nicht mehr, nicht weniger.Beiträge-Feed Kommentare-Feed

Archive for März, 2009

Politik im Web 2.0 Ausgabe 4

Nebenan bei Netzpolitik:

Klar ist: YouTube und Facebook sind von den Parteistrategen als Plattformen ausgemacht worden, auf denen sie sich den Onlinewahlkampf zutrauen. Hinzu kommt ein wenig Twitter, das in Deutschland trotz starker Medienpräsenz in den letzten Wochen dennoch nicht die große Menge Wähler erreicht. Allerdings wird Twitter den Onlinewahlkampf beschleunigen und viele Multiplikatoren sind jetzt schon auf diesem Wege schnell erreichbar.

Die Zahlen wie immer ohne Gewehr, aber besser als die des einen oder anderen MaFo-Institut sind sie zweifelsohne.

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Schnauze, Berliner!

Die Berliner Zeitung fragt: Sind Berliner wirklich so unhöflich, dass man sie umschulen muss? Leser dürfen in der Kommentarfunktion eines Weblogs dazu Stellung nehmen, und interessanterweise tun dies vor allem Menschen aus der Welt rundherum um Berlin.

Meine Meinung: Berliner Servicekräfte sind oft inkompetent, langsam und unfreundlich. Wenn sie einfach nur unfreundlich wären, würde ich das schon ausreichend finden. Der Rest unterscheidet sie nicht wesentlich von den meisten anderen Servicekulturschaffenden auf diesem Planeten.

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Danke, Niklas

Das Watchblog “FUwatch” hat mit Ende Februar aufgehört, genauer gesagt Niklas hat aufgehört es zu schreiben. Als Alt-FUler habe ich mit Niklas häufiger und auch mal Real Life diskutiert, doch dass das Blog jetzt schon vier Jahre lief, habe ich gar nicht wahrgenommen. Ich habs auf jeden Fall sehr gemocht, wenn auch in den letzten beiden Jahren mit abnehmender Häufigkeit rezipierend. War das zweitbeste Blog, dessen Heimat an der FU lag.* Erfrischend wohlinformiert, kritisch auch gegenüber denen, die den Glauben an Kritik statt Kritik üben hat Niklas vom Fichtenberg immer wieder über Dinge geschrieben, die ein gerüttelt Maß an Kopfschütteln verursachen konnte. Danke für die Fleißarbeit.

*Da war noch eines

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Stuttgarter Formatfragetage

Gestern war ich in Hohenheim bei den 33. Stuttgarter Tagen der Medienpädagogik. Dort ging es in diesem Jahr um die Frage, ob und wie man Heranwachsende für Politik interessieren und begeistern kann. Leider konnte ich nur am Samstag anwesend sein und verpasste dort dadurch Ulrich Sarcinelli und Hans Leyendecker, konnte aber dem sehr schönen Vortrag von Holger Meeh und der Präsentation des neuen Wahlomat-Projektzuständigen der Bundeszentrale für politische Bildung miterleben, bevor ich selbst aufs Podium durfte.

Unter der Überschrift “Wieviel Inszenierung verträgt die Demokratie? Herausforderungen an Politik, Medien und Schulen” diskutierten der grüne Tübinger OB Boris Palmer, Michael Zeiß aus der Chefredaktion des SWR-Fernsehens, Wolfgang Gushurst von Das Ding (ebenfalls SWR) und Holger Meeh (Pädagogische Hochschule Heidelberg) mit dem Moderator Michael Herrmann, Päd. Hochschule Weingarten. Es wurde eine lebhafte Diskussion, in der von vornherein klar war, das wenig klar war. Das Publikum, vor allem Medienpädagogen, aber auch Studenten, Wissenschaftler und andere, waren zwar nicht laptoplos. Aber ich habe kein iPhone, keinen Blackberry und während der Diskussion auch keinen aufgeklappten Laptop (außer meinem) gesehen. Mir fiel auf: hier wird anders kommuniziert. Das Durchschnittsalter war wohl auch über 40.

