Archive for Mai, 2006
Die Rente ist zwar nicht sicher..
..aber lesenswert ist Norbert Blüms offener Brief an den Chefredakteur der Bild trotzdem.
Rasterfahndung #2: Abweichende Meinung
Eine Richterin im zuständigen Senat formulierte eine abweichende Meinung, ging also nicht mit dem Votum der Mehrheit konform. Ihre Begründung ist lesenswert:
[..] Denn wäre der Eingriff wirklich von so hoher Intensität wie die Senatsmehrheit meint, so läge dies offen zutage und wäre mit wenigen Sätzen begründet. Den Rahmen dieses Sondervotums würde es sprengen, wollte ich mich mit den einzelnen Argumenten insoweit auseinander setzen. [..]
Erster Gedanke: Au weia. Zweiter Gedanke: Ohjottojott. Dritter Gedanke: Ääääh.
Rasterfahndung
Einen praktischen Leitfaden, nach welchen Kriterien man Rasterfahnung betreiben kann, gibts heute beim Bundesverfassungsgericht am Beispiel des Landes Nordrhein-Westfalen:
1. Einwohnermeldeämter in Nordrhein-Westfalen
Adressat: alle Einwohnermeldeämter in Nordrhein-Westfalen
Kriterien der Personenselektion:
männlich; Geburtsdatum zwischen 01.10.1960 und 01.10.1983
herauszugebende Daten:
Name; Geburtsname; Vorname; Geburtsdatum; Geburtsort; Geburtsland; Staatsangehörigkeit; Wohnort; Straße; Hausnr.; evtl. 2. Wohnsitz; Religion; Familienstand; Kinder; zuständiges Finanzamt; Einzug; Wegzug2. Ausländerzentralregister
Adressat: Ausländerzentralregister Köln
Kriterien der Personenselektion:
männlich; Geburtsdatum zwischen 01.10.1960 und 01.10.1983
herauszugebende Daten:
Name; Geburtsname; Vorname; Geburtsdatum; Geburtsort; Geburtsland; Staatsangehörigkeit; zuständiges Ausländeramt; Datum Einreise; Status; andere Namen; Aliasnamen3. Universitäten, Hochschulen, Fachhochschulen in Nordrhein-Westfalen
Adressat: alle Universitäten/Hochschulen/Fachhochschulen in Nordrhein-Westfalen bzw. mit Außenstellen in Nordrhein-Westfalen
Kriterien der Personenselektion:
männlich; Geburtsdatum zwischen 01.10.1960 und 01.10.1983; immatrikuliert zwischen 01.01.1996 und 01.10.2001
herauszugebende Daten:
Name; Geburtsname; Vorname; Geburtsdatum; Geburtsort; Geburtsland; Staatsangehörigkeit; Wohnort; Straße; Hausnr.; evtl. 2. Wohnsitz; Religion; Studienfachrichtung; Datum der Immatrikulation, Datum der Exmatrikulation.
Soso. Mit so einem hübschen Raster findet man also die berühmt-berüchtigten Schläfer… Übrigens waren das laut BVerfG Datensätze von 8 Millionen Menschen. Fein.
Wer eine GP2X hat…
..bitte mal berichten. Das Gerät wirkt interessant - aber wie lange läuft es, wie ist es verarbeitet?
Flacher Leben
Gerade mal durchgerechnet, was ein Flatrateleben so kosten könnte:
25 EUR/M Telefon
25 EUR/M UMTS
300 EUR/M BahnCard 100
Fehlt noch: Dönerflat, Bierflat, Flat zum drin Wohnen. Dann wäre es wohl alles in allem als günstig zu bezeichnen.
QOTD: Juan Cole
«They have a Ministry of Civil Society? Quick, someone alert Jurgen Habermas!» sagt Juan Cole (schicke Homepage, total WebZwoNull) in seinem Blog.
Leben und Leben lassen
Welche Beschreibung passt am Besten, wenn man an eine Stadt wie Berlin im Spätfrühling denkt? Der morbide Charme feiernder Hauptschüler im Görlitzer Park, betrunkener Agentur-, Büro und Corporateidentitymenschen zwischen Nikolaiviertel und Pariser Platz, die Gewissheit, mit leeren Bierflaschen noch den Lebensunterhalt einer Kleinfamilie sichern zu können, all das ist die Realität im Spreemoloch. Und sie ist irgendwie wunderschön. “Wir dachten, ach wie pittoresk, wenn man es so, wie’s ist sein lässt.”
» Die Sterne - Trrrmmer
Narf, narf
Was ist ein guter Name? Eine gute Frage. Wir suchen jetzt zu mehreren seit einem Monat. Hat man einen Vorschlag, verwirft ihn einer aus der Gruppe - meist mit gutem Grund. Hat man keinen Vorschlag, fängt man das Brainstormen an. Langsam verstehen wir glaube ich alle, warum die Nasenflügel in der Kreativbranche so häufig geweitet sind.
