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Archive for April, 2009

Kein fähiges Modell

Das Medienblog Medienlese.com wird eingestellt. Ein Blog, das Medienbeobachtung betrieb. Nun ist es also dahin. Bei der FAZ lacht man sich ins Fäustchen, während manche Fans der Publikation Spenden sammeln wollen.

Ich habe Medienlese hin und wieder gelesen, anfangs häufig und später selten. Es ging mir mit ihm so wie mit Medienrauschen, das seit drei Jahren nur noch ein Schattendasein seiner selbst fristet, und mit manchen anderen Seiten: es fehlte mir der Journalismus. Und des öfteren auch die Hintergrundkenntnis. Medienlese hat das beste aus seinen Möglichkeiten gemacht, doch die waren einfach beschränkt und das schönzureden, entspräche sicherlich nicht meiner Art.

Das Rosinenpicken hat sich für mich mittlerweile eh in den vergesslichen sozialen Zwischenraum verlagert, teils auch in Verbindung mit diversen Social Bookmarking-Plattformen.

Dennoch widerstrebt mir die Tonalität des FAZ-Artikels “Tod eines Holzfällers”. Denn was als “Dröhngebrüll” abgekanzelt wird, trifft dennoch zu: der größte Feind des Journalismus ist heutzutage meist der Verlag, so wie er sich heute darstellt. Die “taz” schwimmt derzeit auf der finanziell lukrativen Welle der Krisensolidarität (”Krise? Bei uns schon immer!”), so dass sich die Onlinefeinde dort wieder aus den Bunkern hervorwagen. Bei der Zeit darf die zukunftsängstige Entschleunigungsbefürworterin Susanne Gaschke wider das böse, böse Internet und die Entrechtung geknechteter Zeit-Redakteure, Professoren, Plattenkonzernanteilseigner, Filmproduzenten sowie anderer finanziell Minderbemittelter anschreiben. Und ins gleiche Horn stoßend dabei gleich noch Heidelberger Appell und Kinderpornografie fröhlich leitartikelnd bis zur Unkenntlichkeit verrühren. Gewinnen die, von denen viele dachten, dass sie doch nun endlich bald untergehen, wieder Oberwasser?

Sie sind so verzichtbar wie auch Medienlese.com. Man kann es lesen, muss es aber nicht. Es ist kein Journalismus, für den ich zahlen will.

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Der kleine Unterschied?

Ich habe eine Vermutung. Die ist sehr banal, und daher möchte ich sie besonders gerne teilen und von anderen in der Luft zerreißen lassen. Sie lautet: das Internet macht vielen Leuten Angst, weil es die Unzulänglichkeit der Realität mess- und sichtbar machen könnte.

Wieviele Geschäftsmodelle basieren auf Lügen? Oder sagen wir es diplomatischer: nicht vollumfänglich nachvollziehbaren und erfüllten Versprechen? Wieviel Reputation ist auf heißer Luft aufgebaut? In meinen Augen ist das schönste am Internet, dass es als Instrument der Infragestellung des Tradierten sehr direkt ist. Daher macht es denen Angst, die vor allem mit heißer Luft handeln oder zumindest das Gefühl haben, sie täten das. Ich aber sage Euch: Fürchtet Euch nicht! Es gibt keinen Grund Selbstmord aus Angst vor dem Tod zu begehen. Nur einen Anlass.

Ihr werdet höchstens ein bisschen sterben. In Werbung, Medien, Produktion; in Politik, da weiß man schon: das Internet ist sehr gefährlich. Doch statt dagegen: seid halt ehrlich. Tusch.

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Schöne Aktion:”Von Laien regiert”

Spreeblicks Internetsperrenprotest.

Das Problem an den “Webseitensperrungen gegen Kinderpornografie” ist zusammengefasst folgendes:

Die genannten Zahlen sind falsch.
Die genannten Entwicklungen sind nicht nachweisbar.
Die gewünschten Maßnahmen sind grober Unfug.

Politisch Dankbar:
Es gibt keine direkte Gegenlobby. Niemand ist für Gewalt. Und schon gar nicht für Gewalt gegen Kinder, Frauen, Tiere und Senioren.

Besonderer Clou: im letzten Moment noch eine Datenübermittlungsklausel in die Kabinettsvorlage packen - damit auch wirklich jeder, der auf einem Warnhinweis landet auch gleich beim BKA registriert ist. Das nennt man Honeypot..

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Faszination Twitter

Ich habs ja mittlerweile aufgegeben, zu erklären, warum ich Twitter toll finde. Ich sag immer nur: probiers halt mal aus. Herr Noller, auch bekannt als @holadiho, hats aber wirklich sehr schön beschrieben.

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Volksbegehrlichkeiten: Religion statt Ethik?

In zwei Wochen wird wieder einmal abgestimmt in Berlin. Am 26. April soll ich mein Kreuzchen machen, ob ich für die Einführung des Wahlpflichtbereichs Ethik/Religion bin.

