nicht mehr, nicht weniger.Beiträge-Feed Kommentare-Feed

Schreibwarenhandel, dritter Stock

In den USA und Großbritannien diskutiert man über bessere Datenschutzgesetze. Mein TACD-Kollege Marc Rotenberg von EPIC hat beim Economist die Argumentation für stärkere Datenschutzgesetze übernommen. Ich durfte nun einen Gastbeitrag zur Debatte beitragen, habe dabei die deutsch-europäische Perspektive vertreten.

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Der Egotainer als Alleinunterhalter 2.0

Vielleicht hab ich einfach nur keinen Humor. Oder ich bin zu arrogant, verwöhnt, kritisch. Aber ich mag die ganzen Spaß-Twitterer langsam nicht mehr. Diese Mario Barths des digitalen Alltags. Die nur und ausschließlich lustig sein wollen. Die keine Inhalte haben außer der nächsten Pointe, so mies sie auch sei. Die in ihrer Selbstbespaßung (aka Egotainment) um etwas Aufmerksamkeit heischend wirken, wie der Radiosidekick mit seinen schlechten Witzen am Morgen - weshalb ich das Radio abgeschaltet habe.

Die meisten von ihnen wirken so traurig, wie ein Alleinunterhalter auf einer Landhochzeit, ein Clown in einem Kinderzirkus. Trifft man sie dann im realen Leben, bestätigt sich das Urteil meist. Irgendwie ist es mir lieber, wenn Menschen, die auch andere Inhalte haben, auch mal einen Witz machen. Und nicht mit ihrem digitalen Alter Ego auf Fav-Jagd gehen müssen. Alles andere ist Timelineverschwendung. Aber nur für mich.

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Schlaumeiern für Schlaumeier

Stefan Niggemeier findet heute im Bildblog heraus, dass viele von Bild befragte Prominente keine Ahnung von GoogleStreetView haben. Das ist mir beim Durchklicken heute auch schon aufgefallen, und das finde ich in vielen Dimensionen durchaus schade. Aber fast noch etwas mehr bedauere ich, dass ihm dabei selbst ein paar Fehler in der Freude über die der anderen unterlaufen sind.

Die Antworten vieler Leute, die “Bild” zu Wort kommen lässt, zeigen vor allem eines: Wie wenig die Befragten über das Angebot wissen. Viele scheinen zu glauben, dass es aus Live-Aufnahmen besteht, dass Google quasi rund um die Uhr die ganze Welt überwachen lässt. Das ist nicht der Fall. Zudem werden Personen und Autokennzeichen auf den Fotos unkenntlich gemacht.

Nein, Personen werden nicht unkenntlich gemacht. Sieht man auch sehr schön an den Nachbarländern, in denen Google StreetView bereits gelauncht hat. Es werden Gesichter verwischt, nicht mehr, nicht weniger. Im Datenschutz spricht man von personenbezogenen Daten, nicht gesichtsbezogenen. Hat vielleicht einen Grund. Die Bedenken der Sonnenbadenden könnten aufgrund des restriktiven US-Jugendschutzes allerdings trotzdem unbegründet sein, ich weiß jedoch nicht ob Google “Fleischfilter” einsetzt.

Wie es Google schafft, von der öffentlichen Straße aus Dinge zu sehen, die für andere nicht einsehbar sind; ob die Firma nach Ansicht des “Bild”-Mannes spezielle Kameras hat, die durch Mauern fotografieren können, oder ob sie eigene, sagen wir: “Leser-Reporter” dafür einsetzt, bleibt offen.

Das Geheimnis liegt in der Kamerahöhe. Google - und das wird von manchen als nicht mehr von der Panoramafreiheit gedeckt angesehen - filmt eben nicht von einer normalen, ohne Hilfsmittel erreichbaren Höhe aus. In Berlin sind zum Beispiel Mauern und offene, sockelfreie Einfriedungen nur bis zur Höhe von 2 Metern weitgehend unproblematisch errichtbar. Da filmt der Laden halt einfach man drüber wech…

* Ob BildBlog sich nach Einführung eines Leistungsschutzrechts derartige ausgiebiges Zitieren noch leisten könnte, wage ich zu Bezweifeln

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Pro Netzneutralität

Heute hat eine Gruppe von Netizens aus verschiedensten Bereichen einen Aufruf für eine gesetzliche Festschreibung der Netzneutralität gestartet. Der Aufruf hat von vornherein meine Unterstützung bekommen und ich freue mich über jeden, der ihn mitzeichnet.

Ohne Netzneutralität würde zunehmend eine Priorisierung durch die Internetanbieter stattfinden, entweder von eigenen Angeboten oder von Angeboten, die es sich leisten können, den privilegierten Zugang zu erwerben. Exklusive Partnerschaften zwischen Unternehmen würden zunehmen und gleichzeitig den wichtigen Grundsatz des freien Zugangs zum Internet künstlich beschränken. Die fatale Konsequenz: Statt Qualität, Sicherheit und Kreativität diktiert das Geld, welche Angebote im Internet nutzbar sind und welche nicht. Datenpakete würden nicht länger wie heute in den überwiegenden Fällen unabhängig von Inhalt und Anwendung gleichberechtigt übertragen werden.

Der Aufruf sagt nicht exakt, wie Netzneutralität festzuschreiben ist. Aber eine Idee dafür gibt es zum Beispiel in der Resolution, die die Kollegen im Transatlantischen Verbraucherdialog (TACD) formuliert haben. Auch hieran habe ich beruflich mitgewirkt.

Heute wird in der Diskussion manches Mal so getan, als ob die Frage der Netzneutralität beim bislang nach wie vor nicht weit verbreiteten (Ausnahme Mobilnetze) IPv6-Standard schon eindeutig entschieden sei und nur “layerinterne” Netzneutralität noch möglich sei. Das sehe ich anders: selbst ein Blick in das 12 Jahre alten RFC2460 zeigt mir keinerlei Muss für den Einsatz von Flow Labels anders denn zero oder für unterschiedliche Traffic Classes. Die mir bislang beschriebenen Szenarien für ein mögliches Priorisierungsmuss zulasten anderer Inhalte musste ich leider als höchst irritierend klassifizieren.

So ist mir zum Beispiel zugetragen worden, dass fehlende Priorisierung zum Beispiel ernsthafte Auswirkungen bei telemedizinischen Anwendungen oder auch die Gefechtsinformationsübertragung über IP habe, da diese zeitkritisch seien. Abgesehen davon, dass ich keine Sekunde zögere zu glauben, dass der erste Bereich, in dem alle Header als “zeitkritisch” gemarkert würden wohl die Erotikbranche wäre, deren Kunden im Internet schon immer sehr zeitkritisch Anwendungen benötigten, dürfte auch klar sein, dass, wer an zu dünner Leitung hängend telemedizinische Anwendungen durchführt, fast schon bedingt vorsätzlich oder zumindest fahrlässig Körperverletzung betreibt.

Um mich davon zu überzeugen, dass es anders sein könnte, warte ich also auch weiterhin auf stichhaltige Argumente (dass man erst glaubt, dass Triple-Play ein attraktives Angebot sei, dann feststellt, dass man den PayTV- und Kabelanbietern zuwenig Kunden abjagen kann, das ist jedenfalls keines, was ich gelten lassen könnte).

