Die über das Internet schreiben
Posted on 28 Februar 2010 by Falk
Das Internet macht dies, das Internet macht das, ist gut für dieses, schlecht für jenes, es kann uns alle ändern (oder auch nicht), es wird uns alle fressen (oder auskotzen), es macht alles zu schnell (und zu langsam, weil zersplittert), es bietet keine guten Informationen (oder zuviele, um diese zu finden, auf jeden Fall aber sind wir alle chronisch überfordert), es frisst unsere Zeit und optimiert uns bis zum Gehtnichtmehr, ja, dieses Internet ist ein wahrlich Wunderding.
Wenn ich mir anschaue, wieviele ach so schlaue Texte, Manifeste, Essays und Aufsätze zum Internet so erschienen sind, fällt mir etwas auf: die meisten davon sind kritisch-distanziert-gezwungen. “Ach, dieses Netz, es überfordert uns alle und mich sowieso, aber wir können ja nicht mehr ohne”, scheinen sie sagen zu wollen. Das ist, mit Verlaub, gequirlter Schrott.
Ich möchte nicht zurück in eine Zeit, in der ich triviale Informationen wie Telefonnummern in Büchern nachschlagen musste, in der ich nicht mehreren Menschen gleichzeitig eine Nachricht schriftlich zukommen lassen konnte, auf die auch wieder alle an alle antworten konnten, eine Zeit, in der nur Privilegierte überhaupt die theoretische Möglichkeit hatten, bei einer breiteren Öffentlichkeit Gehör zu finden. Natürlich ist nicht alles rosig im Zusammenhang mit dem Netz, natürlich ist nicht alles toll, was so eine Gesellschaft in ihrem Wandel produziert. Aber wenn sich in den Feuilletons die Verlorenen aus der Vergangenheit weinend an den Schultern liegen, möchte ich einfach nicht mehr zuhören. Früher war es nicht besser, nur anders. Als nach wie vor relativ junger Mensch würde ich sogar sagen: es ist vieles so schlecht gewesen, dass diejenigen, die über heute so sehr jammern, gestern schon ihr Können und Versagen gezeigt haben.
Und nun hab ich selbst wieder einmal Zeit und Gedanken in diesem Metaflauschsofa verbracht und mich darüber echauffiert, statt die Dinge anzugehen, die mir wichtiger sind als alter Männer wöchentliche Weinattacken. Mist. Naja. Viertelstunde verschwendet.
(Anlass für dieses Stück: der Herr Gelernter in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung)


Stimme Dir absolut zu – zumal die Feuilleton-Beiträge über “es” in letzter Zeit irgendwie immer mehr werden. Hat tatsächlich was von diesem Orchester das in der titanic angeblich bis zum Schluss gespielt hat. Die sind bestimmt auch immer lauter geworden.
Ich finde den Eiertanz um das Netz befremdlich. Im Endeffekt ist es “nur” eine neue Technologie, die (frei nach Clay Shirky) die Transaktionskosten für alle Transaktionen gesenkt hat. Und nicht nur für immaterielle. Auch bei materiellen Transaktionen gibt es eine Transaktionskostenkomponente, die durch Suchkosten, Koordinationskosten, Verhandlungskosten und Vertragskosten bestimmt wird. Das Internet hilft auch hier (siehe eBay).
Damit macht das Internet vieles möglich, das vorher aufgrund zu hoher Kosten unrentabel bis unmöglich war. Somit können nun Handlungswünsche vieler Menschen Früchte tragen, die sonst nie zum tragen gekommen wären. Ob wir so mehr faule Früchte als gute ernten, bleibt abzuwarten.
Ich für meinen Teil kann mir ein Leben ohne Netz nicht mehr vorstellen. Eingesperrt in meinem Körper ohne die “mal schnell googeln” oder “mal bei Wikipedia gucken” Option ist eine traurige Vorstellung.