nicht mehr, nicht weniger.Beiträge-Feed Kommentare-Feed

Es ändert sich was

Philip Steffan schrieb auf netzpolitik.org:

Nach Informationen, die uns vorliegen, wird es am kommenden Dienstag, den 30. Juni im Rahmen der Konferenz Schutz vor sexueller Gewalt gegen Kinder und Jugendliche mit Fokus auf neue Medien: Perspektiven für Europa, die das Familienministerium veranstaltet, eine große Abschlusserklärung geben. [..] Laut unseren Informationen sitzen alle großen Social Networks in Deutschland (studiVZ-Gruppe, wer-kennt-wen, Lokalisten usw., Knuddels) mit im Boot.

Ohne inhaltlich drauf eingehen zu wollen:
In Kommentar #32 reagierte XING offiziell.
In Kommentar #40 reagierte StudiVZ offiziell.
In Kommentar #58 reagierte Wer-Kennt-Wen offiziell. (Nachtrag, Dank an Daniel Hartmann)
In Kommentar #91 schickte Lokalisten einen offiziellen Reaktionspingback.

Offenbar gibt es ein Bedürfnis, zu reagieren. Die gleiche Szene hätte vor drei Jahren wohl noch anders ausgesehen.

Noch keine Kommentare

Was war denn das?

Habe gestern Abend überlegt, ob man als Internetnutzer in den Bund der Heimatvertriebenen eintreten sollte. Heute dann dagegen entschieden.

P.S.: Es wäre alles sehr lustig, wenn es nicht so traurig wäre.

Noch keine Kommentare

Ich will nicht Recht behalten müssen

Anfang April schrieb ich - ziemlich genervt - einen länglichen Blogeintrag zum Thema Onlinewahlkampf und warum ich den 2009er-Onlinewahlkampf bereits für gescheitert erachte. Noch ist etwas Zeit bis zur Bundestagswahl, aber es bleibt dabei: solange die Parteien es nicht verstehen, dass das Gewinnen der Multiplikatoren auch online davon abhängt, dass man ihre Themen als relevant erachtet, wie man es bei Bauernfunktionären, Finanzbranchengrößen und Gewerkschaftern schon lange tut, solange wird man diese nicht für sich gewinnen können. Das wiederum ist sehr, sehr schade.

Noch keine Kommentare

Europawahl 2009: Wählerisch sein!

Ich will nicht lange drumrumreden: ich werde morgen mein Kreuzchen bei den Grünen machen.

Sie sind die einzige Partei, die einen pro-europäischen (überhaupt einen europäischen!) Wahlkampf geführt haben, die eine Idee für ein schöneres Europa zu formulieren in der Lage ware und auch netzpolitisch für mich ein klarer Pluspunkt auf Europaebene sind. Da stört mich auch nicht der bumsdämliche “Wums”-Claim sowie andere Campaigningdussligkeiten.
Und ganz personalisiert hoffe ich, dass Jan Philipp Albrecht es mit Listenplatz 12 ins EP schafft, was knapp wird.

Die Meinungen muss ja keiner teilen. Aber ich würd mich freuen, wenn jeder, der hier mitliest, morgen sein Kreuz machen geht. Europa lässt sich nicht demokratischer gestalten, indem man das einzige demokratisch direkt legitimierte Gremium zum Abstrafen von Fehlern anderer Ebenen nutzt.

Ein Kommentar bislang

Zum Hintergrund der Zeit-Debatte ums Internet

Böses Internet, gutes Internet? In der Zeit sind in den letzten Wochen eine erkleckliche Anzahl Artikel erschienen, die sich mit dem Internet auseinandersetzen. Manche sagen darüber sogar eher, sie würden gegen das Internet hetzen. Nun sollte man ein paar Dinge über die Zeit wissen - und auch im Kontext versuchen zu verstehen, warum gerade jetzt das gefühlte intellektuelle Flaggschiff der deutschen Presselandschaft sich so intensiv der Thematik annimmt. Weiterlesen »

2 Kommentare

Die Dialektik des Jens Jessen

Jens Jessen, Feuilletonchef und spitze Feder bei der Zeit, versucht, irgendwie den Soboczynskitext von vor zwei Wochen zu rechtfertigen (S.52, “Das Netz trügt“). Er schließt sein Stück folgendermaßen:

“Mit anderen Worten: Das Internet, bevor es großmäulig von E-Democracy redet, muss erst einmal eine angstfreie Gesellschaft in seinen Räumen erlauben, in der nicht jeder, aus Furcht vor seinem missgünstigen Nachbarn, sich unter den kleinsten gemeinsamen Nenner duckt. Oder noch einmal anders gesagt: Es steht außer Frage, dass im Netz ein bedeutender Beitrag zur Demokratie geleistet werden kann. Aber die gegenwärtigen sozialen Umgangsformen verraten keine Tendenz zur E-Democracy, sondern eher zum EBolschewismus.”

Abgesehen davon, dass mich der EBolschewismusvergleich angesichts des Leninbildes in Herrn Jessens Büro leicht amüsiert: Soziale Umgangsformen einzufordern und eine zweifelsohne höchst pluralistische Gruppe wie die der Internetnutzer pauschal als “großmäulig” abzutun, das ist in einem Absatz schon mehr als Dialektik: Es ist einfach nur verlogen. Da kann und darf man ganz groß drüber maulen, wenn ein Feuilletonist nur wenig mehr denn 140 Zeichen benötigt, um seinen eigenen Anspruch so frei heraus durch gegenteiliges Verhalten als bloße Hirnwichserei jenseits gelebter Realität zu diskreditieren.

5 Kommentare

Eine Parabel für Heinrich Wefing

Auch in der dieswöchigen Ausgabe der ZEIT ist wieder einmal ein Artikel enthalten, der uns sagt, dass das Internet oder zumindest seine aktiven Bewohner tendenziell böse sind. Und dieses eine Mal stimme ich dem Autoren Heinrich Wefing bei etwas zu. Denn er hat etwas geschrieben, das zweifelsohne korrekt ist:

Erstaunlich ist nicht, dass dieser Kulturkampf jetzt losbricht. Erstaunlich ist in Wahrheit, dass er so lange auf sich warten lassen hat. Wieso hat es fast zwanzig Jahre gedauert, bis öffentlich formuliert wird, was doch eigentlich eine Selbstverständlichkeit ist: dass das Netz kein rechtsfreier Raum ist.

