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Archive for the 'Berlin' Category

“Als Bundespräsident darf man zuweilen ja gar nicht so sprechen, wie man zitieren kann.”

Horst Köhler ist am Montag zurückgetreten. Die Begründung klingt schief:

Die Kritik geht aber so weit, mir zu unterstellen, ich befürwortete Einsätze der Bundeswehr, die vom Grundgesetz nicht gedeckt wären. Diese Kritik entbehrt jeder Rechtfertigung. Sie lässt den notwendigen Respekt für mein Amt vermissen.

Horst Köhler konnte nie sonderlich gut mit den Medien, er konnte auch nicht gut mit der Politik. Er wollte gut mit dem Bürger können. Köhler, der Volkspräsident, das war offenbar seine Idee. Nun hat er hingeschmissen, aufgrund einer relativen Kleinigkeit: er fühlte sich zu Unrecht angegriffen. Genauer: das Amt, in dem er sich vielleicht nicht so recht fand. Aber war er ein schlechter Präsident?

Ich habe selten so laut lachen müssen wie beim Nachlesen seiner in den Medien kaum berichteten Gratulationsrede zum 60. Geburtstag der Bundespressekonferenz. Damals las er den versammelten Hauptstadtjournalisten die Leviten, und was taten diese: sie schwiegen es weitgehend tot.

Als Werner Gößling mich vor einem halben Jahr für den heutigen Abend einlud, habe ich mich gewundert: Warum will sich die Bundespressekonferenz zu ihrem 60. Geburtstag ausgerechnet von dem einen Bundespolitiker gratulieren lassen, der von Amts wegen am wenigsten mit ihr zu tun hat?

Aber dann fiel mein Blick auf den Kalender. Schon richtig: Ihre Stammkundschaft ist in diesen Tagen anderweitig beschäftigt. Der Vorstand hat in weiser Vorausschau eingeladen; ich bin gern gekommen, herzlichen Glückwunsch.

Übersetzung: sie interessieren sich normalerweise nicht für mich, jetzt haben Sie mich aus Verlegenheit eingeladen, ich werde die Gelegenheit nutzen. In der gesamten Rede hielt Köhler den Journalisten ihre Unzulänglichkeiten, ihre zu große Nähe zum Politikbetrieb, ihre Oberflächlichkeit, ihren mangelnden Sachverstand und ihre zu große Leserdistanz vor.

Hier geht es gar nicht um Verheißung; hier geht es schlicht um Selbstbestimmung. Und die beginnt mit der Erkenntnis, dass man seinem eigenen Denken die Durchdringung von Tatsachen selbst dann zumuten sollte, wenn sie einem unangenehm sind. Das ist gerade für Anhänger gefestigter Weltanschauung mitunter eine Herausforderung, aber Journalisten sollten sich ihr nicht entziehen. Was soll man davon halten, wenn viele von Ihnen gern ein Urteil über die Dienstwagennutzung der Gesundheitsministerin zum Besten geben, aber die wenigsten ein kompetentes Urteil über die Gesundheitspolitik der Ministerin abgeben können?

Wie sollte man dem widersprechen? Es gibt viele im “Kommentariat” (wie es das Wissenschaftszentrum Berlin einst nannte), die durch Netzwerke, Selbstgefälligkeit und starke, schnelle Urteile auf das Nachspüren, das Forschen, das Suchen und vor allem auch das Auskennen verzichten zu können glauben. Und es gibt Verleger, denen das auch egal ist - denn starke Meinung ist nicht weniger quoten- und auflagenträchtig als gute Recherche.

Nun ist es natürlich eine ganz besondere Ironie der Geschichte, dass Köhler nun gerade darüber stolperte, dass ausnahmsweise einer die richtige Frage stellte. Und jemand anderes genauer zuhörte. Dass er beim Wort genommen wurde - dass er als Bundespräsident nicht hätte sagen dürfen, was er vielleicht zitieren hätte können.

Haltung haben. Es ist ein ziemlich altes Wort. Aber ich finde, es könnte mal wieder in Mode kommen. Genau wie ein anderes, viel schlichteres Wort: Ahnung haben. Zusammen sind sie stark, meine ich.

Haltung und Ahnung, das wünsche ich mir von einem neuen Bundespräsidenten. Von Abgeordneten, Ministern, Staatssekretären, Journalisten, eigentlich von jedem. Und dazu gehört dann auch, klar die Karten auf den Tisch zu legen: die Amtszeit von Horst Köhler war insgesamt keine gute. Er war offensichtlich schlecht beraten, im Bundespräsidialamt sind dem Vernehmen nach oft Mitarbeiter gekommen und gegangen, der Umgangston soll nach Johannes Rau wesentlich rauer geworden sein. Köhlers Abgang war das Versagen einer kompletten Institution, die als Unterbau eines Verfassungsorgans fungiert. Niemand kann von einem Bundespräsidenten erwarten, dass er perfekt ist. Aber man kann vom Bundespräsidialamt erwarten, dass es ihm beratend zur Seite steht, um Perfektion zu erreichen. Darauf haben die Bürger einen Anspruch. Nur leider war auch über Schwierigkeiten im Schloss Bellevue in den letzten Jahren durch die deutsche Hauptstadtpresse fast nichts zu erfahren. Es war ja auch einfacher, über den traurigen Horst zu berichten.

