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Archive for the 'Gedankengurt' Category

Bildung als Stückwerk

Gibt es etwas Uninspirierteres als die Frage, welcher Universität welche Exzellenz in welchem Bereich zuerkannt und mit Geldern gefördert wird? Ob die Modularisierung des Studiums dem Humboldtschen Bildungsideal noch nahe genug kommt? Ob Schüler besser mit fünf oder sechs oder sieben eingeschult werden, um dann zwei oder drei Jahre lang in der Schuleingangsstufe zu sitzen, nach vier oder sechs Jahren auf weiterführende Schulen geschickt werden?

Bildungsfalschparker

All dies sind Zeichen der Hilflosigkeit. Statt sich mit den wirklich relevanten Fragen zu beschäftigen, wird wie schon seit 50 Jahren an den Symptomen herumgedoktert. Nein, das deutsche Bildungssystem hat sich in weiten Teilen nicht so bewährt, wie es das hätte tun müssen, um nicht grundsätzlich in Frage zu stehen. Bildungspolitik muss zum Ziel haben, Menschen die Möglichkeit zu geben, unabhängig von ihrer Herkunft, Geburt und körperlichen Hindernissen die Ausbildungsmöglichkeiten zu eröffnen, die diese in Anspruch nehmen wollen und bei der Frage Hilfestellung zu leisten, was für den Einzelnen sinnvoll und damit eventuell auch für die Gesellschaft insgesamt später nützlich sein könnte. Diesem Ideal gerecht zu werden, das umfasst nicht nur die Hamburger Frage.

Jedes Lieschen weiß mittlerweile, dass Deutschland eine sozial hochgradig ungerechte “Bildungsrepublik” (so das von Kanzlerin Merkel ausgerufene Ziel) ist. Bildung als Schlüssel zu gesellschaftlicher Teilhabe ist faktisch privatisiert, denn das Private ist die entscheidende Determinante für den Bildungsweg. Ins falsche Elternhaus geboren zu sein, das heißt zugleich auch: schlechte Chancen haben. Das kann und darf Politik nicht dulden.

Tabula Rasa könnte hier weiterhelfen. Bildung einmal anders herum zu denken tut dringend Not. Deutschland muss in Ermangelung anderer Rohstoffe ein Vorzeigebildungsland werden. Wieviele berufliche Stationen wird ein heute geborenes Kind in seinem Leben haben? Wir wissen es nicht, aber können davon ausgehen, dass mit steigender Lebenserwartung, sich schnell verändernden Umweltbedingungen durch technischen Fortschritt wie verändernde Märkte das Modell des lebenslang ausgeübten Berufs ein für alle Mal hinfällig ist. Doch darauf ist das deutsche Bildungssystem nicht ausgelegt. Es sagt: wir bilden bis zu 20 Jahre aus, dann wird 40 Jahre gearbeitet.

Was es also braucht, ist ein viel breiterer Ansatz. Wie kann man es schaffen, dass die Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen von heute und morgen tatsächlich faire Bildungschancen bekommen? Wie müsste die Bildungsinfrastruktur aussehen, mit der man den Herausforderungen der Gegenwart und Zukunft begegnen kann? Vom Kindergarten über die Berufsschulen bis zum Seniorenstudium: Wo wollen wir mit der “Bildungsrepublik” hin, wie ist das zu leisten?

Die heutigen Strukturen können dabei nicht unter Artenschutz stehen. Bildung ist eine Gemeinwohl-Dienstleistung – wenn der Bedarf sich ändert, muss die Struktur angepasst werden. Dafür wünsche ich mir von den politischen Akteuren jede Menge Mut. Und keinen Verweis auf Bund-/Länderkompetenzen, widerstrebende Eltern, die heilige Dreigliedrigkeit oder die Unantastbarkeit der Hochschulautonomie. Wir können dabei jede Menge von den anderen Ländern auf dieser Welt lernen.

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Collaboratory-Bericht zu Innovationskultur und Gesellschaft

In den vergangenen Monaten habe ich mich - soweit es der enge Zeitplan zuließ - am von Google gesponsorten und von Max Senges von Google initiierten “Collaboratory Internet & Gesellschaft” beteiligt.

