Habe die Ehre, muss twittern
In der vergangenen Woche diskutierte ich mit Jodok Batlogg von StudiVZ/VZNetzwerke und Alexander Korth auf der Social Media Week über Privatsphäre, Verantwortung und das Schreiben von To-Do-Listen. Im Raum saßen gut einhundert Personen, wovon nach eigener Auskunft fast alle bei Facebook und Twitter waren (Handzeichen). Hinter uns auf der Leinwand und vor uns auf einem kleinen Monitor war eine Twitterwall zu sehen, die alles aggregierte, was mit dem Hashtag smwberlin versehen war.
Ich hatte das Gefühl, dass das weitgehend unproblematisch war. Aber es gab auch andere Panels, bei einem ist Mathias Richel fast die Hutschnur geplatzt. Er sieht die Notwendigkeit, sich etwas stärker mit Respekt auseinanderzusetzen. Wobei ich mir nicht ganz sicher bin, ob die Respekt-Frage sich ursprünglich primär auf die Aufmerksamkeit oder auf den Respekt für das Erfinden von Social Media-Kampagnen bezog, die größer als 1-Tweet-Negative-Message sind.
Was also ist es, was auch mich manchmal stört? Ich gehöre selbst zu denen, die liebend gerne “backchannelmessern”, wenn eine Diskussion fachlich falsch aber nicht offen für externe ist. Wenn mir die Gelegenheit zur Meinungsäußerung nicht gegeben wird, aber Unfug erzählt wird, dann greife ich natürlich zum alternativen Kanal. Häufig ist Twitter bei Konferenzen lesenswerter als die Podien, über die sich dann dort echauffiert wird. Oder anders: wenn die Party im Wohnzimmer zu schlecht ist, treffen sich die genervten Leute nun einmal in der Küche. Man kann ja auch fragen: was ist eigentlich respektloser? Auf Twitter scharf zu schießen, oder Menschen ihre Zeit zu stehlen, indem man weder gute Information noch gute Unterhaltung oder gar beides hinbekommt?
Für mich selbst versuche ich, möglichst nur so zu twittern, wie ich es den Personen auch ins Gesicht sagen würde. Allerdings weiß ich nicht, ob das auch für Personen funktioniert, die vielleicht etwas scheuer, respektvoller gegenüber Amt und Würden sind.
Besonders schwierig finde ich eine Antwort auf die Frage, ob man vom Panel herunter twittern sollte. Sollten sich Podiumsteilnehmer mit anderen Besuchern im Raum unterhalten, wenn sie auf dem Panel sitzen? Wenn ja, warum? Ich habe das bereits selbst gemacht und dabei den Spagat versucht, den das zwangsläufig bedeutet. Das funktioniert, aber stets nur so lange, wie das Panel nicht besonders gut - also wirklich spannend ist. Manchmal muss halt auch der Gastgeber in die Küche.
Schweigen