Es ist gut, dass Wefing diesen Punkt aufwirft. Und er liegt zweifelsohne damit richtig, dass im Cyberspace die heutigen Gesetze nicht als solche ernst genommen, Freiheit verehrt und gelebt wird. Dass so lange geschwiegen wurde, hat seinen guten Grund.

Stellen Sie sich einmal vor, Sie hätten eine Insel entdeckt. Sie finden diese Insel wunderschön, bauen sich dort ein kleines Häuschen, fangen Fische und bauen Gemüse an. Es gibt ein Wäldchen, eine Lichtung und einen Bach. Sie lesen manchmal ein gutes Buch. Manchmal, wenn der Wind gut steht, hören Sie die Fischerstochter vom Festland ein Liedchen trällern. Das weiß sie nicht und es tut ihr auch nicht weh, aber sie freuen sich an diesem Liedchen.
Irgendwann kommen Ihre Freunde zu Besuch. Sie mögen die Insel und beschließen, zu bleiben. Sie freuen sich über ihre Freunde die Ihre Insel mögen und sagen: was mein sei, sei auch dein.
Irgendwann kommen die Eltern zu Besuch. “Was für eine schöne Insel, und spannend, wie Ihr hier alle lebt. Aber das ist schon alles etwas seltsam hier. Aber gut, dass wir so liebe, unpolitische Kinder haben. Da brauchen wir uns ja wohl trotzdem keine Sorgen machen.”
Sie leben weiter und immer mehr Freunde kommen auf ihre Insel. Alle freuen sich, aber viele vergessen, dass es nur eine Insel ist. Sie kommen gar nicht mehr wegen der Insel, sondern deshalb, weil hier irgendwie die cooleren Leute sind. Weil hier etwas neues entsteht und sie gerne dabei sein wollen.
Als eines Tages die Eltern vor Ihrer Tür stehen und sagen, dass sie jetzt auch auf der Insel wohnen, sind Sie überrascht. Als die Eltern sagen, dass auch alle Ihre Freunde herziehen wollen, dass dafür aber der Wald planiert, der Bach ausgetrocknet und der Fischfang eingestellt werden muss, sind sie erstaunt und erschreckt. Als die Eltern dann auch noch sagen, dass das Fischermädchen vom Ufer doch bitte nicht diesen schrecklichen Indiepop sondern gefälligst Schlager trällern soll, platzt Ihnen der Kragen. Sie sind schlussendlich doch politisch geworden.

Wefing hat dennoch Unrecht, wenn er schreibt:

Dass im Cyberspace dieselben Gesetze gelten wie in der realen Welt.

Die Internetgeneration hat ihre Eltern in Ruhe gelassen, so wie die Elterngeneration die Internetgeneration nicht beachtete. Nun hat die Elterngeneration beschlossen, das Internet so zu betreten, als ob sie dort zuhause wäre. Wir leben in spannenden Zeiten. Und die Zeit (nicht die ZEIT) arbeitet für die Internetgeneration und ihre Gesetze.

Disclaimer: 2007-2008 war ich Redakteur bei ZEIT online

.

21 Kommentare

Psst! SPD-Fraktion!

Liebe SPD-Fraktion,

Euer Fraktionsmitglied und “Mitglied in der Ältestenratskommission neuer Informations-/ Kommunikationstechniken und –medien” (sic! Aber bis 95 war er noch stv. Juso-Vorsitzender. Spontanalterung?) Christian Lange will also prüfen lassen, ob sich Störsender (sog. Jammer) installieren lassen, damit die lieben Kollegen keine Interna in die Welt hinauszwitschern.

Dazu nur ein paar Hinweise:
1. Wenn Sie einen Jammer installieren, können sie auch nicht mehr mobil telefonieren. Das werden Sie kaum wollen.
2. Wenn Sie Internagetwitter unterdrücken wollen, belegen Sie solches Verhalten doch einfach mit Geldbußen.
3. Wenn Sie ein grundsätzliches Problem damit haben, dass die Kollegen lieber mit ihren telefonähnlichen Endgeräten spielen denn stetiges Sitzungsinteresse zu simulieren, sollten Sie über etwas anderes Nachdenken. Zum Beispiel darüber, dass Exzellenz Transparenz verträgt.

Ich freue mich über jeden Politiker, der twittert. Vor allem über die, die mehr als reines Phrasendreschen hinbekommen. Die zeigen, was sie tun. Und irgendwie auch die, die zeigen, dass sie nichts tun. Auch schön.

Ein Kommentar bislang

Ein diskonnektierter “Intellektueller”

Adam Soboczynski übt sich in der Zeit von heute, Feuilleton S. 45, in schwachfeinsinniger Dialektik:

Der unmittelbar messbare Markterfolg eines Textes im Internet unterliegt jenem massenkulturellen Sog, der seit Anbeginn der Moderne beklagt wird. Intellektualismus überlebte, solange kein Medium zur Hand war, ihn dem nackten Wettbewerb zu unterwerfen.

Er [der Intellektuelle, Anm. d. Bloggers] mag zwar einen feinsinnigen Blog führen, doch seine Minderheitenmeinung ist darin zu schwach, um gehört zu werden – oder gar um lukrativ zu sein.

Intellektuell eine wahre Glanzleistung: Intellektuell im Internet? Nicht lukrativ. Das Internet unterwerfe den Intellektualismus also dem nackten Wettbewerb. Ein Schrei nach Staatsbeihilfe für Intellektuelle? Mitnichten. Nur der Ausdruck dessen, was ist: Adam Soboczynski ist kein Demokrat, er ist auch nicht an Demokratie interessiert sondern ausschließlich an verlogenem Elitismus im Stile auswirkungsloser Salonflaneure. Das verschweigt er auch nicht:

Da der Intellektuelle aus der Mehrheitsdemokratie geistesaristokratisch herausragt, ist er der Einzige, der die Bedingungen der Staatsform, in der er lebt, zu reflektieren vermag. Er stabilisiert Demokratie, indem er sich ihr wesenhaft entzieht. [… sehr lange Auslassung …] Jedoch als der, der er bislang war, Störenfried des Konsenses, Vermittler von Wissensbeständen, Korrektiv des Staats, wird er verschwinden.