Ja, Netzneutralität ist eine gesamtgesellschaftlich-politische Frage. Wenn nach der lustigen “Code is Law”-Formel (auch bekannt als Code is Code-Tautologie) oder hier vielmehr Standard = Law sein soll, dann sind der Standard IPv6, seine Verwendung in Next Generation Networks (NGN) und damit seine Interpretation so wie sonstiges Recht auch an den gesellschaftlichen Willen zu binden. Hierfür bedarf es einer breiten gesellschaftlichen Debatte und genau hierfür ist die Initiative Pro Netzneutralität ein Impuls an alle Beteiligten und Betroffenen: nicht hinter verschlossenen Türen, auf der offenen (Internet-)Bühne muss dieses Thema besprochen werden. Mit Providern, Nutzern, Regulierungsbehörden, Politikern, kurzum: allen. Viele behaupten, kein Interesse daran zu haben, die Netzneutralität aufzugeben. Manche argumentieren, dass der Markt es schon regeln werde. Und wieder andere fassen sich nur noch an den Kopf und fragen sich, ob man derartiges angesichts des Google/Verizon-Geschehens heute wirklich noch locker-flockig in den Raum werfen kann. Ich freue mich auf die anstehenden Diskussionen. Und dies hier ist übrigens mein ganz privates Blog, daher gibt es auch keine Meinungs-Automatismen.

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Wenn die Nachbarschaft strahlt und der Sommer locht

Es ist immer wieder erquickend, wenn es doppelte Berichterstattung im Sommerloch gibt. Zum Beispiel zum radioaktiven Fundstück unter der Stargarder Straße in Berlin.

In der Stargarder Straße, im Berliner Familienbezirk Prenzlauer Berg, strahlte es 100.000 Mal stärker, als es der Grenzwert erlaubt.

schreibt die FTD. Und weiter:

Am Montagabend sollte eine Spezialfirma mit der Bergung des radioaktiven Gegenstandes beginnen. “Es muss jedes einzelne Körnchen rund um diese Stelle untersucht werden”, sagt Rath. Bisher konnte die Strahlung durch Bleiplatten unter den üblichen Grenzwert reduziert werden.

Klingt dramatisch. Aber Frank Rieger kam dort zufällig entlang (das tut er häufiger). Und er berichtet in seinem Blog realitätsnah:

Zur Stärke der Radioaktivität meinte besagter Landesamt-Mitarbeiter: “Wenn Sie sich eine Stunde da drauf setzen bekommen sie etwa so viel ab, wie ein Arbeiter pro Jahr an seinem Arbeitsplatz abbekommen darf”. Wir reden also offenbar nicht von unmittelbaren Haarausfall.

Und die Bergung des Strahlenschrotts ist indes auch schon passiert:

Mehrere Details sind auffällig. Zum einen die offensichtlich sehr geringe Tiefe des Bergungsloches. Es ist kaum 10 Zentimeter tief und kratzt gerade so an der Kiesschicht unter der Asphalt-Decke, falls überhaupt.

Ich fühle mich in diesem Fall deutlich besser durch den Nachbarn informiert als durch die sensationsheischende “Qualitätspresse”. Einfach mal vorbeigehen, sich mit den Menschen vor Ort unterhalten und etwas weniger Distanzschreiberei, das kann offensichtlich nicht schaden. In diesem Fall: Danke Frank.

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Freitagswissenschaften


Twitterer sind die einflussreichsten Internetnutzer … hat das Unternehmen Exact Target mit der Befragung von 1500 Twitterern herausgefunden.

Gut, dass wir drüber gesprochen haben. Amerikanische Marketingunternehmen haben herausgefunden….

(Dieser Beitrag basiert auf einer presseerzeugnisverwandten Publikation und verfolgt keine gewerblichen Absichten. Dennoch könnte das zur Debatte stehende Leistungsschutzrecht für derartige Beiträge ein Problem werden.)

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Spendenkübel

Die Blumenkübelwelle von gestern ist durch (und hat Spaß gemacht, mehr dazu im englischen Blog).

Wer dem Antoniusstift nun zum Beispiel für einen neuen Blumenkübel etwas spenden mag, kann hier gerne einen Kommentar mit E-Mailadresse hinterlassen. Ich habe mir von ihnen die Kontoverbindung geben lassen und schicke diese bei Interesse gerne zu. Die Zuständigen wollen die Adresse aber nicht direkt im WWW sehen, daher dieser Weg.

Und wer dann doch lieber für etwas Internetaffineres spenden will, der kann das übrigens hier tun.

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Ausschnitt vom Arbeitsplatz

Nein, ich arbeite jetzt nicht im Supermarkt.

Wir haben heute diesen kleinen Spot veröffentlicht, den andere umgehend auf YouTube eingestellt haben und auch bei Facebook hab ich ihn schon gesehen. Was wir recht wichtig als Begleittext finden, das Video jedoch überfrachtet hätte:

Im Internet werden Nutzer oft vom mündigen zum gläsernen Verbraucher gemacht. Sie verlassen sich dabei manchmal auch auf Anbieter, die dieses Vertrauen nicht rechtfertigen. Der Spot des Projekts „Verbraucherrechte in der digitalen Welt“ des Verbraucherzentrale Bundesverbandes soll Internetnutzer darauf aufmerksam machen, dass sie viel häufiger „nackt“ dastehen, als es ihnen bewusst ist. Dabei ist klar, dass hierdurch nicht die Anbieter aus der Pflicht entlassen werden können.

Dazu bedarf es aber auch der Hilfe der Verbraucher: Wer seine Rechte kennt und sie gegenüber den Anbietern gegebenenfalls geltend macht, hilft allen Internetnutzern, künftig vielleicht doch häufiger zu Recht vertrauen zu können. Was Verbraucher für den bewussten und selbstbewussten Umgang mit dem Internet wissen sollten, fasst der Verbraucherzentrale Bundesverband auf der Webseite www.surfer-haben-rechte.de kompakt und leicht verständlich zusammen.

Es lohnt sich übrigens sehr, den Spot mehrfach zu schauen. Zum einen, um danach einen wirklich fiesen Ohrwurm zu haben. Zum anderen, weil man ihn beim zweiten Mal wirklich anders sieht.

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Internetthesen

1. Me too.

2. Das Internet ist da.

3. Viel Spaß damit.

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Bildung als Stückwerk

Gibt es etwas Uninspirierteres als die Frage, welcher Universität welche Exzellenz in welchem Bereich zuerkannt und mit Geldern gefördert wird? Ob die Modularisierung des Studiums dem Humboldtschen Bildungsideal noch nahe genug kommt? Ob Schüler besser mit fünf oder sechs oder sieben eingeschult werden, um dann zwei oder drei Jahre lang in der Schuleingangsstufe zu sitzen, nach vier oder sechs Jahren auf weiterführende Schulen geschickt werden?

Bildungsfalschparker

All dies sind Zeichen der Hilflosigkeit. Statt sich mit den wirklich relevanten Fragen zu beschäftigen, wird wie schon seit 50 Jahren an den Symptomen herumgedoktert. Nein, das deutsche Bildungssystem hat sich in weiten Teilen nicht so bewährt, wie es das hätte tun müssen, um nicht grundsätzlich in Frage zu stehen. Bildungspolitik muss zum Ziel haben, Menschen die Möglichkeit zu geben, unabhängig von ihrer Herkunft, Geburt und körperlichen Hindernissen die Ausbildungsmöglichkeiten zu eröffnen, die diese in Anspruch nehmen wollen und bei der Frage Hilfestellung zu leisten, was für den Einzelnen sinnvoll und damit eventuell auch für die Gesellschaft insgesamt später nützlich sein könnte. Diesem Ideal gerecht zu werden, das umfasst nicht nur die Hamburger Frage.

Jedes Lieschen weiß mittlerweile, dass Deutschland eine sozial hochgradig ungerechte “Bildungsrepublik” (so das von Kanzlerin Merkel ausgerufene Ziel) ist. Bildung als Schlüssel zu gesellschaftlicher Teilhabe ist faktisch privatisiert, denn das Private ist die entscheidende Determinante für den Bildungsweg. Ins falsche Elternhaus geboren zu sein, das heißt zugleich auch: schlechte Chancen haben. Das kann und darf Politik nicht dulden.

