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Archive for the 'Medien' Category

Die über das Internet schreiben

Das Internet macht dies, das Internet macht das, ist gut für dieses, schlecht für jenes, es kann uns alle ändern (oder auch nicht), es wird uns alle fressen (oder auskotzen), es macht alles zu schnell (und zu langsam, weil zersplittert), es bietet keine guten Informationen (oder zuviele, um diese zu finden, auf jeden Fall aber sind wir alle chronisch überfordert), es frisst unsere Zeit und optimiert uns bis zum Gehtnichtmehr, ja, dieses Internet ist ein wahrlich Wunderding.

Wenn ich mir anschaue, wieviele ach so schlaue Texte, Manifeste, Essays und Aufsätze zum Internet so erschienen sind, fällt mir etwas auf: die meisten davon sind kritisch-distanziert-gezwungen. “Ach, dieses Netz, es überfordert uns alle und mich sowieso, aber wir können ja nicht mehr ohne”, scheinen sie sagen zu wollen. Das ist, mit Verlaub, gequirlter Schrott.

Ich möchte nicht zurück in eine Zeit, in der ich triviale Informationen wie Telefonnummern in Büchern nachschlagen musste, in der ich nicht mehreren Menschen gleichzeitig eine Nachricht schriftlich zukommen lassen konnte, auf die auch wieder alle an alle antworten konnten, eine Zeit, in der nur Privilegierte überhaupt die theoretische Möglichkeit hatten, bei einer breiteren Öffentlichkeit Gehör zu finden. Natürlich ist nicht alles rosig im Zusammenhang mit dem Netz, natürlich ist nicht alles toll, was so eine Gesellschaft in ihrem Wandel produziert. Aber wenn sich in den Feuilletons die Verlorenen aus der Vergangenheit weinend an den Schultern liegen, möchte ich einfach nicht mehr zuhören. Früher war es nicht besser, nur anders. Als nach wie vor relativ junger Mensch würde ich sogar sagen: es ist vieles so schlecht gewesen, dass diejenigen, die über heute so sehr jammern, gestern schon ihr Können und Versagen gezeigt haben.

Und nun hab ich selbst wieder einmal Zeit und Gedanken in diesem Metaflauschsofa verbracht und mich darüber echauffiert, statt die Dinge anzugehen, die mir wichtiger sind als alter Männer wöchentliche Weinattacken. Mist. Naja. Viertelstunde verschwendet.

(Anlass für dieses Stück: der Herr Gelernter in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung)

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Datendiebstahl zur Kriminalprävention?

Die abschreckende Wirkung, die auf künftige Steuerhinterzieher von vermehrten Datendiebstählen ausgeht, ist hinsichtlich der Kriminalitätsbekämpfung viel wertvoller als ein möglicher Schaden, der von der Ermunterung zum Datenklau ausgehen könnte.

Sowas schreibt und denkt man wo? Bei tazens.

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Anders gewünscht

Nein, ich finde es nicht falsch, wenn Stefan Niggemeier sein Erstaunen über Art, Form und Inhalt in seinem Blog pointiert zum Ausdruck bringt.

Das Nicht-und-vielleicht-doch-Problem, das ich mit Stefans Blog - und das schon sehr lange - habe, ist seine Perfektion. Wenn Stefan Niggemeier etwas kritisiert, tut er das mit manchmal geradezu perfide wirkender Akribie. Er weiß, wie man recherchiert, ist in der Lage den Federkiel zu spitzen, ihn anzusetzen und dann ganz langsam durch die Haut gleiten zu lassen, durch alle Muskelstränge und sonstigen Widerstände hindurch - und am Ende dann das Wild per Text zur Strecke gebracht zu haben. Wer von ihm kritisiert wird, wird dies meist zurecht. Wer von ihm seziert wird, wird dies meist aus gutem Grund und mit Anlass.

Es ist ein zutiefst menschliches Bedürfnis, perfekt zu sein. Perfektion wiederum ihrerseits erscheint mir oft unmenschlich. Ich glaube, ich hätte mir gewünscht, dass Stefan Niggemeier einfach nur eine nicht weiter kommentierte Linkliste der Beiträge des Herrn Konstantin Neven DuMont gepostet hätte. Fehlbarkeit für sich sprechen zu lassen, hätte es etwas weniger brutal, aber doch angemessen wirken lassen. Aber das ist nur der Wunsch nach etwas Nachsicht. Wahrscheinlich eine Nachwirkung der Weihnachtsmannschlachtung.

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Lesestoff: Indien, Wachstum, Europa, digitales Nirwana

Lesen ist etwas wunderbares, wenn man sich dafür Zeit nimmt. Vielleicht hat der eine oder andere Leser der Kühlschranknotizen ja einen kleinen Moment, dann möchte ich auf ein paar Stücke verweisen, die mich in den letzten Tagen auf die eine oder andere Weise interessiert haben.

Wie verkauft man Wissenschaft, die herausfindet, was alle schon vermuteten? Indem man die Ergebnisse “aufsext”.

Ein Artikel von Spiegel Online, Ressort Wissenschaft: “Wer früh zu Bett geht, hat weniger Depressionen”. Darin geht es um eine Studie, in der die Korrelation zwischen frühem Schlafen gehen und Depressionen untersucht wurde. Der Artikel ist in weiten Teilen schlicht falsch: er unterstellt eine Kausalität (”Unzureichender Schlaf macht nicht nur müde, sondern kann auch zu Depressionen führen.”) statt Korrelation (Ursache und Wirkung sind unklar, nur der Zusammenhang ist feststellbar).
Natürlich ist solcher Bullshit klickträchtig: Schlafen hilft gegen Depressionen, das können sich Depressive als Wundermittel eigentlich nur wünschen. Geht früh ins Bett, dann klappt das schon. Erst im vorletzten Absatz wird wirklich erzählt, was die Wissenschaftler herausgefunden haben:

Weil die Forscher allein einen statistischen Zusammenhang (Korrelation) von Schlafdauer und Depression festgestellt haben, kommt jedoch auch eine ganz andere Erklärung in Frage: Womöglich fügen sich psychisch stabilere Jugendliche eher einer frühen Nachtruhe als jene, die zu Depressionen neigen.

