nicht mehr, nicht weniger.Beiträge-Feed Kommentare-Feed

Archive for Mai, 2009

Eine Parabel für Heinrich Wefing

Auch in der dieswöchigen Ausgabe der ZEIT ist wieder einmal ein Artikel enthalten, der uns sagt, dass das Internet oder zumindest seine aktiven Bewohner tendenziell böse sind. Und dieses eine Mal stimme ich dem Autoren Heinrich Wefing bei etwas zu. Denn er hat etwas geschrieben, das zweifelsohne korrekt ist:

Erstaunlich ist nicht, dass dieser Kulturkampf jetzt losbricht. Erstaunlich ist in Wahrheit, dass er so lange auf sich warten lassen hat. Wieso hat es fast zwanzig Jahre gedauert, bis öffentlich formuliert wird, was doch eigentlich eine Selbstverständlichkeit ist: dass das Netz kein rechtsfreier Raum ist.

Es ist gut, dass Wefing diesen Punkt aufwirft. Und er liegt zweifelsohne damit richtig, dass im Cyberspace die heutigen Gesetze nicht als solche ernst genommen, Freiheit verehrt und gelebt wird. Dass so lange geschwiegen wurde, hat seinen guten Grund.

Stellen Sie sich einmal vor, Sie hätten eine Insel entdeckt. Sie finden diese Insel wunderschön, bauen sich dort ein kleines Häuschen, fangen Fische und bauen Gemüse an. Es gibt ein Wäldchen, eine Lichtung und einen Bach. Sie lesen manchmal ein gutes Buch. Manchmal, wenn der Wind gut steht, hören Sie die Fischerstochter vom Festland ein Liedchen trällern. Das weiß sie nicht und es tut ihr auch nicht weh, aber sie freuen sich an diesem Liedchen.
Irgendwann kommen Ihre Freunde zu Besuch. Sie mögen die Insel und beschließen, zu bleiben. Sie freuen sich über ihre Freunde die Ihre Insel mögen und sagen: was mein sei, sei auch dein.
Irgendwann kommen die Eltern zu Besuch. “Was für eine schöne Insel, und spannend, wie Ihr hier alle lebt. Aber das ist schon alles etwas seltsam hier. Aber gut, dass wir so liebe, unpolitische Kinder haben. Da brauchen wir uns ja wohl trotzdem keine Sorgen machen.”
Sie leben weiter und immer mehr Freunde kommen auf ihre Insel. Alle freuen sich, aber viele vergessen, dass es nur eine Insel ist. Sie kommen gar nicht mehr wegen der Insel, sondern deshalb, weil hier irgendwie die cooleren Leute sind. Weil hier etwas neues entsteht und sie gerne dabei sein wollen.
Als eines Tages die Eltern vor Ihrer Tür stehen und sagen, dass sie jetzt auch auf der Insel wohnen, sind Sie überrascht. Als die Eltern sagen, dass auch alle Ihre Freunde herziehen wollen, dass dafür aber der Wald planiert, der Bach ausgetrocknet und der Fischfang eingestellt werden muss, sind sie erstaunt und erschreckt. Als die Eltern dann auch noch sagen, dass das Fischermädchen vom Ufer doch bitte nicht diesen schrecklichen Indiepop sondern gefälligst Schlager trällern soll, platzt Ihnen der Kragen. Sie sind schlussendlich doch politisch geworden.

Wefing hat dennoch Unrecht, wenn er schreibt:

Dass im Cyberspace dieselben Gesetze gelten wie in der realen Welt.

Die Internetgeneration hat ihre Eltern in Ruhe gelassen, so wie die Elterngeneration die Internetgeneration nicht beachtete. Nun hat die Elterngeneration beschlossen, das Internet so zu betreten, als ob sie dort zuhause wäre. Wir leben in spannenden Zeiten. Und die Zeit (nicht die ZEIT) arbeitet für die Internetgeneration und ihre Gesetze.