In einem bunt gemischten Kreis aus Wissenschaftlern, Wirtschafts- und Interessenvertretern, Netizens und anderweitig hierfür qualifizierten Personen haben wir in einem ersten Schritt einen Fragebogen zum Thema Innovationskultur und Gesellschaft erarbeitet. Angelehnt an die “Pew Internet & Life Future of the Internet”-Studien haben wir pro Frageblock zwei Extrema ausgearbeitet, die zum Nachdenken und Stellung nehmen aufforderten. Die so entstandenen Extrempunkte wurden zur Diskussion unter per Schneeballsystem durch die Teilnehmer angeschriebene bzw. über ihre ‘normalen digitalen Kommunikationskanäle’ dazu aufgeforderten Menschen gestellt. Kernpunkt war aus meiner sicht dabei nicht, sich für eine der beiden Optionen zu entscheiden. Das hatten wir ja auch absichtlich schwer gemacht. Sondern eine Tendenz anzugeben und darüber hinaus qualitativ zu begründen, vielleicht auch die getroffene Selektion dadurch einzuschränken.

Dabei haben eine Menge Menschen mitgemacht. Daraufhin hat der Collab-Kreis die Antworten - über 500 - nach einem einfachen Muster ausgewertet: was waren die Kernpunkte oder besondere Aspekte, die die Teilnehmer benannt haben? Die Ergebnisse dieser Befragung sind jetzt nachlesbar. Sie sind nicht repräsentativ und auch was die Methodik angeht haben wir im Laufe der Zeit noch einiges dazulernen können. Aber ich find die Antworten überaus interessant. Und sie zeugen von einer Menge Verstand dort draußen. Der Kreis des Collaboratory hat wirklich schöne Diskussionen führen können - und sich von den Antworten der Teilnehmer dann auch zeigen lassen können, dass Crowds definitiv weitere Mehrwerte beibringen können.

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Potenziell vorsichtig, potenziell zuversichtlich

Das Internet verändert rasant unsere Gesellschaft. Ha!
Das Internet stellt die bisherigen Verhältnisse auf den Kopf. Ha!
Die allgegenwärtige Vernetzung und die Operationalisierung aller Handlungen und Optionen in Bits und Bytes bietet enorme Potenziale! Haha!

Okay, liebe Netizens. Seit über zehn Jahren reden wir, ihr, ich, andere, über die großartigen Chancen und Potenziale, die die Digitalisierung für uns bereit hält. Darüber, was für ein großartiges Medium es ist. Was es uns nicht alles tolles ermöglicht. Und was es uns nicht noch alles ermöglichen könnte. Könnte? Ja, könnte.

Nun sind wir Deutschen nicht unbedingt dafür bekannt, dass wir besonders offen auf neues zugehen. Wir kritisieren von Herzen gern, wir dekonstruieren bis ins kleinste Fitzelchen und wenn beispielsweise Stefan Niggemeier nebenan feststellt, dass der deutsche Journalismus das Internet als Feind und nicht als Chance begreift, dann hat er damit verdammt nochmal dermaßen recht. Und auch ich bin einer dieser Moserköpfe, die mit jeder potenziellen Chance auch erst einmal die Risiken bis zum Ende der Vorstellungskraft abwägen wollen. Das deutsche Wort “Vorsicht” hat es bis heute noch nicht in das Wörterbuch der englischen Germanophobie geschafft, obwohl ich es viel deutscher als “Achtung” oder “Hausfrau” finde.

Vor etwa einem Jahr habe ich mir etwas ausgedacht, das ich selbst ganz großartig finde. Das jeder, mit dem ich bislang darüber gesprochen habe, großartig findet. Ich habe weder genug Zeit gehabt noch genug Einwände beiseite geräumt, um es Wirklichkeit werden zu lassen (Hint: es ist eine Kreuzung aus Kachingle und Flattr, die es beide da noch nicht gab. Zielsetzung jedoch war eine andere als bei diesen beiden Projekten). German Vorsicht, here we are. Ich habe es durchkalkuliert, ich habe es mit den richtigen Leuten diskutiert, ich habe es am Ende nicht umgesetzt. Klar könnte ich das noch machen. Aber ich kann es auch einfach sein lassen. Es ist und bleibt: Potenzial. Nicht mehr, nicht weniger.