Das Internet vergisst nichts - oder immer nur das Falsche?

Der Guardian hat sich mit der British Library beschäftigt, die Probleme mit der Archivierung von Onlineinhalten aufgrund von Rechtslage und praktischen Hürden berichtet. Ob es so schade wäre, wenn viele Dinge im digitalen Nirwana verschwinden, darüber kann man sicherlich streiten.

Die Verzichtmalnicht-Gesellschaft?

Ob zum hören oder lesen, der Hintergrund zum Thema Wachstum, Konsum und Wohlstand im Deutschlandfunk war sehr interessant. Nur im Audioteil kommt auch Meinhard Miegel zu Wort, ein alter Bekannter in neuer Funktion. Interessante Gedanken inklusive der Frage, ob wir nicht auf vieles verzichten könnten und sollten, das uns nur durch künstliche Bedarfschaffung als Notwendigkeit erscheint.

Persönlich nachdenklich

Ich mag die Euroblogger-Szene, also die Leute, die sich über Grenzen hinweg mit Europa, der EU und ihren Bürgern beschäftigen. Oft wirken ihre Themen leider so kryptografisch-technokratisch, wie die EU als Verwaltungsapparat nun einmal häufig ist. Daher freut es mich ganz besonders, wenn andere Töne zu lesen sind.

Wann liest man etwas über Indien?

Die Frage habe ich mir gestellt, als ich dieses faszinierende Stück über Konflikte im Staat Jharkhand las. Wenig Ahnung vom Subkontinent mit der knappen Milliarde Bewohner, seiner Politik, Wirtschaft, Problemen. Die Berichterstattung wird aber sicher noch kommen, in absehbarer Zeit - dafür wird die Gegend mit ihren Bewohnern einfach zu wichtig werden, um sie weiterhin so sehr zu ignorieren (und nur über den IT-Standort Bangalore und heilige Kühe zu berichten).

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Des Verlegers Klagelied

Weil heut nicht mehr jeder zahlt
was ihm blind wird vorgesetzt
geht ein Businesscase dahin
bloß: wohin weiß keiner schon
Bald vorbei ist’s sicherlich!
Wenn man nicht mehr Geld erhält.
Singt der Manager gequält
Klagelieder bitterlich.

Qualität! Das schreien sie.
Und Rendite meinen sie.
Kaum verlegene Verleger
wohlgeboren, hochinteger
sind sehr skeptisch heutzutage
‘kostenlos’ die Plageklage.

Nein, die Internetgemeinde!
Unter dem Pantoffel Panik.
Überall sind Zeitungsfeinde!
Googles Schuld!
Der Kuchen: sahnig.

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Onlinenachhaltigkeit - Was Print nicht kann

Gerade steht in der “Meistgelesen”-Box auf zeit.de ein Artikel auf Platz 2, der fast sechs Wochen alt ist. Es handelt sich dabei um das Dossier-Interview mit Sebastian Deisler , der aufgrund von Depressionen seine Fußballerkarriere an den Nagel hing und auch heute noch nicht sehr glücklich wirkt. Im Zusammenhang mit dem Tod von Robert Enke ist dieses Interview für viele Menschen noch einmal lesenswert geworden. Früher hätte ein Dossier von Anfang Oktober Mitte November kaum einer gefunden - heute ist es einer der meistgelesenen Artikel. Onlinenachhaltigkeit.

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Ich fuehle mich ja so schlecht

Diese Internetnutzer, die mich den ganzen Tag umgeben, die mich anschauen, mit mir reden, mich sehen, mich mögen oder auch nicht! Diese schrecklichen haarigen Biester! Pardon, falsches Lied.

Auf jeden Fall fühle ich mich so von ihnen umgeben, dass ich mich manchmal frage, ob ich nicht inzwischen auch einer von ihnen geworden bin. Also einer dieser Menschen, die zweifelsohne an Aufmerksamkeitsstörungen leiden (entweder zuviel oder zuwenig, auf jeden Fall aber ADS oder ADHS). Einer von jenen Menschen die den ganzen Tag dieses Internet vollschreiben mit Sachen, die ja niemanden interessieren - außer denen, die reagieren - und die immer so tun, als wären sie egalitär, aber in Wahrheit die neuen Oligarchien nur ignorieren da sie hoffen, Teil dieser Struktur zu werden die die alte ablöst.

Das wäre natürlich sehr schlimm. Ich schäme mich so entsetzlich für die Menschen, die dieses Internet nutzen und sich in ihm wie selbstverständlich bewegen, Kritik mit Sachkenntnis verbinden wollen und sich kaum Zeit lassen, den Misthaufen der vorangengangenen Generationen so zu loben und zu lieben, wie es sich für brave Kinder geziemt. Die sogar die Revolution verschmähen, nur weil sie längst gelernt haben, dass die Revolutionen der Elterngenerationen für sich genommen doch auch nur ein Häufchen Mist mit einem neuen Häufchen Mist überdeckt haben. Schreckliche Kinder, ich fühle mich so schlecht. Ohne Internet wäre die Welt viel, viel besser, lieber Adam S.

