Es gibt Reise, Baby

Dieses Blogposting sollte eigentlich schon seit Ende Juni online sein. Und eigentlich war es auch schon fast fertig. Nur fand ich nie die Zeit, ein Bild einzufügen. Nun ja. Der Post gibt trotzdem immer noch Einblicke in das, was ich derzeit so treibe – wenn auch in einer hoffentlich für dieses Jahr einmaligen Extremform.

Ein Blick über Istanbul
Ein Blick über Istanbul, 23.06.2012


Ein Reisebericht vom 28.06.2012.

Das Leben aus dem Koffer war nie meines. Aber in diesen Tagen geht es nicht anders, weshalb hier sonst eher wenig passiert. Aber der Reihe nach.

Vergangene Woche Montag bin ich mit der Frühmaschine nach Brüssel, um mich dort u.a. mit mehreren Gesprächspartnern über die geplante EU-Datenschutzreform zu unterhalten. Das war sehr aufschlussreich und interessant, wie eigentlich jede derartige Reise nach Brüssel. Randnotiz: die zuständigen Abgeordneten im Europaparlament werden derzeit von den Industrielobbyisten belagert wo es nur geht, auch mit freundlicher Schützenhilfe aus bestimmten Staaten.

Am Dienstag Abend ging es weiter nach Köln, wo ich mich am Mittwoch Abend dann beim Radiosender Einslive (dem Juniorenfunk des WDR) gemeinsam mit Mercedes Bunz und Ekki von Erdmöbel über das Urheberrecht unterhalten habe und auch ansonsten noch ein paar Gespräche führte. Ob das gelang und irgendwo hin führte, kann jeder selbst entscheiden.

Am Donnerstag dann also zurück nach Berlin, am Freitagmorgen dann an den Bosporus: die dortige Vertretung der Heinrich Böll-Stiftung hatte mich eingeladen, dort mit vielen türkischen, einigen deutschen und einem norwegischen Redner über Demokratie und politische Partizipation zu diskutieren. Die Beiträge aus der Türkei, einem Land, das nicht unbedingt in meinem direkten Fokus liegt, waren höchst interessant und ich habe viel über ihre Debatten, ihre Kultur und auch Missstände lernen können. Und über die Schwierigkeit, Freie Meinungsäußerung und die Beschränktheit von Überwachung so richtig gut zu finden, wenn man selbst Hate Speech-Opfer war. Mir bleibt in Erinnerung: Land verdient sehr viel mehr Aufmerksamkeit…

Und wäre es nicht so brüllend heiß gewesen – O-Ton eines Istanbulbewohners: “Geht doch, nächsten Monat sicher 10 Grad mehr” – hätte ich mir auch noch etwas mehr von der Stadt anschauen können. Nebenbemerkung: die in der Türkei installierte Internetfiltertechnik ist durchaus krass, wie ein wenig herumexperimentieren mir verdeutlichte.

Ab Montag war ich dann also in Bonn beim Global Media Forum der Deutschen Welle, wo ich – u. a. wieder mit der geschätzten Mercedes Bunz, sowie Marc-Jan Eumann, dem NRW-Medienstaatssekretär, und der DW-Moderatorin Kristin Zeier – über “Die algorithmische Sicht der Welt” diskutiert habe. Auch schön, mal wieder hier zu sein, hab ich doch mal hier zwei Jahre lang studiert. Die Diskussion war nicht nur auf Deutsch, sie war auch sehr deutsch, so mein Eindruck. Ob sie die Menschheit klüger gemacht hat, kann sich bald jeder selbst anhören – die Deutsche Welle wird ein Audiofile online stellen. Ansonsten galt: soviel Internationalität und Vielfalt hat mit Sicherheit keine andere Medienveranstaltung in Deutschland zu bieten, ich habe viele interessante neue Leute kennengelernt. Dass die für Deutschland produzierenden Medienmenschen aufgrund des Auslandsfokus allerdings nur marginal vertreten waren, fand ich schade – da kann man einiges lernen. Auch über das vergleichsweise hohe Niveau, auf dem wir Journalisten in .de jammern dürfen – und wie viel mehr andere mit so viel weniger erreichen müssen.

Mittwoch war ich dann kurz in Amsterdam um in einem Workshop des SAPIENT-Projekts mitzudiskutieren einem Forschungsprojekt aus dem Forschungsrahmenprogramm FP7, das zu Privacy-Auswirkungen politischer Entscheidungen forscht und Ideen dazu erarbeiten soll. Das eigentliche Vorhaben ist durchaus spannend, da in der Vergangenheit immer wieder gesehen werden konnte, dass bei politischen Entscheidungen die Auswirkungen auf Menschen, Privatsphäre – und damit schlussendlich auch demokratisches Gemeinwesen – schlicht nicht im Prozess berücksichtigt wurden. Und dann alle überrascht taten, als plötzlich Leute nicht so amüsiert waren. Vor Sapient und seinen Ergebnissen liegen allerdings noch einige Meter Arbeit – und ob die Ergebnisse dann von der EU und ihren Akteuren so angenommen werden, steht eh noch einmal auf einem anderen Blatt.

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