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Archive for the 'Medien' Category

Schlaumeiern für Schlaumeier

Stefan Niggemeier findet heute im Bildblog heraus, dass viele von Bild befragte Prominente keine Ahnung von GoogleStreetView haben. Das ist mir beim Durchklicken heute auch schon aufgefallen, und das finde ich in vielen Dimensionen durchaus schade. Aber fast noch etwas mehr bedauere ich, dass ihm dabei selbst ein paar Fehler in der Freude über die der anderen unterlaufen sind.

Die Antworten vieler Leute, die “Bild” zu Wort kommen lässt, zeigen vor allem eines: Wie wenig die Befragten über das Angebot wissen. Viele scheinen zu glauben, dass es aus Live-Aufnahmen besteht, dass Google quasi rund um die Uhr die ganze Welt überwachen lässt. Das ist nicht der Fall. Zudem werden Personen und Autokennzeichen auf den Fotos unkenntlich gemacht.

Nein, Personen werden nicht unkenntlich gemacht. Sieht man auch sehr schön an den Nachbarländern, in denen Google StreetView bereits gelauncht hat. Es werden Gesichter verwischt, nicht mehr, nicht weniger. Im Datenschutz spricht man von personenbezogenen Daten, nicht gesichtsbezogenen. Hat vielleicht einen Grund. Die Bedenken der Sonnenbadenden könnten aufgrund des restriktiven US-Jugendschutzes allerdings trotzdem unbegründet sein, ich weiß jedoch nicht ob Google “Fleischfilter” einsetzt.

Wie es Google schafft, von der öffentlichen Straße aus Dinge zu sehen, die für andere nicht einsehbar sind; ob die Firma nach Ansicht des “Bild”-Mannes spezielle Kameras hat, die durch Mauern fotografieren können, oder ob sie eigene, sagen wir: “Leser-Reporter” dafür einsetzt, bleibt offen.

Das Geheimnis liegt in der Kamerahöhe. Google - und das wird von manchen als nicht mehr von der Panoramafreiheit gedeckt angesehen - filmt eben nicht von einer normalen, ohne Hilfsmittel erreichbaren Höhe aus. In Berlin sind zum Beispiel Mauern und offene, sockelfreie Einfriedungen nur bis zur Höhe von 2 Metern weitgehend unproblematisch errichtbar. Da filmt der Laden halt einfach man drüber wech…

* Ob BildBlog sich nach Einführung eines Leistungsschutzrechts derartige ausgiebiges Zitieren noch leisten könnte, wage ich zu Bezweifeln

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Wenn die Nachbarschaft strahlt und der Sommer locht

Es ist immer wieder erquickend, wenn es doppelte Berichterstattung im Sommerloch gibt. Zum Beispiel zum radioaktiven Fundstück unter der Stargarder Straße in Berlin.

In der Stargarder Straße, im Berliner Familienbezirk Prenzlauer Berg, strahlte es 100.000 Mal stärker, als es der Grenzwert erlaubt.

schreibt die FTD. Und weiter:

Am Montagabend sollte eine Spezialfirma mit der Bergung des radioaktiven Gegenstandes beginnen. “Es muss jedes einzelne Körnchen rund um diese Stelle untersucht werden”, sagt Rath. Bisher konnte die Strahlung durch Bleiplatten unter den üblichen Grenzwert reduziert werden.

Klingt dramatisch. Aber Frank Rieger kam dort zufällig entlang (das tut er häufiger). Und er berichtet in seinem Blog realitätsnah:

Zur Stärke der Radioaktivität meinte besagter Landesamt-Mitarbeiter: “Wenn Sie sich eine Stunde da drauf setzen bekommen sie etwa so viel ab, wie ein Arbeiter pro Jahr an seinem Arbeitsplatz abbekommen darf”. Wir reden also offenbar nicht von unmittelbaren Haarausfall.

Und die Bergung des Strahlenschrotts ist indes auch schon passiert:

Mehrere Details sind auffällig. Zum einen die offensichtlich sehr geringe Tiefe des Bergungsloches. Es ist kaum 10 Zentimeter tief und kratzt gerade so an der Kiesschicht unter der Asphalt-Decke, falls überhaupt.

Ich fühle mich in diesem Fall deutlich besser durch den Nachbarn informiert als durch die sensationsheischende “Qualitätspresse”. Einfach mal vorbeigehen, sich mit den Menschen vor Ort unterhalten und etwas weniger Distanzschreiberei, das kann offensichtlich nicht schaden. In diesem Fall: Danke Frank.

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Freitagswissenschaften


Twitterer sind die einflussreichsten Internetnutzer … hat das Unternehmen Exact Target mit der Befragung von 1500 Twitterern herausgefunden.

Gut, dass wir drüber gesprochen haben. Amerikanische Marketingunternehmen haben herausgefunden….

(Dieser Beitrag basiert auf einer presseerzeugnisverwandten Publikation und verfolgt keine gewerblichen Absichten. Dennoch könnte das zur Debatte stehende Leistungsschutzrecht für derartige Beiträge ein Problem werden.)

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10.000 Tweets später

Ich hab keine Ahnung mehr, warum genau ich damit angefangen habe. Es kam mir sicher interessant vor und ein recht praktisches Interface, um auf dem Laufenden zu bleiben. Damals, am 03. Mai 2007. Ich haderte zu der Zeit oft mit RSS und der Frage, wie man derartige Techniken für den Journalismus und das Veröffentlichungswesen besser nutzbar machen kann. Bis heute ist beides nicht ganz aus meinem Interessenfokus verschwunden. Aber weniger zentral. Twitter hat einen Großteil meiner aktiven Suchtätigkeit auf die Schultern anderer abgewälzt. Ich surfe definitiv weniger, verlinke dafür mehr öffentlich.

Gelitten hat dabei mein Blog. Hier kommt nur noch selten etwas. Dann, wenn ich denke, dass es mehr bedarf als einer kleinen 140-Zeichen-Nachricht. Wenn ich ohne Limit in die Tasten greifen möchte. So richtig zufrieden bin ich mit dem Angebot aus San Francisco aber trotzdem nicht: statt Listen hätte ich viel lieber eine Ignore-Funktion, eine Art Blacklist. Für Begriffe wie Justin Bieber, für #bsf, #dsds, #tatort und noch so ein paar einschlägige Interessiertmichnicht. Soll sich doch jeder drüber unterhalten, auch die Menschen, die ich sonst lesen mag. Aber das würde die Nutzbarkeit doch deutlich erhöhen.

