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Moral, Wissenschaft, Betriebswirtschaft – und Kinder übrigens auch noch

Posted on 08 November 2006 by Falk

Es gibt Themen, die eignen sich immer wunderbar für moralinsaure Sichtweisen. Alles was man nicht versteht, macht Angst – und gegen Angst helfen strengere Gesetze bekanntermaßen bestens. Das “Kriminologische Forschungsinstitut Niedersachsen” unter der Leitung des früheren niedersächsischen Justizministers (und bekanntermaßen Quotenkönig) Christian Pfeiffer beschäftigt sich mit Gewalt und ist ein betriebswirtschaftlich arbeitendes Institut. Man darf es wohl Think Tank der Angst nennen.

Kürzlich veröffentliche das KFN Ergebnisse einer Studie zum Thema “Medienverwahrlosung”. Über das, was dort festgestellt wurde, kann man unterschiedlicher Auffassung sein. Hier sei zuerst auf Christian Pfeiffers Sichtweise und eine in einer kriminologischen Fachzeitschrift erschienene Zusammenfassung der Ergebnisse verwiesen. Man kann sich dem Thema auf viele Arten annähern, doch die Grundprobleme Kausalität vs. Koinzidenz und die Frage intervenierender Variablen im wackligen sozialwissenschaftlichen Konstrukt bleiben erhalten. Es gibt derartige Diskussionen auch für Offlinegewaltdarstellungen, aber sich damit zu beschäftigen ist nur halb so spannend.

Was auf jeden Fall fehlt, ist der sachlich nüchterne Blick auf die Daten und mögliche Schlussfolgerungen. Vollkommen unabhängig davon, ob Gewalt darstellende Computerspiele Effekte zeitigen: wenn mehr Spiele “ab 18″ klassifiziert werden, müssen die Tauschbörsen noch ein paar Gigabyte Daten mehr verkraften. Die Pfeifferstudie sagt einerseits, dass momentan nur wenige wirklich verbotener Spiele auf den Computern zu finden wären. Andererseits sagt sie, dass die Handhabung von Gewaltdarstellungen zu lasch wäre. Bleibt im Raume stehen, ob sich bei einer Änderung des zweiten Zustandes nicht auch eine Veränderung des ersten Befundes zwangsläufig ergeben würde.

Doch es gibt sehr viel mehr zum Thema zu sagen. Eine Linkliste, eine Meinung mag und soll sich jeder selbst bilden.

Jörg Lau

Lau, Jörg: “Wir lassen Jungen in einer Popkultur der Gewalt versumpfen” (Blogeintrag in seinem ZEIT-Blog, )

Lau, Jörg: “Erziehung zur Gewalt” (Deutschlandradio Kultur, 14.10.2006)

Lau, Jörg: “Das Versagen des Jugendschutzes angesichts immer brutalerer Computerspiele” (Blogeintrag in seinem ZEIT-Blog). Die Spitzmarke “Medienkritik” muss er mir bei Gelegenheit noch erklären.

Lau, Jörg: “Spiele ohne Grenzen” (ZEIT 45/2006, auch online verfügbar)

ZDF:

Fromm, Rainer: “Wie Kinder Spaß am Morden finden” (Beitrag für Aspekte auf zdf.de, 20.10.2006)

Fromm, Rainer / Reichart, Thomas: “Gewalt ohne Grenzen” (Beitrag für Frontal21 auf zdf.de, 26.04.2005)

Fromm, Rainer: “Video-Gemetzel im Kinderzimmer” (Beitrag für Frontal21 auf zdf.de, 9.11.2004)

Deventer, Karsten / Schmitz-Gümbel, Eva: “Dumm gespielt. Kinder verwahrlosen am Bildschirm” (Beitrag für Frontal 21 auf zdf.de, 30.11.2004)

Andere:

Winkler, Christoph: “Wie Kinder Spaß am Morden finden” (Beitrag im Weblog d-frag.de)

Schneider-Johne, Boris: Über Kausalität und Koinzidenz (Beitrag im Weblog dreisechzig.net)

Myself

Myself: “Horror im Kinderzimmer” (ZEIT online, 5.11.2006)

Myself: “Alles nur ein Spiel?” (ZEIT online, 09.12.2005)

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