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Erstes Release von Schnittchenvergiftung

Endlich ist es soweit: nachdem die Branche monatelang auf das neue StartUp aus dem Hause Falk Lüke gewartet hat, ist es jetzt da. “Social Media changed unser Life rapide und ohne unseren consent”, erklärt Falk Lüke, Founder von Schnittchenvergiftung.de. “Mit unserem fantastischen neuartigen Social Media Approach gewinnen wir tiefe Einblicke in die deutschsprachige Schnittchensociety.”

Schnittchenvergiftung.de analysiert in einem ersten Schritt Milliarden von Social Media-Beiträgen auf ihre Schnittchenlast und zeigt chronologisch invers die Verschnittchung. Doch das ist erst der Anfang: “In einem der nächsten Releases werden wir mit unserem top secret Schnittchensocietyanalyzer Maßstäbe für das Social Media Monitoring setzen”, sagt Lüke. “Die gesamte Branche wird vor Neid in die Leberwurst beißen - das Leberwurstcase-Szenario, sozusagen!” Schnittchenvergiftung.de ist mit dem Start bereits Marktführer im Bereich Schnittchentalkanalyse. Die geplante Releaseparty mit Guido Westerwave musste leider wegen Terminproblemen entfallen.

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Kontextabhängiger texten, heute mit Sueddeutsche.de

Manchmal sollten Journalisten bei ihrer Sprachwahl besonders aufpassen.

In den meisten der 308 Gemeinden wurde derweil bei den Kommunalwahlen mit Duellen zwischen den Kandidaten der Sozialisten und der konservativen PSD gerechnet.

Ein ganz normaler Satz. Aber nicht bei dieser Meldung.

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Betroffenheitsjournalismus

Heinrich Wefing mal wieder. Schreibt in der Zeit darüber, dass Union und FDP die Chance hätten, “Politik für das Internet” zu machen. Ich halte es nach wie vor für ungut, wenn Journalisten aus der gefühlten Betroffenenperspektive schreiben:

So kann die FDP, die bei der Verteidigung der digitalen Bürgerrechte noch einigermaßen oppositionsradikalisiert, also Piraten-nah, auftritt, als wirtschaftsfreundliche Partei nicht achselzuckend die faktische Enteignung zahlloser Kreativer durch illegale Tauschbörsen hinnehmen, wie das die Piraten tun. Eine Modernisierung des Urheberrechts wäre deshalb ein lohnendes Vorhaben für Union und FDP, zudem müsste die Koalition eine Politik gegenüber Google entwickeln.

Heinrich Wefing fühlt sich enteignet. Und er mag Google nicht. Na dann.

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Ohne Kommentar

http://www.internet-manifest.de/

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Journalismus im Internet #1: Intelligenter veröffentlichen

Beachten wir einmal nicht die Rahmenbedingungen. Stellen wir uns vor, es gäbe eine Welt ohne Verleger, Vermarktung, Zeitdruck und Finanzprobleme. Eine, in der man den Idealtypus von Journalismus, der im Internet veröffentlicht wird, verwirklichen könnte. Wie sollte dieser aussehen? Ich möchte einladen, das zu diskutieren. Und selbst einen Aufschlag dazu machen – ich freue mich darüber, wenn andere ihre Sicht auf ihren Blogs veröffentlichen und hierher zurückpingen.

Das Internet stellt uns eine Infrastruktur zur Verfügung. Der sichtbarste Teil, das WWW, ist der Ort, an dem im Regelfall veröffentlicht wird. Das geschieht mittels Webseiten, auf denen Inhalte veröffentlicht werden können: Text, Ton, Bild, Bewegtbild, Interaktives.

Journalistische Erzählstrukturen haben sich in den jeweiligen Mediengattungen etabliert, die Nutzer haben sich daran gewöhnt. Ob die große Spiegel- oder Deutschlandfunkreportage, ob Kommentar oder Nachricht – sie alle haben sich in ihren Medienformen entwickelt. Und fast überall gibt es die Auffanggattung „Feature“ für einiges, was nicht so recht ins Schema passt. Audio und Bewegtbild im Offlinebereich ist darüber hinaus gemein, dass es ausschließlich linear funktioniert: eine Reportage läuft von vorne bis hinten. Dann ist sie abgeschlossen und der Hörer oder Zuschauer hat sie wahrgenommen, ganz oder in Teilen, oder verpasst. Sie ist ohne Hilfsmittel nicht rückholbar, versendet sich. Für Papiermedien gilt das ähnlich, aber anders: theoretisch ist es so, dass der Leser die Zeitung oder Zeitschrift jederzeit zur Seite legen und später weiterlesen könnte. Praktisch ist es so, dass die Tageszeitungen nach drei Stunden nicht mehr angefasst werden und Zeitschriften selbst bei begeisterten Lesern nach spätestens einer Woche oder einem Monat im Schrank ein staubiges Dasein zu fristen beginnen. Im Internet ist das anders: zum einen muss ein Werk nicht für „fertig“ erklärt werden. Es ist jederzeit Gegenstand möglicher Aktualisierung, Veränderung, Ergänzung, Restrukturierung. Und es ist solange erreichbar, wie es verfügbar gehalten wird (oft aber auch noch einige Zeit darüber hinaus zumindest in Zwischenspeichern). Das gilt für alle Inhalte – egal welcher der alten Gattungen sie angehören oder ob sie Hybridformen sind.