Twitter ist im Laufe der Zeit deutlich erwachsener geworden. Der anfängliche Nerdspielplatz mit der sinngemäßen Frage “Was tust Du eigentlich hier?” wird inzwischen für ernsthafte und erbittert geführte Debatten gleichermaßen genutzt wie für die klassischen Aufregereien, sinnloses Gebrabbel und - nicht zuletzt - jede Menge Egotainment. Es ist stattdessen relativ normal geworden. Die Community ist groß geworden. Nicht jeder kennt um maximal eine Ecke jeden Twitterer in der gleichen Millionenstadt. Und das ist mit Sicherheit nichts schlechtes. Nur das mit der zentralen Plattform, der fehlende Ignorefunktion und der Frage nach dem Geschäftsmodell, das ist nach wie vor suboptimal. War es aber vor 10.000 Tweets auch schon.

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Leistungsschutzrecht

Es ist ja immer eine nette Idee, Ideen einfach auch anders herum zu denken: was wäre eigentlich, wenn Suchmaschinenbetreiber, PR-Meldungsverfasser, Wikipedia und alle anderen, die für die journalistische Arbeit heute Standard sind, von den Verlagen Geld für die gewerbliche Nutzung ihrer Angebote verlangen würden?

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Herrjeh, FAZ.net!

Es gibt da einen Menschen, mit dem ich mich eigentlich immer nur streite, wenn ich ihn treffe. Der heißt Michael Seemann, im Internet eher mspro. Zum Beispiel auf Twitter. Einmal hätte ich ihm fast behelfsweise die Hand zum Mund geführt. Ich schätze ihn manchmal, weil er sich Gedanken macht.

Er hat das jetzt leider mal vergessen, wenn ich seinen Schilderungen folge. Er hat in seinem FAZ-Blog Ctrlverlust Bilder verwendet, die er so nicht hätte verwenden dürfen (falsche CC-Lizenz). Soweit, so Alltag. Soll auch schon Printbildredakteuren passiert sein: huch, hatte man gar keinen Vertrag mit dem Knipser oder seiner Agentur. Raus damit, ab dafür: Problem erledigt, evtl. entsprechende Bildhonorare und Strafen nachliefern und nicht wieder machen.

Aber nun ist das Blog gelöscht. Pardon, gesperrt. Weil er sich der Redaktion widersetzt habe, schreibt Michael Seemann. Er hat wohl ohne Rückfrage nach erfolgter Bildentfernung sein Blogposting wiederveröffentlicht.

Ich staune. Er hat bei FAZ.net gebloggt, gegen Geld. Seine Beiträge waren verschwurbelt. Inhaltlich für mich nicht zutreffend. Aber nie im Leben hätte ich gedacht, dass es eine Redaktion gibt, die meint, bei diesem Blog entscheiden zu müssen, was da erscheint. FAZ.net macht sich gerade lächerlich - und zeigt mir zugleich, dass nicht alle Angestellten der Marke, hinter der so viele kluge Köpfe stecken sollen, diesem Anspruch wirklich gerecht werden. Der Verlust von Ctrlverlust ist verschmerzbar. Das offenbar geworden schlechte Minikrisenmanagement bei FAZ.net jedoch nicht. Kann es sein, dass man diese per Order von ganz oben zu ihren bezahlten Blogs gekommenen am Main eigentlich gar nicht so gerne haben wollte? Und nur nach einem Grund gesucht hat? Nein? Dann ist ja alles gut. Dann kann das Blog ja wieder online gehen. Und die anderen. Und FAZ.net sich zu den Vorkommnissen äußern.

Diesen Beitrag kann ich dann auch einfach wieder löschen. Kann.

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“Als Bundespräsident darf man zuweilen ja gar nicht so sprechen, wie man zitieren kann.”

Horst Köhler ist am Montag zurückgetreten. Die Begründung klingt schief:

Die Kritik geht aber so weit, mir zu unterstellen, ich befürwortete Einsätze der Bundeswehr, die vom Grundgesetz nicht gedeckt wären. Diese Kritik entbehrt jeder Rechtfertigung. Sie lässt den notwendigen Respekt für mein Amt vermissen.

Horst Köhler konnte nie sonderlich gut mit den Medien, er konnte auch nicht gut mit der Politik. Er wollte gut mit dem Bürger können. Köhler, der Volkspräsident, das war offenbar seine Idee. Nun hat er hingeschmissen, aufgrund einer relativen Kleinigkeit: er fühlte sich zu Unrecht angegriffen. Genauer: das Amt, in dem er sich vielleicht nicht so recht fand. Aber war er ein schlechter Präsident?

Ich habe selten so laut lachen müssen wie beim Nachlesen seiner in den Medien kaum berichteten Gratulationsrede zum 60. Geburtstag der Bundespressekonferenz. Damals las er den versammelten Hauptstadtjournalisten die Leviten, und was taten diese: sie schwiegen es weitgehend tot.

Als Werner Gößling mich vor einem halben Jahr für den heutigen Abend einlud, habe ich mich gewundert: Warum will sich die Bundespressekonferenz zu ihrem 60. Geburtstag ausgerechnet von dem einen Bundespolitiker gratulieren lassen, der von Amts wegen am wenigsten mit ihr zu tun hat?

Aber dann fiel mein Blick auf den Kalender. Schon richtig: Ihre Stammkundschaft ist in diesen Tagen anderweitig beschäftigt. Der Vorstand hat in weiser Vorausschau eingeladen; ich bin gern gekommen, herzlichen Glückwunsch.

Übersetzung: sie interessieren sich normalerweise nicht für mich, jetzt haben Sie mich aus Verlegenheit eingeladen, ich werde die Gelegenheit nutzen. In der gesamten Rede hielt Köhler den Journalisten ihre Unzulänglichkeiten, ihre zu große Nähe zum Politikbetrieb, ihre Oberflächlichkeit, ihren mangelnden Sachverstand und ihre zu große Leserdistanz vor.

