nicht mehr, nicht weniger.Beiträge-Feed Kommentare-Feed

Archive for August, 2009

Someone’s put…

Es ist ein heißer Sommersonntag. Spanische Touristen und Wespen liefern sich einen Wettstreit darum, wer die Stadt stärker bevölkert. Nein, etwas sinnvolles tun ist bei etwa 30 Grad definitiv unmöglich. Die Stadt drückt und eigentlich kann man in solchen Momenten nur an die überfüllten Seen oder die Ostsee fahren – mit einer dieser überfüllten Regionalkonserven des Lieblingshassobjektes der Deutschen, der Bahn.

Es ist also ein heißer Sommertag und so recht etwas mit ihm anfangen kann ich nicht. Der Kopf, von der Hitze plattgewalzt. Jeder Gedanke Asphalt uralt, porös und matschig zugleich.

Was also tun? Was rät die Brainextension?

Es gibt diese Menschen, die einen eigenen Garten haben. Der H zum Beispiel, der hat einen. Und er ist ein ziemlich nettes Kerlchen. Glaube ich, denn so richtig gut kenne ich H gar nicht. Habe ihn ein paar Mal getroffen, einmal ein sehr nettes langes Brunch mit ihm und seiner Frau gehabt. Die ist auch sehr nett. Und miteinander sind die auch noch sehr nett. Und die haben da diesen Garten am zentrumsnahen Rande des Stadtrandes. Da sitzt also H und twittert, ob jemand Lust hätte, in diesem Garten Sonntag zu machen.

Gott verdammt, warum eigentlich nicht?

Im Garten spielen die Kinder. Die von H, die von den Nachbarn, Speck läuft rum und es gibt tolle Liegestühle. Füße hoch. Ein bisschen reden. Schön hier. Wir unterhalten uns ein Weilchen. Überreden eine andere Person, die wahrscheinlich jeder mag, auch noch vorbeizukommen und etwas Grillgut mitzubringen. Da kommt ein Fahrrad mit einem anderen, der auch den Weg in den Garten gefunden hat.

Uns wird Lasagne kredenzt. Die ist unglaublich lecker. Einfach total nette Gastgeber. Wie gut kennen wir uns eigentlich? Früher hätte man gesagt, wir wären lose Bekannte. Aber das stimmt so nicht. Immerhin schreiben wir uns täglich, mehrfach. Nicht immer direkt persönlich adressiert. Aber wir stehen in Kontakt und haben Teil am Leben der Anderen.

Weitere Menschen kommen hinzu. Sie sind auch nett. Manche der Anwesenden mag ich gerne, viele sehr gerne. Alle haben ihre Marotten, manche davon empfinde ich als eher anstrengend – so wie davon einige meine Marotten sicher auch eher anstrengend finden. Aber das passt schon. Jeder bringt etwas mit – etwas zu trinken, etwas zu essen. Ich lerne Menschen kennen, die ich noch nicht kannte. Und die ich auch gar nicht lese. Bislang zumindest. Die aber auch nett sind.

Was machen wir da eigentlich? Wir besetzen mit einer Horde einander gut und schlecht bekannter Menschen einen Randlagengarten Berlins. Grillen. Chillen. Es ist sehr schön hier. Wieviele wir wohl sind? 15? 20?

Ich denke mir: Someone’s put the social in media.

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Mal was dienstliches

In den letzten Tagen, Wochen, Monaten haben die Projektkolleginnen und ich etwas zusammengestellt: surfer-haben-rechte.de Ich finds ziemlich hübsch geraten, freu mich aber auf Eure Meinungen, Anregungen und Verbesserungsvorschläge.

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Journalismus im Internet #1: Intelligenter veröffentlichen

Beachten wir einmal nicht die Rahmenbedingungen. Stellen wir uns vor, es gäbe eine Welt ohne Verleger, Vermarktung, Zeitdruck und Finanzprobleme. Eine, in der man den Idealtypus von Journalismus, der im Internet veröffentlicht wird, verwirklichen könnte. Wie sollte dieser aussehen? Ich möchte einladen, das zu diskutieren. Und selbst einen Aufschlag dazu machen – ich freue mich darüber, wenn andere ihre Sicht auf ihren Blogs veröffentlichen und hierher zurückpingen.

Das Internet stellt uns eine Infrastruktur zur Verfügung. Der sichtbarste Teil, das WWW, ist der Ort, an dem im Regelfall veröffentlicht wird. Das geschieht mittels Webseiten, auf denen Inhalte veröffentlicht werden können: Text, Ton, Bild, Bewegtbild, Interaktives.