Die Erzählstruktur im Netz muss dieser Realität gerecht werden. Zwar wird für den heutigen Leser, Zuhörer oder Zuschauer (= Nutzer) etwas hergestellt. Aber viele Artikel erreichen im Verlauf von vier oder fünf Jahren ein ebenso beträchtliches Publikum wie in den ersten 24 Stunden nach Veröffentlichung, der Zeit, in der sich die meisten Tageszeitungsinhalte bereits versendet haben. Entsprechend muss dies mitgedacht werden, wenn man wirklichen Onlinejournalismus betreiben möchte. Und hierzu gibt es eine grandiose Möglichkeit: den Link. Wer ältere und neuere Inhalte miteinander verknüpft, sie mittels thematischer, örtlicher, zeitlicher oder personaler Identifikatoren in Relation zu anderen Inhalten setzt (Stichwort: Metadaten), hat die Möglichkeit, den Ausschnitt der Wirklichkeit, den er nun beleuchten möchte, im Kontext bereits erzählter Geschichten weiter zu erzählen, muss nicht die ganze Geschichte von vorne erzählen.

Diese Möglichkeit der Kontextualisierung ist eine der großen Chancen für Journalismus im Netz. Sie wird nach wie vor nur spärlich eingesetzt. So hat zum Beispiel im Videobereich bis heute niemand die naheliegende Idee umgesetzt, in einem Videoplayer Links einzublenden, die, sobald der Zuschauer sie klickt, das Video zum pausieren veranlassen und den Inhalt öffnen. So lassen sich beliebige Inhalte in beliebigen Trägermedien verknüpfen. Einziges Sorgenkind dabei ist Audio, das aufgrund seiner Einwegeigenschaften und in Ermangelung direkter Interaktionsmöglichkeiten hier mit Text, Bild und Bewegtbild nicht mithalten kann.

Nun kann man also intelligenter veröffentlichen. Doch eine Veröffentlichung macht noch keinen Journalismus. Was also kann Journalismus im Internet, was Journalismus ohne Internet nicht oder nur schlechter kann? Und was heißt das? Ein bald erscheinender Folgebeitrag soll versuchen, Hinweise darauf zu geben, welche neuen Möglichkeiten und Anforderungen für Recherchezwecke im Journalismus im Internet entstanden sind.

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Linktipp: Verfassungsblog.de

Maximilian Steinbeis, Autor und früher beim Handelsblatt, bloggt jetzt unter Verfassungsblog.de. Ich bin gespannt.

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Sparbeitrag: Verlage, Journalisten, Internet

Bitte einmal hier klicken, dann hier , da, da auch und dann dort. Was ich davon halte, habe ich bereits hier gesagt.

Wer dann noch nicht genug hat, kann sich hernach noch der Zitatensammlung Michael K. widmen. Hinter den Links verbergen sich übrigens oft ganz Beiträge.

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Freiheit statt Angst-Trailer von Wortfeld

Alexander von Wortfeld.de (ich finde, sowas sollte man anstelle von klassischen Adelstiteln als Namensbestandteil einführen) hat einen sehr netten Trailer für die “Freiheit statt Angst”-Demo fabriziert.

Freiheit statt Angst - der Trailer from Alexander Svensson on Vimeo.

Das steht in guter Tradition diverser sehr netter kurzer Videos, die er im Laufe der Zeit so bastelte. Ich finde ja “Planet unter Beobachtung” nach wie vor ganz, ganz klasse:

Planet unter Beobachtung from Alexander Svensson on Vimeo.

Ich wünscht, ich hätte ähnliches Videotalent.

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Too small to meter

Dankenswerterweise muss ich mich bei Chris Anderson nicht beschweren. Ich habe in U- und S-Bahn sein neues Buch “Free” gehört. Das Hörbuch war umsonst, in jederlei Hinsicht. Der Zeitaufwand war glücklicherweise “too small to meter”, um Andersons Kernthese zu verwenden.

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Missverständnis 2.0: Es ist doch gar nicht für uns…

Der eine oder andere in der Blogosphäre, der ein oder andere geschätzte und weniger geschätzte Twitterer hat seit gestern gejammert, gezetert, gejault oder einfach nur den Kopf geschüttelt. Was ist passiert? Ein Telefonkonzern hat Werbung vorgestellt. Soweit, so uninteressant. Aber dann vereinnahmt dieser Telefonkonzern in seiner Werbung einige der bekannteren Köpfe der deutschen Blogosphäre bzw. aus einig Deutschlands Twitterland. Das finden viele ziemlich doof.

Was ist da denn passiert? Ist das der Ausverkauf von Idealen? Sind wir alle ungefragt mitverkauft worden? Werbespots sehe ich wenn überhaupt mal im Kino. Mein Internet zeigt mir sowas nämlich nicht, wenn ichs nicht unbedingt will. Menschen mit einer gewissen Popularität, die Aktivitäten nachgehen, die derzeit als populär gelten, haben sich also von einer populären Werbeagentur zur Bewerbung für mich uninteressanter Produkte einspannen lassen. Die Werbeagentur hat alles inszeniert und durchproduziert, nichts ist authentisch und alles schrecklich steril. Also die ganz normale Perversion von Popkultur. Und damit auch konzeptionell einfach so alt, dass es mir am Popo vorbeigeht. Kein Grund zum Grienen. Und jetzt hab ich doch drüber geschrieben. Hm.

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Der Dieter von der traurigen Gestalt

Es ist ein zum Scheitern verurteilter Versuch: Stefan Niggemeier versucht, Dieter Gorny zu verstehen.

Gorny, die personifizierte Musikindustriekrise, der Übervater des NoChange-Management-Gedankens, der Popularmusikvertriebslobbyist, ist ein stetiger Begleiter. Und so schaurig traurig, dass es einem kalt den Rücken runterrieselt.

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Es ändert sich was

Philip Steffan schrieb auf netzpolitik.org:

Nach Informationen, die uns vorliegen, wird es am kommenden Dienstag, den 30. Juni im Rahmen der Konferenz Schutz vor sexueller Gewalt gegen Kinder und Jugendliche mit Fokus auf neue Medien: Perspektiven für Europa, die das Familienministerium veranstaltet, eine große Abschlusserklärung geben. [..] Laut unseren Informationen sitzen alle großen Social Networks in Deutschland (studiVZ-Gruppe, wer-kennt-wen, Lokalisten usw., Knuddels) mit im Boot.