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Anstrengend, aber schön: Wenn sich die Timeline materialisiert

Zum Abschluss der re:publica 2010 habe ich am Freitag ein Experiment gewagt: Wenn man im Keller anfängt, sich durch den Hof und dann den Innenraum durch bis zur Theke höflich von all jenen verabschiedet, die einem in den letzten Tagen gute Diskussionen, gute Unterhaltung oder schlicht gute Laune bereiten konnten, dann benötigt man wie lang…? Das Ergebnis lautet: etwa zwei Stunden.

Die re:publica ist ein wunderbarer Kongress für mich. Ich war jedes Mal dort, selbst wenn ich zwischendurch den Job gewechselt habe, und jedes Mal habe ich dort viele Menschen getroffen, bei denen es sich lohnte, zuzuhören, sich mit ihnen zu streiten oder auch zu einigen. Dort gibt es ein ganz hervorragendes Gefühl: nicht bei Adam und Eva anfangen zu müssen. Hier muss man niemandem erklären, warum Twitter faszinierend ist. Auch wenn längst nicht alle der Anwesenden es nutzen. Was ein Trackback ist. Auch wenn längst nicht alle Besucher aktive Blogger sind. Dass nicht alles, was man im Netz macht, auch einen direkten ROI haben muss. Hier ist kaum einer, der glaubt, dass das mit dem Internet auch wieder vorbeigehen würde.

Ein für mich sehr schönes Beispiel war mein eigener kleiner Vortrag zum Thema “Ihre Daten für unsere Zukunft? - Verbraucherschutz in der digitalen Welt”, in dem ich vorgestellt habe, warum Verbraucherschutz auch im Internet eine wichtige Rolle spielen muss. Dort saß auch die Anbieterseite, namentlich Vertreter von Google, den VZ-Netzwerken und Qype und diskutierte eifrig mit, zum Beispiel zum Thema Datenschutz. Wenn ich mir vorstelle, wie diese Diskussion an anderen Orten ausgesehen hätte, bin ich froh, sie dort geführt zu haben.

Was wäre so ein Kongress wie die RP10 ohne ihre gefühlt Abermillionen kleinen Gespräche? Wahrscheinlich nichts. Ich hatte häufig meine Schwierigkeiten, geplante Programmpunkte und die guten Gespräche unter einen Hut zu bringen und werde versuchen, mir noch einiges im Nachhinein anzuschauen.

Viele der Themen waren ernsthaft - zum Beispiel die Vorträge von Evgeny Morozov oder Peter Kruse, aber auch der ganze Netzneutralitätstrack mit verschieden gut besuchten Vorträgen und Diskussionen. Manche Veranstaltungen gingen leider etwas unter. So war die Idee, die Best of Blogs-Awards der Deutschen Welle in die re:publica einzubinden, eine wirklich gute. Sie hätten deutlich mehr Aufmerksamkeit und Hinweise auf sie, aber auch weniger Hetze in der Darbietung vertragen: die Gewinnerblogs wurden kaum vorgestellt, was ihnen mit Sicherheit nicht gerecht wurde. Dabei steckten dort wirklich tolle Sachen drin. Und auch in den kurzen Reden gingen einige bemerkenswerte Punkte viel zu sehr unter: Syeda Gulshan Ferdous Jana aus Bangladesch erwähnte in ihrer Rede zum Beispiel ganz nebenbei, dass von 150 Millionen Einwohnern nur 1,5 Millionen einen Festnetzanschluss hätten - aber 55 Millionen einen Mobilfunkvertrag, weshalb man den Schritt stationäres Internet in der Entwicklung wohl einfach überspringen würde. Und die Iranerin Farnaz Saifi berichtete von den Schwierigkeiten im Iran, nicht zuletzt deshalb, weil westliche Firmen das Zensur-Equipment liefern. Dazu gehört nach ihrer Aussage auch der republica-Sponsor Nokia. Das ist relevant.
Dass der von mir geschätzte Ilja Kabanow aus Nowosibirsk für metkere.com den BOB für das beste russischsprachige Blog erhalten hat, hat mich übrigens sehr gefreut.

Was bleibt also? Ich für meinen Teil freue mich auf jeden Fall sehr auf die nächste Veranstaltung. Viele der in diesem Jahr angefangenen Gespräche werden spätestens dort eine Fortsetzung finden, bei manchen Themen werden wir alle etwas schlauer sein als heute. Wenn sich die Timeline dann im April 2011 wieder materialisiert. Und man am Ende wieder das Gefühl hat, längst nicht mit allen gesprochen zu haben, mit denen man gerne hätte sprechen wollen. Warum so ein Kongress viel besser ist als Chatroulette, haben wir ja auch alle schön demonstriert bekommen.

Das am Anfang erwähnte Experiment endete übrigens abrupt. Dort stellte mir jemand noch jemand neuen vor, ich hatte ein neues Getränk in der Hand und habe den Forschungsdrang aufgrund vorliegender Ergebnisse für beendet erklärt. War noch ein sehr interessantes Gespräch.