Tabula Rasa könnte hier weiterhelfen. Bildung einmal anders herum zu denken tut dringend Not. Deutschland muss in Ermangelung anderer Rohstoffe ein Vorzeigebildungsland werden. Wieviele berufliche Stationen wird ein heute geborenes Kind in seinem Leben haben? Wir wissen es nicht, aber können davon ausgehen, dass mit steigender Lebenserwartung, sich schnell verändernden Umweltbedingungen durch technischen Fortschritt wie verändernde Märkte das Modell des lebenslang ausgeübten Berufs ein für alle Mal hinfällig ist. Doch darauf ist das deutsche Bildungssystem nicht ausgelegt. Es sagt: wir bilden bis zu 20 Jahre aus, dann wird 40 Jahre gearbeitet.

Was es also braucht, ist ein viel breiterer Ansatz. Wie kann man es schaffen, dass die Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen von heute und morgen tatsächlich faire Bildungschancen bekommen? Wie müsste die Bildungsinfrastruktur aussehen, mit der man den Herausforderungen der Gegenwart und Zukunft begegnen kann? Vom Kindergarten über die Berufsschulen bis zum Seniorenstudium: Wo wollen wir mit der “Bildungsrepublik” hin, wie ist das zu leisten?

Die heutigen Strukturen können dabei nicht unter Artenschutz stehen. Bildung ist eine Gemeinwohl-Dienstleistung – wenn der Bedarf sich ändert, muss die Struktur angepasst werden. Dafür wünsche ich mir von den politischen Akteuren jede Menge Mut. Und keinen Verweis auf Bund-/Länderkompetenzen, widerstrebende Eltern, die heilige Dreigliedrigkeit oder die Unantastbarkeit der Hochschulautonomie. Wir können dabei jede Menge von den anderen Ländern auf dieser Welt lernen.

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10.000 Tweets später

Ich hab keine Ahnung mehr, warum genau ich damit angefangen habe. Es kam mir sicher interessant vor und ein recht praktisches Interface, um auf dem Laufenden zu bleiben. Damals, am 03. Mai 2007. Ich haderte zu der Zeit oft mit RSS und der Frage, wie man derartige Techniken für den Journalismus und das Veröffentlichungswesen besser nutzbar machen kann. Bis heute ist beides nicht ganz aus meinem Interessenfokus verschwunden. Aber weniger zentral. Twitter hat einen Großteil meiner aktiven Suchtätigkeit auf die Schultern anderer abgewälzt. Ich surfe definitiv weniger, verlinke dafür mehr öffentlich.

Gelitten hat dabei mein Blog. Hier kommt nur noch selten etwas. Dann, wenn ich denke, dass es mehr bedarf als einer kleinen 140-Zeichen-Nachricht. Wenn ich ohne Limit in die Tasten greifen möchte. So richtig zufrieden bin ich mit dem Angebot aus San Francisco aber trotzdem nicht: statt Listen hätte ich viel lieber eine Ignore-Funktion, eine Art Blacklist. Für Begriffe wie Justin Bieber, für #bsf, #dsds, #tatort und noch so ein paar einschlägige Interessiertmichnicht. Soll sich doch jeder drüber unterhalten, auch die Menschen, die ich sonst lesen mag. Aber das würde die Nutzbarkeit doch deutlich erhöhen.

Twitter ist im Laufe der Zeit deutlich erwachsener geworden. Der anfängliche Nerdspielplatz mit der sinngemäßen Frage “Was tust Du eigentlich hier?” wird inzwischen für ernsthafte und erbittert geführte Debatten gleichermaßen genutzt wie für die klassischen Aufregereien, sinnloses Gebrabbel und - nicht zuletzt - jede Menge Egotainment. Es ist stattdessen relativ normal geworden. Die Community ist groß geworden. Nicht jeder kennt um maximal eine Ecke jeden Twitterer in der gleichen Millionenstadt. Und das ist mit Sicherheit nichts schlechtes. Nur das mit der zentralen Plattform, der fehlende Ignorefunktion und der Frage nach dem Geschäftsmodell, das ist nach wie vor suboptimal. War es aber vor 10.000 Tweets auch schon.

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Collaboratory-Bericht zu Innovationskultur und Gesellschaft

In den vergangenen Monaten habe ich mich - soweit es der enge Zeitplan zuließ - am von Google gesponsorten und von Max Senges von Google initiierten “Collaboratory Internet & Gesellschaft” beteiligt.

In einem bunt gemischten Kreis aus Wissenschaftlern, Wirtschafts- und Interessenvertretern, Netizens und anderweitig hierfür qualifizierten Personen haben wir in einem ersten Schritt einen Fragebogen zum Thema Innovationskultur und Gesellschaft erarbeitet. Angelehnt an die “Pew Internet & Life Future of the Internet”-Studien haben wir pro Frageblock zwei Extrema ausgearbeitet, die zum Nachdenken und Stellung nehmen aufforderten. Die so entstandenen Extrempunkte wurden zur Diskussion unter per Schneeballsystem durch die Teilnehmer angeschriebene bzw. über ihre ‘normalen digitalen Kommunikationskanäle’ dazu aufgeforderten Menschen gestellt. Kernpunkt war aus meiner sicht dabei nicht, sich für eine der beiden Optionen zu entscheiden. Das hatten wir ja auch absichtlich schwer gemacht. Sondern eine Tendenz anzugeben und darüber hinaus qualitativ zu begründen, vielleicht auch die getroffene Selektion dadurch einzuschränken.

Dabei haben eine Menge Menschen mitgemacht. Daraufhin hat der Collab-Kreis die Antworten - über 500 - nach einem einfachen Muster ausgewertet: was waren die Kernpunkte oder besondere Aspekte, die die Teilnehmer benannt haben? Die Ergebnisse dieser Befragung sind jetzt nachlesbar. Sie sind nicht repräsentativ und auch was die Methodik angeht haben wir im Laufe der Zeit noch einiges dazulernen können. Aber ich find die Antworten überaus interessant. Und sie zeugen von einer Menge Verstand dort draußen. Der Kreis des Collaboratory hat wirklich schöne Diskussionen führen können - und sich von den Antworten der Teilnehmer dann auch zeigen lassen können, dass Crowds definitiv weitere Mehrwerte beibringen können.

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Leistungsschutzrecht

Es ist ja immer eine nette Idee, Ideen einfach auch anders herum zu denken: was wäre eigentlich, wenn Suchmaschinenbetreiber, PR-Meldungsverfasser, Wikipedia und alle anderen, die für die journalistische Arbeit heute Standard sind, von den Verlagen Geld für die gewerbliche Nutzung ihrer Angebote verlangen würden?

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Etwas besser surfen: Firefox-Reinstecks

Eigentlich fände ich es ja sehr schön, wenn ich etwas weniger administrativen Aufwand mit dem schlichten Betrachen von Internetseiten hätte. Aber nein, das scheint unmöglich zu sein. Daher: ich verwende derzeit Firefox mit NoScript- (wg. Diversen), BetterPrivacy- (wg. LSOs), User-Agent-Switcher (um auch mal als Googlebot rumzusurfen). Und seit gestern nutze ich dann auch noch das hier: https-everywhere, was Verbindungen bei vielen Plattformen auf Verschlüsselung erzwingt, denen meine Daten weniger wert sind denn ihre Serverlast.

Wenn Firefox dann irgendwann auch etwas weniger speicherhungrig wird, bin ich fast schon zufrieden für meinen Privatbedarf.

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Herrjeh, FAZ.net!

Es gibt da einen Menschen, mit dem ich mich eigentlich immer nur streite, wenn ich ihn treffe. Der heißt Michael Seemann, im Internet eher mspro. Zum Beispiel auf Twitter. Einmal hätte ich ihm fast behelfsweise die Hand zum Mund geführt. Ich schätze ihn manchmal, weil er sich Gedanken macht.

