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meedia.de: Wie im Jahr 2000. Nur sehr viel schlimmer.

Meedia.de ist da. Eineinhalb Jahre nach der Ankündigung ist der neue, ausschließlich online erscheinende Mediendienst gestartet. Das Ergebnis erstaunt.

„Vaporware“ heißen in der Computerwelt Produkte, die einmal angekündigt wurden und seitdem auf sich warten lassen. Bis niemand mehr an ihre Existenz glaubt. Meedia.de ist ein solches. Lange ließ es auf sich warten. Nun ist es da – und niemand ruft „endlich“. Doch die eine oder andere Kinnlade ist heruntergefallen. Meine auch.

Ich wartete am Sonntagabend auf eine Tram. Eine gute Gelegenheit, mal wieder Twitter zu lesen. Im Microbloggingdienst gibt es manche, die nur selten schreiben. Jens Schröder zum Beispiel. Sonntagabend schrieb er. „Ladies and Gentlemen… Meedia.“ Und setzte einen Link auf Dirk Mantheys neuen Mediendienst.

Mediendienst heißt: Metaberichterstattung. Journalisten berichten über Journalisten, Publizistik und die Rundfunk- und Verlagswelt. Manthey war einmal ein erfolgreicher dieser Branche. Machte den Verlag Milchstraße groß, bis dieser von anderen nach allen Regeln der Wirtschaft filetiert wurde.

Na gut, schaue ich es mir mal an. Hinter dem Link offenbarte sich: eine Fehlermeldung. Mein Mobiltelefon ist kein Hypephone. Es kann kein Flash. Aber es stellt Webseiten ganz ordentlich und vor allem gut lesbar dar. Die Seite selbst schien viele Videos zu enthalten, ein paar Artikel, schnell durchgeklickt. Mobiles Erlebnis: bescheiden. Aber man ist diesbezüglich ohnehin nicht verwöhnt.

Am heimischen Rechner dann der zweite Anlauf. Was das Mobiltelefon gnädigerweise unterschlug – oder ich in alter Gewohnheit dem Telefon anlastete: diese Seite ist eine Frechheit. Flash. Flash. Überall Flash. Doch anders, als gewohnt: normalerweise sind es Grafiker, die elend große Flashseiten basteln, in denen man nicht anständig verlinken kann, die überladen bunt und miserabel zu navigieren sind. Hier ist es anders. Meedia.de ist gefühlt noch schlechter designt, als eine durchschnittliche MySpace-Userpage. Genauer gesagt: so, dass man den Inhalt schon keines Blickes mehr würdigen möchte. Da hilft auch ein ganz großes „Beta“ einfach nicht.

Jens Schröder ist ein Metamann. Lange Jahre arbeitete er für den bekanntesten Mediendienst der Branche, den Kress Report. Sein Faible für Zahlen ist groß, in seiner Freizeit produzierte er unter anderem Zahlenmaterial über die deutsche Blogosphäre, deutsche Onlinemedien und die deutschen Twitterati. Nun hat er ein Weblog bei meedia.de und arbeitet auch ansonsten für Dirk Mantheys Branchendienst. Draufgesurft und - „das Profilbild erinnert an den jungen Robert Scoble“ - sogar einen interessanten Beitrag gefunden. Dieser stellte mich vor Fragen. Allerdings nicht halb so viele, wie die dann folgende Prozedur um diese in einen Kommentar zu gießen. Das Eingabefeld: zu klein. Das Abschicken: langwierig. Vier mal scheiterte ich am Captcha, dessen rechter Rand durch Designfehler nicht erkennbar war. Diese Schwierigkeitsstufe mag Rätsel-Masochisten begeistern. Mich nicht.

Vermutlich (ich habe nicht gefragt) geht es auf Schröders Konto, dass man meedia.de noch nicht ganz abschreiben darf. Seit Ewigkeiten ist es eine Qual, sich durch die Zahlenwelt der deutschen Medien zu navigieren. IVW-Online zum Beispiel: wer hier etwas sucht, wird Yoga-Kurse besuchen. Die AGOF setzt konsequent auf PDFs. Böse Zungen unterstellen Absicht: besser, wenn keiner Lust hat, zu genau hinzuschauen. Hier hilft Meedia weiter – der „Meedia-Analyzer“ ist ein deutlich hübscheres Interface für die Zahlen der deutschen Medienlandschaft.

Doch was nutzt es? Immer wieder macht sich das Typo3-CMS bemerkbar: Page is being generated. Na klar, auf das große Vergnügen warte ich doch gerne 30 Sekunden. Oder länger. Noch pappt oben das große Beta-Bapperl. Das ist Web 2.0, hat wohl jemand Dirk Manthey verraten. Doch die Zeit, dass man Beta-Seiten 100 Tage geben sollte, sie ist lang vorbei. Damals gab es das Wort Beta nur im Software-Bereich, nicht für solche Saftware. Zeitweilig war ich sogar versucht, an einen Scherz zu glauben. So wie Meedia.de sich getraut hat online zu gehen, bin ich einfach perplex.

4 sagten etwas

4 Responses to “meedia.de: Wie im Jahr 2000. Nur sehr viel schlimmer.”

  1. meedia.de am rande | emblogon Jul 14th 2008 at 18:43

    […] die sinne. da hatte jemand keinen sinn für ‘ne vernünftige optik. einige sind sehr enttäuscht, andere haut es zumindest nicht vom hocker, mir ist’s zu […]

  2. Björnon Jul 15th 2008 at 15:55

    Warum nur, frage ich mich, haben die die Feeds vergessen? Oder haben sie sie nur so gut versteckt, dass ich sie nicht finde?

  3. Falkon Jul 15th 2008 at 15:57

    Die gab es 2000 halt noch nicht… Und nein, Feeds und Typo3 sind auch nicht unbedingt als natürliche Symbiose zu begreifen.

  4. […] "Meedia.de ist gefühlt noch schlechter designt, als eine durchschnittliche MySpace-Userpage." Kühlschranknotizen […]

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