Hier geht es gar nicht um Verheißung; hier geht es schlicht um Selbstbestimmung. Und die beginnt mit der Erkenntnis, dass man seinem eigenen Denken die Durchdringung von Tatsachen selbst dann zumuten sollte, wenn sie einem unangenehm sind. Das ist gerade für Anhänger gefestigter Weltanschauung mitunter eine Herausforderung, aber Journalisten sollten sich ihr nicht entziehen. Was soll man davon halten, wenn viele von Ihnen gern ein Urteil über die Dienstwagennutzung der Gesundheitsministerin zum Besten geben, aber die wenigsten ein kompetentes Urteil über die Gesundheitspolitik der Ministerin abgeben können?

Wie sollte man dem widersprechen? Es gibt viele im “Kommentariat” (wie es das Wissenschaftszentrum Berlin einst nannte), die durch Netzwerke, Selbstgefälligkeit und starke, schnelle Urteile auf das Nachspüren, das Forschen, das Suchen und vor allem auch das Auskennen verzichten zu können glauben. Und es gibt Verleger, denen das auch egal ist - denn starke Meinung ist nicht weniger quoten- und auflagenträchtig als gute Recherche.

Nun ist es natürlich eine ganz besondere Ironie der Geschichte, dass Köhler nun gerade darüber stolperte, dass ausnahmsweise einer die richtige Frage stellte. Und jemand anderes genauer zuhörte. Dass er beim Wort genommen wurde - dass er als Bundespräsident nicht hätte sagen dürfen, was er vielleicht zitieren hätte können.

Haltung haben. Es ist ein ziemlich altes Wort. Aber ich finde, es könnte mal wieder in Mode kommen. Genau wie ein anderes, viel schlichteres Wort: Ahnung haben. Zusammen sind sie stark, meine ich.

Haltung und Ahnung, das wünsche ich mir von einem neuen Bundespräsidenten. Von Abgeordneten, Ministern, Staatssekretären, Journalisten, eigentlich von jedem. Und dazu gehört dann auch, klar die Karten auf den Tisch zu legen: die Amtszeit von Horst Köhler war insgesamt keine gute. Er war offensichtlich schlecht beraten, im Bundespräsidialamt sind dem Vernehmen nach oft Mitarbeiter gekommen und gegangen, der Umgangston soll nach Johannes Rau wesentlich rauer geworden sein. Köhlers Abgang war das Versagen einer kompletten Institution, die als Unterbau eines Verfassungsorgans fungiert. Niemand kann von einem Bundespräsidenten erwarten, dass er perfekt ist. Aber man kann vom Bundespräsidialamt erwarten, dass es ihm beratend zur Seite steht, um Perfektion zu erreichen. Darauf haben die Bürger einen Anspruch. Nur leider war auch über Schwierigkeiten im Schloss Bellevue in den letzten Jahren durch die deutsche Hauptstadtpresse fast nichts zu erfahren. Es war ja auch einfacher, über den traurigen Horst zu berichten.

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Ein bisschen besser als Flattr?

Vor etwa einem Jahr saß ich in meiner Küche, skizzierte eine Plattform für eine konvertible Aufmerksamkeitswährung. Kurz vorher hatte ich aufgehört, an einer Idee für ein Berlin-Onlinemagazin zu arbeiten. Der Grund war: die ökonomischen Rahmenbedingungen bieten momentan nicht das, was mir eine Umsetzung erlauben würde - erst recht nicht auf eine Art, die einen mir passenden Weg ermöglicht hätte. Ich wollte keine Abo-Modelle, keine eingemauerten Bezahlinhalte, nicht Anzeigen als Inhalt verkaufen müssen oder ähnliches. Daher war der erste Schritt, mir ein paar Gedanken über eine Verbesserung der Infrastruktur zu machen.

Die ersten Gedanken waren etwa das hier: normalerweise bezahlen wir im Netz mit unserer Aufmerksamkeit. Aber Aufmerksamkeit selbst hilft nicht beim Zahlen der Miete, nicht einmal für das Essen. Selbst in schwerst Link-Empfehlungs-basierenden Onlineumgebungen wie Twitter oder Facebook sind die meisten damit glücklich, dass sie etwas ‘kostenlos’ bekommen, sagen aber zugleich auch gern, dass die für manches bezahlen würden wenn es einen einfachen Weg dafür geben würde.

Ich hab einige Jahre als Journalist gearbeitet. Meine schwierigste Geschichte musste ich auf einem Blog veröffentlichen und hab keinen einzigen Cent mit ihr verdient, meine üblichen Abnehmer hatten kalte Füße bekommen. Sie spülte innerhalb einer Woche im Jahr 2006 durch reine Mund-zu-Mund-Hinweise 30.000 Unique Visitors herein. Es muss also einen Weg geben, all jenen, die wirklich etwas für ihre Nutzer, Leser, Hörer tun, eine einfache Möglichkeit zu geben um etwas Geld zu erhalten. Und gleichermaßen noch denen eine mitzugeben, die bis heute nichts vom Netz verstehen.

Um die Sache abzukürzen: Ich dachte an eine Plattform bei der:

1. die Nutzer sich mit E-Mailadresse und entweder Kreditkartendaten oder Bankverbindung für Lastschrifteinzug registrieren können.
2. die Anbieter sich für Ihren Teil des Kuchens registrieren können.
3. Anbieter sich dafür registrieren können, nicht in Anspruch genommenes Geld zu bekommen (Erklärung folgt gleich)

You may call me Scribbleangelo now. Well. Not. on Twitpic

Für die Nutzer wäre das System einfach: man sieht im Netz etwas, was einem gefällt. Man entscheidet: das ist etwas, für dass ich einen bestimmten Betrag zu zahlen bereit wäre. Vielleicht fünf Cent, vielleicht einen Euro, vielleicht zehn. Mehr als 20 sollte pro Seite nicht möglich sein, um Betrug vorzubeugen. Es ist also mehr oder weniger wie Bookmarks mit einer Zahl.

Am Ende des Monats erhält man eine Mail mit den Details zu den Zahlungen und der Möglichkeit, die Beträge zu ändern oder auch wieder abzusagen (vielleicht hat man ja zwischenzeitlich rausgefunden, dass der Blogger, dem man etwas zukommen lassen wollte, Millionär ist und das Geld besser woanders hingehen sollte).
Man entscheidet also, wieviel man zahlt, wer das Geld bekommen sollte und sie liefern eine bestimmte Webadresse an die Datenbank.