Wenn ich mir anschaue, was das Netz bislang tatsächlich geändert hat, dann bin ich erstaunt. In erster Linie hat das Netz Dinge verschoben, sie verschnellert und verkürzt. Früher war es nervig und umständlich, ein Produkt zu bestellen oder es im Laden zu kaufen. Heute ist es nervig und umständlich, das gelieferte Paket vom Nachbarn oder der Packstation zu holen. Früher war es schwierig, sich jenseits seiner direkten Peer Group auch einmal auf etwas neues einzulassen. Heute gibt es neue Formen von Peer Groups, mit denen richtig umzugehen wir alle noch nicht gelernt habe. Und all das birgt natürlich riesige Potenziale…

Nehmen wir einmal die Politik. Warum kann ich zum Beispiel mit der Piratenpartei so wenig anfangen? Weil sie in meiner Wahrnehmung unreif ist. Statt sich mit Politik zu beschäftigen, wie sie ist und wie sie sein sollte, konstruiert man sich ein Bild von Politik, wie es sein muss damit die eigenen Lösungsansätze auf jeden Fall erfolgversprechender sind. Und nein, die Piraten bieten in meinen Augen keine Lösungen für die dringlichen Fragen. Sie bieten auf einem eng begrenzten Feld Ansätze um Politik besser zu machen. Ob daraus jemals mehr wird, wird die Zeit zeigen (und ja, potenziell bin ich jederzeit zu einer Neubewertung bereit).

Vielleicht aber sehe ich auch all das falsch. Ich bin derzeit nicht in der Rolle eines außenstehenden Beobachters, ich nehme Teil. Unvoreingenommenheit könnte ich mir zwar anmaßen, mit der Realität hat es auf jeden Fall nichts zu tun.

Was fehlt, ist der Wille, aktiv zu gestalten. Und da gibt es so gut wie keinen Unterschied zwischen On- und Offline: was wünschen wir uns? Was möchten wir erreichen? Ist der status quo das, was man nur etwas optimieren muss? Gibt es Dinge, die grundlegend schief laufen? Wie kann man diese ändern? In welche Richtung? Wieviel Vorsicht, aber auch: wieviel Zuversicht ist notwendig? “Wer nichts macht, macht nichts falsch” ist mächtig falsch. Es wird Zeit, sich nicht auf Strukturdiskussionen und Meta zu beschränken. Ich mag nicht mehr den 300. Besinnungsaufsatz von Frank Schirrmacher, Susanne Gaschke oder mir selbst lesen, ich mag auch nicht mehr über Blogs und schon gar nicht Social Media und Potenziale diskutieren. Ich mag machen. Wer macht mit?

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Lasst die Keule mal zuhause

Die Netzgemeinde hat lange Jahre darum gebeten, dass man ihr zuhört - weil man es nicht tat. Sie hat gezetert, gemosert, ihr ganzer Sach- und Fachverstand wurde ignoriert. Politiker aller Couleur, das von de Maiziere so genannte “Sie wissen schon wovon ich rede” als Höhepunkt, haben sich blamiert. Und sie haben die Netizens zu einer losen Ansammlung von solchen werden lassen, die erst die Augen verdrehen, dann fast schon reflexartig mit “Die haben mal wieder überhaupt nichts verstanden und sowieso keine Ahnung” reagierend. Und dann kommt noch ein kleiner Nachsatz wie: “Damals als …, haben wir das ja auch schon diskutiert. Und auch damals hat uns keiner zugehört.”

Jetzt ist es an der Zeit, ganz schnell zu lernen. Und zwar für die Netzgemeinde.

