Die Sache mit dem Seehofer

Claus Kleber im Gespräch mit Horst Seehofer, YouTube-Screenshot

Ein Interview wie so viele: Horst Seehofer redet in einer Voraufzeichnung für das Heute Journal mit Claus Kleber über sein Unwohlsein nach der NRW-Wahl mit dem Zustand der Berliner Regierungskoalition und dem Gesamtbild der Unionsparteien. Natürlich insbesondere das der Schwesterpartei, für die der bayrische Ministerpräsident und CSU-Vorsitzende nicht zuständig ist. Das Interview selbst: unspektakulär. Seehofer grantelt in bester Bayernpräsidentenmanier gegen den Rest der Bundesliga, aber immer dezent und mit einem süffisanten Schmunzeln.

Kleber und Seehofer bedanken sich in der medienüblichen Inszenierung für das Gespräch, dann wird kurz das Bild schwarz. Kleber erklärt Seehofer, dass das Interview ganz spannend gewesen sei  sich gelohnt habe (eine glatte Lüge, das einzig positive war Klebers festnageln Seehofers darauf, dass seine Kritikpunkte an der Bundesregierung alles mögliche seien, aber keine besonders großen), der nimmt das zum Anlass für seine Verhältnisse Klartext zu reden. Seehofer echauffiert sich nun über den strukturellen Machtverlust, über den Regierungsbeteiligungsschwund und über Röttgen, der alles falsch gemacht und damit NRW quasi verschenkt habe. Das alles macht er sehr viel klarer als im eigentlichen Interview.

Man wäre ein Horst zu glauben, dass Seehofer mit einem Journalisten nicht trotzdem das sprechen würde, was er zu sprechen gelernt hat. Der Hauptunterschied besteht in der Art und Weise, wie Kleber mit seinem Interviewgast umgeht. Er stellt klarere und bessere Fragen, fällt Seehofer ins Wort und erlaubt sich einiges an Geschmunzel. Er nimmt Seehofer offensichtlich nicht sonderlich ernst. Und das ist auch richtig so: Seehofers Äußerungen sind großteils Dünnbier. Er hechelt Umfrage- und Beliebtheitswerten hinterher, während die inhaltlichen Punkte äußerst dünn bleiben. Höhepunkt der Seehoferschen Selbstentblödung: der bayrische Ministerpräsident gibt an, mit Norbert Röttgen “mit ihm persönlich und über die Bildzeitung gesprochen” zu haben, “persönlich hat er mich dann abtropfen lassen, die Kanzlerin war ja dabei”.

Was sagt uns also dieses Nachgesprächsinterview? Die Glattgeschliffenheit in der deutschen Politik ist ein Problem, in der Politikwissenschaft gern unter dem Schlagwort ‘Politainment’ behandelt. Man denke an David McAllister, den niedersächsischen Ministerpräsidenten, der so wohlfeiles PR-Sprech absondert, dass seine Äußerungen etwa die Haftqualität eines Krepppapierbandes nach achtwöchiger Sonnenlagerung aufweisen. Oder an die Samstagsansprachen der Bundeskanzlerin. Politik ist Inszenierung und Medien beteiligen sich nur zu gern an dieser. Nicht Seehofer ist großartig anders im Nachgespräch.

Es ist Claus Kleber, der nun ein anderes Interview führt und Seehofers Selbstinszenierung mit seinem fröhlichen Anlachen über dessen Darstellungskunst entlarvt, ihn noch einmal auf die Inhaltsleere seiner Äußerungen hinweist. Und sich dann galant noch die Genehmigung einholt, das Nachgespräch verwenden zu dürfen: Kleber: “Meine Kollegin Marietta Slomka hat eine vielbeachtete Rede gehalten […], als sie, den, äh, Preis der Gesellschaft für Deutsche Sprache gewonnen hat, und darin hat sie anekdotisch erzählt, dass bei unseren voraufgezeichneten Schaltgesprächen das was man vorher und hinterher sagt immer interessanter ist als das Aufgezeichnete und da haben alle wissend gelacht.” – Seehofer: “Das können Sie alles senden.”

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