Ohne inhaltlich drauf eingehen zu wollen:
In Kommentar #32 reagierte XING offiziell.
In Kommentar #40 reagierte StudiVZ offiziell.
In Kommentar #58 reagierte Wer-Kennt-Wen offiziell. (Nachtrag, Dank an Daniel Hartmann)
In Kommentar #91 schickte Lokalisten einen offiziellen Reaktionspingback.

Offenbar gibt es ein Bedürfnis, zu reagieren. Die gleiche Szene hätte vor drei Jahren wohl noch anders ausgesehen.

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Zum Hintergrund der Zeit-Debatte ums Internet

Böses Internet, gutes Internet? In der Zeit sind in den letzten Wochen eine erkleckliche Anzahl Artikel erschienen, die sich mit dem Internet auseinandersetzen. Manche sagen darüber sogar eher, sie würden gegen das Internet hetzen. Nun sollte man ein paar Dinge über die Zeit wissen - und auch im Kontext versuchen zu verstehen, warum gerade jetzt das gefühlte intellektuelle Flaggschiff der deutschen Presselandschaft sich so intensiv der Thematik annimmt. Continue Reading »

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Die Dialektik des Jens Jessen

Jens Jessen, Feuilletonchef und spitze Feder bei der Zeit, versucht, irgendwie den Soboczynskitext von vor zwei Wochen zu rechtfertigen (S.52, “Das Netz trügt“). Er schließt sein Stück folgendermaßen:

“Mit anderen Worten: Das Internet, bevor es großmäulig von E-Democracy redet, muss erst einmal eine angstfreie Gesellschaft in seinen Räumen erlauben, in der nicht jeder, aus Furcht vor seinem missgünstigen Nachbarn, sich unter den kleinsten gemeinsamen Nenner duckt. Oder noch einmal anders gesagt: Es steht außer Frage, dass im Netz ein bedeutender Beitrag zur Demokratie geleistet werden kann. Aber die gegenwärtigen sozialen Umgangsformen verraten keine Tendenz zur E-Democracy, sondern eher zum EBolschewismus.”

Abgesehen davon, dass mich der EBolschewismusvergleich angesichts des Leninbildes in Herrn Jessens Büro leicht amüsiert: Soziale Umgangsformen einzufordern und eine zweifelsohne höchst pluralistische Gruppe wie die der Internetnutzer pauschal als “großmäulig” abzutun, das ist in einem Absatz schon mehr als Dialektik: Es ist einfach nur verlogen. Da kann und darf man ganz groß drüber maulen, wenn ein Feuilletonist nur wenig mehr denn 140 Zeichen benötigt, um seinen eigenen Anspruch so frei heraus durch gegenteiliges Verhalten als bloße Hirnwichserei jenseits gelebter Realität zu diskreditieren.

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Eine Parabel für Heinrich Wefing

Auch in der dieswöchigen Ausgabe der ZEIT ist wieder einmal ein Artikel enthalten, der uns sagt, dass das Internet oder zumindest seine aktiven Bewohner tendenziell böse sind. Und dieses eine Mal stimme ich dem Autoren Heinrich Wefing bei etwas zu. Denn er hat etwas geschrieben, das zweifelsohne korrekt ist:

Erstaunlich ist nicht, dass dieser Kulturkampf jetzt losbricht. Erstaunlich ist in Wahrheit, dass er so lange auf sich warten lassen hat. Wieso hat es fast zwanzig Jahre gedauert, bis öffentlich formuliert wird, was doch eigentlich eine Selbstverständlichkeit ist: dass das Netz kein rechtsfreier Raum ist.

Es ist gut, dass Wefing diesen Punkt aufwirft. Und er liegt zweifelsohne damit richtig, dass im Cyberspace die heutigen Gesetze nicht als solche ernst genommen, Freiheit verehrt und gelebt wird. Dass so lange geschwiegen wurde, hat seinen guten Grund.

Stellen Sie sich einmal vor, Sie hätten eine Insel entdeckt. Sie finden diese Insel wunderschön, bauen sich dort ein kleines Häuschen, fangen Fische und bauen Gemüse an. Es gibt ein Wäldchen, eine Lichtung und einen Bach. Sie lesen manchmal ein gutes Buch. Manchmal, wenn der Wind gut steht, hören Sie die Fischerstochter vom Festland ein Liedchen trällern. Das weiß sie nicht und es tut ihr auch nicht weh, aber sie freuen sich an diesem Liedchen.
Irgendwann kommen Ihre Freunde zu Besuch. Sie mögen die Insel und beschließen, zu bleiben. Sie freuen sich über ihre Freunde die Ihre Insel mögen und sagen: was mein sei, sei auch dein.
Irgendwann kommen die Eltern zu Besuch. “Was für eine schöne Insel, und spannend, wie Ihr hier alle lebt. Aber das ist schon alles etwas seltsam hier. Aber gut, dass wir so liebe, unpolitische Kinder haben. Da brauchen wir uns ja wohl trotzdem keine Sorgen machen.”
Sie leben weiter und immer mehr Freunde kommen auf ihre Insel. Alle freuen sich, aber viele vergessen, dass es nur eine Insel ist. Sie kommen gar nicht mehr wegen der Insel, sondern deshalb, weil hier irgendwie die cooleren Leute sind. Weil hier etwas neues entsteht und sie gerne dabei sein wollen.
Als eines Tages die Eltern vor Ihrer Tür stehen und sagen, dass sie jetzt auch auf der Insel wohnen, sind Sie überrascht. Als die Eltern sagen, dass auch alle Ihre Freunde herziehen wollen, dass dafür aber der Wald planiert, der Bach ausgetrocknet und der Fischfang eingestellt werden muss, sind sie erstaunt und erschreckt. Als die Eltern dann auch noch sagen, dass das Fischermädchen vom Ufer doch bitte nicht diesen schrecklichen Indiepop sondern gefälligst Schlager trällern soll, platzt Ihnen der Kragen. Sie sind schlussendlich doch politisch geworden.