Politik hört derzeit zu. Politik will zuhören. Natürlich ist es traurig, dass es dafür erst eine in sich selbst zutiefst apolitische und damit Partei im meiner Meinung nach schlechtestem Wortsinne (nämlich als partielle Interessenvertretung ohne gesamtgesellschaftlichen Anspruch) und eine erkleckliche Anzahl enttäuschter Wählerstimmen brauchte. Aber: im neuen Bundestag sitzen viele auch jüngere Menschen, die längst nicht mehr so Internet-inkompetent sind wie ihre Amtsvorgänger. Und viele Politiker der alten Garde bringen andere Qualitäten, Wissen und Instinkt mit. Klar, natürlich gibt es noch viele Entscheidungsträger, deren Affinität zu den neueren Medienformen, freundlich formuliert, distanziert ist. Aber auch das wird sich erledigen - entweder werden die Borg sie schon kriegen, oder sie werden sich nicht dauerhaft halten können.

Wer sich aber gar nicht halten können wird, sind diejenigen, die reflexhaft loskrakeelen. Wer schreit, hat zwar nicht immer Unrecht. Aber er exkommuniziert sich weitgehend aus der Entstehung von Politik. Wer mich kennt, weiß, dass mich Dinge richtig auf die Palme bringen können. Und auch ein angemessen dezibelerzeugendes Stimmorgan besitze. Aber aktuell ist es nicht an der Zeit, mit der Keule in der Hand herumzulaufen und die tatsächlich vorhandenen Verschiebungen, die die Digitalisierung mit sich bringt, in Köpfe einprügeln zu wollen, die eigentlich sogar sehr gesprächsbereit sind. Leider bin ich kein Comiczeichner, aber das Bild, jemandem eins überzubraten und dabei laut zu rufen: “Hör mir doch zu!”, das zeigt das Problem.

Oft hat “das Internet” die besseren Argumente auf seiner Seite. Dass ihnen zugehört wird, ist neu für viele. Dass sie dann auch noch etwas konstruktives sagen sollen, auch. Aber das wird schon werden. Ich bin da zuversichtlich. Nur beim Lernen über Politik müssen so einige noch etwas nachsitzen. Und vor allem: nicht immer gleich rumschreien.

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Erstes Release von Schnittchenvergiftung

Endlich ist es soweit: nachdem die Branche monatelang auf das neue StartUp aus dem Hause Falk Lüke gewartet hat, ist es jetzt da. “Social Media changed unser Life rapide und ohne unseren consent”, erklärt Falk Lüke, Founder von Schnittchenvergiftung.de. “Mit unserem fantastischen neuartigen Social Media Approach gewinnen wir tiefe Einblicke in die deutschsprachige Schnittchensociety.”

Schnittchenvergiftung.de analysiert in einem ersten Schritt Milliarden von Social Media-Beiträgen auf ihre Schnittchenlast und zeigt chronologisch invers die Verschnittchung. Doch das ist erst der Anfang: “In einem der nächsten Releases werden wir mit unserem top secret Schnittchensocietyanalyzer Maßstäbe für das Social Media Monitoring setzen”, sagt Lüke. “Die gesamte Branche wird vor Neid in die Leberwurst beißen - das Leberwurstcase-Szenario, sozusagen!” Schnittchenvergiftung.de ist mit dem Start bereits Marktführer im Bereich Schnittchentalkanalyse. Die geplante Releaseparty mit Guido Westerwave musste leider wegen Terminproblemen entfallen.

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Unlustig

Wenig Bloglust diese Wochen. Auch das Wahlergebnis nicht gerochen.
Und stattdessen hab ich mich inhaltsarbeitsattgegessen.
Ärgere mich täglich: über diesen Bäcker, kläglich.
Dort verkauft man Schweineohren ohne Schokoüberzug,
für den Schweineohrgenießer nah zum Auszeichnungsbetrug

Ja, das sind dann die Probleme
die ich selbst als Luxus sehe
und bei fernerer Betrachtung
dennoch nicht so ganz verstehe.
Schweineohrenüberzüge
sind kein Fortbewegungsmittel
doch so ohne Schokolade
fehlt zum Ziel halt doch ein Drittel.