Für Inhalteanbieter muss das System ungleich komplexer sein: man kann den Besitz seiner Inhalte mit einem dem Technorati-Verfahren ähnlichen Mechanismus anzeigen - man registriert sich, dann erhält man ein personalisiertes Bildchen und legt das auf seinem Server im höchsten Verzeichnis ab, für das man verantwortlich ist. Dann klickt man auf: meins. Danach werden alle Inhalte unterhalb dieses Verzeichnisses als zu diesem Nutzer gehörig behandelt und alles Geld, was dafür gegeben werden soll, soll bei dem Nutzer ankommen (außer wenn jemand anderes ein Unterverzeichnis als Eigentümer markiert).

Alles Geld von den Nutzern wird dabei von einer Stiftung gesammelt. Ihr einziges Ziel: das Geld wieder loswerden. Entweder dadurch, dass es an die registrierten Eigentümer übersandt wird, oder (wenn keiner es will) auf einem zweiten Weg - eine Art Kuratorium mit reputierten Personen sollte entscheiden, was mit eingegangenem Geld passiert, beispielsweise durch Stipendien für Journalismus, für Kunst oder um auf anderem Wege denen zu helfen, die für die Netzöffentlichkeit produzieren. Nur die Verwaltungskosten der Stiftung sollten durch etwas von dem nicht in Anspruch genommenen Geld gedeckt werden.

Nun gibt es Flattr und Kachingle. Anfang des Jahres habe ich Peter Sunde versucht zu kontaktieren, der hat nicht reagiert. Da ich denke, dass es keinen Platz für einen weiteren Mitbewerber in dem Markt gibt und mir die Zeit fehlt, das an den Start zu bringen, habe ich beschlosen das nun abzuschließen und meine Gedanken und Ideen einfach zu veröffentlichen. Wem es gefällt, der sollte anderen davon erzählen und sie vielleicht ein bisschen in die Richtung drücken, von der ich dachte, dass es die Richtige wäre.

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Die über das Internet schreiben

Das Internet macht dies, das Internet macht das, ist gut für dieses, schlecht für jenes, es kann uns alle ändern (oder auch nicht), es wird uns alle fressen (oder auskotzen), es macht alles zu schnell (und zu langsam, weil zersplittert), es bietet keine guten Informationen (oder zuviele, um diese zu finden, auf jeden Fall aber sind wir alle chronisch überfordert), es frisst unsere Zeit und optimiert uns bis zum Gehtnichtmehr, ja, dieses Internet ist ein wahrlich Wunderding.

Wenn ich mir anschaue, wieviele ach so schlaue Texte, Manifeste, Essays und Aufsätze zum Internet so erschienen sind, fällt mir etwas auf: die meisten davon sind kritisch-distanziert-gezwungen. “Ach, dieses Netz, es überfordert uns alle und mich sowieso, aber wir können ja nicht mehr ohne”, scheinen sie sagen zu wollen. Das ist, mit Verlaub, gequirlter Schrott.

Ich möchte nicht zurück in eine Zeit, in der ich triviale Informationen wie Telefonnummern in Büchern nachschlagen musste, in der ich nicht mehreren Menschen gleichzeitig eine Nachricht schriftlich zukommen lassen konnte, auf die auch wieder alle an alle antworten konnten, eine Zeit, in der nur Privilegierte überhaupt die theoretische Möglichkeit hatten, bei einer breiteren Öffentlichkeit Gehör zu finden. Natürlich ist nicht alles rosig im Zusammenhang mit dem Netz, natürlich ist nicht alles toll, was so eine Gesellschaft in ihrem Wandel produziert. Aber wenn sich in den Feuilletons die Verlorenen aus der Vergangenheit weinend an den Schultern liegen, möchte ich einfach nicht mehr zuhören. Früher war es nicht besser, nur anders. Als nach wie vor relativ junger Mensch würde ich sogar sagen: es ist vieles so schlecht gewesen, dass diejenigen, die über heute so sehr jammern, gestern schon ihr Können und Versagen gezeigt haben.

Und nun hab ich selbst wieder einmal Zeit und Gedanken in diesem Metaflauschsofa verbracht und mich darüber echauffiert, statt die Dinge anzugehen, die mir wichtiger sind als alter Männer wöchentliche Weinattacken. Mist. Naja. Viertelstunde verschwendet.

(Anlass für dieses Stück: der Herr Gelernter in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung)

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Datendiebstahl zur Kriminalprävention?

Die abschreckende Wirkung, die auf künftige Steuerhinterzieher von vermehrten Datendiebstählen ausgeht, ist hinsichtlich der Kriminalitätsbekämpfung viel wertvoller als ein möglicher Schaden, der von der Ermunterung zum Datenklau ausgehen könnte.

Sowas schreibt und denkt man wo? Bei tazens.

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Anders gewünscht

Nein, ich finde es nicht falsch, wenn Stefan Niggemeier sein Erstaunen über Art, Form und Inhalt in seinem Blog pointiert zum Ausdruck bringt.

Das Nicht-und-vielleicht-doch-Problem, das ich mit Stefans Blog - und das schon sehr lange - habe, ist seine Perfektion. Wenn Stefan Niggemeier etwas kritisiert, tut er das mit manchmal geradezu perfide wirkender Akribie. Er weiß, wie man recherchiert, ist in der Lage den Federkiel zu spitzen, ihn anzusetzen und dann ganz langsam durch die Haut gleiten zu lassen, durch alle Muskelstränge und sonstigen Widerstände hindurch - und am Ende dann das Wild per Text zur Strecke gebracht zu haben. Wer von ihm kritisiert wird, wird dies meist zurecht. Wer von ihm seziert wird, wird dies meist aus gutem Grund und mit Anlass.

Es ist ein zutiefst menschliches Bedürfnis, perfekt zu sein. Perfektion wiederum ihrerseits erscheint mir oft unmenschlich. Ich glaube, ich hätte mir gewünscht, dass Stefan Niggemeier einfach nur eine nicht weiter kommentierte Linkliste der Beiträge des Herrn Konstantin Neven DuMont gepostet hätte. Fehlbarkeit für sich sprechen zu lassen, hätte es etwas weniger brutal, aber doch angemessen wirken lassen. Aber das ist nur der Wunsch nach etwas Nachsicht. Wahrscheinlich eine Nachwirkung der Weihnachtsmannschlachtung.