Disclaimer: 2007-2008 war ich Redakteur bei ZEIT online

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Psst! SPD-Fraktion!

Liebe SPD-Fraktion,

Euer Fraktionsmitglied und “Mitglied in der Ältestenratskommission neuer Informations-/ Kommunikationstechniken und –medien” (sic! Aber bis 95 war er noch stv. Juso-Vorsitzender. Spontanalterung?) Christian Lange will also prüfen lassen, ob sich Störsender (sog. Jammer) installieren lassen, damit die lieben Kollegen keine Interna in die Welt hinauszwitschern.

Dazu nur ein paar Hinweise:
1. Wenn Sie einen Jammer installieren, können sie auch nicht mehr mobil telefonieren. Das werden Sie kaum wollen.
2. Wenn Sie Internagetwitter unterdrücken wollen, belegen Sie solches Verhalten doch einfach mit Geldbußen.
3. Wenn Sie ein grundsätzliches Problem damit haben, dass die Kollegen lieber mit ihren telefonähnlichen Endgeräten spielen denn stetiges Sitzungsinteresse zu simulieren, sollten Sie über etwas anderes Nachdenken. Zum Beispiel darüber, dass Exzellenz Transparenz verträgt.

Ich freue mich über jeden Politiker, der twittert. Vor allem über die, die mehr als reines Phrasendreschen hinbekommen. Die zeigen, was sie tun. Und irgendwie auch die, die zeigen, dass sie nichts tun. Auch schön.

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Ein diskonnektierter “Intellektueller”

Adam Soboczynski übt sich in der Zeit von heute, Feuilleton S. 45, in schwachfeinsinniger Dialektik:

Der unmittelbar messbare Markterfolg eines Textes im Internet unterliegt jenem massenkulturellen Sog, der seit Anbeginn der Moderne beklagt wird. Intellektualismus überlebte, solange kein Medium zur Hand war, ihn dem nackten Wettbewerb zu unterwerfen.

Er [der Intellektuelle, Anm. d. Bloggers] mag zwar einen feinsinnigen Blog führen, doch seine Minderheitenmeinung ist darin zu schwach, um gehört zu werden – oder gar um lukrativ zu sein.

Intellektuell eine wahre Glanzleistung: Intellektuell im Internet? Nicht lukrativ. Das Internet unterwerfe den Intellektualismus also dem nackten Wettbewerb. Ein Schrei nach Staatsbeihilfe für Intellektuelle? Mitnichten. Nur der Ausdruck dessen, was ist: Adam Soboczynski ist kein Demokrat, er ist auch nicht an Demokratie interessiert sondern ausschließlich an verlogenem Elitismus im Stile auswirkungsloser Salonflaneure. Das verschweigt er auch nicht:

Da der Intellektuelle aus der Mehrheitsdemokratie geistesaristokratisch herausragt, ist er der Einzige, der die Bedingungen der Staatsform, in der er lebt, zu reflektieren vermag. Er stabilisiert Demokratie, indem er sich ihr wesenhaft entzieht. [… sehr lange Auslassung …] Jedoch als der, der er bislang war, Störenfried des Konsenses, Vermittler von Wissensbeständen, Korrektiv des Staats, wird er verschwinden.

Entziehe er sich. Doch bedenke er: Wer sich dem Diskurs versagt, versagt, kapituliert. Wer die elitistische Abstraktion dem Diskurs mit realen Menschen vorzieht, möge dies tun. Das Verschwinden dieses Typus von Intellektuellen, den Adam Soboczynski für sein Dasein sicherlich reklamiert, in die “Internetrandzonengebiete”, wie er schreibt, ist kein Verlust für die demokratische Qualität. Sondern die Selbstexilierung der Heulsusen, die um ihren Aufmerksamkeitswert μ fürchten. Ja, vor dreißig Jahren hätte Soboczynski noch ein Feuilletonchef für die fetten Jahre der gedruckten Zeitungen werden, in öffentlich-rechtlichen Rundfunksendern des Nächtens parlieren und die Augen vor der realen Welt verschließen können.

