Ein diskonnektierter “Intellektueller”
Adam Soboczynski übt sich in der Zeit von heute, Feuilleton S. 45, in schwachfeinsinniger Dialektik:
Der unmittelbar messbare Markterfolg eines Textes im Internet unterliegt jenem massenkulturellen Sog, der seit Anbeginn der Moderne beklagt wird. Intellektualismus überlebte, solange kein Medium zur Hand war, ihn dem nackten Wettbewerb zu unterwerfen.
Er [der Intellektuelle, Anm. d. Bloggers] mag zwar einen feinsinnigen Blog führen, doch seine Minderheitenmeinung ist darin zu schwach, um gehört zu werden – oder gar um lukrativ zu sein.
Intellektuell eine wahre Glanzleistung: Intellektuell im Internet? Nicht lukrativ. Das Internet unterwerfe den Intellektualismus also dem nackten Wettbewerb. Ein Schrei nach Staatsbeihilfe für Intellektuelle? Mitnichten. Nur der Ausdruck dessen, was ist: Adam Soboczynski ist kein Demokrat, er ist auch nicht an Demokratie interessiert sondern ausschließlich an verlogenem Elitismus im Stile auswirkungsloser Salonflaneure. Das verschweigt er auch nicht:
Da der Intellektuelle aus der Mehrheitsdemokratie geistesaristokratisch herausragt, ist er der Einzige, der die Bedingungen der Staatsform, in der er lebt, zu reflektieren vermag. Er stabilisiert Demokratie, indem er sich ihr wesenhaft entzieht. [… sehr lange Auslassung …] Jedoch als der, der er bislang war, Störenfried des Konsenses, Vermittler von Wissensbeständen, Korrektiv des Staats, wird er verschwinden.
Entziehe er sich. Doch bedenke er: Wer sich dem Diskurs versagt, versagt, kapituliert. Wer die elitistische Abstraktion dem Diskurs mit realen Menschen vorzieht, möge dies tun. Das Verschwinden dieses Typus von Intellektuellen, den Adam Soboczynski für sein Dasein sicherlich reklamiert, in die “Internetrandzonengebiete”, wie er schreibt, ist kein Verlust für die demokratische Qualität. Sondern die Selbstexilierung der Heulsusen, die um ihren Aufmerksamkeitswert μ fürchten. Ja, vor dreißig Jahren hätte Soboczynski noch ein Feuilletonchef für die fetten Jahre der gedruckten Zeitungen werden, in öffentlich-rechtlichen Rundfunksendern des Nächtens parlieren und die Augen vor der realen Welt verschließen können.
Das Internet verändert weniger, als es sichtbar macht. Dem geschundenen Intellektuellen führt es die Sinnlosigkeit sowohl seines Seins wie auch seines proklamierten Nichttuns vor. Wer die Stoßseufzer Soboczynskis liest, kommt nicht umher, einzusehen: was Soboczynski als Intellekt bezeichnet, ist in Wahrheit nichts als ein Bekenntnis zum Selbstbetrug. Würde er dabei wenigstens auf den Zorn verzichten, der ihn angesichts der sich auch im Internet manifestierenden Welt da draußen ergreift, es wäre viel gewonnen. So bleibt jedoch nur eines zu vermerken: Medium heißt manchmal einfach nur halbgar. Zum Trost bleibt zu erwarten, dass Soboczynski vielleicht dem Internet eine Weile erspart bleiben wird. Ich möchte ihn ganz öffentlich darum bitten, dass er Verlagen die Onlinepublikation seiner Texte (und damit auf einen entsprechenden, kleinen Anteil seines Honorars verzichtend) untersagt. Das lohnt sich nämlich in dieser Form für alle Seiten nicht.
Randbemerkung 1: Das Wort Internetuell wäre überlegenswert. Damit Keinereiner aus Versehen im gleichen Topf schmoren muss.
Randbemerkung 2: Meinungsstarke und faktenarme Beiträge sind im klassischen Medienwesen häufig Ausdruck von Verteilungskämpfen.
Randbemerkung 3: Sorry. Doch länger geworden.
7 sagten etwas
Ich glaube Herrn Adam Soboczynskis eigentliches Problem, ist die Tatsache, dass ihm jetzt die Penunsen für seinen “geistesaristokratischen” Lebenswandel fehlt. Denn aussterben oder hartzvieren, muss der Intellektuelle, den er beschreibt nicht. Gilt doch im Netz die Regel, dass wer 1000 Fans hat, auch davon leben kann. Wer selbst das als Intellektueller nicht schafft, ist wohl einfach nur ein exzentrischer Klugscheißer.
[…] sind auch Falk Lüke und die ausführlichere Replik auf Soboczynski von Marcel Weiß auf […]
[…] Darauf entgegnet Falk Lüke bissig: Entziehe er sich. Doch bedenke er: Wer sich dem Diskurs versagt, versagt, kapituliert. Wer die elitistische Abstraktion dem Diskurs mit realen Menschen vorzieht, möge dies tun. Das Verschwinden dieses Typus von Intellektuellen, den Adam Soboczynski für sein Dasein sicherlich reklamiert, in die “Internetrandzonengebiete”, wie er schreibt, ist kein Verlust für die demokratische Qualität. Sondern die Selbstexilierung der Heulsusen, die um ihren Aufmerksamkeitswert μ fürchten. Ja, vor dreißig Jahren hätte Soboczynski noch ein Feuilletonchef für die fetten Jahre der gedruckten Zeitungen werden, in öffentlich-rechtlichen Rundfunksendern des Nächtens parlieren und die Augen vor der realen Welt verschließen können. […]
[…] ihn nur als eine der ersten Blogstimmen zum Thema übersehen?!) schreibt über den „diskonnektierten “Intellektuellen”„: „Das Verschwinden dieses Typus von Intellektuellen, den Adam Soboczynski für […]
[…] Soboczynski in der Zeit. Das hat ein “Geschmäckle”, findet rebell.tv. Auch auf den “Kühlschranknotizen” meint Blogger Falk Lüke, dass der Autor des Artikels lediglich an “verlogenem Elitismus […]
[…] Jessen, Feuilletonchef und spitze Feder bei der Zeit, versucht, irgendwie den Soboczynskitext von vor zwei Wochen zu rechtfertigen (S.52, “Das Netz trügt“). Er schließt sein Stück folgendermaßen: […]
[…] Entwicklung in genau dieser Richtung weitergeht. Und wenn das unter weitgehender Ignoranz mancher Eliten klassischer Prägung geschieht, dann muss das nichts schlimmes sein. Sondern vielleicht einfach nur Produkt der […]