Journalistische Erzählstrukturen haben sich in den jeweiligen Mediengattungen etabliert, die Nutzer haben sich daran gewöhnt. Ob die große Spiegel- oder Deutschlandfunkreportage, ob Kommentar oder Nachricht – sie alle haben sich in ihren Medienformen entwickelt. Und fast überall gibt es die Auffanggattung „Feature“ für einiges, was nicht so recht ins Schema passt. Audio und Bewegtbild im Offlinebereich ist darüber hinaus gemein, dass es ausschließlich linear funktioniert: eine Reportage läuft von vorne bis hinten. Dann ist sie abgeschlossen und der Hörer oder Zuschauer hat sie wahrgenommen, ganz oder in Teilen, oder verpasst. Sie ist ohne Hilfsmittel nicht rückholbar, versendet sich. Für Papiermedien gilt das ähnlich, aber anders: theoretisch ist es so, dass der Leser die Zeitung oder Zeitschrift jederzeit zur Seite legen und später weiterlesen könnte. Praktisch ist es so, dass die Tageszeitungen nach drei Stunden nicht mehr angefasst werden und Zeitschriften selbst bei begeisterten Lesern nach spätestens einer Woche oder einem Monat im Schrank ein staubiges Dasein zu fristen beginnen. Im Internet ist das anders: zum einen muss ein Werk nicht für „fertig“ erklärt werden. Es ist jederzeit Gegenstand möglicher Aktualisierung, Veränderung, Ergänzung, Restrukturierung. Und es ist solange erreichbar, wie es verfügbar gehalten wird (oft aber auch noch einige Zeit darüber hinaus zumindest in Zwischenspeichern). Das gilt für alle Inhalte – egal welcher der alten Gattungen sie angehören oder ob sie Hybridformen sind.

Die Erzählstruktur im Netz muss dieser Realität gerecht werden. Zwar wird für den heutigen Leser, Zuhörer oder Zuschauer (= Nutzer) etwas hergestellt. Aber viele Artikel erreichen im Verlauf von vier oder fünf Jahren ein ebenso beträchtliches Publikum wie in den ersten 24 Stunden nach Veröffentlichung, der Zeit, in der sich die meisten Tageszeitungsinhalte bereits versendet haben. Entsprechend muss dies mitgedacht werden, wenn man wirklichen Onlinejournalismus betreiben möchte. Und hierzu gibt es eine grandiose Möglichkeit: den Link. Wer ältere und neuere Inhalte miteinander verknüpft, sie mittels thematischer, örtlicher, zeitlicher oder personaler Identifikatoren in Relation zu anderen Inhalten setzt (Stichwort: Metadaten), hat die Möglichkeit, den Ausschnitt der Wirklichkeit, den er nun beleuchten möchte, im Kontext bereits erzählter Geschichten weiter zu erzählen, muss nicht die ganze Geschichte von vorne erzählen.

Diese Möglichkeit der Kontextualisierung ist eine der großen Chancen für Journalismus im Netz. Sie wird nach wie vor nur spärlich eingesetzt. So hat zum Beispiel im Videobereich bis heute niemand die naheliegende Idee umgesetzt, in einem Videoplayer Links einzublenden, die, sobald der Zuschauer sie klickt, das Video zum pausieren veranlassen und den Inhalt öffnen. So lassen sich beliebige Inhalte in beliebigen Trägermedien verknüpfen. Einziges Sorgenkind dabei ist Audio, das aufgrund seiner Einwegeigenschaften und in Ermangelung direkter Interaktionsmöglichkeiten hier mit Text, Bild und Bewegtbild nicht mithalten kann.

Nun kann man also intelligenter veröffentlichen. Doch eine Veröffentlichung macht noch keinen Journalismus. Was also kann Journalismus im Internet, was Journalismus ohne Internet nicht oder nur schlechter kann? Und was heißt das? Ein bald erscheinender Folgebeitrag soll versuchen, Hinweise darauf zu geben, welche neuen Möglichkeiten und Anforderungen für Recherchezwecke im Journalismus im Internet entstanden sind.

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Öffentliche Privatheiten, private Öffentlichkeiten

Was heißt es in seiner Konsequenz, dass immer mehr Menschen mit dem Internet leben, es in ihren Alltag integrieren, in ihren Kommunikationshabitus? Wenn das Internet als Verlängerung der mündlichen Kommunikation gehandhabt wird?