Entziehe er sich. Doch bedenke er: Wer sich dem Diskurs versagt, versagt, kapituliert. Wer die elitistische Abstraktion dem Diskurs mit realen Menschen vorzieht, möge dies tun. Das Verschwinden dieses Typus von Intellektuellen, den Adam Soboczynski für sein Dasein sicherlich reklamiert, in die “Internetrandzonengebiete”, wie er schreibt, ist kein Verlust für die demokratische Qualität. Sondern die Selbstexilierung der Heulsusen, die um ihren Aufmerksamkeitswert μ fürchten. Ja, vor dreißig Jahren hätte Soboczynski noch ein Feuilletonchef für die fetten Jahre der gedruckten Zeitungen werden, in öffentlich-rechtlichen Rundfunksendern des Nächtens parlieren und die Augen vor der realen Welt verschließen können.

Das Internet verändert weniger, als es sichtbar macht. Dem geschundenen Intellektuellen führt es die Sinnlosigkeit sowohl seines Seins wie auch seines proklamierten Nichttuns vor. Wer die Stoßseufzer Soboczynskis liest, kommt nicht umher, einzusehen: was Soboczynski als Intellekt bezeichnet, ist in Wahrheit nichts als ein Bekenntnis zum Selbstbetrug. Würde er dabei wenigstens auf den Zorn verzichten, der ihn angesichts der sich auch im Internet manifestierenden Welt da draußen ergreift, es wäre viel gewonnen. So bleibt jedoch nur eines zu vermerken: Medium heißt manchmal einfach nur halbgar. Zum Trost bleibt zu erwarten, dass Soboczynski vielleicht dem Internet eine Weile erspart bleiben wird. Ich möchte ihn ganz öffentlich darum bitten, dass er Verlagen die Onlinepublikation seiner Texte (und damit auf einen entsprechenden, kleinen Anteil seines Honorars verzichtend) untersagt. Das lohnt sich nämlich in dieser Form für alle Seiten nicht.

Randbemerkung 1: Das Wort Internetuell wäre überlegenswert. Damit Keinereiner aus Versehen im gleichen Topf schmoren muss.
Randbemerkung 2: Meinungsstarke und faktenarme Beiträge sind im klassischen Medienwesen häufig Ausdruck von Verteilungskämpfen.
Randbemerkung 3: Sorry. Doch länger geworden.

6 Kommentare

Schönes Magazintheme?

Suche ich gerade. Was empfehlt die geschätzte Leserschaft? Und warum eigentlich?

Ein Kommentar bislang

Im Zweifel privat

Unsere Gesellschaft kennt eine Unterscheidung in A jobtechnisch/dienstlich und B privat. Das ist gefühlt zwar eine etwas künstliche Sache, da die meisten von uns nur über ein Gehirn verfügen und das nicht so ganz umschaltet. Aber man muss es als Faktum hinnehmen.

Dieses Internet hat das alles etwas schwieriger gemacht. Zumindest für die, die von sich sagen würden: I work for the Internets oder zumindest im und mit dem Internet. Da es selbst zeit- und ortsunabhängig ist und der Aufwand für eine Doppelhaushaltung unvertretbar (außerdem kaum zu gewährleisten), habe ich nur einen Twitteraccount, einen Facebookaccount, einen Xing-Account usw., so wie ich nur ein einziges Leben habe. Das führt teils zu Vermischungen: manch guter Freund muss quasi-dienstliches aushalten, obwohl ihn primär interessiert, ob ich heute Zeit hätte um ins Kino zu gehen. Und manch Kollege muss ertragen, dass ich liebend gerne “genervt-Tweets” über massiert auftretende muffelige Kontrolleure, miese Musikanten und Straßenzeitungsverkäufer schreibe.

Das alles führt aber auch dazu, dass Menschen auch meine Meinungsäußerungen, auch mal ein bisschen Geifersucht, offensive Polemiken - sprich: weniger diplomatisches, weniger wohlabgewogenes, vielleicht manchmal auch weniger überlegtes - zu sehen bekommen, die primär beruflicher Kontakt sind.

Ich kenne das Gefühl, wenn jemand etwas zu einem Zeitpunkt versprochen hat und dann, dann lese ich auf Twitter, was der Mensch gerade tut. Und das ist etwas anderes. Dass das normal ist, weil Menschen nicht 24/7 arbeiten dürfen (dann kommt nämlich nur Quatsch raus), vergisst man in solchen Momenten.

Also gibts daher aus meiner Sicht nur eines: im Zweifel sind alle Social Media-Veröffentlichungen nicht als jobbezogene Veröffentlichungen zu verstehen. Sie sind dann privat und als solche zu behandeln - in jederlei Hinsicht. Und jeder, der das nicht versteht und nicht akzeptiert, möge sich stante pede hinfortschleichen aus all meinen individuellen Umfeldmedien.

Noch keine Kommentare

Danke für den Anlass

Ich bin der Bundesministerin für Familie und Gedöns Ursula von der Leyen dankbar für ihren Vorstoß zur Sperrung von Internetseiten mit kinderpornografischem Inhalt.

Der Entwurf ist legislativhandwerklich miserabel, keinen Millimeter zielführend, offenkundig populistischer Art und damit wohl das Beste, was Mobilisierung und Politisierung der ach so unpolitischen Internetgeneration passieren konnte. Es herrscht Einigkeit: diese Alten habens nicht (oder auch: haben nichts) verstanden. Klare Feindbilder einigen einfacher. Die Petition hat bereits jetzt mehr Zeichner als Grüne und FDP Mitglieder haben (voraussichtlich morgen auch mehr als die Linkspartei).

Interessant sind in der Folge drei Ebenen:
1. Was resultiert aus der Mobilisierung realpolitisch?
2. Kann die mobilisierte Menge sich auch künftig gemeinschaftlich zu netzpolitischen Themen artikulieren?
3. Kann sie sich auch auf den klassischen Wegen der Politikentstehung einbringen? Sind unter den Zehntausenden also genügend, die auch bereit sind, nicht nur zu zeichnen - sondern auch mit einem Anruf oder einem direkten Gespräch auf Politik Einfluss zu nehmen. Das kostet zwar auch nicht viel Zeit, ist aber eine andere Qualität.

4 Kommentare

Holla, SZ-Magazin!

Ich bin erstaunt.