Dahinter steckt folgendes: in Berlin ist der Religionsunterricht nur noch freiwillig und zusätzlich. Stattdessen ist ein allgemeiner Ethik-Unterricht verpflichtend. Alle Schüler, gleich welcher religiösen oder areligiösen Couleur müssen ihn besuchen. Die Initiative setzt sich also dafür ein, dass man statt in Ethik auch in Religion sitzen dürfen soll. “ProReli” schreibt ganz schön oft das Wort Freiheit. Und natürlich sind wir dabei argumentativ ganz schnell an dem Punkt, an dem man sich fragt, ob Verständnis von und Rolle der Religion, wie sie dem Grundgesetz noch zugrunde liegen, wirklich noch die heutige Realität treffen.

Doch bleiben wir konkret. Die Abstimmung ist einfach:

  • Mit JA stimme ich, wenn ich der Meinung bin, dass Religion und Ethik gleichrangig sind und Schüler frei wählen sollten, welchen Unterricht sie besuchen möchten.
  • Mit NEIN stimme ich, wenn ich der Meinung bin, dass allgemeiner Ethikunterricht Vorrang vor Religionsunterricht hat.

Das klingt einfach. Aber hier kommt, wie schon bei der Tempelhof-Abstimmung, das Berliner Volksentscheidwesen zum Tragen:

  1. Damit der Volksentscheid gültig ist, müssen 25% der Berechtigten abstimmen.
  2. Damit er (im Sinne von ProReli) erfolgreich ist, müssen auch mind. 25% aller Berechtigten mit JA stimmen (aber mind. 50% der Abstimmenden).
  3. Beispiel 1: 26 Prozent Wahlbeteiligung. 25% stimmen mit JA. 1% mit NEIN. Ergebnis: ProReli war erfolgreich.
  4. Beispiel 2: 24,9 Prozent Wahlbeteiligung: alle 24,9% der Wahlberechtigten stimmen mit JA. Ergebnis: ProReli ist gescheitert.
  5. Beispiel 3: 50 Prozent Wahlbeteiligung: 25,1% Wahlberechtigte stimmen mit JA. 24,9% Wahlberechtigte mit NEIN. Ergebnis: ProReli war erfolgreich.

Jede abgegebene Stimme (unabhängig von ihrer Aussage) erhöht also die Wahrscheinlichkeit, dass der Volksentscheid Wirkung entfaltet. Wer also mit NEIN stimmen würde, sollte sich also sehr genau überlegen: abstimmen gehen oder wegbleiben? Bei letzterem hätte man auf jeden Fall verloren, wenn die andere Seite die 25%-Marke knackt. Bei ersterem unterstützt man jedoch das Erreichen des Schwellenwertes.

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Twitter? Does not work!

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Shorl: http://shorl.com/juvabogrystifre
Created: 2009-03-30 12:35
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Shorl: http://shorl.com/kymorigomumu
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Shorl: http://shorl.com/dapudifipriku
Created: 2009-03-26 14:06
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Oder quasi live:

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Shorl: http://shorl.com/brohonopytobu
Created: 2009-04-06 16:23
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re:publica ‘09-Rückschau I

Es hat was gefehlt. Nicht nur, dass ich bei meiner recht spontan übernommenen Moderation des “Politische Blogs”-Panel zwar die Panelisten vorgestellt habe, mich selbst aber vergaß. Nein, es gab einiges, was vergessen wurde.

Ich hab in den letzten fünf Jahren keine Webkonferenz mehr erlebt, auf der so selten Worte wie

  • Venture Capital
  • *Invest*
  • Gründer/Founder
  • Exitorientierung

fielen. Ist das schade? Ich habe wenig Beschwerden hierüber gehört.

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Onlinewahlkampf 2009: #fail

Achtung. Hier gehts um Politik und meine höchstpersönliche Meinung. Und ja: Ich habe gerade nicht so gute Laune. (Deutlich weniger genervt scheint Robin Meyer-Lucht gewesen zu sein, zart Besaitete also bitte da lang.)

Es ist jetzt noch ein gutes halbes Jahr bis zur Wahl. Zeit, sich Gedanken darüber zu machen, was bislang getan wurde und was dann noch kommt. Ich war gestern Abend beim Media Coffee der DPA-Tochter “news aktuell”, wo Politikstrategen (Kajo Wasserhövel, Steffi Lemke, Hans-Jürgen Beerfeltz), der nicht mehr für die Bundes-CDU aktive Peter Radunski sowie für die Medienseite Peter Frey vom ZDF herumsaßen. Das Publikum war gespickt mit Abgeordneten- und Fraktionsmitarbeitern, Medienmenschen und nicht zuletzt einer Heerschar total wichtiger Mitarbeiter mindestens genauso wichtiger Politikberatungsfirmen, die bei Speichelleckwettbewerben mit Sicherheit Medaillenchancen gehabt hätten.
Noch vor wenigen Monaten konnte man mit den Menschen, die auf dem Podium saßen, halbwegs normal reden. Und mit einigen davon habe ich das auch gemacht. Aber gestern Abend war Wahlkampfzeit. Inhaltsarmes Schaulaufen, ein leider fehlendes Phrasenschwein hätte vor Freude gequiekt und mit dem Ringelschwänzchen so rotiert, dass es zum Sahneschlagen getaugt hätte. Sicher war es der falsche Ort. Obama? Ach Quatsch, die öffentlich-rechtlichen sollten doch ja bitte nicht nur Merkel und Steinmeier zum TV-Duell einladen.
Sicher war es das falsche Publikum. Wer dort saß, verdient zum Großteil am herkömmlichen Flaschenhalsgeschäft. Aber mein Glaube an den Willen der Parteien, sich ernsthaft in den Onlinewahlkampf zu begeben, ist gestern Abend erschüttert worden.