Er hat das jetzt leider mal vergessen, wenn ich seinen Schilderungen folge. Er hat in seinem FAZ-Blog Ctrlverlust Bilder verwendet, die er so nicht hätte verwenden dürfen (falsche CC-Lizenz). Soweit, so Alltag. Soll auch schon Printbildredakteuren passiert sein: huch, hatte man gar keinen Vertrag mit dem Knipser oder seiner Agentur. Raus damit, ab dafür: Problem erledigt, evtl. entsprechende Bildhonorare und Strafen nachliefern und nicht wieder machen.

Aber nun ist das Blog gelöscht. Pardon, gesperrt. Weil er sich der Redaktion widersetzt habe, schreibt Michael Seemann. Er hat wohl ohne Rückfrage nach erfolgter Bildentfernung sein Blogposting wiederveröffentlicht.

Ich staune. Er hat bei FAZ.net gebloggt, gegen Geld. Seine Beiträge waren verschwurbelt. Inhaltlich für mich nicht zutreffend. Aber nie im Leben hätte ich gedacht, dass es eine Redaktion gibt, die meint, bei diesem Blog entscheiden zu müssen, was da erscheint. FAZ.net macht sich gerade lächerlich - und zeigt mir zugleich, dass nicht alle Angestellten der Marke, hinter der so viele kluge Köpfe stecken sollen, diesem Anspruch wirklich gerecht werden. Der Verlust von Ctrlverlust ist verschmerzbar. Das offenbar geworden schlechte Minikrisenmanagement bei FAZ.net jedoch nicht. Kann es sein, dass man diese per Order von ganz oben zu ihren bezahlten Blogs gekommenen am Main eigentlich gar nicht so gerne haben wollte? Und nur nach einem Grund gesucht hat? Nein? Dann ist ja alles gut. Dann kann das Blog ja wieder online gehen. Und die anderen. Und FAZ.net sich zu den Vorkommnissen äußern.

Diesen Beitrag kann ich dann auch einfach wieder löschen. Kann.

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“Als Bundespräsident darf man zuweilen ja gar nicht so sprechen, wie man zitieren kann.”

Horst Köhler ist am Montag zurückgetreten. Die Begründung klingt schief:

Die Kritik geht aber so weit, mir zu unterstellen, ich befürwortete Einsätze der Bundeswehr, die vom Grundgesetz nicht gedeckt wären. Diese Kritik entbehrt jeder Rechtfertigung. Sie lässt den notwendigen Respekt für mein Amt vermissen.

Horst Köhler konnte nie sonderlich gut mit den Medien, er konnte auch nicht gut mit der Politik. Er wollte gut mit dem Bürger können. Köhler, der Volkspräsident, das war offenbar seine Idee. Nun hat er hingeschmissen, aufgrund einer relativen Kleinigkeit: er fühlte sich zu Unrecht angegriffen. Genauer: das Amt, in dem er sich vielleicht nicht so recht fand. Aber war er ein schlechter Präsident?

Ich habe selten so laut lachen müssen wie beim Nachlesen seiner in den Medien kaum berichteten Gratulationsrede zum 60. Geburtstag der Bundespressekonferenz. Damals las er den versammelten Hauptstadtjournalisten die Leviten, und was taten diese: sie schwiegen es weitgehend tot.

Als Werner Gößling mich vor einem halben Jahr für den heutigen Abend einlud, habe ich mich gewundert: Warum will sich die Bundespressekonferenz zu ihrem 60. Geburtstag ausgerechnet von dem einen Bundespolitiker gratulieren lassen, der von Amts wegen am wenigsten mit ihr zu tun hat?

Aber dann fiel mein Blick auf den Kalender. Schon richtig: Ihre Stammkundschaft ist in diesen Tagen anderweitig beschäftigt. Der Vorstand hat in weiser Vorausschau eingeladen; ich bin gern gekommen, herzlichen Glückwunsch.

Übersetzung: sie interessieren sich normalerweise nicht für mich, jetzt haben Sie mich aus Verlegenheit eingeladen, ich werde die Gelegenheit nutzen. In der gesamten Rede hielt Köhler den Journalisten ihre Unzulänglichkeiten, ihre zu große Nähe zum Politikbetrieb, ihre Oberflächlichkeit, ihren mangelnden Sachverstand und ihre zu große Leserdistanz vor.

Hier geht es gar nicht um Verheißung; hier geht es schlicht um Selbstbestimmung. Und die beginnt mit der Erkenntnis, dass man seinem eigenen Denken die Durchdringung von Tatsachen selbst dann zumuten sollte, wenn sie einem unangenehm sind. Das ist gerade für Anhänger gefestigter Weltanschauung mitunter eine Herausforderung, aber Journalisten sollten sich ihr nicht entziehen. Was soll man davon halten, wenn viele von Ihnen gern ein Urteil über die Dienstwagennutzung der Gesundheitsministerin zum Besten geben, aber die wenigsten ein kompetentes Urteil über die Gesundheitspolitik der Ministerin abgeben können?

Wie sollte man dem widersprechen? Es gibt viele im “Kommentariat” (wie es das Wissenschaftszentrum Berlin einst nannte), die durch Netzwerke, Selbstgefälligkeit und starke, schnelle Urteile auf das Nachspüren, das Forschen, das Suchen und vor allem auch das Auskennen verzichten zu können glauben. Und es gibt Verleger, denen das auch egal ist - denn starke Meinung ist nicht weniger quoten- und auflagenträchtig als gute Recherche.

Nun ist es natürlich eine ganz besondere Ironie der Geschichte, dass Köhler nun gerade darüber stolperte, dass ausnahmsweise einer die richtige Frage stellte. Und jemand anderes genauer zuhörte. Dass er beim Wort genommen wurde - dass er als Bundespräsident nicht hätte sagen dürfen, was er vielleicht zitieren hätte können.

Haltung haben. Es ist ein ziemlich altes Wort. Aber ich finde, es könnte mal wieder in Mode kommen. Genau wie ein anderes, viel schlichteres Wort: Ahnung haben. Zusammen sind sie stark, meine ich.

Haltung und Ahnung, das wünsche ich mir von einem neuen Bundespräsidenten. Von Abgeordneten, Ministern, Staatssekretären, Journalisten, eigentlich von jedem. Und dazu gehört dann auch, klar die Karten auf den Tisch zu legen: die Amtszeit von Horst Köhler war insgesamt keine gute. Er war offensichtlich schlecht beraten, im Bundespräsidialamt sind dem Vernehmen nach oft Mitarbeiter gekommen und gegangen, der Umgangston soll nach Johannes Rau wesentlich rauer geworden sein. Köhlers Abgang war das Versagen einer kompletten Institution, die als Unterbau eines Verfassungsorgans fungiert. Niemand kann von einem Bundespräsidenten erwarten, dass er perfekt ist. Aber man kann vom Bundespräsidialamt erwarten, dass es ihm beratend zur Seite steht, um Perfektion zu erreichen. Darauf haben die Bürger einen Anspruch. Nur leider war auch über Schwierigkeiten im Schloss Bellevue in den letzten Jahren durch die deutsche Hauptstadtpresse fast nichts zu erfahren. Es war ja auch einfacher, über den traurigen Horst zu berichten.

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Ein bisschen besser als Flattr?

Vor etwa einem Jahr saß ich in meiner Küche, skizzierte eine Plattform für eine konvertible Aufmerksamkeitswährung. Kurz vorher hatte ich aufgehört, an einer Idee für ein Berlin-Onlinemagazin zu arbeiten. Der Grund war: die ökonomischen Rahmenbedingungen bieten momentan nicht das, was mir eine Umsetzung erlauben würde - erst recht nicht auf eine Art, die einen mir passenden Weg ermöglicht hätte. Ich wollte keine Abo-Modelle, keine eingemauerten Bezahlinhalte, nicht Anzeigen als Inhalt verkaufen müssen oder ähnliches. Daher war der erste Schritt, mir ein paar Gedanken über eine Verbesserung der Infrastruktur zu machen.