Gemütsplaylist #11
» TempEau - Mädchen aus Greifswald
» PeterLicht - Gerader Weg
» KellerkindT - HelmuT
Warum selber bloggen? #2
Da, da, da. Ich guck kein Fernsehen. Und verpass deshalb nur sehr wenig. Aber offenbar manchmal doch - z. B. gut gemachte Werbung. Anders kann man diesen Pepsi-Spot nicht nennen: Unglaublich klischeeüberladener Quatsch - einfach gut. Und mit sowas ähnlichem wie einer Pointe - obwohl es was mit Fußball zu tun hat.
Warum der Bezug zum Posting davor? Weil ich das jetzt von Torsten habe.
Warum selber bloggen?
Ich hab ja neuerdings ‘nen Sekretärin. Oder so ähnlich. Zumindest einen, der mit *wegblog* quittiert, wenn er irgendeinen Blödsinndump von mir verwurstet. Praktisch, sowas. Für beide Seiten.
Erstaunlich, wirklich #1
Mensch fotografiert gerne seinen Kühlschrank. Klarer Fall. Ein halbwegs netter ist der hier. Ergibt sich eine kleine, ganz alltägliche interaktive Story draus, wenn man weiterklickt. Banal. Aber hat irgendwie auch was.
Notiz an mich selbst
Das Blog hier hat einen Namen. Der hat irgendwie auch was mit Einkaufen zu tun. Sollte man dann aber auch hin und wieder machen, sonst wundert man sich, dass man nichts zu Essen im Haus hat.
Ganz dicht dran
Heute, U2 Richtung Ruhleben. Voll besetzt. Ältere Ehepaare. Jüngere Paare. Ein Afro-Amerikaner, der Deutsch aus dem Langenscheidt-Minitaschenbuch lernt und sich einzelne Worte aus U-Bahn-Infoscreen-Einblendungen übersetzt.
Und die obligatorische touristische Jugendgruppe. “Ey, wolln wir mal nach Neukölln? Da solls ja voll heftig sein.” Etwa 14, 15 Jahre. Das junge Pärchen mir gegenüber fängt im gleichen Moment wie ich lauthals zu lachen an. Die Leiterin der Jugendgruppe guckt verstört in unsere Richtung. Lachende Menschen in Berlin? Wir passen nicht in ihr Stadtbild.
Wenig vorher hat ein Mensch aus dem Senatsumfeld ähnlich geredet. “Turmstraßen-Style” sei nicht unbedingt überall notwendig, sagte er.
Die Jugendgruppe plant derweil ihren nächsten Tag. Ich mache mich zusammen mit dem Pärchen über sie lustig. Über das neue Berliner Touriprogramm: Alex, Potsdamer, Reichstag, Sanssouci, Neukölln.
In 20, 30 Jahren werden sie ihren Kindern von ihrem Berlinbesuch erzählen. Und was für eine krasse Ecke doch Neukölln damals war. Die Bronx von Berlin, sozusagen. Und dass sie mit der U2 damals ganz dicht dran waren. Zwischen Wittenbergplatz und Stadtmitte.
Alt werden
Woran merkt man, dass man alt wird? Der gelernte Sozialwissenschaftler in mir sagt, dass es dafür einen statistischen Indikator geben sollte, der vom Geburtsjahr unabhängig ist.
Und ich glaube jetzt, ihn gefunden zu haben: Alt ist man, wenn man sich mit mehr Leuten auf einen Kaffee als auf ein Bier trifft.
Stufe 2: Wenn man so früh aufsteht, dass man denkt, es sei viel zu früh, um sich auf ein Bier zu treffen, dann hat man das Lotterleben hinter und die Rente kurz vor sich.
Zuhause ists am gemütlichsten
Eine kleine Polemik in Erwiderung auf Florian Holzhauers Aufruf zu kreativem Ungehorsam. Zwei Tage später als geplant.
Das Internet ist ein feines Feld. Dort darf jeder alles sagen, was er möchte. Solange er nicht in China wohnt, den Jugendschutz respektiert und auch sonst ganz lieb und nett ist. Er darf sich sogar mit großen Konzernen, kleinen Tagedieben und mittleren Katastrophen beschäftigen. Und seine Meinung in Bits und Bytes gießen.