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Politcamp: Miteinander statt übereinander reden

Freunde der Internetpolitik, ich würde gerne dem Politcamp am Sonntag noch eine Session hinzufügen, zu der ich alle einladen möchte, die sich für Internetpolitik (also nicht ‘Politik im Internet verkaufen’ sondern ‘Politik mit dem und für das Netz’) interessieren.
Das soll eine kleine Gesprächsrunde sein, je nach Wetter drinnen oder draussen,, in der Politikbetriebvertreter sagen können, was sie sich von den Netizen wünschen und vice versa - und auch, wie das funktionieren kann. Wer Lust darauf hat, kann mir das kurz auf Twitter (@flueke) sagen oder hier einen Kommentar hinterlassen.

Das ist dann mal meine Reaktion auf den ersten Tag. Weiterverbreiten der Idee erwünscht.

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Das Jahr im Rückspiegel

Zu jedem Jahresrückblick gehört ein kleines bisschen Gejammer über diese Jahresrückblickskultur. Ich fasse mich kurz: der hier ist einer, der vor allem aus einem dicken Danke besteht, an all jene, die mich 2009 begleitet haben, in guten und weniger guten Tagen. Es ist letztenendes ein schönes Jahr geworden, das 2010 herzlich willkommen macht.

Ich habe wunderbare Menschen um mich herum, viele nette Kollegen, wohne und arbeite in der für mich derzeit wunderbarsten aller Städte, habe keine größeren Sorgen im eigentlichen Sinne und für mich in diesem Jahr ein paar Dinge entdeckt, die ich sehr gerne mache. Die eine davon ist eine Wiederentdeckung: der Spaß daran, sich gegenseitig die Bälle um die Ohren zu hauen. Und die andere ist für mich in diesem Jahr eine der schönsten Entdeckungen überhaupt gewesen: die Abschalttätigkeit schlechthin ist für mich Segeln. Nächstes Jahr werde ich mich da noch etwas intensiver mit auseinandersetzen, glaube ich.

segeln-sommer-2009.jpg - copyright katja klein

Was war sonst noch so? Ein politisch höchst spannendes Jahr mit einem Wahlkampf, der mein altes Steckenpferd Onlinewahlkampf um einige Facetten bereichern konnte, der in seiner Schönheit eher überschaubar war, der mir im Wahllokal viel Spaß gemacht hat und auch ansonsten gab es in der Politik in Verbindung mit Themen wie Datenschutz, Zugangserschwerungsgesetz und Vorratsdatenspeicherung eine Menge Diskussionen. Das Onlinejournalismusfeld bzw. die Frage, wie, ob und auf welche Weise Journalismus sich und seine Vermarktung im Netz neu erfinden kann, wenn wer es nur muss, wird im nächsten Jahr genau so akut bleiben wie in diesem. Aber ich sehe da nicht mehr ganz so schwarz: sowohl in Politik als auch in der Medienbranche kommen langsam die echten Onliner etwas stärker in tragende und entscheidende Funktionen. Was nicht heißt, dass damit alles automatisch gut wird. Aber es heißt, dass zumindest gewisse Grundfragen so nicht mehr gestellt werden müssen. Ausnahmen bestätigen hierbei die Regel, der ein oder andere kämpft seine Rückzugsgefechte gegen dieses schreckliche Internet.

Es bleibt einiges zu tun. Gleich werde ich erstmal ein kleines Weihnachtspäckchen für meine Nachbarn packen. Die haben seit ein paar Monaten wieder ein Telefon. Und einen Computer werden sie in ihrem Leben ziemlich sicher nicht mehr danebenstellen.

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Alltägliche Mittemäßigkeit

“Eigentlich interessiere ich mich ja gar nicht für Fußball.” Hm. “Als Du mich angerufen hast, war ich gerade in Spanien.” Hmhm. “Oh, hast Du gerade einen Film gedreht?” Hmhmhm.

Klinge ich wohl selbst auch so? Ich mein, ich sitze gerne in diesen Cafés. Und kann es mir nicht so ganz genau erklären, warum. Hier sind die richtig wichtigen. Die kennen alle, jeden und zwar besonders die besonders wichtigen. Sind ja selber solche. Ihr Tonfall ist einschlägig, ihre Klamotte auch. Ihr Vokabular: ein Füllwortteppich. Wirklich. Absolut. Phrasenschweinebauchzyklenbetont. Eigentlich betreiben sie nur ein öffentliches Selbstgespräch. Sie reden nicht mit anderen Menschen, sie reden über sich. Und zeigen, wie geil sie sind. Berlinsken, deine Mitte ist voll von solchen Quarkquasslern. Ich glaube, ich würde sie vermissen, würden sie plötzlich sinnvolle Dinge oder gar mit Menschen reden.

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Ganz einfache Bitte an couchverliebte Entwickler

Kann jemand eine Facebook-App schreiben, die folgendes tut?

Ich habe eine Couch. Die wird gerne von anderen Menschen benutzt, die nach Berlin kommen. Das ist sehr schön und ich freue mich darüber sehr. Es ginge aber noch einfacher, wenn Kontakte in FB meine Couch requesten könnten und dann automatisch “Available”/”Not Available” zurückbekämen. Bei “Available” könnten sie dann eine Nachricht an mich schreiben. Oder halt an jeden anderen “Couch-Owner”.

Mag das jemand machen? Könnte man ja auch noch etwas ausdehnen den Gedanken, aber ich will ja nicht zuviel auf einmal. Wer die App schreibt, hat zwei Übernachtungen bei mir gut. Und ein Bier.