Mit ihrer Anfälligkeit für Versagen kann die Demokratie also leben, solange ihr nicht das Medium zerfällt, aus dem sie ihre ganze Legitimation und politische Zugkraft schöpft, das Medium der Öffentlichkeit. Doch eben daran scheint sie heute zu kranken. [..] Doch jetzt, so scheint es, wandelt sich Öffentlichkeit nicht nur, sie löst sich auf. Sie scheint sich im Internet zu verlieren.
[…]
Ist die Öffentlichkeit das Medium der Demokratie, so war die gedruckte Presse bisher das wichtigste Medium der Öffentlichkeit.
[…]
Doch die heutige Furcht vor den wilden Netzamateuren ähnelt auch jener Friedrichs II. vor den sich einmischenden Bürgern (»eine Privatperson ist zur Beurteilung der Verfahren und Gesetze gar nicht fähig«). Eines immerhin ist sicher: Auch das Netz ist nicht lupenrein.

Andreas Zielcke, 65, ist Autor der »Süddeutschen Zeitung«. Er war von 2000 bis 2008 Leitender Redakteur des »SZ«-Feuilletons.

Und zwar ziemlich.

Ein Kommentar bislang

Berliner Impressionen 2009 - Teil I

20090430-ostbahnhof-bundespol-baumbluetenfest.png
Während des Baumblütenfestes in Werder sind übrigens Glasflaschen in Zügen im VBB verboten.
20090330-motzhund.png
Ist das gut oder doof? Bis heute keine abschließende Meinung über diese Hundeinstrumentalisierung.

In den nächsten Tagen: mehr Impressionen.

Noch keine Kommentare

Schöne Sache

Wenn man lange genug im Web 2.0-Zirkus mitspielt, mal in der Manege und mal auf den Rängen, dann ist es schon fast eine Erkenntnis, dass man nicht alles mitmachen muss. Letztes Wochenende war Politcamp in Berlin und ich hatte mich natürlich vor Urzeiten angemeldet, immerhin sind Internet und Politik durchaus zwei Felder, die mich persönlich interessieren und begeistern.

Hingegangen bin ich allerdings nicht. Definitiv eine gute Entscheidung - ohne mich über das Politcamp im Nachhinein schlau gemacht zu haben.

Noch keine Kommentare

Kein fähiges Modell

Das Medienblog Medienlese.com wird eingestellt. Ein Blog, das Medienbeobachtung betrieb. Nun ist es also dahin. Bei der FAZ lacht man sich ins Fäustchen, während manche Fans der Publikation Spenden sammeln wollen.

Ich habe Medienlese hin und wieder gelesen, anfangs häufig und später selten. Es ging mir mit ihm so wie mit Medienrauschen, das seit drei Jahren nur noch ein Schattendasein seiner selbst fristet, und mit manchen anderen Seiten: es fehlte mir der Journalismus. Und des öfteren auch die Hintergrundkenntnis. Medienlese hat das beste aus seinen Möglichkeiten gemacht, doch die waren einfach beschränkt und das schönzureden, entspräche sicherlich nicht meiner Art.

Das Rosinenpicken hat sich für mich mittlerweile eh in den vergesslichen sozialen Zwischenraum verlagert, teils auch in Verbindung mit diversen Social Bookmarking-Plattformen.

Dennoch widerstrebt mir die Tonalität des FAZ-Artikels “Tod eines Holzfällers”. Denn was als “Dröhngebrüll” abgekanzelt wird, trifft dennoch zu: der größte Feind des Journalismus ist heutzutage meist der Verlag, so wie er sich heute darstellt. Die “taz” schwimmt derzeit auf der finanziell lukrativen Welle der Krisensolidarität (”Krise? Bei uns schon immer!”), so dass sich die Onlinefeinde dort wieder aus den Bunkern hervorwagen. Bei der Zeit darf die zukunftsängstige Entschleunigungsbefürworterin Susanne Gaschke wider das böse, böse Internet und die Entrechtung geknechteter Zeit-Redakteure, Professoren, Plattenkonzernanteilseigner, Filmproduzenten sowie anderer finanziell Minderbemittelter anschreiben. Und ins gleiche Horn stoßend dabei gleich noch Heidelberger Appell und Kinderpornografie fröhlich leitartikelnd bis zur Unkenntlichkeit verrühren. Gewinnen die, von denen viele dachten, dass sie doch nun endlich bald untergehen, wieder Oberwasser?

Sie sind so verzichtbar wie auch Medienlese.com. Man kann es lesen, muss es aber nicht. Es ist kein Journalismus, für den ich zahlen will.

2 Kommentare

Der kleine Unterschied?

Ich habe eine Vermutung. Die ist sehr banal, und daher möchte ich sie besonders gerne teilen und von anderen in der Luft zerreißen lassen. Sie lautet: das Internet macht vielen Leuten Angst, weil es die Unzulänglichkeit der Realität mess- und sichtbar machen könnte.

Wieviele Geschäftsmodelle basieren auf Lügen? Oder sagen wir es diplomatischer: nicht vollumfänglich nachvollziehbaren und erfüllten Versprechen? Wieviel Reputation ist auf heißer Luft aufgebaut? In meinen Augen ist das schönste am Internet, dass es als Instrument der Infragestellung des Tradierten sehr direkt ist. Daher macht es denen Angst, die vor allem mit heißer Luft handeln oder zumindest das Gefühl haben, sie täten das. Ich aber sage Euch: Fürchtet Euch nicht! Es gibt keinen Grund Selbstmord aus Angst vor dem Tod zu begehen. Nur einen Anlass.

Ihr werdet höchstens ein bisschen sterben. In Werbung, Medien, Produktion; in Politik, da weiß man schon: das Internet ist sehr gefährlich. Doch statt dagegen: seid halt ehrlich. Tusch.

Ein Kommentar bislang

Schöne Aktion:”Von Laien regiert”

Spreeblicks Internetsperrenprotest.

Das Problem an den “Webseitensperrungen gegen Kinderpornografie” ist zusammengefasst folgendes:

Die genannten Zahlen sind falsch.
Die genannten Entwicklungen sind nicht nachweisbar.
Die gewünschten Maßnahmen sind grober Unfug.

Politisch Dankbar:
Es gibt keine direkte Gegenlobby. Niemand ist für Gewalt. Und schon gar nicht für Gewalt gegen Kinder, Frauen, Tiere und Senioren.

