutungs- wie wertlos waren. Die Twittersuche war binnen 30 Minuten zu den Schlagworten Plane/Hudson überflutet, so dass es schwer wurde, Originalbeiträge zu finden. Es gab keinen Journalismus auf Twitter, nachdem die ersten Berichte vorbei waren bzw. die Berichterstattung von Vertretern traditioneller Medien übernommen wurde.

CNN just called me!?!? How did they get my number

Für mich war dies der interessanteste Tweet des Tages. Oh, und im übrigen, es ist immer gut, ein gutes Positionierungssystem zu haben.

Die NY Times schickte etwa eine Stunde nach dem Absturz einen “News Alert”. Inhalt: Flugroute, Anzahl Passagiere und Personal, angenommene Absturzursache. Twitter wurde nicht erwähnt.

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Druckmäusertum

Ostern ist traditionell ein friedliches Fest. Und deshalb bleibe ich auch betont freundlich, wenn ich hier auf Michael Schmidts Eintrag in seinem Tagesspiegel-Blog “Berliner Replik” verlinke.

Seriös recherchierenden Journalisten Zeit und Gelegenheit zu geben, das weniger Offenkundige, das, was, wenn es nach den Mächtigen ginge, im Dunkeln bleiben sollte, ans Tageslicht der Öffentlichkeit zu zerren […] das ist Aufgabe der Zeitung.

Ich hielt es bislang für die Aufgabe aller Journalisten. Aber ich bin ja auch naiv – und das recht gerne. Schmidt, Politikredakteur beim Blatt, er ist qua Amt zum Medienkonservatismus verdammt. Dass die heutige Zeitung aber keine große Zukunft hat, ist ihm schon bewusst. Stattdessen plädiert er für bunte Blödchen:

Ja, doch: Mehr Bilder, mehr gute Fotos, mehr Infografiken brauchen gute Zeitungen auch.

Vielleicht am besten Bildergalerien zum ausklappen oder zum sammeln? Das Berlini-Album beim Tagesspiegel? Mit Tauschbörse auf Seite 3?

Aber was Zeitungen nicht mehr brauchen, sind die zahlreichen 20-40-Zeiler - die können wir getrost den anderen überlassen.

» Dorfdisko - Die Anderen

Es ist der Wunsch eines jeden Journalisten, die Magazinstücke zu schreiben. Für die man Tage, Woche Zeit zum recherchieren hat. Für die man viel Freiheiten genießt. «Echten» Journalismus halt. Das unterscheidet Print- und Onlinejournalisten nicht. Und ob man eher online mit variierendem Tempo oder im Tagesrhythmus der Tageszeitungen magazineske Artikel verfassen kann? Weiß ich nicht.

Angesichts der Schmidtschen Argumentation darf es einem um die Zukunft der gedruckten Medien wirklich bange werden – wer so rumdruckst, wenn er schreibt, wer so wenig klar sagt, was ihm am aktuellen Zustand missfällt, wer nicht schreibt, warum er schreibt: Es ist herumdrucksen. Ich möchte nicht spekulieren müssen, worauf sein Eintrag eine «Berliner Replik» war.

Frohe Ostern!

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