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Unlustig

Wenig Bloglust diese Wochen. Auch das Wahlergebnis nicht gerochen.
Und stattdessen hab ich mich inhaltsarbeitsattgegessen.
Ärgere mich täglich: über diesen Bäcker, kläglich.
Dort verkauft man Schweineohren ohne Schokoüberzug,
für den Schweineohrgenießer nah zum Auszeichnungsbetrug

Ja, das sind dann die Probleme
die ich selbst als Luxus sehe
und bei fernerer Betrachtung
dennoch nicht so ganz verstehe.
Schweineohrenüberzüge
sind kein Fortbewegungsmittel
doch so ohne Schokolade
fehlt zum Ziel halt doch ein Drittel.

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Someone’s put…

Es ist ein heißer Sommersonntag. Spanische Touristen und Wespen liefern sich einen Wettstreit darum, wer die Stadt stärker bevölkert. Nein, etwas sinnvolles tun ist bei etwa 30 Grad definitiv unmöglich. Die Stadt drückt und eigentlich kann man in solchen Momenten nur an die überfüllten Seen oder die Ostsee fahren – mit einer dieser überfüllten Regionalkonserven des Lieblingshassobjektes der Deutschen, der Bahn.

Es ist also ein heißer Sommertag und so recht etwas mit ihm anfangen kann ich nicht. Der Kopf, von der Hitze plattgewalzt. Jeder Gedanke Asphalt uralt, porös und matschig zugleich.

Was also tun? Was rät die Brainextension?

Es gibt diese Menschen, die einen eigenen Garten haben. Der H zum Beispiel, der hat einen. Und er ist ein ziemlich nettes Kerlchen. Glaube ich, denn so richtig gut kenne ich H gar nicht. Habe ihn ein paar Mal getroffen, einmal ein sehr nettes langes Brunch mit ihm und seiner Frau gehabt. Die ist auch sehr nett. Und miteinander sind die auch noch sehr nett. Und die haben da diesen Garten am zentrumsnahen Rande des Stadtrandes. Da sitzt also H und twittert, ob jemand Lust hätte, in diesem Garten Sonntag zu machen.

Gott verdammt, warum eigentlich nicht?

Im Garten spielen die Kinder. Die von H, die von den Nachbarn, Speck läuft rum und es gibt tolle Liegestühle. Füße hoch. Ein bisschen reden. Schön hier. Wir unterhalten uns ein Weilchen. Überreden eine andere Person, die wahrscheinlich jeder mag, auch noch vorbeizukommen und etwas Grillgut mitzubringen. Da kommt ein Fahrrad mit einem anderen, der auch den Weg in den Garten gefunden hat.

Uns wird Lasagne kredenzt. Die ist unglaublich lecker. Einfach total nette Gastgeber. Wie gut kennen wir uns eigentlich? Früher hätte man gesagt, wir wären lose Bekannte. Aber das stimmt so nicht. Immerhin schreiben wir uns täglich, mehrfach. Nicht immer direkt persönlich adressiert. Aber wir stehen in Kontakt und haben Teil am Leben der Anderen.

Weitere Menschen kommen hinzu. Sie sind auch nett. Manche der Anwesenden mag ich gerne, viele sehr gerne. Alle haben ihre Marotten, manche davon empfinde ich als eher anstrengend – so wie davon einige meine Marotten sicher auch eher anstrengend finden. Aber das passt schon. Jeder bringt etwas mit – etwas zu trinken, etwas zu essen. Ich lerne Menschen kennen, die ich noch nicht kannte. Und die ich auch gar nicht lese. Bislang zumindest. Die aber auch nett sind.

Was machen wir da eigentlich? Wir besetzen mit einer Horde einander gut und schlecht bekannter Menschen einen Randlagengarten Berlins. Grillen. Chillen. Es ist sehr schön hier. Wieviele wir wohl sind? 15? 20?

Ich denke mir: Someone’s put the social in media.

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Berliner Impressionen 2009 - Teil I

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Während des Baumblütenfestes in Werder sind übrigens Glasflaschen in Zügen im VBB verboten.
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Ist das gut oder doof? Bis heute keine abschließende Meinung über diese Hundeinstrumentalisierung.

In den nächsten Tagen: mehr Impressionen.

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Schöne Sache

Wenn man lange genug im Web 2.0-Zirkus mitspielt, mal in der Manege und mal auf den Rängen, dann ist es schon fast eine Erkenntnis, dass man nicht alles mitmachen muss. Letztes Wochenende war Politcamp in Berlin und ich hatte mich natürlich vor Urzeiten angemeldet, immerhin sind Internet und Politik durchaus zwei Felder, die mich persönlich interessieren und begeistern.

Hingegangen bin ich allerdings nicht. Definitiv eine gute Entscheidung - ohne mich über das Politcamp im Nachhinein schlau gemacht zu haben.

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Volksbegehrlichkeiten: Religion statt Ethik?

In zwei Wochen wird wieder einmal abgestimmt in Berlin. Am 26. April soll ich mein Kreuzchen machen, ob ich für die Einführung des Wahlpflichtbereichs Ethik/Religion bin.