Besonderer Clou: im letzten Moment noch eine Datenübermittlungsklausel in die Kabinettsvorlage packen - damit auch wirklich jeder, der auf einem Warnhinweis landet auch gleich beim BKA registriert ist. Das nennt man Honeypot..

Noch keine Kommentare

Faszination Twitter

Ich habs ja mittlerweile aufgegeben, zu erklären, warum ich Twitter toll finde. Ich sag immer nur: probiers halt mal aus. Herr Noller, auch bekannt als @holadiho, hats aber wirklich sehr schön beschrieben.

Noch keine Kommentare

Volksbegehrlichkeiten: Religion statt Ethik?

In zwei Wochen wird wieder einmal abgestimmt in Berlin. Am 26. April soll ich mein Kreuzchen machen, ob ich für die Einführung des Wahlpflichtbereichs Ethik/Religion bin.

Dahinter steckt folgendes: in Berlin ist der Religionsunterricht nur noch freiwillig und zusätzlich. Stattdessen ist ein allgemeiner Ethik-Unterricht verpflichtend. Alle Schüler, gleich welcher religiösen oder areligiösen Couleur müssen ihn besuchen. Die Initiative setzt sich also dafür ein, dass man statt in Ethik auch in Religion sitzen dürfen soll. “ProReli” schreibt ganz schön oft das Wort Freiheit. Und natürlich sind wir dabei argumentativ ganz schnell an dem Punkt, an dem man sich fragt, ob Verständnis von und Rolle der Religion, wie sie dem Grundgesetz noch zugrunde liegen, wirklich noch die heutige Realität treffen.

Doch bleiben wir konkret. Die Abstimmung ist einfach:

  • Mit JA stimme ich, wenn ich der Meinung bin, dass Religion und Ethik gleichrangig sind und Schüler frei wählen sollten, welchen Unterricht sie besuchen möchten.
  • Mit NEIN stimme ich, wenn ich der Meinung bin, dass allgemeiner Ethikunterricht Vorrang vor Religionsunterricht hat.

Das klingt einfach. Aber hier kommt, wie schon bei der Tempelhof-Abstimmung, das Berliner Volksentscheidwesen zum Tragen:

  1. Damit der Volksentscheid gültig ist, müssen 25% der Berechtigten abstimmen.
  2. Damit er (im Sinne von ProReli) erfolgreich ist, müssen auch mind. 25% aller Berechtigten mit JA stimmen (aber mind. 50% der Abstimmenden).
  3. Beispiel 1: 26 Prozent Wahlbeteiligung. 25% stimmen mit JA. 1% mit NEIN. Ergebnis: ProReli war erfolgreich.
  4. Beispiel 2: 24,9 Prozent Wahlbeteiligung: alle 24,9% der Wahlberechtigten stimmen mit JA. Ergebnis: ProReli ist gescheitert.
  5. Beispiel 3: 50 Prozent Wahlbeteiligung: 25,1% Wahlberechtigte stimmen mit JA. 24,9% Wahlberechtigte mit NEIN. Ergebnis: ProReli war erfolgreich.

Jede abgegebene Stimme (unabhängig von ihrer Aussage) erhöht also die Wahrscheinlichkeit, dass der Volksentscheid Wirkung entfaltet. Wer also mit NEIN stimmen würde, sollte sich also sehr genau überlegen: abstimmen gehen oder wegbleiben? Bei letzterem hätte man auf jeden Fall verloren, wenn die andere Seite die 25%-Marke knackt. Bei ersterem unterstützt man jedoch das Erreichen des Schwellenwertes.

6 Kommentare

Twitter? Does not work!

Shorl statistics
Original url: http://www.wiwo.de/unternehmer-maerkte/kabel-deutschland-daten-von-hunderttausenden-von-kunden-an-dubiose-callcenter-weitergeleitet-392321/
Shorl: http://shorl.com/juvabogrystifre
Created: 2009-03-30 12:35
Number of hits: 7363

Shorl statistics
Original url: http://www.zeit.de/2009/14/Last-fm?page=all
Shorl: http://shorl.com/kymorigomumu
Created: 2009-03-27 14:41
Number of hits: 7865

Shorl statistics
Original url: http://www.bundestag.de/wissen/analysen/2009/twitter.pdf
Shorl: http://shorl.com/dapudifipriku
Created: 2009-03-26 14:06
Number of hits: 8444

Oder quasi live:

Shorl statistics
Original url: http://www.faz.net/s/Rub475F682E3FC24868A8A5276D4FB916D7/Doc~E56C3388EBF07499390DE2600B2ECFBE5~ATpl~Ecommon~Scontent.html
Shorl: http://shorl.com/brohonopytobu
Created: 2009-04-06 16:23
Number of hits: 15

2 Kommentare

re:publica ‘09-Rückschau I

Es hat was gefehlt. Nicht nur, dass ich bei meiner recht spontan übernommenen Moderation des “Politische Blogs”-Panel zwar die Panelisten vorgestellt habe, mich selbst aber vergaß. Nein, es gab einiges, was vergessen wurde.

Ich hab in den letzten fünf Jahren keine Webkonferenz mehr erlebt, auf der so selten Worte wie

  • Venture Capital
  • *Invest*
  • Gründer/Founder
  • Exitorientierung

fielen. Ist das schade? Ich habe wenig Beschwerden hierüber gehört.

Noch keine Kommentare

Onlinewahlkampf 2009: #fail

Achtung. Hier gehts um Politik und meine höchstpersönliche Meinung. Und ja: Ich habe gerade nicht so gute Laune. (Deutlich weniger genervt scheint Robin Meyer-Lucht gewesen zu sein, zart Besaitete also bitte da lang.)