Die ersten Gedanken waren etwa das hier: normalerweise bezahlen wir im Netz mit unserer Aufmerksamkeit. Aber Aufmerksamkeit selbst hilft nicht beim Zahlen der Miete, nicht einmal für das Essen. Selbst in schwerst Link-Empfehlungs-basierenden Onlineumgebungen wie Twitter oder Facebook sind die meisten damit glücklich, dass sie etwas ‘kostenlos’ bekommen, sagen aber zugleich auch gern, dass die für manches bezahlen würden wenn es einen einfachen Weg dafür geben würde.

Ich hab einige Jahre als Journalist gearbeitet. Meine schwierigste Geschichte musste ich auf einem Blog veröffentlichen und hab keinen einzigen Cent mit ihr verdient, meine üblichen Abnehmer hatten kalte Füße bekommen. Sie spülte innerhalb einer Woche im Jahr 2006 durch reine Mund-zu-Mund-Hinweise 30.000 Unique Visitors herein. Es muss also einen Weg geben, all jenen, die wirklich etwas für ihre Nutzer, Leser, Hörer tun, eine einfache Möglichkeit zu geben um etwas Geld zu erhalten. Und gleichermaßen noch denen eine mitzugeben, die bis heute nichts vom Netz verstehen.

Um die Sache abzukürzen: Ich dachte an eine Plattform bei der:

1. die Nutzer sich mit E-Mailadresse und entweder Kreditkartendaten oder Bankverbindung für Lastschrifteinzug registrieren können.
2. die Anbieter sich für Ihren Teil des Kuchens registrieren können.
3. Anbieter sich dafür registrieren können, nicht in Anspruch genommenes Geld zu bekommen (Erklärung folgt gleich)

You may call me Scribbleangelo now. Well. Not. on Twitpic

Für die Nutzer wäre das System einfach: man sieht im Netz etwas, was einem gefällt. Man entscheidet: das ist etwas, für dass ich einen bestimmten Betrag zu zahlen bereit wäre. Vielleicht fünf Cent, vielleicht einen Euro, vielleicht zehn. Mehr als 20 sollte pro Seite nicht möglich sein, um Betrug vorzubeugen. Es ist also mehr oder weniger wie Bookmarks mit einer Zahl.

Am Ende des Monats erhält man eine Mail mit den Details zu den Zahlungen und der Möglichkeit, die Beträge zu ändern oder auch wieder abzusagen (vielleicht hat man ja zwischenzeitlich rausgefunden, dass der Blogger, dem man etwas zukommen lassen wollte, Millionär ist und das Geld besser woanders hingehen sollte).
Man entscheidet also, wieviel man zahlt, wer das Geld bekommen sollte und sie liefern eine bestimmte Webadresse an die Datenbank.

Für Inhalteanbieter muss das System ungleich komplexer sein: man kann den Besitz seiner Inhalte mit einem dem Technorati-Verfahren ähnlichen Mechanismus anzeigen - man registriert sich, dann erhält man ein personalisiertes Bildchen und legt das auf seinem Server im höchsten Verzeichnis ab, für das man verantwortlich ist. Dann klickt man auf: meins. Danach werden alle Inhalte unterhalb dieses Verzeichnisses als zu diesem Nutzer gehörig behandelt und alles Geld, was dafür gegeben werden soll, soll bei dem Nutzer ankommen (außer wenn jemand anderes ein Unterverzeichnis als Eigentümer markiert).

Alles Geld von den Nutzern wird dabei von einer Stiftung gesammelt. Ihr einziges Ziel: das Geld wieder loswerden. Entweder dadurch, dass es an die registrierten Eigentümer übersandt wird, oder (wenn keiner es will) auf einem zweiten Weg - eine Art Kuratorium mit reputierten Personen sollte entscheiden, was mit eingegangenem Geld passiert, beispielsweise durch Stipendien für Journalismus, für Kunst oder um auf anderem Wege denen zu helfen, die für die Netzöffentlichkeit produzieren. Nur die Verwaltungskosten der Stiftung sollten durch etwas von dem nicht in Anspruch genommenen Geld gedeckt werden.

Nun gibt es Flattr und Kachingle. Anfang des Jahres habe ich Peter Sunde versucht zu kontaktieren, der hat nicht reagiert. Da ich denke, dass es keinen Platz für einen weiteren Mitbewerber in dem Markt gibt und mir die Zeit fehlt, das an den Start zu bringen, habe ich beschlosen das nun abzuschließen und meine Gedanken und Ideen einfach zu veröffentlichen. Wem es gefällt, der sollte anderen davon erzählen und sie vielleicht ein bisschen in die Richtung drücken, von der ich dachte, dass es die Richtige wäre.

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Augenblick, verzeile doch.

Hier gewesen, dort gewesen,
Hintergrundpapier gelesen.
Eins für dieses, eins für das
und ein weiteres zum Spaß
an der Sache und den Themen
und den wirklichen Problemen.

Alter kommt und lehrt die Ruhe,
die Erfahrung - und die Schuhe
ob sie groß sind oder klein
anprobiert wollen sie sein.

In so mancher der Sekunden
möchte ich, ganz unumwunden,
einfach den Moment genießen,
ein paar Zeilen lang verweilen,
bis die nächsten Zeilen sprießen.

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Anstrengend, aber schön: Wenn sich die Timeline materialisiert

Zum Abschluss der re:publica 2010 habe ich am Freitag ein Experiment gewagt: Wenn man im Keller anfängt, sich durch den Hof und dann den Innenraum durch bis zur Theke höflich von all jenen verabschiedet, die einem in den letzten Tagen gute Diskussionen, gute Unterhaltung oder schlicht gute Laune bereiten konnten, dann benötigt man wie lang…? Das Ergebnis lautet: etwa zwei Stunden.

Die re:publica ist ein wunderbarer Kongress für mich. Ich war jedes Mal dort, selbst wenn ich zwischendurch den Job gewechselt habe, und jedes Mal habe ich dort viele Menschen getroffen, bei denen es sich lohnte, zuzuhören, sich mit ihnen zu streiten oder auch zu einigen. Dort gibt es ein ganz hervorragendes Gefühl: nicht bei Adam und Eva anfangen zu müssen. Hier muss man niemandem erklären, warum Twitter faszinierend ist. Auch wenn längst nicht alle der Anwesenden es nutzen. Was ein Trackback ist. Auch wenn längst nicht alle Besucher aktive Blogger sind. Dass nicht alles, was man im Netz macht, auch einen direkten ROI haben muss. Hier ist kaum einer, der glaubt, dass das mit dem Internet auch wieder vorbeigehen würde.

Ein für mich sehr schönes Beispiel war mein eigener kleiner Vortrag zum Thema “Ihre Daten für unsere Zukunft? - Verbraucherschutz in der digitalen Welt”, in dem ich vorgestellt habe, warum Verbraucherschutz auch im Internet eine wichtige Rolle spielen muss. Dort saß auch die Anbieterseite, namentlich Vertreter von Google, den VZ-Netzwerken und Qype und diskutierte eifrig mit, zum Beispiel zum Thema Datenschutz. Wenn ich mir vorstelle, wie diese Diskussion an anderen Orten ausgesehen hätte, bin ich froh, sie dort geführt zu haben.

Was wäre so ein Kongress wie die RP10 ohne ihre gefühlt Abermillionen kleinen Gespräche? Wahrscheinlich nichts. Ich hatte häufig meine Schwierigkeiten, geplante Programmpunkte und die guten Gespräche unter einen Hut zu bringen und werde versuchen, mir noch einiges im Nachhinein anzuschauen.