Dahinter steckt folgendes: in Berlin ist der Religionsunterricht nur noch freiwillig und zusätzlich. Stattdessen ist ein allgemeiner Ethik-Unterricht verpflichtend. Alle Schüler, gleich welcher religiösen oder areligiösen Couleur müssen ihn besuchen. Die Initiative setzt sich also dafür ein, dass man statt in Ethik auch in Religion sitzen dürfen soll. “ProReli” schreibt ganz schön oft das Wort Freiheit. Und natürlich sind wir dabei argumentativ ganz schnell an dem Punkt, an dem man sich fragt, ob Verständnis von und Rolle der Religion, wie sie dem Grundgesetz noch zugrunde liegen, wirklich noch die heutige Realität treffen.

Doch bleiben wir konkret. Die Abstimmung ist einfach:

  • Mit JA stimme ich, wenn ich der Meinung bin, dass Religion und Ethik gleichrangig sind und Schüler frei wählen sollten, welchen Unterricht sie besuchen möchten.
  • Mit NEIN stimme ich, wenn ich der Meinung bin, dass allgemeiner Ethikunterricht Vorrang vor Religionsunterricht hat.

Das klingt einfach. Aber hier kommt, wie schon bei der Tempelhof-Abstimmung, das Berliner Volksentscheidwesen zum Tragen:

  1. Damit der Volksentscheid gültig ist, müssen 25% der Berechtigten abstimmen.
  2. Damit er (im Sinne von ProReli) erfolgreich ist, müssen auch mind. 25% aller Berechtigten mit JA stimmen (aber mind. 50% der Abstimmenden).
  3. Beispiel 1: 26 Prozent Wahlbeteiligung. 25% stimmen mit JA. 1% mit NEIN. Ergebnis: ProReli war erfolgreich.
  4. Beispiel 2: 24,9 Prozent Wahlbeteiligung: alle 24,9% der Wahlberechtigten stimmen mit JA. Ergebnis: ProReli ist gescheitert.
  5. Beispiel 3: 50 Prozent Wahlbeteiligung: 25,1% Wahlberechtigte stimmen mit JA. 24,9% Wahlberechtigte mit NEIN. Ergebnis: ProReli war erfolgreich.

Jede abgegebene Stimme (unabhängig von ihrer Aussage) erhöht also die Wahrscheinlichkeit, dass der Volksentscheid Wirkung entfaltet. Wer also mit NEIN stimmen würde, sollte sich also sehr genau überlegen: abstimmen gehen oder wegbleiben? Bei letzterem hätte man auf jeden Fall verloren, wenn die andere Seite die 25%-Marke knackt. Bei ersterem unterstützt man jedoch das Erreichen des Schwellenwertes.

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re:publica ‘09-Rückschau I

Es hat was gefehlt. Nicht nur, dass ich bei meiner recht spontan übernommenen Moderation des “Politische Blogs”-Panel zwar die Panelisten vorgestellt habe, mich selbst aber vergaß. Nein, es gab einiges, was vergessen wurde.

Ich hab in den letzten fünf Jahren keine Webkonferenz mehr erlebt, auf der so selten Worte wie

  • Venture Capital
  • *Invest*
  • Gründer/Founder
  • Exitorientierung

fielen. Ist das schade? Ich habe wenig Beschwerden hierüber gehört.

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Schnauze, Berliner!

Die Berliner Zeitung fragt: Sind Berliner wirklich so unhöflich, dass man sie umschulen muss? Leser dürfen in der Kommentarfunktion eines Weblogs dazu Stellung nehmen, und interessanterweise tun dies vor allem Menschen aus der Welt rundherum um Berlin.

Meine Meinung: Berliner Servicekräfte sind oft inkompetent, langsam und unfreundlich. Wenn sie einfach nur unfreundlich wären, würde ich das schon ausreichend finden. Der Rest unterscheidet sie nicht wesentlich von den meisten anderen Servicekulturschaffenden auf diesem Planeten.

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Danke, Niklas

Das Watchblog “FUwatch” hat mit Ende Februar aufgehört, genauer gesagt Niklas hat aufgehört es zu schreiben. Als Alt-FUler habe ich mit Niklas häufiger und auch mal Real Life diskutiert, doch dass das Blog jetzt schon vier Jahre lief, habe ich gar nicht wahrgenommen. Ich habs auf jeden Fall sehr gemocht, wenn auch in den letzten beiden Jahren mit abnehmender Häufigkeit rezipierend. War das zweitbeste Blog, dessen Heimat an der FU lag.* Erfrischend wohlinformiert, kritisch auch gegenüber denen, die den Glauben an Kritik statt Kritik üben hat Niklas vom Fichtenberg immer wieder über Dinge geschrieben, die ein gerüttelt Maß an Kopfschütteln verursachen konnte. Danke für die Fleißarbeit.

*Da war noch eines

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An neuen Ufern - Dankeschön!

Manche haben die Veränderung in meinem XING-Profil bemerkt, einige haben mich drauf angesprochen und viele haben mir gratuliert, manche waren irritiert und wieder andere fanden das aus unterschiedlichen, meist persönlichen Gründen “irgendwie doof”. Ich mache seit zwei Wochen etwas neues. Die meisten haben mir aber einen guten Start gewünscht. Dafür: Danke.