Es ist jetzt noch ein gutes halbes Jahr bis zur Wahl. Zeit, sich Gedanken darüber zu machen, was bislang getan wurde und was dann noch kommt. Ich war gestern Abend beim Media Coffee der DPA-Tochter “news aktuell”, wo Politikstrategen (Kajo Wasserhövel, Steffi Lemke, Hans-Jürgen Beerfeltz), der nicht mehr für die Bundes-CDU aktive Peter Radunski sowie für die Medienseite Peter Frey vom ZDF herumsaßen. Das Publikum war gespickt mit Abgeordneten- und Fraktionsmitarbeitern, Medienmenschen und nicht zuletzt einer Heerschar total wichtiger Mitarbeiter mindestens genauso wichtiger Politikberatungsfirmen, die bei Speichelleckwettbewerben mit Sicherheit Medaillenchancen gehabt hätten.
Noch vor wenigen Monaten konnte man mit den Menschen, die auf dem Podium saßen, halbwegs normal reden. Und mit einigen davon habe ich das auch gemacht. Aber gestern Abend war Wahlkampfzeit. Inhaltsarmes Schaulaufen, ein leider fehlendes Phrasenschwein hätte vor Freude gequiekt und mit dem Ringelschwänzchen so rotiert, dass es zum Sahneschlagen getaugt hätte. Sicher war es der falsche Ort. Obama? Ach Quatsch, die öffentlich-rechtlichen sollten doch ja bitte nicht nur Merkel und Steinmeier zum TV-Duell einladen.
Sicher war es das falsche Publikum. Wer dort saß, verdient zum Großteil am herkömmlichen Flaschenhalsgeschäft. Aber mein Glaube an den Willen der Parteien, sich ernsthaft in den Onlinewahlkampf zu begeben, ist gestern Abend erschüttert worden.

Wo stehen sie bislang?

1. Die Parteien haben sich Obama angeguckt.
2. Sie haben sich neue Websites gegeben.
3. Sie haben sich überlegt, dass Obamakampagne sein eigentlich sehr cool wäre. Leider habe man aber keinen Obama.
4. Sie haben ihre Wahlprogramme erstellt.
5. Sie haben ihre Kandidaten (weitgehend) bestimmt.
6. Sie haben die Worte der Obama-Kampagne auswendig gelernt.

Was kommt:

Heiße Luft. Und davon ganz schön viel.

Und warum?

1. Obama angucken ist schön. Wenn ich mir anhöre, wer die Phrase vom “kontrollierten Kontrollverlust” (also bewusst Wahlkampfanteile an die eigene Klientel abgeben) statt dem “unkontrollierten Kontrollverlust” (es nicht zu tun, so dass die Klientel es einfach trotzdem tut) so alles schön dreschen kann, wird mir speiübel. Wer Grassrootscampaigning so versteht, dass er einer Horde willenloser Deppen sagen kann, was sie tun und lassen sollen, der sollte es einfach nur sein lassen.

2. Die neuen Websites sind ein Fortschritt. Aber sie sind Stückwerk, sie sind kranken wie die Gesamtkampagnen an Botschaften und Gesamtstrategien. “Wir sind für dagegen” oder “gegen dafür” und übrigens, wir sind auch noch die besten. Und unser Personal steht genau dafür. Statt Kampagnenplattformen, die Menschen ansprechen und für die Parteien begeistern sollen, haben sich die meisten für Websites entschieden, die höchstens zu einer Sache taugen: Pressemitteilungen.

Ich sage es mit einem Zitat aus Joe Trippis großartigem Buch “The Revolution will not be televised”: They didn’t get it.

Es wurde korrekt konstatiert, dass Obamas “Change”-Kampagne nicht nur für den Wechsel, sondern auch gegen Bush, Bushs Gefolge, Bushs Amerikastil und das Fox News-Amerika geführt wurde. Ohne ein dagegen wird es kein dafür geben. Wer Grassroots Campaigning möchte, kann sich nicht darauf zurückziehen, total hübsch und toll und besser zu sein. Engagement kommt dadurch zustande, dass es etwas gibt, für dass man sich engagieren kann. Und wer die seltsam diffuse Masse der Kern-Netzbewohnerschaft erreichen und für sich gewinnen möchte, kommt einfach nicht umher, sich auch mit deren Themen zu beschäftigen.

Es ist ein Irrglaube, dass die Verschrottungsprämie automatisch relevanter sei als die Frage, ob Netze neutral gestaltet sein müssen. Es ist ein Irrglaube, dass die Koketterie mit Inkompetenz in technischen Fragen dabei förderlich sei. Es ist ein Irrglaube, dass man über Themen wie Beschäftigungspolitik und die Frage der Länge der Auszahlung von Kurzarbeitergeld die ach so saturierte und bornierte Netzgemeinde (die schon allein aufgrund ihrer eigenen Bildungssituation sicherlich eine privilegierte, aber keineswegs automatisch unsolidarische ist) ansprechen könnte. Es ist irre, zu glauben, dass, wenn man sich nicht für sie interessiert, sich die ach so egozentrischen und unbedeutenden Multiplikatoren im Netz für die eigene Sache begeistern ließen.

Noch ein paar Bemerkungen zu Peter Frey und seiner Haltung, dass es ja bedauerlich sei, wenn die Parteien im Netz an dem Flaschenhals der Massenmedien vorbei direkt mit dem Wähler kommunizieren würden: ich gehe vollkommen d’Accord, dass es Kernaufgabe professioneller Medien ist, zu hinterfragen, zu recherchieren, aufzudecken und politische Orientierung durch Einordnung zu geben. Nur wer es sich finanziell leisten kann, sich zeitintensiv mit einer Materie zu beschäftigen, kann sich qualifiziert und intensiv dazu äußern. Leider schaffen es die finanziell dafür ausgestatteten Medienschaffenden nur noch selten, sich selbst dieses Leitbildes zu vergewissern und genau das zu tun: sich nicht für Talk und Quote, sondern für Qualität und Tiefe zu entscheiden. Das letzte mir bewusst kritisch nachhakende ZDF-Magazin war Kennzeichen D. Wer seine Legitimation selbst abschafft, sollte nicht über den eigenen Deutungshoheitsverlust und die beklagenswerte Oberflächlichkeit der Amateure jammern.

They frickin didn’t get it.

3 Kommentare

Politik im Web 2.0 Ausgabe 4

Nebenan bei Netzpolitik:

Klar ist: YouTube und Facebook sind von den Parteistrategen als Plattformen ausgemacht worden, auf denen sie sich den Onlinewahlkampf zutrauen. Hinzu kommt ein wenig Twitter, das in Deutschland trotz starker Medienpräsenz in den letzten Wochen dennoch nicht die große Menge Wähler erreicht. Allerdings wird Twitter den Onlinewahlkampf beschleunigen und viele Multiplikatoren sind jetzt schon auf diesem Wege schnell erreichbar.