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Lesestoff: Indien, Wachstum, Europa, digitales Nirwana

Lesen ist etwas wunderbares, wenn man sich dafür Zeit nimmt. Vielleicht hat der eine oder andere Leser der Kühlschranknotizen ja einen kleinen Moment, dann möchte ich auf ein paar Stücke verweisen, die mich in den letzten Tagen auf die eine oder andere Weise interessiert haben.

Wie verkauft man Wissenschaft, die herausfindet, was alle schon vermuteten? Indem man die Ergebnisse “aufsext”.

Ein Artikel von Spiegel Online, Ressort Wissenschaft: “Wer früh zu Bett geht, hat weniger Depressionen”. Darin geht es um eine Studie, in der die Korrelation zwischen frühem Schlafen gehen und Depressionen untersucht wurde. Der Artikel ist in weiten Teilen schlicht falsch: er unterstellt eine Kausalität (”Unzureichender Schlaf macht nicht nur müde, sondern kann auch zu Depressionen führen.”) statt Korrelation (Ursache und Wirkung sind unklar, nur der Zusammenhang ist feststellbar).
Natürlich ist solcher Bullshit klickträchtig: Schlafen hilft gegen Depressionen, das können sich Depressive als Wundermittel eigentlich nur wünschen. Geht früh ins Bett, dann klappt das schon. Erst im vorletzten Absatz wird wirklich erzählt, was die Wissenschaftler herausgefunden haben:

Weil die Forscher allein einen statistischen Zusammenhang (Korrelation) von Schlafdauer und Depression festgestellt haben, kommt jedoch auch eine ganz andere Erklärung in Frage: Womöglich fügen sich psychisch stabilere Jugendliche eher einer frühen Nachtruhe als jene, die zu Depressionen neigen.

Das Internet vergisst nichts - oder immer nur das Falsche?

Der Guardian hat sich mit der British Library beschäftigt, die Probleme mit der Archivierung von Onlineinhalten aufgrund von Rechtslage und praktischen Hürden berichtet. Ob es so schade wäre, wenn viele Dinge im digitalen Nirwana verschwinden, darüber kann man sicherlich streiten.

Die Verzichtmalnicht-Gesellschaft?

Ob zum hören oder lesen, der Hintergrund zum Thema Wachstum, Konsum und Wohlstand im Deutschlandfunk war sehr interessant. Nur im Audioteil kommt auch Meinhard Miegel zu Wort, ein alter Bekannter in neuer Funktion. Interessante Gedanken inklusive der Frage, ob wir nicht auf vieles verzichten könnten und sollten, das uns nur durch künstliche Bedarfschaffung als Notwendigkeit erscheint.

Persönlich nachdenklich

Ich mag die Euroblogger-Szene, also die Leute, die sich über Grenzen hinweg mit Europa, der EU und ihren Bürgern beschäftigen. Oft wirken ihre Themen leider so kryptografisch-technokratisch, wie die EU als Verwaltungsapparat nun einmal häufig ist. Daher freut es mich ganz besonders, wenn andere Töne zu lesen sind.

Wann liest man etwas über Indien?

Die Frage habe ich mir gestellt, als ich dieses faszinierende Stück über Konflikte im Staat Jharkhand las. Wenig Ahnung vom Subkontinent mit der knappen Milliarde Bewohner, seiner Politik, Wirtschaft, Problemen. Die Berichterstattung wird aber sicher noch kommen, in absehbarer Zeit - dafür wird die Gegend mit ihren Bewohnern einfach zu wichtig werden, um sie weiterhin so sehr zu ignorieren (und nur über den IT-Standort Bangalore und heilige Kühe zu berichten).

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Des Verlegers Klagelied

Weil heut nicht mehr jeder zahlt
was ihm blind wird vorgesetzt
geht ein Businesscase dahin
bloß: wohin weiß keiner schon
Bald vorbei ist’s sicherlich!
Wenn man nicht mehr Geld erhält.
Singt der Manager gequält
Klagelieder bitterlich.

Qualität! Das schreien sie.
Und Rendite meinen sie.
Kaum verlegene Verleger
wohlgeboren, hochinteger
sind sehr skeptisch heutzutage
‘kostenlos’ die Plageklage.

Nein, die Internetgemeinde!
Unter dem Pantoffel Panik.
Überall sind Zeitungsfeinde!
Googles Schuld!
Der Kuchen: sahnig.

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Onlinenachhaltigkeit - Was Print nicht kann

Gerade steht in der “Meistgelesen”-Box auf zeit.de ein Artikel auf Platz 2, der fast sechs Wochen alt ist. Es handelt sich dabei um das Dossier-Interview mit Sebastian Deisler , der aufgrund von Depressionen seine Fußballerkarriere an den Nagel hing und auch heute noch nicht sehr glücklich wirkt. Im Zusammenhang mit dem Tod von Robert Enke ist dieses Interview für viele Menschen noch einmal lesenswert geworden. Früher hätte ein Dossier von Anfang Oktober Mitte November kaum einer gefunden - heute ist es einer der meistgelesenen Artikel. Onlinenachhaltigkeit.

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Ich fuehle mich ja so schlecht

Diese Internetnutzer, die mich den ganzen Tag umgeben, die mich anschauen, mit mir reden, mich sehen, mich mögen oder auch nicht! Diese schrecklichen haarigen Biester! Pardon, falsches Lied.

Auf jeden Fall fühle ich mich so von ihnen umgeben, dass ich mich manchmal frage, ob ich nicht inzwischen auch einer von ihnen geworden bin. Also einer dieser Menschen, die zweifelsohne an Aufmerksamkeitsstörungen leiden (entweder zuviel oder zuwenig, auf jeden Fall aber ADS oder ADHS). Einer von jenen Menschen die den ganzen Tag dieses Internet vollschreiben mit Sachen, die ja niemanden interessieren - außer denen, die reagieren - und die immer so tun, als wären sie egalitär, aber in Wahrheit die neuen Oligarchien nur ignorieren da sie hoffen, Teil dieser Struktur zu werden die die alte ablöst.