Die ersten zwei Wochen waren interessant und spannend, für mich gibts dort viel zu lernen und zu entdecken. Meinen Themenfeldern bin ich im Großen und Ganzen weiterhin treu, nur spaziere ich nun wieder häufiger durch Paragrafenwälder (wobei mir liebe und hierin sehr viel kompetentere Kolleginnen und Kollegen zur Seite stehen) und kann mich inhaltlich etwas tiefer mit Materie beschäftigen als ich das oft konnte. Das war mein Wunsch und wird mir so möglich. Dass ich dafür seltener in Cafés arbeiten und meine Zeiten vollkommen frei definieren kann, ist mein persönlicher Tradeoff. Auch meine Freizeitgestaltungen folgen nun wieder einem etwas anderen Rhythmus - ob das gut oder schlecht ist, werde ich vielleicht irgendwann herausfinden.

Was ich bloggen oder twittern kann, was ich bloggen und twittern möchte und was ich bloggen und twittern werde: time will tell.

Weil ich bekanntlich aber jederzeit für schlechte Wortwitze zu haben bin, gibts hier noch denjenigen, mit dem ich meinen neuen Job beschrieben habe:

Kann man Nomen, Adjektive oder Verben rauchen? (Antwort meist: Hä? Nein!)
Aber wenn man die gar nicht rauchen kann, wieso kann man dann Verb-Raucher schützen?

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Lieber Mitbürger…

Lieber bärtiger Mitbürger islamischen Glaubens, der Du vorhin U8 in Richtung Wittenau fuhrst. Ich möchte Dich um etwas bitten.

Wenn Du das nächste Mal in traditioneller Kleidung und mit großem Rucksack durch Berlin oder eine andere große Stadt des Okzidents fährst, lass doch deinen Koran zugeklappt und rezitiere nicht halblaut das gerade gelesene. Das macht Menschen um dich herum ungute Gefühle. Danke.

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Liebe Prenzlberger ADAC-Mitglieder

Ich hab da mal eine Frage…


Geht es nach den Wünschen der Auto-Lobbyisten, soll künftig eine Autobahn quer durch Prenzlauer Berg führen. 1,5 Milliarden Euro würde das kosten, für den Ost-West-Tunnel Unter den Linden veranschlagt der ADAC 300 Millionen Euro. Für Müller kein Problem: Das Land habe seit 2000 rund 2,74 Milliarden Euro durch Kraftfahrzeuge eingenommen. Darin sind Steuern ebenso wie Einnahmen aus Parkraumbewirtschaftung und Verkehrsordnungswidrigkeiten enthalten. In die Straßeninstandhaltung seien aber nur 300 Millionen Euro geflossen. „Wir Autofahrer sind keine Bittsteller, da erfolgt eine Umverteilung in welche Kanäle auch immer. Das muss in Zukunft anders gewichtet werden.“

Wer von Euch ist Mitglied im ADAC Berlin-Brandenburg? Wer von Euch ist Mitglied in dem riesigen Verein, bei dem ich niemanden kenne, der jemals auf einer Mitgliederversammlung war? Der auch so gut wie kein Vereinsleben auf seiner Homepage hat? Ihr finanziert den Verein, er macht in Eurem Namen Lobbyismus. Prenzlberger ADAC-Mitglieder, wollt Ihr eine Autobahn?

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Berlinblog: mit 3 Euro sind sie dabei

Ich könnte jetzt viel von meinem ganz großen Plan erzählen: Wie ich nächtelang mit vielen Menschen einen Businessplan erstellt habe, wie wir potenzielle Chefredakteure anriefen und nur jeder zweite Kandidat arbeitslos war, welche superhippen Starlets ihr Testimonial gegeben haben und welcher VC es vorfinanziert.

Stattdessen nur soviel: hier gibt es seit gestern eine Facebookgruppe für ein richtig gutes Berlinblog. Treten Sie ein, kommen Sie näher. Mehr dazu vielleicht auf dem nächsten Webmontag.

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Von Beruf Kopfnicker

Ein kleines Cafékneipenhybridchen, vorgerückte Stunde. Vier Männer mittleren und mitteljungen Alters, sie passten nicht und damit doch hinein, so wie das für Berlin wohl als typisch gilt. Die Hierarchie war klar ersichtlich: Außen saß das Einmann-Prekariat, falsch angezogen und nicht in der Lage, unfallfrei zu essen. Daneben der Assistent. Ihm gegenüber saß der, der etwas wollte und am Kopfende saß der, der etwas geben sollte. Ein hierarchisches P, sozusagen.

Als der geschäftliche Teil, der sich vor allem dadurch auszeichnete, dass immer, wenn der Geber sprach, Nehmer und Assistent kräftig zu nicken begannen, endlich vorüber war, da gingen sie über zum gemütlichen Teil. Das Einmann-Prekariat sah seine Chance und warf nun immer wieder “Aber..! Ich bin doch auch da!”-Schlauheiten in den Raum. Der Geber blockte es gönnerisch ab, Nehmer und Assistent nickten bedeutungsvoll. Das Einmann-Prekariat trank derweil zuviel und sah seine Zukunft dann mal “im Kultur oder Erwachsenenbildungsbereich”. Die anderen nickten.

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Pssst. Du!

Du mit der Suchanfrage “cafe ecke rosenthaler straße und torstraße”: Da.