Das Internet verändert weniger, als es sichtbar macht. Dem geschundenen Intellektuellen führt es die Sinnlosigkeit sowohl seines Seins wie auch seines proklamierten Nichttuns vor. Wer die Stoßseufzer Soboczynskis liest, kommt nicht umher, einzusehen: was Soboczynski als Intellekt bezeichnet, ist in Wahrheit nichts als ein Bekenntnis zum Selbstbetrug. Würde er dabei wenigstens auf den Zorn verzichten, der ihn angesichts der sich auch im Internet manifestierenden Welt da draußen ergreift, es wäre viel gewonnen. So bleibt jedoch nur eines zu vermerken: Medium heißt manchmal einfach nur halbgar. Zum Trost bleibt zu erwarten, dass Soboczynski vielleicht dem Internet eine Weile erspart bleiben wird. Ich möchte ihn ganz öffentlich darum bitten, dass er Verlagen die Onlinepublikation seiner Texte (und damit auf einen entsprechenden, kleinen Anteil seines Honorars verzichtend) untersagt. Das lohnt sich nämlich in dieser Form für alle Seiten nicht.

Randbemerkung 1: Das Wort Internetuell wäre überlegenswert. Damit Keinereiner aus Versehen im gleichen Topf schmoren muss.
Randbemerkung 2: Meinungsstarke und faktenarme Beiträge sind im klassischen Medienwesen häufig Ausdruck von Verteilungskämpfen.
Randbemerkung 3: Sorry. Doch länger geworden.

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Schönes Magazintheme?

Suche ich gerade. Was empfehlt die geschätzte Leserschaft? Und warum eigentlich?

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Im Zweifel privat

Unsere Gesellschaft kennt eine Unterscheidung in A jobtechnisch/dienstlich und B privat. Das ist gefühlt zwar eine etwas künstliche Sache, da die meisten von uns nur über ein Gehirn verfügen und das nicht so ganz umschaltet. Aber man muss es als Faktum hinnehmen.

Dieses Internet hat das alles etwas schwieriger gemacht. Zumindest für die, die von sich sagen würden: I work for the Internets oder zumindest im und mit dem Internet. Da es selbst zeit- und ortsunabhängig ist und der Aufwand für eine Doppelhaushaltung unvertretbar (außerdem kaum zu gewährleisten), habe ich nur einen Twitteraccount, einen Facebookaccount, einen Xing-Account usw., so wie ich nur ein einziges Leben habe. Das führt teils zu Vermischungen: manch guter Freund muss quasi-dienstliches aushalten, obwohl ihn primär interessiert, ob ich heute Zeit hätte um ins Kino zu gehen. Und manch Kollege muss ertragen, dass ich liebend gerne “genervt-Tweets” über massiert auftretende muffelige Kontrolleure, miese Musikanten und Straßenzeitungsverkäufer schreibe.

Das alles führt aber auch dazu, dass Menschen auch meine Meinungsäußerungen, auch mal ein bisschen Geifersucht, offensive Polemiken - sprich: weniger diplomatisches, weniger wohlabgewogenes, vielleicht manchmal auch weniger überlegtes - zu sehen bekommen, die primär beruflicher Kontakt sind.

Ich kenne das Gefühl, wenn jemand etwas zu einem Zeitpunkt versprochen hat und dann, dann lese ich auf Twitter, was der Mensch gerade tut. Und das ist etwas anderes. Dass das normal ist, weil Menschen nicht 24/7 arbeiten dürfen (dann kommt nämlich nur Quatsch raus), vergisst man in solchen Momenten.