Die Zahlen wie immer ohne Gewehr, aber besser als die des einen oder anderen MaFo-Institut sind sie zweifelsohne.

Noch keine Kommentare

Schnauze, Berliner!

Die Berliner Zeitung fragt: Sind Berliner wirklich so unhöflich, dass man sie umschulen muss? Leser dürfen in der Kommentarfunktion eines Weblogs dazu Stellung nehmen, und interessanterweise tun dies vor allem Menschen aus der Welt rundherum um Berlin.

Meine Meinung: Berliner Servicekräfte sind oft inkompetent, langsam und unfreundlich. Wenn sie einfach nur unfreundlich wären, würde ich das schon ausreichend finden. Der Rest unterscheidet sie nicht wesentlich von den meisten anderen Servicekulturschaffenden auf diesem Planeten.

Ein Kommentar bislang

Danke, Niklas

Das Watchblog “FUwatch” hat mit Ende Februar aufgehört, genauer gesagt Niklas hat aufgehört es zu schreiben. Als Alt-FUler habe ich mit Niklas häufiger und auch mal Real Life diskutiert, doch dass das Blog jetzt schon vier Jahre lief, habe ich gar nicht wahrgenommen. Ich habs auf jeden Fall sehr gemocht, wenn auch in den letzten beiden Jahren mit abnehmender Häufigkeit rezipierend. War das zweitbeste Blog, dessen Heimat an der FU lag.* Erfrischend wohlinformiert, kritisch auch gegenüber denen, die den Glauben an Kritik statt Kritik üben hat Niklas vom Fichtenberg immer wieder über Dinge geschrieben, die ein gerüttelt Maß an Kopfschütteln verursachen konnte. Danke für die Fleißarbeit.

*Da war noch eines

Noch keine Kommentare

Stuttgarter Formatfragetage

Gestern war ich in Hohenheim bei den 33. Stuttgarter Tagen der Medienpädagogik. Dort ging es in diesem Jahr um die Frage, ob und wie man Heranwachsende für Politik interessieren und begeistern kann. Leider konnte ich nur am Samstag anwesend sein und verpasste dort dadurch Ulrich Sarcinelli und Hans Leyendecker, konnte aber dem sehr schönen Vortrag von Holger Meeh und der Präsentation des neuen Wahlomat-Projektzuständigen der Bundeszentrale für politische Bildung miterleben, bevor ich selbst aufs Podium durfte.

Unter der Überschrift “Wieviel Inszenierung verträgt die Demokratie? Herausforderungen an Politik, Medien und Schulen” diskutierten der grüne Tübinger OB Boris Palmer, Michael Zeiß aus der Chefredaktion des SWR-Fernsehens, Wolfgang Gushurst von Das Ding (ebenfalls SWR) und Holger Meeh (Pädagogische Hochschule Heidelberg) mit dem Moderator Michael Herrmann, Päd. Hochschule Weingarten. Es wurde eine lebhafte Diskussion, in der von vornherein klar war, das wenig klar war. Das Publikum, vor allem Medienpädagogen, aber auch Studenten, Wissenschaftler und andere, waren zwar nicht laptoplos. Aber ich habe kein iPhone, keinen Blackberry und während der Diskussion auch keinen aufgeklappten Laptop (außer meinem) gesehen. Mir fiel auf: hier wird anders kommuniziert. Das Durchschnittsalter war wohl auch über 40.

Die Diskussion verlief, wie schon angemerkt, irgendwie Hölzchenstöckcheneinszweidrei-mäßig. Qualitativ war sie hoffentlich okay, das müssen die Zuhörer/-schauer beurteilen. Aber es war auffällig, dass wir vier oder fünf Diskussionen führten.

Wie kann man Kindern und Jugendlichen Politik nahe bringen? Nun, es ist schwer heutzutage. Da war man sich einig. Jugendliche interessieren sich nicht unbedingt für Politik, wenn Politik draufsteht. Dass vieles von dem, was sie interessiert, keineswegs politikfern ist, geschenkt. Boris Palmer berichtete, dass er mit seiner Verwaltung und den örtlichen Schulen aktiv versucht zu vermitteln, dass die große Politik und die kleine keineswegs irrelevant sind. Weshalb er auch selbst viel mit Klassen diskutiert - und dann viel damit zu tun hat, gegen Klischees und Vorurteile anzukämpfen.

Auch Wolfgang Gushurst versucht Politik nahe zu bringen. Das Ding ist ein Tri-Medium für den Nachwuchs, beachtet und gelobt, kritisiert und von manchen mit Naserümpfen bedacht. Denn Das Ding macht nicht zuletzt Pop - inszeniert und verpackt, packt ungeniert Inhalte an, bei denen mancher lieber einen Psychologen anrufen würde oder den Sendebetrieb einstellen. Das macht es in meinen Augen zwar ziemlich gut, aber dennoch ist es eine Gratwanderung: Wieviel “seichte Kacke” muss sein, wieviel Entertainment tut Not, produziert man auf diese Art nicht genau die Apathie, die man vorgibt nicht zu wollen? Alles nicht so einfach.

Das Fernsehen als klassisches lineares Medium ist da keineswegs immer besser bedient. Denn das muss nicht nur diese Zielgruppe beglücken, es muss alle erreichen - so zumindest der Anspruch. Dass der nicht erfüllt werden kann und wird, sei dahingestellt.

In der Diskussion ging es also um vieles - und in meinen Augen vor allem um Aufmerksamkeit? Boris Palmer meinte, dass er die 600 Leute, die ich bei Twitter erreiche, beim Gang durch die Stadt schon treffe. Stimmt irgendwie, aber irgendwie auch nicht. Habe ich nicht weiter diskutiert. Interessant fand ich die Diskussion mit dem Publikum: hier zeigte sich bei manchen eine gewisse grundlegende Technikskepsis, auch eine ausgeprägte Angst vor der Vereinnahmung des Alltags durch die Technik schien mir in manchem Redebeitrag anzuklingen. Und natürlich gibt es Auswüchse, vielleicht lebe ich manche davon ja auch selbst sehr aktiv. So wie ich vor Jahren sicherlich einmal zwei Wochen lang primär mit Railroad Tycoon verbracht habe. Ist das dadurch etwas schlimmes? Oder nur etwas anderes?