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Schön ist’s in diesem Internet

Mir sind Daten und ihre Verwendung wichtig. Ich gehe in meinen Augen bewusst mit meinen persönlichen Daten um, ich versuche andere Menschen dazu zu bewegen, jedes mal abzuwägen ob eine Preisgabe sinnvoll ist. Und ich bin ein ziemlich intensiver Internetnutzer. Wie geht das zusammen?

Vorweg: ich weiß nicht, ob es wirklich zusammengeht. Natürlich hinterlasse ich dauernd, immer wieder und an vielen Stellen Daten. Google weiß vieles über mein Verhalten im Internet. Zum einen, weil ich die Qualität der Suchmaschine schätze. Zum anderen, weil an vielen Stellen im Internet Google-Ads geschaltet werden oder Google Analytics zur statistischen Auswertung der Besuche und Besucher benutzt wird. Doch was weiß Google wirklich über mich?

Die Suchmaschine spuckt eine Menge Treffer zu meinem Namen aus (Sorry übrigens an meine beiden Namensvettern, Ihr werdet Euch in Eurem Leben noch häufiger für meine Suchtreffer erklären müssen, trotz des nicht sonderlich gebräuchlichen Namens. Das vornehme Recht des internetältesten Namensträgers, die Ergebnisse zu dominieren, muss ich irgendwann auch mal betrachten). Was erfährt man da? Wo ich im Internet existiere. Manchmal, wo ich im Internet diskutiere. Und hin und wieder sogar, was ich im Internet äußere.

Aber, bin das eigentlich ich? Nun könnte ich behaupten: der Ganze ist mehr als die Summe seiner googlebaren Teile. Und das stimmt. Aber man kann mich im Internet sicherlich von einer ganz bestimmten Seite kennenlernen.

Ich äußere mich viel und gerne online. Doch für die meisten Menschen wird es kryptisch bleiben, was ich fabriziere. Was ich tue, was ich denke, was ich möchte und was mich berührt - all das sind Dinge, die man nur aus dem Kontext des Kennens richtig erfassen kann. Manchmal wähle ich Ausschnitte aus und veröffentliche sie. Fragment. Die meisten meiner Leser hingegen kennen mich genauso schlecht, wie ich sie. Und das ist irgendwie doch schön.

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Der kleine Unterschied?

Ich habe eine Vermutung. Die ist sehr banal, und daher möchte ich sie besonders gerne teilen und von anderen in der Luft zerreißen lassen. Sie lautet: das Internet macht vielen Leuten Angst, weil es die Unzulänglichkeit der Realität mess- und sichtbar machen könnte.

Wieviele Geschäftsmodelle basieren auf Lügen? Oder sagen wir es diplomatischer: nicht vollumfänglich nachvollziehbaren und erfüllten Versprechen? Wieviel Reputation ist auf heißer Luft aufgebaut? In meinen Augen ist das schönste am Internet, dass es als Instrument der Infragestellung des Tradierten sehr direkt ist. Daher macht es denen Angst, die vor allem mit heißer Luft handeln oder zumindest das Gefühl haben, sie täten das. Ich aber sage Euch: Fürchtet Euch nicht! Es gibt keinen Grund Selbstmord aus Angst vor dem Tod zu begehen. Nur einen Anlass.

Ihr werdet höchstens ein bisschen sterben. In Werbung, Medien, Produktion; in Politik, da weiß man schon: das Internet ist sehr gefährlich. Doch statt dagegen: seid halt ehrlich. Tusch.

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Social Media in Deutschland 2009 - Was ist, was werden könnte

Ein paar Jahresauftaktgedanken, über deren Lesen, kritisieren und darauf basierend Revidieren ich mich freue.

Wenn wir auf das Jahr 2009 schauen, liegt einiges vor der Bevölkerung der Bundesrepublik. Wirtschaftskrise, Wahlen, Wandlungsbereitschaft: mit diesen drei Schlagworten lässt sich beschreiben, was kommen mag. Welche Rolle können hierbei, welche Rolle sollten hierbei, welche Rolle werden hierbei die sogenannten “Sozialen Medien” spielen? Continue Reading »

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Warten. Warten. Warten.