Die Diskussion verlief, wie schon angemerkt, irgendwie Hölzchenstöckcheneinszweidrei-mäßig. Qualitativ war sie hoffentlich okay, das müssen die Zuhörer/-schauer beurteilen. Aber es war auffällig, dass wir vier oder fünf Diskussionen führten.

Wie kann man Kindern und Jugendlichen Politik nahe bringen? Nun, es ist schwer heutzutage. Da war man sich einig. Jugendliche interessieren sich nicht unbedingt für Politik, wenn Politik draufsteht. Dass vieles von dem, was sie interessiert, keineswegs politikfern ist, geschenkt. Boris Palmer berichtete, dass er mit seiner Verwaltung und den örtlichen Schulen aktiv versucht zu vermitteln, dass die große Politik und die kleine keineswegs irrelevant sind. Weshalb er auch selbst viel mit Klassen diskutiert - und dann viel damit zu tun hat, gegen Klischees und Vorurteile anzukämpfen.

Auch Wolfgang Gushurst versucht Politik nahe zu bringen. Das Ding ist ein Tri-Medium für den Nachwuchs, beachtet und gelobt, kritisiert und von manchen mit Naserümpfen bedacht. Denn Das Ding macht nicht zuletzt Pop - inszeniert und verpackt, packt ungeniert Inhalte an, bei denen mancher lieber einen Psychologen anrufen würde oder den Sendebetrieb einstellen. Das macht es in meinen Augen zwar ziemlich gut, aber dennoch ist es eine Gratwanderung: Wieviel “seichte Kacke” muss sein, wieviel Entertainment tut Not, produziert man auf diese Art nicht genau die Apathie, die man vorgibt nicht zu wollen? Alles nicht so einfach.

Das Fernsehen als klassisches lineares Medium ist da keineswegs immer besser bedient. Denn das muss nicht nur diese Zielgruppe beglücken, es muss alle erreichen - so zumindest der Anspruch. Dass der nicht erfüllt werden kann und wird, sei dahingestellt.

In der Diskussion ging es also um vieles - und in meinen Augen vor allem um Aufmerksamkeit? Boris Palmer meinte, dass er die 600 Leute, die ich bei Twitter erreiche, beim Gang durch die Stadt schon treffe. Stimmt irgendwie, aber irgendwie auch nicht. Habe ich nicht weiter diskutiert. Interessant fand ich die Diskussion mit dem Publikum: hier zeigte sich bei manchen eine gewisse grundlegende Technikskepsis, auch eine ausgeprägte Angst vor der Vereinnahmung des Alltags durch die Technik schien mir in manchem Redebeitrag anzuklingen. Und natürlich gibt es Auswüchse, vielleicht lebe ich manche davon ja auch selbst sehr aktiv. So wie ich vor Jahren sicherlich einmal zwei Wochen lang primär mit Railroad Tycoon verbracht habe. Ist das dadurch etwas schlimmes? Oder nur etwas anderes?

Was heißt das alles für die Politik? Mit Wolfgang Gushurst und seinen Erfahrungen weitgehend übereinstimmend ist mein Fazit, dass Politik und medial reproduzierte oder auch produzierte Politik doch viel zu oft an der Lebenswirklichkeit der jüngeren Generation vorbeigeht. Und dass das nicht nur eine Form- und Formatfrage, also eine der Verpackung sei. Sondern dass auch und gerade im Inhaltlichen die Differenzen zu beobachten seien.

Übrigens sind weder Merkel noch Steinmeier Obama. Hielten wir am Rande fest.

Nachtrag: wir diskutierten natürlich auch ein klein wenig über die armen jungen Menschen, die heutzutage von gewalthaltigen Medien nur so überschüttet werden.

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Kurz notiert: FGW-Zahlen und Onlinepublikum

Die Focus-Online-Redakteurin Christina Otten zitiert ebenda Andrea Wolf von der Forschungsgruppe Wahlen


Während sich Wähler der Grünen und der FDP eifrig im Netz tummelten, sähe es bei SPD und Union noch anders aus. Hier sei die Affinität zum Netz einfach geringer – und damit auch die Wahrscheinlichkeit, darüber neue Wähler hinzuzugewinnen.