Das wäre natürlich sehr schlimm. Ich schäme mich so entsetzlich für die Menschen, die dieses Internet nutzen und sich in ihm wie selbstverständlich bewegen, Kritik mit Sachkenntnis verbinden wollen und sich kaum Zeit lassen, den Misthaufen der vorangengangenen Generationen so zu loben und zu lieben, wie es sich für brave Kinder geziemt. Die sogar die Revolution verschmähen, nur weil sie längst gelernt haben, dass die Revolutionen der Elterngenerationen für sich genommen doch auch nur ein Häufchen Mist mit einem neuen Häufchen Mist überdeckt haben. Schreckliche Kinder, ich fühle mich so schlecht. Ohne Internet wäre die Welt viel, viel besser, lieber Adam S.

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Erstes Release von Schnittchenvergiftung

Endlich ist es soweit: nachdem die Branche monatelang auf das neue StartUp aus dem Hause Falk Lüke gewartet hat, ist es jetzt da. “Social Media changed unser Life rapide und ohne unseren consent”, erklärt Falk Lüke, Founder von Schnittchenvergiftung.de. “Mit unserem fantastischen neuartigen Social Media Approach gewinnen wir tiefe Einblicke in die deutschsprachige Schnittchensociety.”

Schnittchenvergiftung.de analysiert in einem ersten Schritt Milliarden von Social Media-Beiträgen auf ihre Schnittchenlast und zeigt chronologisch invers die Verschnittchung. Doch das ist erst der Anfang: “In einem der nächsten Releases werden wir mit unserem top secret Schnittchensocietyanalyzer Maßstäbe für das Social Media Monitoring setzen”, sagt Lüke. “Die gesamte Branche wird vor Neid in die Leberwurst beißen - das Leberwurstcase-Szenario, sozusagen!” Schnittchenvergiftung.de ist mit dem Start bereits Marktführer im Bereich Schnittchentalkanalyse. Die geplante Releaseparty mit Guido Westerwave musste leider wegen Terminproblemen entfallen.

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Kontextabhängiger texten, heute mit Sueddeutsche.de

Manchmal sollten Journalisten bei ihrer Sprachwahl besonders aufpassen.

In den meisten der 308 Gemeinden wurde derweil bei den Kommunalwahlen mit Duellen zwischen den Kandidaten der Sozialisten und der konservativen PSD gerechnet.

Ein ganz normaler Satz. Aber nicht bei dieser Meldung.

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Betroffenheitsjournalismus

Heinrich Wefing mal wieder. Schreibt in der Zeit darüber, dass Union und FDP die Chance hätten, “Politik für das Internet” zu machen. Ich halte es nach wie vor für ungut, wenn Journalisten aus der gefühlten Betroffenenperspektive schreiben:

So kann die FDP, die bei der Verteidigung der digitalen Bürgerrechte noch einigermaßen oppositionsradikalisiert, also Piraten-nah, auftritt, als wirtschaftsfreundliche Partei nicht achselzuckend die faktische Enteignung zahlloser Kreativer durch illegale Tauschbörsen hinnehmen, wie das die Piraten tun. Eine Modernisierung des Urheberrechts wäre deshalb ein lohnendes Vorhaben für Union und FDP, zudem müsste die Koalition eine Politik gegenüber Google entwickeln.

Heinrich Wefing fühlt sich enteignet. Und er mag Google nicht. Na dann.

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Ohne Kommentar

http://www.internet-manifest.de/

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Journalismus im Internet #1: Intelligenter veröffentlichen

Beachten wir einmal nicht die Rahmenbedingungen. Stellen wir uns vor, es gäbe eine Welt ohne Verleger, Vermarktung, Zeitdruck und Finanzprobleme. Eine, in der man den Idealtypus von Journalismus, der im Internet veröffentlicht wird, verwirklichen könnte. Wie sollte dieser aussehen? Ich möchte einladen, das zu diskutieren. Und selbst einen Aufschlag dazu machen – ich freue mich darüber, wenn andere ihre Sicht auf ihren Blogs veröffentlichen und hierher zurückpingen.

Das Internet stellt uns eine Infrastruktur zur Verfügung. Der sichtbarste Teil, das WWW, ist der Ort, an dem im Regelfall veröffentlicht wird. Das geschieht mittels Webseiten, auf denen Inhalte veröffentlicht werden können: Text, Ton, Bild, Bewegtbild, Interaktives.

Journalistische Erzählstrukturen haben sich in den jeweiligen Mediengattungen etabliert, die Nutzer haben sich daran gewöhnt. Ob die große Spiegel- oder Deutschlandfunkreportage, ob Kommentar oder Nachricht – sie alle haben sich in ihren Medienformen entwickelt. Und fast überall gibt es die Auffanggattung „Feature“ für einiges, was nicht so recht ins Schema passt. Audio und Bewegtbild im Offlinebereich ist darüber hinaus gemein, dass es ausschließlich linear funktioniert: eine Reportage läuft von vorne bis hinten. Dann ist sie abgeschlossen und der Hörer oder Zuschauer hat sie wahrgenommen, ganz oder in Teilen, oder verpasst. Sie ist ohne Hilfsmittel nicht rückholbar, versendet sich. Für Papiermedien gilt das ähnlich, aber anders: theoretisch ist es so, dass der Leser die Zeitung oder Zeitschrift jederzeit zur Seite legen und später weiterlesen könnte. Praktisch ist es so, dass die Tageszeitungen nach drei Stunden nicht mehr angefasst werden und Zeitschriften selbst bei begeisterten Lesern nach spätestens einer Woche oder einem Monat im Schrank ein staubiges Dasein zu fristen beginnen. Im Internet ist das anders: zum einen muss ein Werk nicht für „fertig“ erklärt werden. Es ist jederzeit Gegenstand möglicher Aktualisierung, Veränderung, Ergänzung, Restrukturierung. Und es ist solange erreichbar, wie es verfügbar gehalten wird (oft aber auch noch einige Zeit darüber hinaus zumindest in Zwischenspeichern). Das gilt für alle Inhalte – egal welcher der alten Gattungen sie angehören oder ob sie Hybridformen sind.