Immer wieder wird das Internet vor allem von älteren Mitbürgern mit dem Telefon verglichen. Doch das Telefon überträgt keine Bilder, verschriftlicht keine Kommunikation. Und doch: genau die Kommunikation, die früher ausschließlich mündlich kabeltransportiert wurde, findet heutzutage auch schriftlich statt – aufgrund allgemeinen Wertewandels vermutlich sogar noch um einiges intimer, als dies über die Telefonleitungen früher passierte. Ob über Sex, Krankheiten, Geldnöte oder Zukunftsplanungen: die Kommunikation über das Netz ist sehr privater Natur. Private Chatfenster, Direkt- und Kurznachrichten (ja, auch SMS gehört zu diesem Phänomen dazu) simulieren 1:1-Kommunikation. Hier wird oft unverschlüsselt ausgetauscht, was nur zwei Menschen etwas angeht.

Wer verstehen will, warum die Privatsphäre, die informationelle Selbstbestimmung ohne Abhörangst, die Wichtigkeit der uninfiltrierten Kommunikation für diese Generation so zwiespältig in ihrer tatsächlichen Nutzung und zugleich so wichtig ist, muss das berücksichtigen. Jeder Eingriff in Telekommunikationsinfrastrukturen ist heute auch ein Frontalangriff auf die Intimsphäre.

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Was fehlt: Faszination

Barack Obama hat die Massen elektrisiert. Hätte man eine Glühlampe in seine Nähe gehalten, jeder hätte erwartet, dass sie leuchtet. Frank-Walter “Wrack-Falter” Steinmeier hat das genauso wenig wie Angela “Abwarten” Merkel, das politische Guidogotchi Westerwelle, das lethargische Duo Trittin und Künast oder gar die Spitzenlinken, die sich auf die plakative Polemik reduziert positionieren. Warum?

Deutschland ist ein schönes Land. Den Menschen geht es gut. Nur: die meisten Deutschen sind nicht zufrieden. Das Land der perfiden Perfektionisten will mehr als “und dafür stehe ich mit meinem Namen”-Werbebotschaften. Onkel Dittmeyer und Dr. Best sind nämlich zum einen schon tot und zum anderen sind die 80er langsam vorbei. Claus Hipp lebt natürlich noch.

Die SPD hat das Image einer Angestellten- und keiner Anpackerpartei. Die FDP ist so einheitlich frei, dass man sie profilfrei nennen muss. Am ehesten noch haftet ihr das Image solariumsgebräunter Berater - von Anlage- bis Steuer- - an. Die Union hat in der Regierung nicht so weh getan, wie das viele gedacht hatten (außer ziemlich häufig im Kopf). Sie krebst zwar eigentlich auch am unteren Limit ihrer Selbsteinschätzung, trägt dies aber nicht so offen vor sich her wie die SPD. Sie hält still und piekst manchmal in das Spanferkel, das sich selbst ins Ofenrohr verkroch. Solange es noch quiekt, ist es wohl noch nicht gar. Nur das mit dem Anstellen des Ofens hat die Union bis heute nicht auf die Reihe bekommen. Die Grünen merken, dass sie langsam auch alt werden. Die als Feinde technologischen Übermuts (kerngesunde Skepsis) gestarteten Ökobewegten sind inzwischen nicht zuletzt einer sehr speziellen Form der Technikfeindlichkeit erlegen. Technik darf für viele in der Partei nur dann gut sein, wenn sie urgrünen Zwecken dient. Ihr politisch-esoterischer Flügel wird zwar meist unter Verschluss gehalten, existiert aber bis heute. Bei der Linkspartei ist die Beliebigkeit nach wie vor groß, ihre Anziehungskraft auf jüngere (also unter 60-jährige) Wählerschichten ist auch aufgrund ihres Spitzenpersonals maximal subliminal zu nennen, wie ihre Wahlergebnisse regelmäßig zeigen.

Wo sind sie also, die Politiker, die Wege in die Zukunft zeigen? Die sagen, was sie erreichen wollen, mit welchen Mitteln? Die vielleicht größere Visionen formulieren, als sie in einer Wahlperiode erreichen könnten - und dennoch konkrete Maßnahmen benennen können, den Weg dahin einzuschlagen? Die gesamtgesellschaftliche Ziele, für Deutschland, Europa und die Welt in der wir alle Leben postulieren können? Ich fühle mich von den Kampagnen unterfordert. Natürlich werde ich wählen gehen und natürlich wird eine Partei die Stimme für sie als Zustimmung für ihren Wahlkampf, ihre Programmatik und ihr Personal vermarkten. Aber das stimmt mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit leider nicht. Ich wähle nur das bestverfügbare, nicht das, was mir gefällt.

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