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Ein bisschen besser als Flattr?

Posted on 28 Mai 2010 by Falk

Vor etwa einem Jahr saß ich in meiner Küche, skizzierte eine Plattform für eine konvertible Aufmerksamkeitswährung. Kurz vorher hatte ich aufgehört, an einer Idee für ein Berlin-Onlinemagazin zu arbeiten. Der Grund war: die ökonomischen Rahmenbedingungen bieten momentan nicht das, was mir eine Umsetzung erlauben würde – erst recht nicht auf eine Art, die einen mir passenden Weg ermöglicht hätte. Ich wollte keine Abo-Modelle, keine eingemauerten Bezahlinhalte, nicht Anzeigen als Inhalt verkaufen müssen oder ähnliches. Daher war der erste Schritt, mir ein paar Gedanken über eine Verbesserung der Infrastruktur zu machen.

Die ersten Gedanken waren etwa das hier: normalerweise bezahlen wir im Netz mit unserer Aufmerksamkeit. Aber Aufmerksamkeit selbst hilft nicht beim Zahlen der Miete, nicht einmal für das Essen. Selbst in schwerst Link-Empfehlungs-basierenden Onlineumgebungen wie Twitter oder Facebook sind die meisten damit glücklich, dass sie etwas ‘kostenlos’ bekommen, sagen aber zugleich auch gern, dass die für manches bezahlen würden wenn es einen einfachen Weg dafür geben würde.

Ich hab einige Jahre als Journalist gearbeitet. Meine schwierigste Geschichte musste ich auf einem Blog veröffentlichen und hab keinen einzigen Cent mit ihr verdient, meine üblichen Abnehmer hatten kalte Füße bekommen. Sie spülte innerhalb einer Woche im Jahr 2006 durch reine Mund-zu-Mund-Hinweise 30.000 Unique Visitors herein. Es muss also einen Weg geben, all jenen, die wirklich etwas für ihre Nutzer, Leser, Hörer tun, eine einfache Möglichkeit zu geben um etwas Geld zu erhalten. Und gleichermaßen noch denen eine mitzugeben, die bis heute nichts vom Netz verstehen.

Um die Sache abzukürzen: Ich dachte an eine Plattform bei der:

1. die Nutzer sich mit E-Mailadresse und entweder Kreditkartendaten oder Bankverbindung für Lastschrifteinzug registrieren können.
2. die Anbieter sich für Ihren Teil des Kuchens registrieren können.
3. Anbieter sich dafür registrieren können, nicht in Anspruch genommenes Geld zu bekommen (Erklärung folgt gleich)

You may call me Scribbleangelo now. Well. Not. on Twitpic

Für die Nutzer wäre das System einfach: man sieht im Netz etwas, was einem gefällt. Man entscheidet: das ist etwas, für dass ich einen bestimmten Betrag zu zahlen bereit wäre. Vielleicht fünf Cent, vielleicht einen Euro, vielleicht zehn. Mehr als 20 sollte pro Seite nicht möglich sein, um Betrug vorzubeugen. Es ist also mehr oder weniger wie Bookmarks mit einer Zahl.

Am Ende des Monats erhält man eine Mail mit den Details zu den Zahlungen und der Möglichkeit, die Beträge zu ändern oder auch wieder abzusagen (vielleicht hat man ja zwischenzeitlich rausgefunden, dass der Blogger, dem man etwas zukommen lassen wollte, Millionär ist und das Geld besser woanders hingehen sollte).
Man entscheidet also, wieviel man zahlt, wer das Geld bekommen sollte und sie liefern eine bestimmte Webadresse an die Datenbank.

Für Inhalteanbieter muss das System ungleich komplexer sein: man kann den Besitz seiner Inhalte mit einem dem Technorati-Verfahren ähnlichen Mechanismus anzeigen – man registriert sich, dann erhält man ein personalisiertes Bildchen und legt das auf seinem Server im höchsten Verzeichnis ab, für das man verantwortlich ist. Dann klickt man auf: meins. Danach werden alle Inhalte unterhalb dieses Verzeichnisses als zu diesem Nutzer gehörig behandelt und alles Geld, was dafür gegeben werden soll, soll bei dem Nutzer ankommen (außer wenn jemand anderes ein Unterverzeichnis als Eigentümer markiert).

Alles Geld von den Nutzern wird dabei von einer Stiftung gesammelt. Ihr einziges Ziel: das Geld wieder loswerden. Entweder dadurch, dass es an die registrierten Eigentümer übersandt wird, oder (wenn keiner es will) auf einem zweiten Weg – eine Art Kuratorium mit reputierten Personen sollte entscheiden, was mit eingegangenem Geld passiert, beispielsweise durch Stipendien für Journalismus, für Kunst oder um auf anderem Wege denen zu helfen, die für die Netzöffentlichkeit produzieren. Nur die Verwaltungskosten der Stiftung sollten durch etwas von dem nicht in Anspruch genommenen Geld gedeckt werden.

Nun gibt es Flattr und Kachingle. Anfang des Jahres habe ich Peter Sunde versucht zu kontaktieren, der hat nicht reagiert. Da ich denke, dass es keinen Platz für einen weiteren Mitbewerber in dem Markt gibt und mir die Zeit fehlt, das an den Start zu bringen, habe ich beschlosen das nun abzuschließen und meine Gedanken und Ideen einfach zu veröffentlichen. Wem es gefällt, der sollte anderen davon erzählen und sie vielleicht ein bisschen in die Richtung drücken, von der ich dachte, dass es die Richtige wäre.

2 Responses to “Ein bisschen besser als Flattr?”

  1. Christian sagt:

    Na das klingt doch nach einem Zukunftsmodell für die GEZ. Ich fänds toll, wenn auch unabhängige Inhalteproduzenten ausserhalb der öffentlichrechtlichen Anstalten ihren Anteil an meiner Zwnagsmedienspende bekommen. — greetz, Christian

  2. Tom Glasauer sagt:

    Die GEZ hat angekündigt, ab 2013 eine andere Gebührenstruktur anzuschaffen. damit ist dieses Geschäftsmodell wohl erledigt ;-).


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