Wefing hat dennoch Unrecht, wenn er schreibt:

Dass im Cyberspace dieselben Gesetze gelten wie in der realen Welt.

Die Internetgeneration hat ihre Eltern in Ruhe gelassen, so wie die Elterngeneration die Internetgeneration nicht beachtete. Nun hat die Elterngeneration beschlossen, das Internet so zu betreten, als ob sie dort zuhause wäre. Wir leben in spannenden Zeiten. Und die Zeit (nicht die ZEIT) arbeitet für die Internetgeneration und ihre Gesetze.

Disclaimer: 2007-2008 war ich Redakteur bei ZEIT online

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Ein diskonnektierter “Intellektueller”

Adam Soboczynski übt sich in der Zeit von heute, Feuilleton S. 45, in schwachfeinsinniger Dialektik:

Der unmittelbar messbare Markterfolg eines Textes im Internet unterliegt jenem massenkulturellen Sog, der seit Anbeginn der Moderne beklagt wird. Intellektualismus überlebte, solange kein Medium zur Hand war, ihn dem nackten Wettbewerb zu unterwerfen.

Er [der Intellektuelle, Anm. d. Bloggers] mag zwar einen feinsinnigen Blog führen, doch seine Minderheitenmeinung ist darin zu schwach, um gehört zu werden – oder gar um lukrativ zu sein.

Intellektuell eine wahre Glanzleistung: Intellektuell im Internet? Nicht lukrativ. Das Internet unterwerfe den Intellektualismus also dem nackten Wettbewerb. Ein Schrei nach Staatsbeihilfe für Intellektuelle? Mitnichten. Nur der Ausdruck dessen, was ist: Adam Soboczynski ist kein Demokrat, er ist auch nicht an Demokratie interessiert sondern ausschließlich an verlogenem Elitismus im Stile auswirkungsloser Salonflaneure. Das verschweigt er auch nicht:

Da der Intellektuelle aus der Mehrheitsdemokratie geistesaristokratisch herausragt, ist er der Einzige, der die Bedingungen der Staatsform, in der er lebt, zu reflektieren vermag. Er stabilisiert Demokratie, indem er sich ihr wesenhaft entzieht. [… sehr lange Auslassung …] Jedoch als der, der er bislang war, Störenfried des Konsenses, Vermittler von Wissensbeständen, Korrektiv des Staats, wird er verschwinden.

Entziehe er sich. Doch bedenke er: Wer sich dem Diskurs versagt, versagt, kapituliert. Wer die elitistische Abstraktion dem Diskurs mit realen Menschen vorzieht, möge dies tun. Das Verschwinden dieses Typus von Intellektuellen, den Adam Soboczynski für sein Dasein sicherlich reklamiert, in die “Internetrandzonengebiete”, wie er schreibt, ist kein Verlust für die demokratische Qualität. Sondern die Selbstexilierung der Heulsusen, die um ihren Aufmerksamkeitswert μ fürchten. Ja, vor dreißig Jahren hätte Soboczynski noch ein Feuilletonchef für die fetten Jahre der gedruckten Zeitungen werden, in öffentlich-rechtlichen Rundfunksendern des Nächtens parlieren und die Augen vor der realen Welt verschließen können.

Das Internet verändert weniger, als es sichtbar macht. Dem geschundenen Intellektuellen führt es die Sinnlosigkeit sowohl seines Seins wie auch seines proklamierten Nichttuns vor. Wer die Stoßseufzer Soboczynskis liest, kommt nicht umher, einzusehen: was Soboczynski als Intellekt bezeichnet, ist in Wahrheit nichts als ein Bekenntnis zum Selbstbetrug. Würde er dabei wenigstens auf den Zorn verzichten, der ihn angesichts der sich auch im Internet manifestierenden Welt da draußen ergreift, es wäre viel gewonnen. So bleibt jedoch nur eines zu vermerken: Medium heißt manchmal einfach nur halbgar. Zum Trost bleibt zu erwarten, dass Soboczynski vielleicht dem Internet eine Weile erspart bleiben wird. Ich möchte ihn ganz öffentlich darum bitten, dass er Verlagen die Onlinepublikation seiner Texte (und damit auf einen entsprechenden, kleinen Anteil seines Honorars verzichtend) untersagt. Das lohnt sich nämlich in dieser Form für alle Seiten nicht.

Randbemerkung 1: Das Wort Internetuell wäre überlegenswert. Damit Keinereiner aus Versehen im gleichen Topf schmoren muss.
Randbemerkung 2: Meinungsstarke und faktenarme Beiträge sind im klassischen Medienwesen häufig Ausdruck von Verteilungskämpfen.
Randbemerkung 3: Sorry. Doch länger geworden.

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Kein fähiges Modell

Das Medienblog Medienlese.com wird eingestellt. Ein Blog, das Medienbeobachtung betrieb. Nun ist es also dahin. Bei der FAZ lacht man sich ins Fäustchen, während manche Fans der Publikation Spenden sammeln wollen.