Wo stehen sie bislang?

1. Die Parteien haben sich Obama angeguckt.
2. Sie haben sich neue Websites gegeben.
3. Sie haben sich überlegt, dass Obamakampagne sein eigentlich sehr cool wäre. Leider habe man aber keinen Obama.
4. Sie haben ihre Wahlprogramme erstellt.
5. Sie haben ihre Kandidaten (weitgehend) bestimmt.
6. Sie haben die Worte der Obama-Kampagne auswendig gelernt.

Was kommt:

Heiße Luft. Und davon ganz schön viel.

Und warum?

1. Obama angucken ist schön. Wenn ich mir anhöre, wer die Phrase vom “kontrollierten Kontrollverlust” (also bewusst Wahlkampfanteile an die eigene Klientel abgeben) statt dem “unkontrollierten Kontrollverlust” (es nicht zu tun, so dass die Klientel es einfach trotzdem tut) so alles schön dreschen kann, wird mir speiübel. Wer Grassrootscampaigning so versteht, dass er einer Horde willenloser Deppen sagen kann, was sie tun und lassen sollen, der sollte es einfach nur sein lassen.

2. Die neuen Websites sind ein Fortschritt. Aber sie sind Stückwerk, sie sind kranken wie die Gesamtkampagnen an Botschaften und Gesamtstrategien. “Wir sind für dagegen” oder “gegen dafür” und übrigens, wir sind auch noch die besten. Und unser Personal steht genau dafür. Statt Kampagnenplattformen, die Menschen ansprechen und für die Parteien begeistern sollen, haben sich die meisten für Websites entschieden, die höchstens zu einer Sache taugen: Pressemitteilungen.

Ich sage es mit einem Zitat aus Joe Trippis großartigem Buch “The Revolution will not be televised”: They didn’t get it.

Es wurde korrekt konstatiert, dass Obamas “Change”-Kampagne nicht nur für den Wechsel, sondern auch gegen Bush, Bushs Gefolge, Bushs Amerikastil und das Fox News-Amerika geführt wurde. Ohne ein dagegen wird es kein dafür geben. Wer Grassroots Campaigning möchte, kann sich nicht darauf zurückziehen, total hübsch und toll und besser zu sein. Engagement kommt dadurch zustande, dass es etwas gibt, für dass man sich engagieren kann. Und wer die seltsam diffuse Masse der Kern-Netzbewohnerschaft erreichen und für sich gewinnen möchte, kommt einfach nicht umher, sich auch mit deren Themen zu beschäftigen.

Es ist ein Irrglaube, dass die Verschrottungsprämie automatisch relevanter sei als die Frage, ob Netze neutral gestaltet sein müssen. Es ist ein Irrglaube, dass die Koketterie mit Inkompetenz in technischen Fragen dabei förderlich sei. Es ist ein Irrglaube, dass man über Themen wie Beschäftigungspolitik und die Frage der Länge der Auszahlung von Kurzarbeitergeld die ach so saturierte und bornierte Netzgemeinde (die schon allein aufgrund ihrer eigenen Bildungssituation sicherlich eine privilegierte, aber keineswegs automatisch unsolidarische ist) ansprechen könnte. Es ist irre, zu glauben, dass, wenn man sich nicht für sie interessiert, sich die ach so egozentrischen und unbedeutenden Multiplikatoren im Netz für die eigene Sache begeistern ließen.

Noch ein paar Bemerkungen zu Peter Frey und seiner Haltung, dass es ja bedauerlich sei, wenn die Parteien im Netz an dem Flaschenhals der Massenmedien vorbei direkt mit dem Wähler kommunizieren würden: ich gehe vollkommen d’Accord, dass es Kernaufgabe professioneller Medien ist, zu hinterfragen, zu recherchieren, aufzudecken und politische Orientierung durch Einordnung zu geben. Nur wer es sich finanziell leisten kann, sich zeitintensiv mit einer Materie zu beschäftigen, kann sich qualifiziert und intensiv dazu äußern. Leider schaffen es die finanziell dafür ausgestatteten Medienschaffenden nur noch selten, sich selbst dieses Leitbildes zu vergewissern und genau das zu tun: sich nicht für Talk und Quote, sondern für Qualität und Tiefe zu entscheiden. Das letzte mir bewusst kritisch nachhakende ZDF-Magazin war Kennzeichen D. Wer seine Legitimation selbst abschafft, sollte nicht über den eigenen Deutungshoheitsverlust und die beklagenswerte Oberflächlichkeit der Amateure jammern.

They frickin didn’t get it.

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