Ist es schon da? Kommt es erst im nächsten Jahr? Sind die hohen Tagessätze für fähige Leute nicht ein klares Indiz für das baldige Platzen der aktuellen Bubble? Oder braucht es dafür den Schweinetarif der unfähigen? Ist die multimediale Aufrüstung großer Werbeagenturen Teil einer Nachhaltigkeitsstrategie? Oder doch nur Nachhall einer Strategielosigkeit, die sich in wildem Taktik-Tic-Tac-Toe ergeht?

Manchmal beschleicht mich das Gefühl, dass diese Runde nie platzen wird. Solange alle gespannt auf das Platzen warten und niemand die Nadel in die Hand nimmt, passiert dem Ballon einfach nichts.

Heute Abend speiste ich unter anderem mit zwei oder drei Wespen, einem Spatz und einer Taube. Gallische Auguren würden sagen, dies war ein Zeichen. Doch was für eines?

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Uneigener Gedanke

Hab einen. Remix von einem anderen. Funny van Dannen (Bekannte und Gemütsplaylistleser wissen um mein Faible für seine Texte) sprechgesangte dereinst “Aber Fragen ist ja auch einfacher denn Antworten. Oder glauben Sie, dass Günter Jauch mit Antworten so populär geworden wäre?”

Ich sag mal: Schreiben ist ja auch einfacher denn Lesen. Oder glauben Sie, dass Charlotte Roche mit Lesen so populär geworden wäre?

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Ein bisschen Blues

In den letzten Wochen habe ich viel meiner Zeit darauf verwendet, nachzudenken. Nicht, dass dabei besonders viel herausgekommen wäre. Aber dümmer hat’s mich wohl auch nicht werden lassen.

Ich schreibe in diesem Weblog nicht sehr häufig über persönliches. Nicht viel über meine mehr oder minder private Welt. Das wird sich wohl auch nie ändern, da es gute Gründe gibt, dies nicht zu tun. Heute eine kleine Ausnahme. Continue Reading »

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Nach dem UGC-Boom: Gedopte Websites und gedopte User

User Generated Content galt vor drei, vier Jahren plötzlich als Heilsbringer für die Verlage im Netz: Citizen Journalism, Participative Journalism, viele Projekte und Namen trugen die immer gleichen und nicht immer hübschen Kinder. Die Idee dahinter ist so einfach wie gut. Doch die Realität ist eine andere.

Ich bete seit Jahren immer wieder herunter, dass es «auch nur Menschen sind», die Politik gestalten und verwalten, die Journalismus betreiben, die Fehler machen und die lesen. Menschen wie alle anderen auch, hoffentlich etwas intelligentere und oft auch etwas gebildetere - häufig auch eingebildetere. Gerade im politischen, dem Sport- und dem Kulturjournalismus haben sich einige Unarten eingeschlichen, die in ihrer Form ziemlich abstoßend sind. Journalisten bauen Bilder von Menschen auf um danach selbst am Ruhm dieser zu partizipieren. Denn ist eine Dienstreise mit Angela Merkel nicht eine Auszeichnung für einen Journalisten? Der ganz private Talk - bei laufenden Kameras natürlich - im Wohnzimmer eines Sportstars nicht auch ein bisschen Glanz, der abstrahlt? Manchen Journalisten bekommt eben diese Luft überhaupt nicht, auch deshalb, weil in diesem Glorifizierungsbonifikationssystem nicht die Fachkenntnis oder die Kritikfähigkeit sondern die Schleimproduktion den Weg ebnet.

Und dann kommen die User. Diese würden auch gerne in Greifweite von Heidi Klum sein, so mächtig sein wie Kurt Beck (naja, vielleicht doch eher Wladimir Putin), einmal mit Günter Grass über Weltliteratur und Schundromane diskutieren. Und was finden sie? Schnöden Journalismus. Mal gut, mal schlecht. Oft billig. Und über all dem sitzen eitle Journalisten, deren Hauptanliegen es seit jeher ist, ihr Ding zu machen. Ihre Geschichten zu schreiben. Sich bloß von niemandem, keinem Kollegen und erst recht keinem Leser ins Handwerk pfuschen zu lassen. Und die doch als Onlineredakteure oft nur den «heißesten Scheiß» abliefern dürfen. Partizipation? Ausgeschlossen. Und versucht sie doch einmal jemand, glaubt das kein Leser. Aus Gewohnheit.