Viele der Themen waren ernsthaft - zum Beispiel die Vorträge von Evgeny Morozov oder Peter Kruse, aber auch der ganze Netzneutralitätstrack mit verschieden gut besuchten Vorträgen und Diskussionen. Manche Veranstaltungen gingen leider etwas unter. So war die Idee, die Best of Blogs-Awards der Deutschen Welle in die re:publica einzubinden, eine wirklich gute. Sie hätten deutlich mehr Aufmerksamkeit und Hinweise auf sie, aber auch weniger Hetze in der Darbietung vertragen: die Gewinnerblogs wurden kaum vorgestellt, was ihnen mit Sicherheit nicht gerecht wurde. Dabei steckten dort wirklich tolle Sachen drin. Und auch in den kurzen Reden gingen einige bemerkenswerte Punkte viel zu sehr unter: Syeda Gulshan Ferdous Jana aus Bangladesch erwähnte in ihrer Rede zum Beispiel ganz nebenbei, dass von 150 Millionen Einwohnern nur 1,5 Millionen einen Festnetzanschluss hätten - aber 55 Millionen einen Mobilfunkvertrag, weshalb man den Schritt stationäres Internet in der Entwicklung wohl einfach überspringen würde. Und die Iranerin Farnaz Saifi berichtete von den Schwierigkeiten im Iran, nicht zuletzt deshalb, weil westliche Firmen das Zensur-Equipment liefern. Dazu gehört nach ihrer Aussage auch der republica-Sponsor Nokia. Das ist relevant.
Dass der von mir geschätzte Ilja Kabanow aus Nowosibirsk für metkere.com den BOB für das beste russischsprachige Blog erhalten hat, hat mich übrigens sehr gefreut.

Was bleibt also? Ich für meinen Teil freue mich auf jeden Fall sehr auf die nächste Veranstaltung. Viele der in diesem Jahr angefangenen Gespräche werden spätestens dort eine Fortsetzung finden, bei manchen Themen werden wir alle etwas schlauer sein als heute. Wenn sich die Timeline dann im April 2011 wieder materialisiert. Und man am Ende wieder das Gefühl hat, längst nicht mit allen gesprochen zu haben, mit denen man gerne hätte sprechen wollen. Warum so ein Kongress viel besser ist als Chatroulette, haben wir ja auch alle schön demonstriert bekommen.

Das am Anfang erwähnte Experiment endete übrigens abrupt. Dort stellte mir jemand noch jemand neuen vor, ich hatte ein neues Getränk in der Hand und habe den Forschungsdrang aufgrund vorliegender Ergebnisse für beendet erklärt. War noch ein sehr interessantes Gespräch.

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Vorab zur Enquete

Nun wir es also zu “Internet und digitale Gesellschaft” eine Enquete-Kommission geben. Das heißt auf Deutsch eigentlich etwa soviel wie Untersuchungskommission. Sie soll also etwas untersuchen, etwas herausfinden.

Herausfinden soll sie laut Antrag eine ganze Menge, das ist normal für Enquete-Kommissionen. Nun ist herausfinden in Ausschüssen aber so eine Sache. Und die beginnt schon mit dem hereinfinden. Für eine Enquete benennen die verschiedenen Fraktion jeweils Sachverständige, in der Regel solche, die ihnen politisch nahestehen. Jede Fraktion entsendet soviel Sachverständige, wie sie selbst auch Parlamentarier entsenden darf. Das richtet sich nach ihrer Größe im Bundestag. Für die Enquete-Kommission Internet und digitale Gesellschaft sind das also 2×6 CDU/CSU, 2×4 SPD, 2×3 FDP, 2×2 Grüne, 2×2 Linkspartei.

Doch was macht so eine Enquete eigentlich? Es gibt einen zugrundeliegenden Antrag. In diesem Antrag wird festgeschrieben, was die Enquete untersuchen soll. Normal auch, dass manche der Arbeitsaufträge politische Färbungen haben. Nun muss sich die Gruppe aus Sachverständigen und Parlamentariern in ihren ersten Sitzungen darauf einigen, was wann wie behandelt wird. Eine Enquete-Kommission darf nämlich ganz schön vieles tun, zum Beispiel öffentliche und nichtöffentliche Anhörungen weiterer Sachverständiger durchführen, Studien in Auftrag geben und so weiter. Sie soll einen Zwischen- und einen Abschlussbericht vorlegen, mit dem dann viel oder auch gar nichts passieren kann. Eine Enquete ist in erster Linie viel Arbeit, in zweiter Linie Öffentlichkeit für wichtige Themen und in dritter Linie unter Umständen auch eine politische Zwischenlagerstätte für politisch schwer zu lösende Probleme.

Man muss und kann sich fragen, wie das alles bei einem Gegenstand wie “Internet und digitale Gesellschaft” aussehen soll. Auch deshalb, weil viele der berufenen Sachverständigen eben nicht die “Aktenfresser” sind, die in einer Enquete gebraucht werden. Ich würde allen zwar Sachverstand aus ihrer Perspektive zutrauen, aber oft nur auf sehr begrenztem Feld. Es ist an manchen Stellen eher ein auf “Prominente Widersacher” denn ein auf Verständigung in der Sache ausgelegtes Gremium geworden. Natürlich ist das einerseits gut. Denn Streit kann bei vielen dieser Themen nicht schaden, Streiten kann bei vielen Argumentationen eigentlich nur weiterhelfen. An anderer Stelle kann Streit aber auch inszeniert werden, um gewisse Dinge entweder dauerhaft in der Enquete zu halten — oder sie aus der Enquete herauszuhalten. Das alles wird sehr spannend.

Ich bin insbesondere gespannt, ob es eine Blockbildung geben wird - und wenn ja, nach welchen Kriterien. So lagen in der Vergangenheit FDP und CDU bei vielen internetpolitischen Themen weiter auseinander als SPD und CDU. Und zugleich stellt sich die Frage, wie sich die “Netizen”-Vertreter in der Enquete, die Wirtschaftsvertreter und die Wissenschaftler zueinander verhalten werden.

Für die Themen hoffe ich, dass es keine Blöcke geben wird, dass die Enquete nicht zur Entsorgung unliebsamer, drängender politischer Probleme missbraucht wird, dass sie sich in ihrer Gesamtheit so stolz und wichtig wahrnimmt, wie es die Digitalisierung als Herausforderung und Chance für die Gesellschaft selbst in sich birgt, dass es kein reines politisches Zänkelgeplänkel wird. Dann wäre es schade um Zeit, Aufwand und sogar um das relativ wenige Geld, das so eine Enquete kostet. Das alles wird noch herauszufinden sein. Entweder durch die Enquete selbst, oder durch ihre Begleitung in Internet und vielleicht auch Medien.

Hoffen wir, dass die Enquete besser weitergeht, als sie gestartet ist - mit parteipolitischen Scharmützeln um den Antrag, um Inhalte desselben, einer sich sperrenden Bundestagsverwaltung wenn es um bessere Beteiligung der Bürger an der Enquete geht… Noch deutet vieles darauf hin, dass die Enquete unter dem gleichen Stern steht, wie die Internetpolitik in Deutschland bislang: leichter Verdacht auf Zahn-, Kopf- und Ziellosigkeit. Aber vielleicht kokettiert man damit ja auch nur, frei nach Wiefelspütz Trallafitti. Komplette Ahnungslosigkeit darf man nämlich dankenswerterweise mittlerweile bei vielen der Beteiligten ausschließen. Und allein das ist schon viel Wert - eine Enquete zum gleichen Thema hätte in der letzten Legislaturperiode ziemlich sicher einem Gruselkabinett geglichen.

(Disclaimer: ich kenne einige der Personen in der Enquete und bin beruflich mit einigen der dort behandelten Themen mehr oder weniger stark in Kontakt.)