Die Erzählstruktur im Netz muss dieser Realität gerecht werden. Zwar wird für den heutigen Leser, Zuhörer oder Zuschauer (= Nutzer) etwas hergestellt. Aber viele Artikel erreichen im Verlauf von vier oder fünf Jahren ein ebenso beträchtliches Publikum wie in den ersten 24 Stunden nach Veröffentlichung, der Zeit, in der sich die meisten Tageszeitungsinhalte bereits versendet haben. Entsprechend muss dies mitgedacht werden, wenn man wirklichen Onlinejournalismus betreiben möchte. Und hierzu gibt es eine grandiose Möglichkeit: den Link. Wer ältere und neuere Inhalte miteinander verknüpft, sie mittels thematischer, örtlicher, zeitlicher oder personaler Identifikatoren in Relation zu anderen Inhalten setzt (Stichwort: Metadaten), hat die Möglichkeit, den Ausschnitt der Wirklichkeit, den er nun beleuchten möchte, im Kontext bereits erzählter Geschichten weiter zu erzählen, muss nicht die ganze Geschichte von vorne erzählen.

Diese Möglichkeit der Kontextualisierung ist eine der großen Chancen für Journalismus im Netz. Sie wird nach wie vor nur spärlich eingesetzt. So hat zum Beispiel im Videobereich bis heute niemand die naheliegende Idee umgesetzt, in einem Videoplayer Links einzublenden, die, sobald der Zuschauer sie klickt, das Video zum pausieren veranlassen und den Inhalt öffnen. So lassen sich beliebige Inhalte in beliebigen Trägermedien verknüpfen. Einziges Sorgenkind dabei ist Audio, das aufgrund seiner Einwegeigenschaften und in Ermangelung direkter Interaktionsmöglichkeiten hier mit Text, Bild und Bewegtbild nicht mithalten kann.

Nun kann man also intelligenter veröffentlichen. Doch eine Veröffentlichung macht noch keinen Journalismus. Was also kann Journalismus im Internet, was Journalismus ohne Internet nicht oder nur schlechter kann? Und was heißt das? Ein bald erscheinender Folgebeitrag soll versuchen, Hinweise darauf zu geben, welche neuen Möglichkeiten und Anforderungen für Recherchezwecke im Journalismus im Internet entstanden sind.

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Linktipp: Verfassungsblog.de

Maximilian Steinbeis, Autor und früher beim Handelsblatt, bloggt jetzt unter Verfassungsblog.de. Ich bin gespannt.

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Sparbeitrag: Verlage, Journalisten, Internet

Bitte einmal hier klicken, dann hier , da, da auch und dann dort. Was ich davon halte, habe ich bereits hier gesagt.

Wer dann noch nicht genug hat, kann sich hernach noch der Zitatensammlung Michael K. widmen. Hinter den Links verbergen sich übrigens oft ganz Beiträge.

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Freiheit statt Angst-Trailer von Wortfeld

Alexander von Wortfeld.de (ich finde, sowas sollte man anstelle von klassischen Adelstiteln als Namensbestandteil einführen) hat einen sehr netten Trailer für die “Freiheit statt Angst”-Demo fabriziert.

Freiheit statt Angst - der Trailer from Alexander Svensson on Vimeo.

Das steht in guter Tradition diverser sehr netter kurzer Videos, die er im Laufe der Zeit so bastelte. Ich finde ja “Planet unter Beobachtung” nach wie vor ganz, ganz klasse:

Planet unter Beobachtung from Alexander Svensson on Vimeo.

Ich wünscht, ich hätte ähnliches Videotalent.

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Too small to meter

Dankenswerterweise muss ich mich bei Chris Anderson nicht beschweren. Ich habe in U- und S-Bahn sein neues Buch “Free” gehört. Das Hörbuch war umsonst, in jederlei Hinsicht. Der Zeitaufwand war glücklicherweise “too small to meter”, um Andersons Kernthese zu verwenden.

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Missverständnis 2.0: Es ist doch gar nicht für uns…

Der eine oder andere in der Blogosphäre, der ein oder andere geschätzte und weniger geschätzte Twitterer hat seit gestern gejammert, gezetert, gejault oder einfach nur den Kopf geschüttelt. Was ist passiert? Ein Telefonkonzern hat Werbung vorgestellt. Soweit, so uninteressant. Aber dann vereinnahmt dieser Telefonkonzern in seiner Werbung einige der bekannteren Köpfe der deutschen Blogosphäre bzw. aus einig Deutschlands Twitterland. Das finden viele ziemlich doof.

Was ist da denn passiert? Ist das der Ausverkauf von Idealen? Sind wir alle ungefragt mitverkauft worden? Werbespots sehe ich wenn überhaupt mal im Kino. Mein Internet zeigt mir sowas nämlich nicht, wenn ichs nicht unbedingt will. Menschen mit einer gewissen Popularität, die Aktivitäten nachgehen, die derzeit als populär gelten, haben sich also von einer populären Werbeagentur zur Bewerbung für mich uninteressanter Produkte einspannen lassen. Die Werbeagentur hat alles inszeniert und durchproduziert, nichts ist authentisch und alles schrecklich steril. Also die ganz normale Perversion von Popkultur. Und damit auch konzeptionell einfach so alt, dass es mir am Popo vorbeigeht. Kein Grund zum Grienen. Und jetzt hab ich doch drüber geschrieben. Hm.

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Der Dieter von der traurigen Gestalt

Es ist ein zum Scheitern verurteilter Versuch: Stefan Niggemeier versucht, Dieter Gorny zu verstehen.

Gorny, die personifizierte Musikindustriekrise, der Übervater des NoChange-Management-Gedankens, der Popularmusikvertriebslobbyist, ist ein stetiger Begleiter. Und so schaurig traurig, dass es einem kalt den Rücken runterrieselt.

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Es ändert sich was

Philip Steffan schrieb auf netzpolitik.org:

Nach Informationen, die uns vorliegen, wird es am kommenden Dienstag, den 30. Juni im Rahmen der Konferenz Schutz vor sexueller Gewalt gegen Kinder und Jugendliche mit Fokus auf neue Medien: Perspektiven für Europa, die das Familienministerium veranstaltet, eine große Abschlusserklärung geben. [..] Laut unseren Informationen sitzen alle großen Social Networks in Deutschland (studiVZ-Gruppe, wer-kennt-wen, Lokalisten usw., Knuddels) mit im Boot.

Ohne inhaltlich drauf eingehen zu wollen:
In Kommentar #32 reagierte XING offiziell.
In Kommentar #40 reagierte StudiVZ offiziell.
In Kommentar #58 reagierte Wer-Kennt-Wen offiziell. (Nachtrag, Dank an Daniel Hartmann)
In Kommentar #91 schickte Lokalisten einen offiziellen Reaktionspingback.

