Falk on Nov 14th 2009 Politik, Rechner und Netz
Schon ein Weilchen beschäftige ich mich mit Fragen von Politik im und für das Netz. Und es ist sehr schön zu sehen, dass es immer mehr Menschen geworden sind, die das Internet als gesellschaftlich relevant erachten. Es ist schön zu sehen, dass viele Menschen bereit sind, Engagement und Wissen für Erhalt und Verschönerung des Netzes einzubringen. Doch das reicht nicht. Denn die Stärken des Netzes sind zugleich auch seine Schwächen: lose Verbindungen, ad-hoc-Strukturen, unkoordiniertes Vorgehen. Das Rad wird immer wieder neu erfunden, oft fehlt es an Wissen um Technik, Politik und nicht zuletzt am Willen, vielleicht doch eher in der zweiten statt in der ersten Reihe für gemeinsame Ziele einzustehen. Die netzpolitische Szene ist eine Kakophonie, die oft nicht durch ihre Besten, sondern ihre besten Selbstvermarkter nach außen repräsentiert wird.
Auch in einer Massenmedien-Gesellschaft, also einer, in der die Masse selbst ihre Medien gestalten und verbreiten kann, bedarf es der Strukturierung der Interessen und Ideen, die nicht schon im ersten Schritt durch ihre Ablehnung “des Systems” oder ihre hermetisch abgeriegelte Argumentation (”Nur für Nerds”-Syndrom) die gesamtgesellschaftliche Diskursfähigkeit von vornherein ausschließt.
Es wäre wichtig und wünschenswert, dass die zweifelsohne vorhandenen Kompetenzen gebündelt werden. Leider sehe ich noch nicht viel, was in diese Richtung geht - vielleicht reichen die Gemeinsamkeiten dafür auch schlicht nicht aus. Das Wort “Think-Tank” ist etwas verrufen, allerdings ist es in etwa das, was ich mir vorstelle. Viel Netzpolitik basiert auf ungesicherten Annahmen und spontanem Crowdsourcing, was zwar bunte Stimmungsbilder ermöglicht, aber eher löchriges Mosaik denn konsolidierte Stellungnahme bildet. Wenn jedes Dorf einen Heimatverein organisiert bekommt, der bei “Unser Dorf soll schöner werden” mitmacht, sollte das dem deutschsprachigen Teil des Global Village doch eigentlich auch gelingen.
Falk on Nov 13th 2009 Medien, Menschen
Gerade steht in der “Meistgelesen”-Box auf zeit.de ein Artikel auf Platz 2, der fast sechs Wochen alt ist. Es handelt sich dabei um das Dossier-Interview mit Sebastian Deisler , der aufgrund von Depressionen seine Fußballerkarriere an den Nagel hing und auch heute noch nicht sehr glücklich wirkt. Im Zusammenhang mit dem Tod von Robert Enke ist dieses Interview für viele Menschen noch einmal lesenswert geworden. Früher hätte ein Dossier von Anfang Oktober Mitte November kaum einer gefunden - heute ist es einer der meistgelesenen Artikel. Onlinenachhaltigkeit.
Falk on Nov 12th 2009 21st Century Wahnsinn, Berlin, Menschen, Rechner und Netz
Kann jemand eine Facebook-App schreiben, die folgendes tut?
Ich habe eine Couch. Die wird gerne von anderen Menschen benutzt, die nach Berlin kommen. Das ist sehr schön und ich freue mich darüber sehr. Es ginge aber noch einfacher, wenn Kontakte in FB meine Couch requesten könnten und dann automatisch “Available”/”Not Available” zurückbekämen. Bei “Available” könnten sie dann eine Nachricht an mich schreiben. Oder halt an jeden anderen “Couch-Owner”.
Mag das jemand machen? Könnte man ja auch noch etwas ausdehnen den Gedanken, aber ich will ja nicht zuviel auf einmal. Wer die App schreibt, hat zwei Übernachtungen bei mir gut. Und ein Bier.
Falk on Nov 6th 2009 21st Century Wahnsinn, Menschen, Rechner und Netz
Ich lebe in einem stetigen Strom aus Informationen aus Strom. Hätte Christoph Kolumbus heute gelebt, er hätte „Landstrom!“ gerufen, als er eine Küste sah. Ein Leben zwischen Filtern und Füttern, ein Nehmen und Geben, strebend nach Erkenntnis für den Moment, der Gewissheit, sich nicht gewiss sein zu können. Für viele verwirrend flirrend, stets den Grad der Relativität von Wahrheit gen Null zu drücken versuchend, in einer Informationsarchitektur die der stadtplanerischen Leistung von Favellas vermutlich in wenig nachsteht. Es ist übrigens sehr schön hier. Wer dies liest, darf sich wie ein Nachbar fühlen.