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Wenn ich ein Buch über Berlin schriebe…

Immer wieder ist man versucht, ein Buch über Berlin zu schreiben. Man weiß, es gibt schon viel zu viele Berlinbücher. Die liest man als Berlinbewohner aber nicht. Und würde man sie lesen, man fände darin nur den Hinweis, dass Berliner keine Bücher lesen, sie tun nur so als ob. So sind Berliner. Die tun nur so. Manche zum Beispiel, die sitzen in Cafés wie dem Weltempfänger und überlegen ein Buch zu schreiben. Eines über Berlin. Und wissen, es gibt schon viel zu viele Berlinbücher. Aber die hat man dann als Berlinbewohner nicht gelesen. Und hätte man, so fände man darin nur den Hinweis, dass Berliner keine Bücher lesen, sie tun nur so als ob. Denn so sind sie, die Berliner.

Und dann gibt es da die anderen. Die anderen, das sind die, die gar keine Bücher mehr schreiben, weil sie die gar nicht lesen wollen würden. Zwar haben sie ganz heimlich im letzten Jahr viel zu viel Geld für Bücher ausgegeben, dass sie gar nicht haben, weil sie ja dafür Geld verdienen müssten - zum Beispiel, in dem sie Bücher über Berlin schreiben würden, obwohl sie wissen, dass es schon zu viele Berlinbücher gibt. Aber eigentlich würden sie viel lieber da sitzen und einen Blogeintrag schreiben. Jeder weiß, es gibt schon zu viele Blogeinträge. Die schreibt man als Berlinbewohner daher gar nicht mehr. Und würde man sie schreiben, man fände darin nur den Hinweis, dass Berliner keine Blogeinträge schreiben wollen, da die alle schlecht wären. So wie die zu vielen Blogeinträge über Berlin. Daher lassen sie es fast, die Berliner.

Der Biokakao kostet 2,90. Ich sollte schnell mal ein Buch schreiben.

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Das Jahr in Bildern

So kann man das sehen. Oder auch anders.

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Adventsgeschichten #6: Förderer der Sofa-Autarkie

Berlin ist eine Reise wert, Berlin ist wiederholte Reisen wert - es kann halt nicht jeder in dieser schönen Stadt leben. Aber viele würden gerne, weshalb der Andrang auf in Berlin vorhandene Sofas groß ist. Meines zum Beispiel stelle ich immer wieder gerne für Freunde zur Verfügung, die hier nächtigen mögen.

Damit mir keine Doppelbelegung passiert, habe ich jetzt ein GoogleDoc angelegt - das zeigt die “gebuchten”, die “wahrscheinlichen” und die freien Couchtage an. (Wer den Link auch haben möchte, kann sich per E-Mail bei mir melden.) Wer bei mir nächtigen möchte, trägt sich einfach ein. Einziges Tabu: Einträge anderer ändern.

Mein Sofa kann also ab nun ein von mir weitgehend unabhängiges Eigenleben entwickeln. Das finde ich ein klein bisschen witzig. Der nächste Schritt wäre ein digitales Türschloss mit autogeneriertem Key - damit der Wohnungszugang wirklich autark von meiner Person erfolgen kann. Noch brauche ich Workarounds.

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Adventsgeschichten #4: Im Puls der Mitte

Es war ein schöner Wintertag in Berlins Mitte. Die verbliebenen Vöglein zwitscherten. Die spanischen Touristen, mit den Gen-Sonne-Fliegern der Deutschen Retour importierte Massenware, suchten zwischen American Apparel- und Dreistreifen-Retro-Shop nach Cafés. Sie froren dabei ein wenig.

Ich saß wie so oft in einem solchen. Dachte nach über die Welt, das Internet, die Medien, die Menschen. Machte mir Sorgen, fürchtete das Beste und ging vom Schlimmsten aus. Der Kaffee war in Ordnung, wenn man einmal davon absieht, dass er zu teuer war. Der Service funktionierte, das Internet hatte zwischendurch leisen Schluckauf, hin und wieder ploppte ein Fenster auf, eine Kurznachricht flog herein, ein Anruf kam, eine E-Mail nervte, allein es tat sich: nichts.

So verlebte ich den Tag, verschlief einen Termin, jemand anderes verschlief einen Termin mit mir. Und manchmal kam einer vorbei den ich kannte. Wir sprachen, lachten, dachten und verfolgten zwischendurch die Börsenkurse, um uns daran zu erheitern, dass wir gar kein Geld verlieren konnten, da wir auch vorher keines hatten da unser Lebensstil der “taktischen Konsumelite” entsprach. Sonst hätten wir natürlich allen gezeigt, wie man gute Sachen im Internet machen würde.

Dann setzten wir uns hin und dachten wieder etwas darüber nach, ob wir nicht doch gerne mit dem Mann tauschen wollten, der draußen die Kippen vergangener Nächte wegfegte. Manchmal überkam uns ein oder auch zwei, drei Geistesblitze. Oder es purzelte, fiel, stolperte, entfiel ein grausliges Wortspiel dem partyerschütterten Gehirn. Kopfarbeiter arbeiten, indem sie ihren Kopf mit kaffeehaltigen Getränken bearbeiten.