Offenbar gibt es ein Bedürfnis, zu reagieren. Die gleiche Szene hätte vor drei Jahren wohl noch anders ausgesehen.

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Zum Hintergrund der Zeit-Debatte ums Internet

Böses Internet, gutes Internet? In der Zeit sind in den letzten Wochen eine erkleckliche Anzahl Artikel erschienen, die sich mit dem Internet auseinandersetzen. Manche sagen darüber sogar eher, sie würden gegen das Internet hetzen. Nun sollte man ein paar Dinge über die Zeit wissen - und auch im Kontext versuchen zu verstehen, warum gerade jetzt das gefühlte intellektuelle Flaggschiff der deutschen Presselandschaft sich so intensiv der Thematik annimmt. Continue Reading »

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Die Dialektik des Jens Jessen

Jens Jessen, Feuilletonchef und spitze Feder bei der Zeit, versucht, irgendwie den Soboczynskitext von vor zwei Wochen zu rechtfertigen (S.52, “Das Netz trügt“). Er schließt sein Stück folgendermaßen:

“Mit anderen Worten: Das Internet, bevor es großmäulig von E-Democracy redet, muss erst einmal eine angstfreie Gesellschaft in seinen Räumen erlauben, in der nicht jeder, aus Furcht vor seinem missgünstigen Nachbarn, sich unter den kleinsten gemeinsamen Nenner duckt. Oder noch einmal anders gesagt: Es steht außer Frage, dass im Netz ein bedeutender Beitrag zur Demokratie geleistet werden kann. Aber die gegenwärtigen sozialen Umgangsformen verraten keine Tendenz zur E-Democracy, sondern eher zum EBolschewismus.”

Abgesehen davon, dass mich der EBolschewismusvergleich angesichts des Leninbildes in Herrn Jessens Büro leicht amüsiert: Soziale Umgangsformen einzufordern und eine zweifelsohne höchst pluralistische Gruppe wie die der Internetnutzer pauschal als “großmäulig” abzutun, das ist in einem Absatz schon mehr als Dialektik: Es ist einfach nur verlogen. Da kann und darf man ganz groß drüber maulen, wenn ein Feuilletonist nur wenig mehr denn 140 Zeichen benötigt, um seinen eigenen Anspruch so frei heraus durch gegenteiliges Verhalten als bloße Hirnwichserei jenseits gelebter Realität zu diskreditieren.

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Eine Parabel für Heinrich Wefing

Auch in der dieswöchigen Ausgabe der ZEIT ist wieder einmal ein Artikel enthalten, der uns sagt, dass das Internet oder zumindest seine aktiven Bewohner tendenziell böse sind. Und dieses eine Mal stimme ich dem Autoren Heinrich Wefing bei etwas zu. Denn er hat etwas geschrieben, das zweifelsohne korrekt ist:

Erstaunlich ist nicht, dass dieser Kulturkampf jetzt losbricht. Erstaunlich ist in Wahrheit, dass er so lange auf sich warten lassen hat. Wieso hat es fast zwanzig Jahre gedauert, bis öffentlich formuliert wird, was doch eigentlich eine Selbstverständlichkeit ist: dass das Netz kein rechtsfreier Raum ist.

Es ist gut, dass Wefing diesen Punkt aufwirft. Und er liegt zweifelsohne damit richtig, dass im Cyberspace die heutigen Gesetze nicht als solche ernst genommen, Freiheit verehrt und gelebt wird. Dass so lange geschwiegen wurde, hat seinen guten Grund.

Stellen Sie sich einmal vor, Sie hätten eine Insel entdeckt. Sie finden diese Insel wunderschön, bauen sich dort ein kleines Häuschen, fangen Fische und bauen Gemüse an. Es gibt ein Wäldchen, eine Lichtung und einen Bach. Sie lesen manchmal ein gutes Buch. Manchmal, wenn der Wind gut steht, hören Sie die Fischerstochter vom Festland ein Liedchen trällern. Das weiß sie nicht und es tut ihr auch nicht weh, aber sie freuen sich an diesem Liedchen.
Irgendwann kommen Ihre Freunde zu Besuch. Sie mögen die Insel und beschließen, zu bleiben. Sie freuen sich über ihre Freunde die Ihre Insel mögen und sagen: was mein sei, sei auch dein.
Irgendwann kommen die Eltern zu Besuch. “Was für eine schöne Insel, und spannend, wie Ihr hier alle lebt. Aber das ist schon alles etwas seltsam hier. Aber gut, dass wir so liebe, unpolitische Kinder haben. Da brauchen wir uns ja wohl trotzdem keine Sorgen machen.”
Sie leben weiter und immer mehr Freunde kommen auf ihre Insel. Alle freuen sich, aber viele vergessen, dass es nur eine Insel ist. Sie kommen gar nicht mehr wegen der Insel, sondern deshalb, weil hier irgendwie die cooleren Leute sind. Weil hier etwas neues entsteht und sie gerne dabei sein wollen.
Als eines Tages die Eltern vor Ihrer Tür stehen und sagen, dass sie jetzt auch auf der Insel wohnen, sind Sie überrascht. Als die Eltern sagen, dass auch alle Ihre Freunde herziehen wollen, dass dafür aber der Wald planiert, der Bach ausgetrocknet und der Fischfang eingestellt werden muss, sind sie erstaunt und erschreckt. Als die Eltern dann auch noch sagen, dass das Fischermädchen vom Ufer doch bitte nicht diesen schrecklichen Indiepop sondern gefälligst Schlager trällern soll, platzt Ihnen der Kragen. Sie sind schlussendlich doch politisch geworden.

Wefing hat dennoch Unrecht, wenn er schreibt:

Dass im Cyberspace dieselben Gesetze gelten wie in der realen Welt.

Die Internetgeneration hat ihre Eltern in Ruhe gelassen, so wie die Elterngeneration die Internetgeneration nicht beachtete. Nun hat die Elterngeneration beschlossen, das Internet so zu betreten, als ob sie dort zuhause wäre. Wir leben in spannenden Zeiten. Und die Zeit (nicht die ZEIT) arbeitet für die Internetgeneration und ihre Gesetze.

Disclaimer: 2007-2008 war ich Redakteur bei ZEIT online

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