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Ideenschmiede: Zwitscherjournalismus

Journalismus kann sich durch eine konsequente Anwendung der neuen Webanwendungen zum guten verändern. Am Beispiel Twitter lässt sich erläutern, wie man Journalismus neu denken könnte.

Es gibt die klassische, große Reportage. Ein Journalist - oder auch mehrere - geht hinaus in die Welt und begleitet, beobachtet, beschreibt. Der Leser bekommt Stimmung, Bilder, Eindrücke vermittelt. Taucht ab in die beschriebene Welt, solange er liest.

Ich sitze gerade im Sankt Oberholz in Berlin, einem Café, in dem sich wahlweise die “digitale Bohéme” (Lobo/Friebe) oder die “urbanen Penner” (Adrienne Goehler) tummeln. Es liegt in der neuen Mitte Berlins, direkt am Rosenthaler Platz. Hier schneiden sich Verkehrslinien, säbeln Dönerbudenbetreiber das Fleisch vom Drehspieß - aber nicht für 1 Euro wie an der Neuköllner Sonnenallee. Prenzlberg und “Castingallee” sind in wenigen Minuten erreichbar.

Hier wird wohl mehr “gezwitschert” als an irgendeinem anderen Ort in Deutschland. Die Apple-Dichte entspricht einer durchschnittlichen Werbeagentur, das Klischee zeigt sich in voller Pracht. Selbst das Oberholzpersonal hat einen Twitteraccount - der allerdings noch etwas brachliegt. Hier wird von Menschen reportiert, was um sie herum geschieht, was sie beschäftigt.

Die kleine Software erlaubt maximal 140 Zeichen Länge pro Botschaft - die maximale Länge einer Kurznachricht vom Mobiltelefon. So wie Journalismus durch Selbstbeschränkung oft gewinnt, müssen sich die Twitteruser kurz fassen. Was liegt da näher, als Twitter für Journalismus zu nutzen? Liveübertragungen sind für Textjournalisten bislang fast unmöglich gewesen. Doch das lässt sich nun ändern. Beispiel Parteitag: Wieso sollten Journalisten von dort nicht öffentlich twittern? Ihre Beobachtungen können sie danach natürlich auch in einen klassisschen Fließtext verarbeiten. Aber Notizen fertigen sie eh an - wieso dann nicht offen, transparent und für andere nachvollziehbar?

Auch die Reportage lässt sich zwitschern. Als Livereportage - eine Idee wäre es, zum Beispiel einen Tag lang einen Spitzenpolitiker zu begleiten, im Bus des FC Bayern mitzufahren, den Bahnstreik live zu begleiten. Und das dann via RSS-Feed auf den normalen Medienseiten einzubinden.

Gut, das alles braucht Manpower. Und das dürfte tatsächlich ein Problem sein.

Mich auf 140 Zeichen zu beschränken, ist mir hier leider nicht gelungen. Dafür habe ich wenigstens einen schönen Screenshot machen können.

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2 Responses to “Ideenschmiede: Zwitscherjournalismus”

  1. Torstenon Dez 2nd 2007 at 13:08

    Journalistisch twittern - wo ist der Unterschied zum Liveticker?

    Konzeptionell passen die beiden nicht wirklich zusammen. Twitter ist Rauschen, Twitter ist Dein privater Chatraum. Journalismus richtet sich jedoch an viele - und die Leser bezahlen Geld dafür, dass man das Rauschen in erträgliche Bahnen lenkt.

    Wenn ich von Veranstaltungen berichte, kann ich oft erst hinterher die wirklich entscheidenden Aussagen herausfiltern, da andere Teilnehmer auf diese oder jede These eingehen. Wollte ich synchron berichten, müsste ich die Analyse zurückschrauben.

  2. Falkon Dez 3rd 2007 at 17:43

    Hm. Das verstehe ich nicht. Warum sollte ich nicht einen Twitterfeed für die Liveberichterstattung nutzen?
    Und wo ist das Problem mit der Analyse im Nachhinein? Wenn Du es doch eh erst hinterher herausfilterst?

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