Manchmal, aber nur manchmal, da kommen sie aus den Löchern. Diejenigen, die meinen, dass sie eine Meinung hätten. Zur Meinungsfreiheit, zur Unabhängigkeit des Cyberspace, zu Softwarepatenten. Zum Beispiel auf dem Chaos Communication Congress, dort findet man sogar ziemlich viele von ihnen. Sehr normale Menschen, manche vielleicht etwas überinformierte Newsjunkies, die auch mal zu ökologischen Fehlschlüssen neigen. Und dann regen sie sich auf. Manchmal sogar fürchterlich. Sie denken alleine, in Gruppen und in Vorträgen darüber nach, ob die Welt nicht viel besser sein würde, wenn man auf sie, die Nerds hören würde.
Das beschäftigt sie dann drei, vier Tage lang. Und danach setzen sie sich in den Zug, ins Auto oder den Flieger. Gehen heim an den Rechner - und stellen fest, dass die Welt immer noch ungerecht ist. Dass sie wieder nicht zugehört hat. Dass in der Politik Milliarden für falsch dimensionierte, falsch geplante, nutzerferne und nutzerfeindliche Projekte ausgegeben werden. Oder auch mal nur Millionen. Dass sie das ganz furchtbar schrecklich finden. Und die Gesellschaft mehr auf die Nerds hören sollte.
Was daran nicht stimmt? Die Nerds exkludieren sich in ihrer Definition aus der normalen Gesellschaft. Dabei sind sie alle in erster Linie nur Menschen. Und wie alle anderen Gruppen könnten sie ihr Wissen auf ganz verschiedene Arten und Weisen einbringen.
Warum gehen eben diese oft gut gebildeten, mit Sachverstand ausgerüsteten Menschen nicht in die Parteien? Es wird schon welche mit genügend Themendeckung geben, an Parteien herrscht hierzulande sicherlich kein Mangel. Warum gehen sie nicht in die Lokalpolitik? Dort wird im kleinen der gleiche digitale Bullshit betrieben, wie im großen - oder wer entscheidet über die Frage, welche Software in Schulen, Tagesstätten und Kindergärten eingesetzt wird?
Expertise tut not - und es gibt Menschen, die sie haben. Und eine Sensibilisierung für ihre Themen schaffen können - sich dafür aber aus ihrem Sessel herausbewegen müssten.
Modebewusst
Ein neues T-Shirt im Regal.
“[16:41:57] xxxx: damit kriegst du keine frau”
Stimmt. War aber auch nicht die Intention beim Kauf. Sondern mich bei MJ Hibbett (und den Validators) für die Hymne zu bedanken, der der Spruch auf dem T-Shirt entstammt.
Gibt es überhaupt etwas..
..das schwieriger ist, als einen passenden Namen für etwas neues zu finden? Zumindest dann, wenn man auf Einstimmigkeit im kleinen Beteiligtenkreis hofft.
Kannst Du das Fußballfieber fühlen?
Haha! Es gibt kein spinnen.
Unsere Landsmänner betragen sich wie Gastgeberinnen.
Gerade die, selten schlauer.
Eine WM offensichtlich sauer.
Mein Bauch duscht lieber unbeirrt.
Goleo hätte besser abkassiert.
Neee, auch wenn Torsten jetzt wieder glaubt, das wäre meine Schöpfung: das war ein Nebenprodukt der Fuzzball-Kultur06-WM (oder so)..
Sinnfreies Linkdumpen
Gehört ja angeblich irgendwie auch zum Konzept der Schwarmintelligenz von Mr. Rheingold. Okay, ich find das hier wirklich ganz witzig.
Die Probleme praktischer Anwendung der Spieltheorie
«Statt vor dem BigBrother Staat um Förderungen anzustehen, finden sie sich jetzt in einer Situation, die eher der gleichnamigen TV-Show ähnelt: Die Community-Mitglieder müssen unter sich ausmachen, wer rausgewählt wird und wer die Kohle abschöpfen darf.» Wer sich nicht für Entscheidungsfindung in realen Umgebungen für Netzkulturprojekte interessiert, sollte diesem Link nicht folgen.
Ziviler Ungehorsam?
Florian Holzhauer findet, dass die Geek-Gemeinschaft zu sehr im eigenen Saft schmort. Und folgert daraus, dass ein bisschen mehr ziviler Ungehorsam gar nicht schlecht wäre. Halte ich für Unfug, aber die extensive Begründung liefer ich aus Zeitgründen erst morgen… So lange nur der Hinweis: Solange die Geekgemeinschaft sich nicht ernsthaft mit den institutionellen Gegebenheiten auseinandersetzt und diese für sich selbst zu nutzen versucht, bleiben derartige Aufrufe nur die sprichwörtliche Axt im Wald. Politik entsteht zwar vielleicht am heimischen Rechner. Aber um- und durchgesetzt werden muss sie im realen Leben — und das findet nicht oder nur zum Teil in Digitalien statt.