Es war also ein schöner Dezember, mit dem kleinen Schönheitsfehler, dass er etwas schöner gewesen wäre, wäre er schön gewesen. Am Nebentisch setzte sich eine spanische Touristin mit ihrem Laptop und Headset. Sie sagte etwas, das so klang, als ob es ihr in Berlin sehr gut gefalle.

[Inspiration]

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Elefantendusche

Ich kannte einmal jemanden, der war Experimentalchirurg. Das ist eigentlich nichts außergewöhnliches, sondern ein Chirurg, zu dem die Leute kommen, die nichts mehr zu verlieren haben. Das ist sehr dankbar und zugleich doch undankbar. Denn die meisten kommen nicht durch. Da hilft auch keine implantierte Schweineleberzelle.

Zum Glück habe ich von Medizin etwa soviel Ahnung wie ein Elefant vom Duschen. Das dachte ich auch gestern wieder. Da saß ich mit Toni beim Essen, am Nachbartisch saßen Unfallchirurgen. Solange ihre Teller gefüllt waren, sprachen sie über Liebschaften und andere Techtelmechtel. Klatsch und Tratsch. Als sie fertig gegessen hatten, wechselten sie das Thema. Und sprachen über herabhängende Restmundpartien, Adersalat und diverse andere Leckereien. Mein Essen war gut.

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Kleiner Dreher

Beim Stromvertrag eine Ziffer der Zählernummer unsauber aufgeschrieben. Nun hätte ich fast eine OPAL-Anlage der Telekom mit Strom nach meinem Geschmack versorgt, wie man mir verriet.

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Sonntagedanken

“Viel Tag, wenig Sonne.” Immerhin kein schlechtes Gefühl, da ich den ganzen Tag an Sachen arbeite. Erkenntnis dieser Woche ist übrigens, dass - egal wie gut man Timing plant - man aufgrund externer, unbeeinflussbarer Umstände auf jeden Fall alles binnen der gleichen drei Tage zu erledigen hat.

Ach ja, ich glaub, ich hab noch nie selbst das Hallenprojekt von Sebastian Sooth, Alexander Lang und noch ein paar Berlinern erwähnt. Das gefällt mir, abgesehen von ein paar Usability-Geschichten, eigentlich ganz gut. Die Grundidee ist, dass man neue Orte für neues Arbeiten benötigt. Also Orte, an denen man Arbeiten kann, ohne “auf Arbeit” zu sein. Passende Orte identifizieren, mit anderen Neuarbeitern zu teilen und am Ende nebeneinander, miteinander und durcheinander arbeiten zu können ist in etwa das Ziel.

Neulich habe ich mir einen Sonnenbrand an der Wade geholt. Ich hatte gearbeitet und der Akku hielt länger als die Sonnenmilch.

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Warten. Warten. Warten.

Ist es schon da? Kommt es erst im nächsten Jahr? Sind die hohen Tagessätze für fähige Leute nicht ein klares Indiz für das baldige Platzen der aktuellen Bubble? Oder braucht es dafür den Schweinetarif der unfähigen? Ist die multimediale Aufrüstung großer Werbeagenturen Teil einer Nachhaltigkeitsstrategie? Oder doch nur Nachhall einer Strategielosigkeit, die sich in wildem Taktik-Tic-Tac-Toe ergeht?

Manchmal beschleicht mich das Gefühl, dass diese Runde nie platzen wird. Solange alle gespannt auf das Platzen warten und niemand die Nadel in die Hand nimmt, passiert dem Ballon einfach nichts.

Heute Abend speiste ich unter anderem mit zwei oder drei Wespen, einem Spatz und einer Taube. Gallische Auguren würden sagen, dies war ein Zeichen. Doch was für eines?

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Barack Obama in Berlin: Schaut genauer auf diese Stadt

Gestern war ich bei Barack Obamas Rede auf der Straße des 17. Juni/Siegessäule. So wie ich kamen etwa 200.000 weitere um Obama reden zu hören. Auf meinem Rückweg, auf einer Rolltreppe im Hauptbahnhof, fragten mich zwei nette ältere US-Bürger ob und warum ich dort war. Sie konnten einfach nicht verstehen, was einen US-Präsidentschaftskandidaten so interessant für so viele Leute hierzulande macht.

Meine Antwort war nur die halbe Wahrheit, wie ich zugeben muss. Ich sagte, dass ich Politikwissenschaft studiert habe und dabei politische Kommunikation eines meiner Hauptfelder gewesen sei. Mich interessierte die Inszenierung, der Auftritt und die Rede eines Präsidentschaftskandidaten außerhalb des eigentlichen Wahlkampfgebietes. Doch nach etwas längerem Nachdenken muss ich ein paar Anmerkungen mehr machen (auch wenn dieses Posting dadurch gewisse Längen bekommt). Continue Reading »

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Sommer. Loch.

Noch ein Jahr bis zur Bundestagswahl. Sommerpause in Berlin. Was bewegt den ganzen Wind, der die -kraft erzeugen soll? Die Kernkraft. Sie rauscht durch den Blätterwald. Neu ist an der Diskussion nichts. Eine Meinungsumfrage habe ergeben, dass. Die nächste Meinungsumfrage wird ergeben, dass.

Hätte man sich Interviews und Berichte dazu einfach gespart, könnte man sicherlich auf das eine oder andere Windkraftwerk verzichten.

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