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Kleine Faustregel für Journalisten

Journalisten sind und müssen ja immer auf der Suche nach dem nächsten heißen Eis sein. Aber dabei gibt es, speziell bei Internetthemen, etwas zu beachten: die Nutzerzahl hat ein natürliches Grundrauschen. Das bedeutet, dass es eine gewisse Gruppe Menschen gibt, die sich aus großer, oft auch beruflich bedingter Neugierde bei jedem neuen Spielzeug anmelden.
Wenn ein neuer Social Media Service ’schon mehrere Tausend’ Mitglieder hat, dann kann man fest damit rechnen, dass darunter 30 Prozent Technikspielkinder, 40 Prozent Social Media Consultants und 30 Prozent andere Journalisten sind. Und das heißt wiederum, dass das keine erfolgreiche Plattform ist.

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Nachlese Politcamp: Nackenstarre-Rollen

Wenn man mit wenig Erwartung und noch weniger Schlaf in eine Veranstaltung geht, dann kann man nicht sonderlich enttäuscht sein. Bin ich auch nicht. Samstag und Sonntag diskutierten mehrere Hundert Teilnehmer, einige von ihnen Politiker, Mitarbeiter ebensolcher, Lobbyisten, eher wenige Agenturmitarbeiter (da kein großes Wahljahr?), Netizens, Interessierte. Wobei das mit dem Diskutieren so nicht ganz stimmt…

Am Samstag bin ich in einige Veranstaltungen hinein - und aus den meisten auch schnell wieder herausgegangen. Es ist kein Konzept, “Namen” einzuladen. Namen allein machen keine gute Diskussion. Was eine gute Diskussion ergibt, das sind eine gute Moderation, gute Diskutanten (die etwas zu sagen haben und etwas sagen dürfen). Und damit ist auch die Form gemeint: das Politcamp war kein Barcamp, sondern eine Art “frei floatende Konferenz”. Das muss nicht schlecht sein, war aber teils einfach nicht gut gelungen. Klassische Konferenzformate wie Podiumsdiskussionen stellen gewisse Ansprüche an die Akteure. Um die Konfrontation der vergangenen Jahre etwas zu verringern, wäre es oft sinnvoll gewesen, eben keine Konfrontal-Formate zu nutzen. Sondern aufzubrechen. Was aber leider nur wenig stattfand. Schade.

Nico Lumma schrieb nebenan unter anderem etwas, dem ich nur zustimmen kann:

Das Führen einer derartigen Debatte ist zwingend notwendig, aber das passiert nicht, indem wir fröhlich vor uns her twittern und bloggen, auf einige Camps gehen und uns dort immer wieder bestätigen, daß wir alle Recht haben und die anderen nicht.

Mich hat darüber hinaus das Nackenstarre-Phänomen durch die sehr dominante Twitterwall gestört, auch das an amerikanische Konferenzen erinnernde Claqueur-Verhalten bestimmter Teilnehmergruppen. Und ich fand es vor allem sehr schade, dass die Frontalsituation politischen Vertretern den notwendigen Rahmen gab, in dem sie Fragen ausweichen konnten. Den Rahmen, in dem sie sich sicher wohler fühlten, als viele der Teilnehmer. Der Politik eine Heimat geben, das muss auf einer Konferenz die aus dem Netz kommen will nicht notwendig. Sie ist Gegenstand, und ihre Anwesenheit ist so erwünscht wie hilfreich. Aber sie war eigentlich “beim Internet zu Gast”.

Für mich war das Politcamp - wie so viele Konferenzen - also vor allem abseits der großen Diskussionen spannend. Gute Gespräche geführt, nette Leute wiedergetroffen oder kennengelernt, eigentlich eine ganz nette Zeit gehabt. Aber wieder einmal gesehen, dass ein beiderseitig vorhandenes Interesse an Diskussion auf Bühnen und auf Twitter gleichermaßen zu populistischen Verknappungen, Demonstration von Ahnungslosigkeit, der Flucht in den Gemeinplatz und zu Missmut führen kann. Ich sage: jederzeit gerne anders wieder. Aber anders ist wichtig.

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Politcamp: Miteinander statt übereinander reden

Freunde der Internetpolitik, ich würde gerne dem Politcamp am Sonntag noch eine Session hinzufügen, zu der ich alle einladen möchte, die sich für Internetpolitik (also nicht ‘Politik im Internet verkaufen’ sondern ‘Politik mit dem und für das Netz’) interessieren.
Das soll eine kleine Gesprächsrunde sein, je nach Wetter drinnen oder draussen,, in der Politikbetriebvertreter sagen können, was sie sich von den Netizen wünschen und vice versa - und auch, wie das funktionieren kann. Wer Lust darauf hat, kann mir das kurz auf Twitter (@flueke) sagen oder hier einen Kommentar hinterlassen.

Das ist dann mal meine Reaktion auf den ersten Tag. Weiterverbreiten der Idee erwünscht.

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Sechs steile Thesen - sechs Antwortversuche

Mathias Richel hat “sechs steile Thesen zum Onlinewahlkampf 2009″ gebloggt. Ich find sie nicht sonderlich steil, aber es wichtig, sich mit ihnen zu beschäftigen.

Erstens:
Onlinewahlkampf funktioniert nicht, weil es keinen Onlinewahlkampf gibt.

Bezogen auf 2009 würde ich dem zustimmen und widersprechen. Ich habe mich noch im Frühjahr 2009 auf einer Veranstaltung von klassischen PR-Agentur-Mitarbeitern und ähnlichen dafür ausbuhen lassen dürfen, als ich gesagt habe, dass wer Onlinewahlkampf ohne Onlinethemen durchführt, scheitern muss. Ein paar Monate später hab ich Recht behalten.
Allerdings hat Onlinewahlkampf stattgefunden, nicht zu knapp - nur: gegen das Netz bzw. dann im Netz gegen die Wahlkämpfer. CDU, CSU und SPD haben sich mit dem Zugangserschwerungsgesetz der Möglichkeit zu einem echten Onlinewahlkampf beraubt, die Grünen haben es nicht geschafft, ihr Abstimmungsverhalten dabei so zu erklären, dass man ihnen glauben würde, dass sie sich vorher angemessen intensiv (aus Netizenperspektive) mit der Thematik auseinandergesetzt zu haben, und auch die FDP hat ihre argumentativen Probleme mit der klaren Koalitionsaussage zugunsten des damaligen netzpolitischen NoGos CDU gehabt - außerdem ein Glaubwürdigkeitsproblem, sobald es um die Frage geht, ob ihre manchesmal netzaffine zweite Reihe letztendlich politisch durchsetzungsfähig ist. Wer das Netz politisch nicht versteht, kann im Netz auch nicht erfolgreich sein.

Denn zweitens:
Eine gute Onlinepräsenz dient vor allem der Aktivierung der eigenen Anhänger und weniger der Überzeugung von Wählern.

Die Onlinepräsenz ist die Parteizentrale, das lokale Abgeordnetenbüro. Preaching to the converted funktioniert hier, will aber gut gemacht sein. Freiwillig dahin verlaufen ist für politisch Unentschlossene fast ausgeschlossen.

Weil drittens:
1000 Tweets nicht ein einziges Gespräch mit dem Bürger am Wahlstand oder den Eindruck auf Veranstaltungen ersetzen können.

Widerspruch. Viele Gespräche an Wahlständen sind Zeitverschwendung. Wer jedoch auf entsprechenden Plattformen sein Profil zu schärfen weiß, weil er intelligenten Diskurs mit dem Gegner, mit Informationen zum aktuellen Geschehen und eigenen Aktivitäten zu verbinden weiß, weil er zeigt, dass er eben nicht “die da oben” ist - der kann gewinnen.

Aber viertens:
Ein Tweet reicht, um zu verlieren, genau wie schlechte Politik.

Auch Tweets können sich versenden - nur ist ihre ewig währende Dokumentation potenziell, gerade auf längere Sicht, ein Fundus für Angriffe.

Deshalb fünftens:
Sollten Parteien zuerst das meist unterschätzte Tool des Internets nutzen: Das permanente Zuhören, bevor sie am meist überschätzten Tool des Internets scheitern: Dem permanenten Dialog.