Was heißt das alles für die Politik? Mit Wolfgang Gushurst und seinen Erfahrungen weitgehend übereinstimmend ist mein Fazit, dass Politik und medial reproduzierte oder auch produzierte Politik doch viel zu oft an der Lebenswirklichkeit der jüngeren Generation vorbeigeht. Und dass das nicht nur eine Form- und Formatfrage, also eine der Verpackung sei. Sondern dass auch und gerade im Inhaltlichen die Differenzen zu beobachten seien.

Übrigens sind weder Merkel noch Steinmeier Obama. Hielten wir am Rande fest.

Nachtrag: wir diskutierten natürlich auch ein klein wenig über die armen jungen Menschen, die heutzutage von gewalthaltigen Medien nur so überschüttet werden.

Ein Kommentar bislang

Kurz notiert: FGW-Zahlen und Onlinepublikum

Die Focus-Online-Redakteurin Christina Otten zitiert ebenda Andrea Wolf von der Forschungsgruppe Wahlen


Während sich Wähler der Grünen und der FDP eifrig im Netz tummelten, sähe es bei SPD und Union noch anders aus. Hier sei die Affinität zum Netz einfach geringer – und damit auch die Wahrscheinlichkeit, darüber neue Wähler hinzuzugewinnen.

Ich weiß nicht so genau, wo diese Zahlen herkommen. Die FGW Online hat in ihren Internetstrukturdaten folgendes veröffentlicht:

Internet-Nutzer unter den Wählern von:

  • CDU/CSU: 61%
  • SPD: 68%
  • FDP: 76%
  • LNK: 65%
  • GRN: 82%

Wenn man hier Parteigrößen und die Anhängermenge gegenüberstellt, sind zwar relativ gesehen weniger als bei den kleinen, absolut aber enorme Mengen der “Volkspartei”-Anhänger online. 61 Prozent der CDU/CSU sind einfach deutlich mehr als 82 Prozent Grüne.

Noch keine Kommentare

Gedankenkompott: Besser machen

Eigentlich war es nur eine Zufallsbekanntschaft. Aber sie sagte: “You guys are rethinking a lot of things here these days.” Gemeint waren relativ abstrakt manche Menschen in der Berliner “Netzszene”. Umdenken, überdenken, neu denken, das Pferd an den Nüstern aufzäumen, das bislang irgendwie verkehrtherum schien: ja, das macht Spaß.

Die vorhandene Infrastruktur namens Internet verführt dazu, Dinge neu und anders und weiter zu denken. Das ist historisch immer so gewesen und wird sich nun nicht ändern: neue Infrastrukturen - bei den Sumerern war es die Schrift, das Römische Imperium wäre ohne die Straßen und Viadukte undenkbar gewesen, bei der Erschließung der USA durch die Siedler kam die Rolle den Eisenbahnen zu - führen zu Überarbeitungsbedarf.

Was verändert sich? Wo ist der Wunsch frommer Gedanke? Sind die Zwänge der alten Gesellschaft noch die Zwänge der neuen? Was substituiert was? Und wohin führt all dies? Gewinn, Verlust, egal? Um dem Abstrakten einen klein wenig mehr Konkretes hinzuzufügen, möchte ich nur einige der Themenfelder aufführen, bei denen das Vorhandensein der neuen Infrastrukturen das Althergebrachte in Frage stellt.

  • Transparenz
  • Privatheit
  • Eigentum, immaterielles
  • Arbeit
  • Ortsabhängigkeit/Heimat/Lebensmittelpunkt
  • Interpersonale Beziehungen
  • Bildung, Fortbildung, Weiterbildung
  • Medien
  • Erlösmodelle
  • Wohlstand/Lebensqualität
  • Bürokratie/Effizienz

Ein Beispiel: bis heute klammern sich die Vertreter der althergebrachten Medienwelt an jeden Strohhalm, der ihnen das Überleben mit dem alten Modell ermöglichen könnte. Erscheint ein neuer E-Paper/Book-Reader, ist das ganz sicher ein Thema in allen Zeitungen - denn alles ist besser als ein Computer. Dass das auch nur ein Computer ist, wenn auch einer mit gewissem Display und recht langsam, ist dabei egal. Die Vorstellung, dass entweder die Mobiltelefone oder die Notebooks das Wettrennen gewinnen werden und in ihrer Usability das E-Paper/Book vor ersten wirklich guten Implementationen abhängen wird, ist offensichtlich tabu. So wie die Menschen Ende der 90er glauben mussten, dass “Internet-via-Settop-Box” eine total geniale Erfindung sei. Denn Fernsehen hat doch jeder und wird auch immer bleiben. Dass die Entwicklung eher zum Riesen-LCD-Monitor namens Fernseher ging, an dem man genauso gut einen Computer anschließen kann, das durfte damals zwar gedacht werden. Aber hören wollte es niemand.

Viele Bereiche sind es, in denen Zukunft sehr anders ausgestaltet sein wird, als es die Gegenwart derzeit ist. Und die Fähigkeit von Organisationen und Institutionen jedweder Art anders, innovativ und alte Dinge neu zu denken wird mit darüber entscheiden, ob sie diese aktiv und positiv mitgestalten können oder irgendwann passiv hineingezwungene “Restrukturierungsmaßnahmen” einleiten müssen. Denk ich mir jetzt mal so.

2 Kommentare

Es ist bedruckend

Kai-Hinrich Renner in der WamS:

Es sind aber gerade qualitativ hochwertige, in die Tiefe gehende Informationen, die Print- von flüchtigen Online-Medien unterscheiden. Welchen Grund haben Leser, noch zur Zeitung zu greifen, wenn sie nicht mehr Qualität bietet als das Gratismedium Internet?

Dieses Gerede von den qualitativ hochwertigen Printmedien und den flüchtigen Onlinemedien, es ist und bleibt gequirlter Quark. Print ist auf dem Weg ins Nirvana, dort publiziertes verflüchtigt sich im Regelfall binnen Tagesfrist ins Versendete und dass Online alle immer auf “Schnell schnell” setzen, ist kein Fehler des Publikationsmediums sondern strukturell bedingter Kurzsichtigkeit geschuldet. Dass man diese Eigenwahrnehmung in manchem Printorgan nach wie vor findet, ist Ausdruck der Sinnkrise der bedrückten Bedruckten.

Ein Kommentar bislang

Nachher »