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Anstrengend, aber schön: Wenn sich die Timeline materialisiert

Posted on 18 April 2010 by Falk

Zum Abschluss der re:publica 2010 habe ich am Freitag ein Experiment gewagt: Wenn man im Keller anfängt, sich durch den Hof und dann den Innenraum durch bis zur Theke höflich von all jenen verabschiedet, die einem in den letzten Tagen gute Diskussionen, gute Unterhaltung oder schlicht gute Laune bereiten konnten, dann benötigt man wie lang…? Das Ergebnis lautet: etwa zwei Stunden.

Die re:publica ist ein wunderbarer Kongress für mich. Ich war jedes Mal dort, selbst wenn ich zwischendurch den Job gewechselt habe, und jedes Mal habe ich dort viele Menschen getroffen, bei denen es sich lohnte, zuzuhören, sich mit ihnen zu streiten oder auch zu einigen. Dort gibt es ein ganz hervorragendes Gefühl: nicht bei Adam und Eva anfangen zu müssen. Hier muss man niemandem erklären, warum Twitter faszinierend ist. Auch wenn längst nicht alle der Anwesenden es nutzen. Was ein Trackback ist. Auch wenn längst nicht alle Besucher aktive Blogger sind. Dass nicht alles, was man im Netz macht, auch einen direkten ROI haben muss. Hier ist kaum einer, der glaubt, dass das mit dem Internet auch wieder vorbeigehen würde.

Ein für mich sehr schönes Beispiel war mein eigener kleiner Vortrag zum Thema “Ihre Daten für unsere Zukunft? – Verbraucherschutz in der digitalen Welt”, in dem ich vorgestellt habe, warum Verbraucherschutz auch im Internet eine wichtige Rolle spielen muss. Dort saß auch die Anbieterseite, namentlich Vertreter von Google, den VZ-Netzwerken und Qype und diskutierte eifrig mit, zum Beispiel zum Thema Datenschutz. Wenn ich mir vorstelle, wie diese Diskussion an anderen Orten ausgesehen hätte, bin ich froh, sie dort geführt zu haben.

Was wäre so ein Kongress wie die RP10 ohne ihre gefühlt Abermillionen kleinen Gespräche? Wahrscheinlich nichts. Ich hatte häufig meine Schwierigkeiten, geplante Programmpunkte und die guten Gespräche unter einen Hut zu bringen und werde versuchen, mir noch einiges im Nachhinein anzuschauen.

Viele der Themen waren ernsthaft – zum Beispiel die Vorträge von Evgeny Morozov oder Peter Kruse, aber auch der ganze Netzneutralitätstrack mit verschieden gut besuchten Vorträgen und Diskussionen. Manche Veranstaltungen gingen leider etwas unter. So war die Idee, die Best of Blogs-Awards der Deutschen Welle in die re:publica einzubinden, eine wirklich gute. Sie hätten deutlich mehr Aufmerksamkeit und Hinweise auf sie, aber auch weniger Hetze in der Darbietung vertragen: die Gewinnerblogs wurden kaum vorgestellt, was ihnen mit Sicherheit nicht gerecht wurde. Dabei steckten dort wirklich tolle Sachen drin. Und auch in den kurzen Reden gingen einige bemerkenswerte Punkte viel zu sehr unter: Syeda Gulshan Ferdous Jana aus Bangladesch erwähnte in ihrer Rede zum Beispiel ganz nebenbei, dass von 150 Millionen Einwohnern nur 1,5 Millionen einen Festnetzanschluss hätten – aber 55 Millionen einen Mobilfunkvertrag, weshalb man den Schritt stationäres Internet in der Entwicklung wohl einfach überspringen würde. Und die Iranerin Farnaz Saifi berichtete von den Schwierigkeiten im Iran, nicht zuletzt deshalb, weil westliche Firmen das Zensur-Equipment liefern. Dazu gehört nach ihrer Aussage auch der republica-Sponsor Nokia. Das ist relevant.
Dass der von mir geschätzte Ilja Kabanow aus Nowosibirsk für metkere.com den BOB für das beste russischsprachige Blog erhalten hat, hat mich übrigens sehr gefreut.

Was bleibt also? Ich für meinen Teil freue mich auf jeden Fall sehr auf die nächste Veranstaltung. Viele der in diesem Jahr angefangenen Gespräche werden spätestens dort eine Fortsetzung finden, bei manchen Themen werden wir alle etwas schlauer sein als heute. Wenn sich die Timeline dann im April 2011 wieder materialisiert. Und man am Ende wieder das Gefühl hat, längst nicht mit allen gesprochen zu haben, mit denen man gerne hätte sprechen wollen. Warum so ein Kongress viel besser ist als Chatroulette, haben wir ja auch alle schön demonstriert bekommen.

Das am Anfang erwähnte Experiment endete übrigens abrupt. Dort stellte mir jemand noch jemand neuen vor, ich hatte ein neues Getränk in der Hand und habe den Forschungsdrang aufgrund vorliegender Ergebnisse für beendet erklärt. War noch ein sehr interessantes Gespräch.

6 Responses to “Anstrengend, aber schön: Wenn sich die Timeline materialisiert”

  1. vera sagt:

    O schön! Wär so gern auch da gewesen…

  2. Tja. Wäre auch gerne noch länger da gewesen – vor allem am Freitag überhaupt gekommen. Aber die aktuellen Ereignisse haben mir das ein wenig verunmöglicht.

  3. kaltmamsell sagt:

    Nächstes Jahr bin ich endlich auch dabei. Hätte ich schon dieses Jahr sein sollen, ist mir nur zu spät eingefallen.

  4. Falk sagt:

    Sollte das passieren, werd ich natürlich kurze Hosen tragen.

  5. kaltmamsell sagt:

    Und schon fallen mir Verhinderungen ein!

  6. it was an amazing experience being in the bobs jury as we got the opportunity to see and experience so many amazing blogs. the re:publica was awesome, but really crowded. i wish i could be there with a rewind button, so as to go back to see all the people and programmes that i missed. yes, in bangladesh we are behind most countries in terms of internet and computer penetration, but as we also want to avail the digital benefits, it is highly likely that for most people (the 98-99% still not using internet), their first ever experience with the internet will be on a mobile, not a computer. and as such, the next few years will probably show mobile-only, localized services for internet popping up in the country.


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