Also gibts daher aus meiner Sicht nur eines: im Zweifel sind alle Social Media-Veröffentlichungen nicht als jobbezogene Veröffentlichungen zu verstehen. Sie sind dann privat und als solche zu behandeln - in jederlei Hinsicht. Und jeder, der das nicht versteht und nicht akzeptiert, möge sich stante pede hinfortschleichen aus all meinen individuellen Umfeldmedien.

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Danke für den Anlass

Ich bin der Bundesministerin für Familie und Gedöns Ursula von der Leyen dankbar für ihren Vorstoß zur Sperrung von Internetseiten mit kinderpornografischem Inhalt.

Der Entwurf ist legislativhandwerklich miserabel, keinen Millimeter zielführend, offenkundig populistischer Art und damit wohl das Beste, was Mobilisierung und Politisierung der ach so unpolitischen Internetgeneration passieren konnte. Es herrscht Einigkeit: diese Alten habens nicht (oder auch: haben nichts) verstanden. Klare Feindbilder einigen einfacher. Die Petition hat bereits jetzt mehr Zeichner als Grüne und FDP Mitglieder haben (voraussichtlich morgen auch mehr als die Linkspartei).

Interessant sind in der Folge drei Ebenen:
1. Was resultiert aus der Mobilisierung realpolitisch?
2. Kann die mobilisierte Menge sich auch künftig gemeinschaftlich zu netzpolitischen Themen artikulieren?
3. Kann sie sich auch auf den klassischen Wegen der Politikentstehung einbringen? Sind unter den Zehntausenden also genügend, die auch bereit sind, nicht nur zu zeichnen - sondern auch mit einem Anruf oder einem direkten Gespräch auf Politik Einfluss zu nehmen. Das kostet zwar auch nicht viel Zeit, ist aber eine andere Qualität.

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Holla, SZ-Magazin!

Ich bin erstaunt.

Mit ihrer Anfälligkeit für Versagen kann die Demokratie also leben, solange ihr nicht das Medium zerfällt, aus dem sie ihre ganze Legitimation und politische Zugkraft schöpft, das Medium der Öffentlichkeit. Doch eben daran scheint sie heute zu kranken. [..] Doch jetzt, so scheint es, wandelt sich Öffentlichkeit nicht nur, sie löst sich auf. Sie scheint sich im Internet zu verlieren.
[…]
Ist die Öffentlichkeit das Medium der Demokratie, so war die gedruckte Presse bisher das wichtigste Medium der Öffentlichkeit.
[…]
Doch die heutige Furcht vor den wilden Netzamateuren ähnelt auch jener Friedrichs II. vor den sich einmischenden Bürgern (»eine Privatperson ist zur Beurteilung der Verfahren und Gesetze gar nicht fähig«). Eines immerhin ist sicher: Auch das Netz ist nicht lupenrein.

Andreas Zielcke, 65, ist Autor der »Süddeutschen Zeitung«. Er war von 2000 bis 2008 Leitender Redakteur des »SZ«-Feuilletons.

Und zwar ziemlich.

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Berliner Impressionen 2009 - Teil I

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Während des Baumblütenfestes in Werder sind übrigens Glasflaschen in Zügen im VBB verboten.
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Ist das gut oder doof? Bis heute keine abschließende Meinung über diese Hundeinstrumentalisierung.

In den nächsten Tagen: mehr Impressionen.

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Schöne Sache

Wenn man lange genug im Web 2.0-Zirkus mitspielt, mal in der Manege und mal auf den Rängen, dann ist es schon fast eine Erkenntnis, dass man nicht alles mitmachen muss. Letztes Wochenende war Politcamp in Berlin und ich hatte mich natürlich vor Urzeiten angemeldet, immerhin sind Internet und Politik durchaus zwei Felder, die mich persönlich interessieren und begeistern.

Hingegangen bin ich allerdings nicht. Definitiv eine gute Entscheidung - ohne mich über das Politcamp im Nachhinein schlau gemacht zu haben.

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