Statistik für Werbefachleute und Führungskräfte

Die Gala für das Werbeszenebliblabubb W&V (Werben und Verkaufen) hat einen Artikel über Umfrageergebnisse der dpa-Werbeaussendungstochter News aktuell und von Faktenkontor veröffentlicht. „Viele Führungskräfte in der deutschen PR-Branche sind offenbar unzufrieden mit ihrem Verdienst“, heißt es da. Ein Lehrstück für die Imaginationskraft sinnloser Prozentzahlen, um irgendeine Aussage aus viel zu kleinen Samples zu pressen.

2011-10-28 11.31.10

Führungskräfte? Unzufrieden? Oh, nein! Das klingt ja fast nach Abwerben, nach W&V-Jobmarkt, nach Ohgottogott!

„Knapp jeder Siebente der Entscheider ist unzufrieden (15 Prozent) oder sogar sehr unzufrieden (4 Prozent) mit der Entlohnung seiner Arbeit.“

Das klingt ja nach ganz schön viel. Und weiter:

„55 Prozent der unzufriedenen Teilnehmer meint, dass das Gehalt ihrer Ausbildung und Erfahrung nicht angemessen ist. Jeder zweite Befragte findet, dass das Gehalt in seiner Position nicht gerechtfertigt ist (51 Prozent).
Zu viele Überstunden, die entweder nicht ausgeglichen oder nicht bezahlt werden, sind für 49 Prozent der Entscheider ein Grund. Ein Drittel der unzufriedenen Teilnehmer moniert, dass ihr Verdienst nicht der Leistung entspricht, die sie im Unternehmen erbringen (36 Prozent).“

Der Artikel ist ein Wunderwerk, und dieses Wunderwerk beruht auf der Möglichkeit, Prozente statt absoluter Zahlen zu verwenden. 123 Teilnehmer hatte die Umfrage, allesamt „PR-Experten“. Heißt übersetzt: 1 Prozent = 1,23 Personen.
Unzufrieden seien 15 Prozent, heißt es. Das sind 18,45 Personen. Schiefe Zahl, interessant. Ganz unzufrieden 4 Prozent, das wären 4,92 Personen. Insgesamt sind also 23,37 Personen unzufrieden oder sehr unzufrieden. Hmmm!

55 Prozent von 23,37 unzufriedenen oder sehr unzufriedenen Personen finden ihr Gehalt unangemessen. Sind summa sumarum: 12,8535 Personen. Und 51 Prozent, also 11,9187 Personen, finden, dass sie zuviele Überstunden machen.

Ein Drittel der unzufriedenen Teilnehmer moniert, dass ihr Verdienst nicht der Leistung entspricht, die sie im Unternehmen erbringen (36 Prozent).

Das wären 36 Prozent von eben jenen wenigen. Auch bekannt als 8,5 Personen.

Nun kann man sagen: hej, die haben immerhin die Zahl der Befragten dazuveröffentlicht. Aber die 0,irgendwas-Personen, die deuten darauf hin, dass von den eh schon wenigen Teilnehmern einige sich zu den Punkten gar nicht geäußert hatten. Also aus einer ganz dünnen Datenbasis, über die jeder Statistiker nur lächeln kann, eine noch dünnere wurde. 1,0 Personen halten diese Statistik daher für ziemlichen Quatsch.

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