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Magpie

Posted on 03 November 2008 by Falk

Nico Lumma hat mit Magpie experimentiert. Magpie platziert werbliche Tweets mit dem Account eines Nutzers. Er kommt zu dem Schluss, dass Magpie et. al. nicht erfolgreich sein werden. Ich stimme der Schlussfolgerung zu, doch der Argumentationsweg ist falsch.

Bleibt eigentlich die Grundfrage bestehen, nämlich wie muß Werbung im Kontext von Konversationen funktionieren, ohne daß sie nervt, aber dennoch wahrgenommen wird? Ja, ich weiss, aber die einfachen Fragen waren schon weg.

Stellen wir uns ein Telefongespräch vor.

“Hallo Erna!”
“Hildegard, schön Dich mal wieder zu hören! Wie gehts dir?”
“Mir gehts..”
MORGEN BEIM DISCOUNTER IHRES VERTRAUENS: GEHACKTES VOM KROKODIL, 38,49 DAS KILO!
“..nicht so gut, ich war die letzten vier Tage im Krankenhaus..”
NICHT VERGESSEN: KROKOHACK, 38,49. MORGEN BEI MÖÖÖP
“..und bin nach wie vor etwas angeschlagen.”

Übertrieben? Weil Twitter ein Egobroadcastingservice ist? Egotainermedium? Ja, nein, vielleicht. Ein bisschen übertrieben. Aber wenn Twitter Konversation ist, dann ist Werbung das letzte, was ich darin sehen möchte. Und eines ist klar: ich blocke Leute, die sowas so benutzen, dass ich es bemerke, umgehend.

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4 Responses to “Magpie”

  1. Nico sagt:

    das war dann vielleicht ein wenig zu schmal formuliert.

    ich gehe davon aus, dass konversationen künftig eigentlich überall im web stattfinden werden, insbesondere im context von dem, was wir bislang als reine content-plattformen wahrnehmen. und dann gibt es ganz schlicht und einfach das problem, dass content finanziert werden muß, sicherlich durch werbung und diese werbung natürlich auch vom user wahrgenommen werden muß, wenn sei funktionieren soll. nur, im kontext von konversationen wird das eher tricky.

    ja, ich weiss, du hast kein bock auf werbung. ich allerdings gehe davon aus, dass werbung sinnvoll ist, um inhalte finanzieren zu können.

  2. Falk sagt:

    Mein Beispiel ist btw gar nicht so aus der Luft gegriffen: es gab in den Anfangszeiten der 0130er irgendwelche werbebasierten Telefongesprächsanbieter. Sie waren eher nicht erfolgreich.

    Der Grund dafür ist nicht mein “Kein Bock auf Werbung” (stimmt so pauschal auch nicht), sondern eher ein “das ist *meine* Mikroöffentlichkeit und wer darin wirbt, frisst auch kleine Kinde”-Mentalitätsdingen.

  3. Mike Adolphs sagt:

    Ich glaube ja, dass sich der Erfolg dieser werbefinanzierten Telefongespraechsanbieter aufgrund zu wenig oder falschem Marketing in Grenzen hielt und nicht, weil die Leute nicht gewillt waren 10 bis 30 Sekunden Werbung zu Beginn des Gespraechs “zu ertragen”. Die Unternehmen, die sich da versucht haben zu etablieren, haben einfach nicht genuegend Werbetreibende fuer ihre Idee begeistern und zu wenig Kapital aufbringen koennen, um das wirklich flaechendeckend bekannt zu machen.

    Was Magpie angeht denke ich auch, dass sich das nicht durchsetzen wird. Dafuer sind bereits jetzt die Negativmeinungen zu zahlreich, da kann man den Trend wunderschoen ablesen.
    Werbung vor oder nach der Konversation lasse ich mir zwecks Finanzierung gefallen und gefaellt mir, sofern Werbung im Kontext stattfindet, auch desoefteren recht gut. TED.com ist ein gutes Beispiel, bei denen ich desoefteren auch die Werbung am Ende des Vortrags noch schaue/klicke oder eben auch Spiegel Online, deren Werbung vor den Medieninhalten mal interessanter, mal weniger interessant ist.

    Der Grundsatz ist halt: Werbung darf nicht stoeren, sprich Layer-Ads, kein Kontextsensivitaet oder standardmaessig eingeschalteter Sound sind ein No-Go. Und das ist das, was Magpie leider nicht einhaelt, wie dein Beispiel im Beitrag recht gut zeigt.
    Bei Hildegard und Erna mag mit Hackfleisch die Zielgruppe noch halbwegs getroffen worden sein, wuerden wir zwei allerdings ueber Politik twittern und muesste ich zwischendurch einen Magpie-Werbebeitrag ueber die neueste Technologie bei Tampons mittels deines Accounts lesen, nur weil Du getwittert hast, das Merkel sich mal wieder zwei Tampons in die Ohren stopfen sollte (mal als ueberspitztes Beispiel genommen), dann wirkt das nicht mehr kontextintensiv, sondern stoerend. Und mag der Algorithmus da noch so ausgefeilt sein, der moechte auch erstmal trainiert werden. Das heisst, wir sehen die ersten Monate mit Sicherheit eine ganze Menge Muell – sollte Spracherkennung hinzukommen, dann faengt fuer jede einzelne Sprache das Spielchen natuerlich von Anfang an.

    Kurz gesagt: Die Zeit ist noch nicht reif dafuer und wird es hoffentlich auch nie werden.


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