Ich weiß nicht so genau, wo diese Zahlen herkommen. Die FGW Online hat in ihren Internetstrukturdaten folgendes veröffentlicht:

Internet-Nutzer unter den Wählern von:

  • CDU/CSU: 61%
  • SPD: 68%
  • FDP: 76%
  • LNK: 65%
  • GRN: 82%

Wenn man hier Parteigrößen und die Anhängermenge gegenüberstellt, sind zwar relativ gesehen weniger als bei den kleinen, absolut aber enorme Mengen der “Volkspartei”-Anhänger online. 61 Prozent der CDU/CSU sind einfach deutlich mehr als 82 Prozent Grüne.

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Gedankenkompott: Besser machen

Eigentlich war es nur eine Zufallsbekanntschaft. Aber sie sagte: “You guys are rethinking a lot of things here these days.” Gemeint waren relativ abstrakt manche Menschen in der Berliner “Netzszene”. Umdenken, überdenken, neu denken, das Pferd an den Nüstern aufzäumen, das bislang irgendwie verkehrtherum schien: ja, das macht Spaß.

Die vorhandene Infrastruktur namens Internet verführt dazu, Dinge neu und anders und weiter zu denken. Das ist historisch immer so gewesen und wird sich nun nicht ändern: neue Infrastrukturen - bei den Sumerern war es die Schrift, das Römische Imperium wäre ohne die Straßen und Viadukte undenkbar gewesen, bei der Erschließung der USA durch die Siedler kam die Rolle den Eisenbahnen zu - führen zu Überarbeitungsbedarf.

Was verändert sich? Wo ist der Wunsch frommer Gedanke? Sind die Zwänge der alten Gesellschaft noch die Zwänge der neuen? Was substituiert was? Und wohin führt all dies? Gewinn, Verlust, egal? Um dem Abstrakten einen klein wenig mehr Konkretes hinzuzufügen, möchte ich nur einige der Themenfelder aufführen, bei denen das Vorhandensein der neuen Infrastrukturen das Althergebrachte in Frage stellt.

  • Transparenz
  • Privatheit
  • Eigentum, immaterielles
  • Arbeit
  • Ortsabhängigkeit/Heimat/Lebensmittelpunkt
  • Interpersonale Beziehungen
  • Bildung, Fortbildung, Weiterbildung
  • Medien
  • Erlösmodelle
  • Wohlstand/Lebensqualität
  • Bürokratie/Effizienz

Ein Beispiel: bis heute klammern sich die Vertreter der althergebrachten Medienwelt an jeden Strohhalm, der ihnen das Überleben mit dem alten Modell ermöglichen könnte. Erscheint ein neuer E-Paper/Book-Reader, ist das ganz sicher ein Thema in allen Zeitungen - denn alles ist besser als ein Computer. Dass das auch nur ein Computer ist, wenn auch einer mit gewissem Display und recht langsam, ist dabei egal. Die Vorstellung, dass entweder die Mobiltelefone oder die Notebooks das Wettrennen gewinnen werden und in ihrer Usability das E-Paper/Book vor ersten wirklich guten Implementationen abhängen wird, ist offensichtlich tabu. So wie die Menschen Ende der 90er glauben mussten, dass “Internet-via-Settop-Box” eine total geniale Erfindung sei. Denn Fernsehen hat doch jeder und wird auch immer bleiben. Dass die Entwicklung eher zum Riesen-LCD-Monitor namens Fernseher ging, an dem man genauso gut einen Computer anschließen kann, das durfte damals zwar gedacht werden. Aber hören wollte es niemand.

Viele Bereiche sind es, in denen Zukunft sehr anders ausgestaltet sein wird, als es die Gegenwart derzeit ist. Und die Fähigkeit von Organisationen und Institutionen jedweder Art anders, innovativ und alte Dinge neu zu denken wird mit darüber entscheiden, ob sie diese aktiv und positiv mitgestalten können oder irgendwann passiv hineingezwungene “Restrukturierungsmaßnahmen” einleiten müssen. Denk ich mir jetzt mal so.

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