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Kein fähiges Modell

Das Medienblog Medienlese.com wird eingestellt. Ein Blog, das Medienbeobachtung betrieb. Nun ist es also dahin. Bei der FAZ lacht man sich ins Fäustchen, während manche Fans der Publikation Spenden sammeln wollen.

Ich habe Medienlese hin und wieder gelesen, anfangs häufig und später selten. Es ging mir mit ihm so wie mit Medienrauschen, das seit drei Jahren nur noch ein Schattendasein seiner selbst fristet, und mit manchen anderen Seiten: es fehlte mir der Journalismus. Und des öfteren auch die Hintergrundkenntnis. Medienlese hat das beste aus seinen Möglichkeiten gemacht, doch die waren einfach beschränkt und das schönzureden, entspräche sicherlich nicht meiner Art.

Das Rosinenpicken hat sich für mich mittlerweile eh in den vergesslichen sozialen Zwischenraum verlagert, teils auch in Verbindung mit diversen Social Bookmarking-Plattformen.

Dennoch widerstrebt mir die Tonalität des FAZ-Artikels “Tod eines Holzfällers”. Denn was als “Dröhngebrüll” abgekanzelt wird, trifft dennoch zu: der größte Feind des Journalismus ist heutzutage meist der Verlag, so wie er sich heute darstellt. Die “taz” schwimmt derzeit auf der finanziell lukrativen Welle der Krisensolidarität (”Krise? Bei uns schon immer!”), so dass sich die Onlinefeinde dort wieder aus den Bunkern hervorwagen. Bei der Zeit darf die zukunftsängstige Entschleunigungsbefürworterin Susanne Gaschke wider das böse, böse Internet und die Entrechtung geknechteter Zeit-Redakteure, Professoren, Plattenkonzernanteilseigner, Filmproduzenten sowie anderer finanziell Minderbemittelter anschreiben. Und ins gleiche Horn stoßend dabei gleich noch Heidelberger Appell und Kinderpornografie fröhlich leitartikelnd bis zur Unkenntlichkeit verrühren. Gewinnen die, von denen viele dachten, dass sie doch nun endlich bald untergehen, wieder Oberwasser?

Sie sind so verzichtbar wie auch Medienlese.com. Man kann es lesen, muss es aber nicht. Es ist kein Journalismus, für den ich zahlen will.

2 sagten etwas

2 Responses to “Kein fähiges Modell”

  1. Dose.E.S.Kon Apr 29th 2009 at 8:30

    Du triffst die Sache auf den Punkt. Und ich bin heilfroh darüber, dass es doch noch Menschen gibt, die angesichts der es-ist-so-traurig-Welle mit klarem Verstand reagieren, das auch schreiben und nicht nur hinter vorgehaltener Hand diskutieren.

    Letzten Endes ist es doch erstaunlich zu sehen, dass die “modernen” Web 2.0-User weit konservativer reagieren, wenn ihr vermeintliches Lieblingsprodukt eingestellt wird, als langjährige Abonnenenten einer vom Konkurs bedrohten Tageszeitung. Mir war diese Lektion eine Lehre.

  2. […] Kein fähiges Modell (Kühlschranknotizen, Falk […]

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