Ich habe Medienlese hin und wieder gelesen, anfangs häufig und später selten. Es ging mir mit ihm so wie mit Medienrauschen, das seit drei Jahren nur noch ein Schattendasein seiner selbst fristet, und mit manchen anderen Seiten: es fehlte mir der Journalismus. Und des öfteren auch die Hintergrundkenntnis. Medienlese hat das beste aus seinen Möglichkeiten gemacht, doch die waren einfach beschränkt und das schönzureden, entspräche sicherlich nicht meiner Art.

Das Rosinenpicken hat sich für mich mittlerweile eh in den vergesslichen sozialen Zwischenraum verlagert, teils auch in Verbindung mit diversen Social Bookmarking-Plattformen.

Dennoch widerstrebt mir die Tonalität des FAZ-Artikels “Tod eines Holzfällers”. Denn was als “Dröhngebrüll” abgekanzelt wird, trifft dennoch zu: der größte Feind des Journalismus ist heutzutage meist der Verlag, so wie er sich heute darstellt. Die “taz” schwimmt derzeit auf der finanziell lukrativen Welle der Krisensolidarität (”Krise? Bei uns schon immer!”), so dass sich die Onlinefeinde dort wieder aus den Bunkern hervorwagen. Bei der Zeit darf die zukunftsängstige Entschleunigungsbefürworterin Susanne Gaschke wider das böse, böse Internet und die Entrechtung geknechteter Zeit-Redakteure, Professoren, Plattenkonzernanteilseigner, Filmproduzenten sowie anderer finanziell Minderbemittelter anschreiben. Und ins gleiche Horn stoßend dabei gleich noch Heidelberger Appell und Kinderpornografie fröhlich leitartikelnd bis zur Unkenntlichkeit verrühren. Gewinnen die, von denen viele dachten, dass sie doch nun endlich bald untergehen, wieder Oberwasser?

Sie sind so verzichtbar wie auch Medienlese.com. Man kann es lesen, muss es aber nicht. Es ist kein Journalismus, für den ich zahlen will.

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Der kleine Unterschied?

Ich habe eine Vermutung. Die ist sehr banal, und daher möchte ich sie besonders gerne teilen und von anderen in der Luft zerreißen lassen. Sie lautet: das Internet macht vielen Leuten Angst, weil es die Unzulänglichkeit der Realität mess- und sichtbar machen könnte.

Wieviele Geschäftsmodelle basieren auf Lügen? Oder sagen wir es diplomatischer: nicht vollumfänglich nachvollziehbaren und erfüllten Versprechen? Wieviel Reputation ist auf heißer Luft aufgebaut? In meinen Augen ist das schönste am Internet, dass es als Instrument der Infragestellung des Tradierten sehr direkt ist. Daher macht es denen Angst, die vor allem mit heißer Luft handeln oder zumindest das Gefühl haben, sie täten das. Ich aber sage Euch: Fürchtet Euch nicht! Es gibt keinen Grund Selbstmord aus Angst vor dem Tod zu begehen. Nur einen Anlass.

Ihr werdet höchstens ein bisschen sterben. In Werbung, Medien, Produktion; in Politik, da weiß man schon: das Internet ist sehr gefährlich. Doch statt dagegen: seid halt ehrlich. Tusch.

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Faszination Twitter

Ich habs ja mittlerweile aufgegeben, zu erklären, warum ich Twitter toll finde. Ich sag immer nur: probiers halt mal aus. Herr Noller, auch bekannt als @holadiho, hats aber wirklich sehr schön beschrieben.

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Twitter? Does not work!

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Oder quasi live:

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Onlinewahlkampf 2009: #fail

Achtung. Hier gehts um Politik und meine höchstpersönliche Meinung. Und ja: Ich habe gerade nicht so gute Laune. (Deutlich weniger genervt scheint Robin Meyer-Lucht gewesen zu sein, zart Besaitete also bitte da lang.)

Es ist jetzt noch ein gutes halbes Jahr bis zur Wahl. Zeit, sich Gedanken darüber zu machen, was bislang getan wurde und was dann noch kommt. Ich war gestern Abend beim Media Coffee der DPA-Tochter “news aktuell”, wo Politikstrategen (Kajo Wasserhövel, Steffi Lemke, Hans-Jürgen Beerfeltz), der nicht mehr für die Bundes-CDU aktive Peter Radunski sowie für die Medienseite Peter Frey vom ZDF herumsaßen. Das Publikum war gespickt mit Abgeordneten- und Fraktionsmitarbeitern, Medienmenschen und nicht zuletzt einer Heerschar total wichtiger Mitarbeiter mindestens genauso wichtiger Politikberatungsfirmen, die bei Speichelleckwettbewerben mit Sicherheit Medaillenchancen gehabt hätten.
Noch vor wenigen Monaten konnte man mit den Menschen, die auf dem Podium saßen, halbwegs normal reden. Und mit einigen davon habe ich das auch gemacht. Aber gestern Abend war Wahlkampfzeit. Inhaltsarmes Schaulaufen, ein leider fehlendes Phrasenschwein hätte vor Freude gequiekt und mit dem Ringelschwänzchen so rotiert, dass es zum Sahneschlagen getaugt hätte. Sicher war es der falsche Ort. Obama? Ach Quatsch, die öffentlich-rechtlichen sollten doch ja bitte nicht nur Merkel und Steinmeier zum TV-Duell einladen.
Sicher war es das falsche Publikum. Wer dort saß, verdient zum Großteil am herkömmlichen Flaschenhalsgeschäft. Aber mein Glaube an den Willen der Parteien, sich ernsthaft in den Onlinewahlkampf zu begeben, ist gestern Abend erschüttert worden.

Wo stehen sie bislang?

