Allgemeines Rundschaudern

Es ist ein schlechtes Zeichen für die Zukunft der Zeitungen, wenn mit der Frankfurter Rundschau eine der ehemals großen deutschen Tageszeitungen in die Pleite geht. Das Blatt, das bis heute zu 40 Prozent der SPD-eigenen Deutschen Druck- und Verlagsgesellschaft (ddvg) gehört, hat es wohl endgültig nicht geschafft.

Keine Frankfurter Rundschau. Aber auch kein reiches Blatt.
Keine Frankfurter Rundschau. Aber auch kein reiches Blatt.

Das Erstaunliche an der FR-Misere ist, dass die Zeitung einen überaus treuen Abonnentenstamm hat – fast 65.000 Abonnenten kann sie für sich verzeichnen. Doch im Einzelverkauf geht schlicht: nichts mehr. Gerade einmal 17.000 Exemplare konnte das Blatt zuletzt noch im Kioskvertrieb absetzen, etwa genauso viele, wie sie als kostenlose Bordexemplare in Flugzeugen verteilen ließ. Das reicht nicht. Online ist die FR bedeutungslos: gerade einmal 20 Millionen Seitenaufrufe bei 5 Millionen Besuchen konnte sie zuletzt für sich verbuchen. Das wäre 2007 eine gute Zahl gewesen, im Jahr 2012 ist das hingegen nur traurig.

Medienvielfalt, Pluralismus schreien diejenigen. Das ist nicht falsch: jede Stimme mehr ist eine Stimme für die Vielfalt. Nur: journalistisch ist die FR seit Jahren nicht mehr aufgefallen. Sie hat solide Durchschnittsregionalzeitungsqualität bewiesen, nicht mehr, aber auch nicht weniger. Und es ist menschlich überaus bedauerlich für die, die derzeit das eine oder andere, vorwiegend aus nostalgischen Gründen, kräftige Krokodilstränchen durchs Knopfloch drücken.

Nun soll es Überlegungen geben, die FR künftig nur noch online erscheinen zu lassen. Doch das ist, angesichts der miserablen Onlinereichweite, offenbar als Gerüchteküche-Notnagel gedacht. Es gibt offensichtlich keine „Onlineoption“ für das Blatt, so wie wir es kennen. Alles was realistisch bleibt, ist die Möglichkeit, sie weiter runterzuschrumpfen und zu einem reinen Abonnementblatt umzugestalten. Vielleicht mit Digitalkomponente. Aber als Primärvertriebsweg hätte sie dabei keine Schnitte.

Interessant ist, welches Signal davon ausgeht. In den nächsten Tagen wird Gruner und Jahr entscheiden, wie es mit seinen Wirtschaftstiteln weitergeht – und ob überhaupt. Auch die Financial Times Deutschland, they are a changin‘.

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