Nachlese Politcamp: Nackenstarre-Rollen
Posted on 21 März 2010 by Falk
Wenn man mit wenig Erwartung und noch weniger Schlaf in eine Veranstaltung geht, dann kann man nicht sonderlich enttäuscht sein. Bin ich auch nicht. Samstag und Sonntag diskutierten mehrere Hundert Teilnehmer, einige von ihnen Politiker, Mitarbeiter ebensolcher, Lobbyisten, eher wenige Agenturmitarbeiter (da kein großes Wahljahr?), Netizens, Interessierte. Wobei das mit dem Diskutieren so nicht ganz stimmt…
Am Samstag bin ich in einige Veranstaltungen hinein – und aus den meisten auch schnell wieder herausgegangen. Es ist kein Konzept, “Namen” einzuladen. Namen allein machen keine gute Diskussion. Was eine gute Diskussion ergibt, das sind eine gute Moderation, gute Diskutanten (die etwas zu sagen haben und etwas sagen dürfen). Und damit ist auch die Form gemeint: das Politcamp war kein Barcamp, sondern eine Art “frei floatende Konferenz”. Das muss nicht schlecht sein, war aber teils einfach nicht gut gelungen. Klassische Konferenzformate wie Podiumsdiskussionen stellen gewisse Ansprüche an die Akteure. Um die Konfrontation der vergangenen Jahre etwas zu verringern, wäre es oft sinnvoll gewesen, eben keine Konfrontal-Formate zu nutzen. Sondern aufzubrechen. Was aber leider nur wenig stattfand. Schade.
Nico Lumma schrieb nebenan unter anderem etwas, dem ich nur zustimmen kann:
Das Führen einer derartigen Debatte ist zwingend notwendig, aber das passiert nicht, indem wir fröhlich vor uns her twittern und bloggen, auf einige Camps gehen und uns dort immer wieder bestätigen, daß wir alle Recht haben und die anderen nicht.
Mich hat darüber hinaus das Nackenstarre-Phänomen durch die sehr dominante Twitterwall gestört, auch das an amerikanische Konferenzen erinnernde Claqueur-Verhalten bestimmter Teilnehmergruppen. Und ich fand es vor allem sehr schade, dass die Frontalsituation politischen Vertretern den notwendigen Rahmen gab, in dem sie Fragen ausweichen konnten. Den Rahmen, in dem sie sich sicher wohler fühlten, als viele der Teilnehmer. Der Politik eine Heimat geben, das muss auf einer Konferenz die aus dem Netz kommen will nicht notwendig. Sie ist Gegenstand, und ihre Anwesenheit ist so erwünscht wie hilfreich. Aber sie war eigentlich “beim Internet zu Gast”.
Für mich war das Politcamp – wie so viele Konferenzen – also vor allem abseits der großen Diskussionen spannend. Gute Gespräche geführt, nette Leute wiedergetroffen oder kennengelernt, eigentlich eine ganz nette Zeit gehabt. Aber wieder einmal gesehen, dass ein beiderseitig vorhandenes Interesse an Diskussion auf Bühnen und auf Twitter gleichermaßen zu populistischen Verknappungen, Demonstration von Ahnungslosigkeit, der Flucht in den Gemeinplatz und zu Missmut führen kann. Ich sage: jederzeit gerne anders wieder. Aber anders ist wichtig.


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