1. Die Parteien haben sich Obama angeguckt.
2. Sie haben sich neue Websites gegeben.
3. Sie haben sich überlegt, dass Obamakampagne sein eigentlich sehr cool wäre. Leider habe man aber keinen Obama.
4. Sie haben ihre Wahlprogramme erstellt.
5. Sie haben ihre Kandidaten (weitgehend) bestimmt.
6. Sie haben die Worte der Obama-Kampagne auswendig gelernt.

Was kommt:

Heiße Luft. Und davon ganz schön viel.

Und warum?

1. Obama angucken ist schön. Wenn ich mir anhöre, wer die Phrase vom “kontrollierten Kontrollverlust” (also bewusst Wahlkampfanteile an die eigene Klientel abgeben) statt dem “unkontrollierten Kontrollverlust” (es nicht zu tun, so dass die Klientel es einfach trotzdem tut) so alles schön dreschen kann, wird mir speiübel. Wer Grassrootscampaigning so versteht, dass er einer Horde willenloser Deppen sagen kann, was sie tun und lassen sollen, der sollte es einfach nur sein lassen.

2. Die neuen Websites sind ein Fortschritt. Aber sie sind Stückwerk, sie sind kranken wie die Gesamtkampagnen an Botschaften und Gesamtstrategien. “Wir sind für dagegen” oder “gegen dafür” und übrigens, wir sind auch noch die besten. Und unser Personal steht genau dafür. Statt Kampagnenplattformen, die Menschen ansprechen und für die Parteien begeistern sollen, haben sich die meisten für Websites entschieden, die höchstens zu einer Sache taugen: Pressemitteilungen.

Ich sage es mit einem Zitat aus Joe Trippis großartigem Buch “The Revolution will not be televised”: They didn’t get it.

Es wurde korrekt konstatiert, dass Obamas “Change”-Kampagne nicht nur für den Wechsel, sondern auch gegen Bush, Bushs Gefolge, Bushs Amerikastil und das Fox News-Amerika geführt wurde. Ohne ein dagegen wird es kein dafür geben. Wer Grassroots Campaigning möchte, kann sich nicht darauf zurückziehen, total hübsch und toll und besser zu sein. Engagement kommt dadurch zustande, dass es etwas gibt, für dass man sich engagieren kann. Und wer die seltsam diffuse Masse der Kern-Netzbewohnerschaft erreichen und für sich gewinnen möchte, kommt einfach nicht umher, sich auch mit deren Themen zu beschäftigen.

Es ist ein Irrglaube, dass die Verschrottungsprämie automatisch relevanter sei als die Frage, ob Netze neutral gestaltet sein müssen. Es ist ein Irrglaube, dass die Koketterie mit Inkompetenz in technischen Fragen dabei förderlich sei. Es ist ein Irrglaube, dass man über Themen wie Beschäftigungspolitik und die Frage der Länge der Auszahlung von Kurzarbeitergeld die ach so saturierte und bornierte Netzgemeinde (die schon allein aufgrund ihrer eigenen Bildungssituation sicherlich eine privilegierte, aber keineswegs automatisch unsolidarische ist) ansprechen könnte. Es ist irre, zu glauben, dass, wenn man sich nicht für sie interessiert, sich die ach so egozentrischen und unbedeutenden Multiplikatoren im Netz für die eigene Sache begeistern ließen.

Noch ein paar Bemerkungen zu Peter Frey und seiner Haltung, dass es ja bedauerlich sei, wenn die Parteien im Netz an dem Flaschenhals der Massenmedien vorbei direkt mit dem Wähler kommunizieren würden: ich gehe vollkommen d’Accord, dass es Kernaufgabe professioneller Medien ist, zu hinterfragen, zu recherchieren, aufzudecken und politische Orientierung durch Einordnung zu geben. Nur wer es sich finanziell leisten kann, sich zeitintensiv mit einer Materie zu beschäftigen, kann sich qualifiziert und intensiv dazu äußern. Leider schaffen es die finanziell dafür ausgestatteten Medienschaffenden nur noch selten, sich selbst dieses Leitbildes zu vergewissern und genau das zu tun: sich nicht für Talk und Quote, sondern für Qualität und Tiefe zu entscheiden. Das letzte mir bewusst kritisch nachhakende ZDF-Magazin war Kennzeichen D. Wer seine Legitimation selbst abschafft, sollte nicht über den eigenen Deutungshoheitsverlust und die beklagenswerte Oberflächlichkeit der Amateure jammern.

They frickin didn’t get it.

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Politik im Web 2.0 Ausgabe 4

Nebenan bei Netzpolitik:

Klar ist: YouTube und Facebook sind von den Parteistrategen als Plattformen ausgemacht worden, auf denen sie sich den Onlinewahlkampf zutrauen. Hinzu kommt ein wenig Twitter, das in Deutschland trotz starker Medienpräsenz in den letzten Wochen dennoch nicht die große Menge Wähler erreicht. Allerdings wird Twitter den Onlinewahlkampf beschleunigen und viele Multiplikatoren sind jetzt schon auf diesem Wege schnell erreichbar.

Die Zahlen wie immer ohne Gewehr, aber besser als die des einen oder anderen MaFo-Institut sind sie zweifelsohne.

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Schnauze, Berliner!

Die Berliner Zeitung fragt: Sind Berliner wirklich so unhöflich, dass man sie umschulen muss? Leser dürfen in der Kommentarfunktion eines Weblogs dazu Stellung nehmen, und interessanterweise tun dies vor allem Menschen aus der Welt rundherum um Berlin.

Meine Meinung: Berliner Servicekräfte sind oft inkompetent, langsam und unfreundlich. Wenn sie einfach nur unfreundlich wären, würde ich das schon ausreichend finden. Der Rest unterscheidet sie nicht wesentlich von den meisten anderen Servicekulturschaffenden auf diesem Planeten.

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