D’accord. Permanent Campaigning ist kein neues Wort, das Internet ist das beste Mittel dazu.

Darum gilt sechstens:
Zum Zuhören brauchen die Parteien eine dauerhafte, kampagnenunabhängige Internetpräsenz, über die sie zuerst glaubhaft und transparent informieren und dann endlich echte Diskussionen und offene Gespräche zulassen.

Da letztenendes nicht die Parteien, sondern ihre Mandatsträger für die Umsetzung politischen Willens in Gesetze zuständig sind, ist es wichtig, deren Aktivitäten entsprechend abzubilden und sie einzubeziehen. Eine Partei ist ein politisches Vehikel zur Koordination und Aufgabenteilung, so wie ein Flugzeug primär der schnellen Zielerreichung und dem Transport dient und nicht in erster Linie für Luftfahrtingenieure gebaut ist.

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Verlagerung von Internetkriminalität?

“Bei schwerer Kriminalität, die im Internet stattfindet, entsteht aber wirklich eine Sicherheitslücke. Wenn sich das herumspricht, dann wird Internetkriminalität nach Deutschland verlagert.”

sagt Bundesinnenminister Thomas de Maiziére im Interview mit der FAZ zum Urteil des Bundesverfassungsgerichts zur Vorratsdatenspeicherung.

Da ich de Maiziére bislang als sehr besonnenen Politiker wahrgenommen habe, möchte ich einfach nur darauf hinweisen, dass ich ganz persönlich das für schlicht falsch halte und diese Äußerung ungern zur Kenntnis genommen habe, da sie mich an die Angstpolitik seines Vorgängers ungut erinnert. Sicherheitspolitik muss mit sinnvollem Augenmaß betrieben werden, damit sie nicht zu teurer Symbolpolitik verkommt, die als Kollateralschaden die Freiheit dahinrafft, die zu schützen sie als Aufgabe hat.

Zur Faktenlage: Die Vorratsdatenspeicherung speichert Verbindungen bei Internetprovidern und Mobilfunkverbindungen. Sie ist ein europäischer Sonderweg und auch hier längst nicht überall umgesetzt. Innerhalb der Bundesrepublik funktioniert die Strafverfolgung meist, auch die Judikative tut ihre Arbeit. Ein Ende der Vorratsdatenspeicherung ist für keinen Täter auf der Welt ein verstärkter Anreiz, seine Taten auf dem Grund und Boden der Bundesrepublik Deutschland zu verüben - auch ohne dieses Instrument ist die Gefahr einer effizienten Strafverfolgung für Kriminelle hierzulande zu hoch.

Es entsteht also folgerichtig eben keine Sicherheitslücke und schon gar kein Bedarf, nun übereilt tätig zu werden. Stattdessen muss es eine neue politische Diskussion, möglichst auf europäischer Ebene geben - denn natürlich ist es wünschenswert, wenn mindestens der deutsche Grundrechtsschutz auch den anderen Bürgern Europas bei diesem wichtigen Thema zugestanden wird. Dafür erwarte ich Herrn de Maiziéres Einsatz in Europa.

(Wie bei vielen politischen Themen weise ich noch einmal darauf hin: dies hier ist mein privates Weblog.)

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Bundestägliche Randnotiz

Der Wissenschaftliche Dienst des Deutschen Bundestags veröffentlich immer wieder kleine Begriffserläuterung, heute zum Thema Netzneutralität. Das ist inhaltlich eine andere Baustelle, die ich hier erst einmal nicht anfassen werde. Was mir aber im Dokument auffällt, ist eine Fußnote:

Antrag der Fraktionen CDU/CSU und FDP Einsetzung einer Enquete-Kommission „Internet und digitale Gesellschaft“, Entwurf –
Stand: 13. Januar 2010, abrufbar unter http://www.carta.info/docs/EnqueteAntrag.pdf.

Mooooment. Der Wissenschaftliche Dienst verlinkt in seiner Aufarbeitung auf ein Parlamentsdokument (damals noch ohne Dokumentennummer), das in einem Blog ‘geleakt’ wurde?

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Bürogrinsen

Während ich den Livestream zur Einsetzung einer Enquete-Kommission “Internet und Gesellschaft” schaue, habe ich gerade überlegt, wie vor fünf Jahren, aber oft auch noch vor einem Jahr über Netzpolitik gesprochen wurde. Heute reden Abgeordnete über Twitterfeeds, Datenschutz, Netzneutralität, Cloud Computing und vieles mehr. Nun denn, da hat sich schon etwas bewegt, hoffentlich nicht nur beim Buzzwordbingo.

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D’accord, Herr Prantl

.. ist die anlasslose Speicherung von Telekommunikationsverkehrsdaten geeignet, ein diffus bedrohliches Gefühl des Beobachtetseins hervorzurufen, das eine unbefangene Wahrnehmung der Grundrechte in vielen Bereichen beeinträchtigen kann.

Soweit die Richter in Karlsruhe.

Wenn die Totalspeicherung der Telekommunikationsdaten auf Vorrat so gefährlich ist, wie es die Verfassungsrichter beschrieben haben - und sie haben recht mit dieser Beschreibung - dann dürfen sie es bei bloßen Warnungen nicht mehr belassen.

Heribert Prantl in der Süddeutschen Zeitung

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Die über das Internet schreiben

Das Internet macht dies, das Internet macht das, ist gut für dieses, schlecht für jenes, es kann uns alle ändern (oder auch nicht), es wird uns alle fressen (oder auskotzen), es macht alles zu schnell (und zu langsam, weil zersplittert), es bietet keine guten Informationen (oder zuviele, um diese zu finden, auf jeden Fall aber sind wir alle chronisch überfordert), es frisst unsere Zeit und optimiert uns bis zum Gehtnichtmehr, ja, dieses Internet ist ein wahrlich Wunderding.

Wenn ich mir anschaue, wieviele ach so schlaue Texte, Manifeste, Essays und Aufsätze zum Internet so erschienen sind, fällt mir etwas auf: die meisten davon sind kritisch-distanziert-gezwungen. “Ach, dieses Netz, es überfordert uns alle und mich sowieso, aber wir können ja nicht mehr ohne”, scheinen sie sagen zu wollen. Das ist, mit Verlaub, gequirlter Schrott.

Ich möchte nicht zurück in eine Zeit, in der ich triviale Informationen wie Telefonnummern in Büchern nachschlagen musste, in der ich nicht mehreren Menschen gleichzeitig eine Nachricht schriftlich zukommen lassen konnte, auf die auch wieder alle an alle antworten konnten, eine Zeit, in der nur Privilegierte überhaupt die theoretische Möglichkeit hatten, bei einer breiteren Öffentlichkeit Gehör zu finden. Natürlich ist nicht alles rosig im Zusammenhang mit dem Netz, natürlich ist nicht alles toll, was so eine Gesellschaft in ihrem Wandel produziert. Aber wenn sich in den Feuilletons die Verlorenen aus der Vergangenheit weinend an den Schultern liegen, möchte ich einfach nicht mehr zuhören. Früher war es nicht besser, nur anders. Als nach wie vor relativ junger Mensch würde ich sogar sagen: es ist vieles so schlecht gewesen, dass diejenigen, die über heute so sehr jammern, gestern schon ihr Können und Versagen gezeigt haben.

Und nun hab ich selbst wieder einmal Zeit und Gedanken in diesem Metaflauschsofa verbracht und mich darüber echauffiert, statt die Dinge anzugehen, die mir wichtiger sind als alter Männer wöchentliche Weinattacken. Mist. Naja. Viertelstunde verschwendet.

(Anlass für dieses Stück: der Herr Gelernter in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung)

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Guten Start

Mein früherer Kollege Christian Thorun hat in Bad Honnef ConPolicy - Institut für Verbraucherpolitik gegründet - da wünsche ich dann doch mal einen guten Start und drücke die Daumen!

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