Was also machen die Leser mit den ihnen angebotenen Interaktionsmöglichkeiten? Sie verhalten sich wie Redakteure. Sie beißen. Sie keifen. Sie erbrechen verbal in die digitalen Ausschnitte der Qualitätsmedien mit ihren Brustbildbilderstrecken. Und die Journalisten? Finden das doof. Und produzieren weiter klickträchtigen Content.

Die Tittifizierung der deutschen Onlinemedien scheint unaufhaltsam und das Diskussionsniveau entspricht häufig genug dem reflexorientierten (oder auch: Google-optimierten), hormonwallungsfördernden Content. Auf Supermodel-Hintern gucken, auf Bush klicken, einen User oder Redakteur richtig doof finden – Diskurs ist alles das nicht. Die Onlinemedien bekommen, was sie verdienen. Aber immerhin verzichten die meisten inzwischen auch in Selbstbeschreibungen auf den früher offensiv zu Markte getragenen Qualitätsanspruch.

Dass zwischen Bären und Brüsten vielleicht doch noch guter Journalismus zu finden sein könnte: Pech. Für alle, die darauf keine Lust haben. Die vielleicht wirklich gerne etwas wissen wollen. Gibt halt wirklich viele Menschen da draußen.

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Frage: Für wen bloggst Du?

Wurde mir gerade gestellt.

Antwort:

Mich

Mich

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Vier Minuten

Die durchschnittliche Haltbarkeit unserer Engagements beträgt vier Minuten. Eine zum Ausdenken, eine, um zu sagen, was man dafür alles braucht und damit doch erreichen könnte. Eine weitere um die ersten Zweifel zu streuen, ob sie wirklich umsetzbar sind. Und die vierte ist dafür reserviert, dass wir uns eingestehen, dass die Zeit für sie noch nicht reif sei.

Den Rest des Tages bilden wir uns ein, dass wir die Welt verbessern wollten.

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Unterschied..?

Früher sprach man vom Politbüro. Heute von Office Politics.

Schönen Sonntag.

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Feeling Schreibmaschine

Ich schreibe gerne. Und schreibe wenig. Wenn ich schreibe, schreibe ich oft zuviel. Ich weiß, wie man schreibt, damit es für andere Menschen lesbar ist. Weiß, wie man Spannung aufbauen kann – oder sie verflachen lassen kann.

Ich will fast immer etwas schreiben. Ich will viel schreiben. Aber nicht irgendwas. Sondern über die Dinge, die mir wichtig erscheinen.

Manche Worte gefallen mir. Andere weniger. Möchte ist so eines, das mir nicht gefällt. Ich möchte einen Text schreiben? Nein! Niemals. Ich will. Und wenn ich etwas will, dann schaue ich, ob und wie das möglich ist. Wollen ist toll. Wollen ist ein Ausdruck dessen, was man oft nicht auf Anhieb rational begründen kann. Man kann etwas Essen wollen (das habe ich gerade getan). Man kann etwas mögen wollen. Ich mag vieles. Und trotzdem möchte ich wenig, will aber vieles.

Der innere Konflikt über den eigenen Anspruch, über das Wollen um es am Ende zu mögen, er ist eine Hürde. Wieviel Aufwand muss man in eine Geschichte stecken? Wieviel Zeit? Ist das wirklich wichtig? Sind meine Gedanken dazu kausal logisch, die Schlussfolgerungen korrekt? Wieviel muss ich erklären? Ist es zu voraussetzungsvoll? Zu seicht? Fragen plagen.

Am Ende schreibe ich selten. Vielleicht besser so. Sollte ich eigentlich mögen. Will ich aber nicht.

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